20 Mai, 2018 Bürger-Parodien
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Wir sind hier: Rund um Bürger > Bürger-Parodien

An Agathe, An die Hoffnung, Das Blümchen Wunderhold, Das harte Mädchen, Das Lied vom braven Mann, Das Mädel, das ich meine, Der Bauer. An seinen durchl. Tyrannen, Der Bruder Graurock und die Pilgerin, Der große Mann, Der Kaiser und der Abt, Der kluge Held, Der Raubgraf, Der wilde Jäger, Des Pfarrers Tochter von Taubenhain, Des Schäfers Liebeswerbung, Die beiden Liebenden, Die Entführung, Die Kuh, Die Weiber von Weinsberg, Frau Schnips, Herr Bacchus, Hummellied, Lenardo und Blandine, Lenore, Liebeszauber, Macbeth, Männerkeuschheit, Mollys Wert, Münchhausen, Prinzessin Europa, Spinnerlied
     Die links verweisen auf die linke Navigationsleiste, dort sind die einzelnen Werke anwählbar

Lenore

1775 Der untreue Knabe
1781 Chines. Schattenspiel
1796
Lenoré           
1797 Miss Kitty        
1800 Schattenspiel Weimar
1801
The Maid of the Moor
1804 P-p. Construction 
1804 Imitation of "Lenora"
1808 Lenore Wunderhorn
1812 Charade       
1829 Die Male      
1829 Herr Holtei fuhr um's 
1833 Lenore Abendroth  
1834 Sourel        
1836 Napoleons Zug
1836 Die Fahrt Brigittenau
1839 Die Gallopade    
1839 Gregorius fuhr ums
1841 Der Schriftsteller  
1847 The new Leonora 
1849 Brighton Leonora 
1849 Amstels Leonora     
1850 Die neue Lenore      
1851 Der deutsche Kaiser  
1852 Megerle
1855 Die Leonore        
1855 Hans Daniel        
1856 Tannhäuser   
1857 Einlauf         
1857 Deklamiren muß sein
1859
Wochenkalender 
1861 Opfer blinder Liebe
1861 Die neue Lenore (Kl)
1861 Vom Lechthale  
1861 Fröschles Lenore 
1861 Erklärung Klassiker
1865 Leehssore    
1866 Entreelied    
1866 Minister-Conseil
1866 David und Itzig
1867 Deklamator Verlegenheit
1869 Breitmann in Maryland
1869 Schwindel
1869 Eine Konfiszirte
1870 Die Schlacht von Wörth
1870 Lean ´Nora     
1870 Frei nach Bürger
1870 Auch ein Künstler
1871 Frau Oesterreich 
1875 Kraut / Rüben-Gedicht
1875 Schauderöse Abenteuer
1886 Plonplon        
1895 Das neue Plätteisen   
1899 Englische Romanze   
1901 Balladen-Ragout
1993 Lenore hat es satt   
2004 Lenore Lene Voigt 


An Agathe

1773 Mit dem naß geleckten

An die Hoffnung

1812 Ode an dei Hoopnung

Das Blümchen Wunderhold

1806 Blümchen Immerschön
1818 Auch ein Blümchen

Das harte Mädchen

1820 Elegie Schneidermeister

Das Lied vom braven Mann
 
1838 Ein sch. deutsches Lied
1919 Lied vom Schutzmann
2004 ,s Lied vom braven M.

Das Mädel, das ich meine

1779 Die Hexe, die ich meine
1779 Ausforderung an B.
1779 Mädel das ich minne
1780 Wer hat die Arsback
1818 Carabus

Der Bauer. An seinen
  durchl. Tyrannen
.

2009
  Caroline
      Anna
      Werner
      Johanna
      Bastian

Der Bruder Graurock und die Pilgerin

1837
Linzer Nanni und Peppi

Der große Mann

1843 Glossen-Kranz

Der Kaiser und der Abt

1846 Chozef und der Row
1848 Aber
1859 Ein Mährchen
1922 Müller und der Bischof

Der kluge Held

1832
Kernounefieber

Der Raubgraf

1840
Das kleine Hexchen
1859 Graf Bärentatzenunke

Der wilde Jäger

1807 Mirth, with thee I mean
1839 Die blonde Sepherl

Des Pfarrers Tochter von Taubenhain

1792 
Schicksal des Junkers
1796 Stäudlin
1799 Bornschein
1829 Advocaten-Tochter
1833 Rittmeister
1834 Dietrich
1841 Des Pachters Tochter 
1846 Grafenschloss
1846 Die Pfarrose
1850 Rose von Taubenheim
1853 Volksdrama
1862 Schröter
1873 Wunderhorn
1909 Dreyer

Des Schäfers Liebes-
werbung

1799 Antwort der Schäferin
1806 Antwort auf [...]

Die beiden Liebenden

1850 Jeremiade Ehemanne

Die Entführung

1816 Berthold der Student

1822 Traurige Folgen
1832 Die Verführing
1838 Entführung Zeiselwagen
1841 Schneider Valentin
1853 Nachruf “Oberon”
1864 Geliehenes Pferd


Die Kuh

1841 Der Schuldner

Die Weiber von Weinsberg

1799 nach Ratschky
?    nach von Kotzebue
1831 Weiber von Winsperg
1834 Ische vun Weinsbargk
1840 Das Prädikat
1848 D´Wjwer von Weinsberg
2004 Weiwer von Weinsbärch

Frau Schnips

1848 Frau Surpf

Herr Bacchus

1774 Apollo ist braver Mann
1792 Vereinigung mit Apoll
1796 nach Bürger
1809 nach Blumauer
1811 nach Seume
1824 nach Woldemar
1825 Frau Venus

Hummellied

1826 Parodie von K

Lenardo und Blandine

1779 Lenardo u. Blandine
1783 Entwürfe Goez

1819 Leonhardtel u. Blondinel
1829 Ludwiga
1832 Hausknecht / Wäscherin

Liebeszauber

1841 Magentyranney

Macbeth

1800 Viel Monden sind
1820 Schmiert! Schmiert!

Männerkeuschheit

1782 Kastraten und Männer
1812 Dei Wörde det Manns

Mollys Wert

1814 Was sagt hierauf

Münchhausen

1839 Jägerlatein

Neue weltliche hoch- deutsche Reime...oder Prinzessin Europa

1837
Kunstreiter und Pferd

Spinnerlied

1780 n. Bürgers Spinnerlied
1833 Das Ganze
1855 Die Sau

Begriffe & Literatur
 


Gegenstück - Seitenstück - Antwort - Mittelstück - Imitation - Travestie - Altered from Bürger - Parodie auf

All das sind Teile der Titel von hier aufgeführten Werken. Es scheint schwierig zu sein, eine gemeinsame Überschrift zu finden. Allerdings bewegen wir uns vorzugsweise in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Da war die Sprachregelung erstaunlich klar.

Conversations-Lexikon oder kurzgefaßtes Handwörterbuch (1809-1811): Die Parodie, (a. d. Griech,) ein Gedicht; im weiten Sinne, überhaupt ein Werk des Geschmacks, das man nach einem andern bekannten Gedichte oder ähnlichen Werke macht, welches letztere man durch zweckmäßige Veränderungen auf einen andern Gegenstand anwendet, oder gleichsam in einen andern Ton setzt.

Herders Conversations-Lexikon (1854-1857): Parodie, griech.-deutsch, scherzhaftes Gedicht, wodurch ein bekanntes ernstes mit Beibehaltung der Form in das Lächerliche umgebildet wird, gehört also der Satire an (vergl. Travestie); auch die witzige, scherzhafte Erwiderung auf die ernste Rede eines Andern, theilweise mit dessen Worten.

Ein schönes Beispiel einer Parodie stammt aus Der Zeitgeist, 25. November. 1861:

Erklärung von Klassikern.

Knabe. Frau Slava fuhr um's Morgentodt -
      empor aus wachen Säumen -
      Ruthen bist untreu oder roth -
      wie lange wirst Du träumen? -
      Er war mit seines Bischofs Schlacht -
      gezogen in die Schmerlingmacht -
      und hatte nicht geblieben -
      ob er gesund geschrieben.
Professor (erklärend.) Das Ausbleiben des Briefes ist leicht erklärlich, die Ruthenen pflegen nämlich meist nicht schreiben zu können.

Manchem heutigen Zeitgenossen mag das etwas wirr erscheinen. Im 19. Jahrhundert gehörte jedoch Bürgers Lenore zu den bekanntesten Dichtungen überhaupt und das betraf wirklich alle Bevölkerungsschichten. Also war jedermann klar, dass es sich um eine, nennen wir es Verballhornung, radikale Umstellung der ersten Strophe der Lenore handelte. Das zeigt auch die wichtigste Voraussetzung, dass eine Parodie funktioniert, also als solche erkennbar wird: das zu parodierende Objekt muss allgemein bekannt sein.

Bisher gibt es keine umfassende Darstellung zu Parodien auf Bürgers Werk. Bezüglich der Lenore werden in der aktuellen Bürger-Gesamtausgabe von Häntzschel (1987) gerade einmal drei erwähnt, sein Verweis auf Goedekes Arbeit von 1916 bringt nur zwei weitere.

Problematisch ist die Abgrenzung, wenn man die Definition des Conversations-Lexikon (1809-1811) zugrunde legt. Was ist mit Übersetzungen? Eine sehr gute Übersetzung wird man kaum als Parodie bezeichnen können, allerdings sind gerade englische Übersetzungen nicht in jedem Falle überzeugend zu nennen. Da es aber von 1796 bis 1892 dreißig verschiedene Übersetzungen gab, beschränken wir uns auf die wenigen, die direkt als Parodien bezeichnet wurden.

Die Beschaffung geeigneten Materials von einem kleinen Dorf aus ist auch im Zeitalter des Internet nicht immer leicht, manchmal sogar unmöglich. Deshalb sei an dieser Stelle Herrn Helmut Scherer (Berlin) für seine Hilfe herzlich gedankt, ganz besonders für die Bereitstellung von Faksimile der prachtvollen Kupferstiche aus der Gedichtausgabe von 1789, der Arbeit von Schüddekopf “Ein Goethisches Lied” sowie mannigfache Literatur zum Thema Parodie. Darunter ist speziell zu nennen: “Dei Wörde det Manns”, ein Titel, der sich im Katalog der Berliner Staatsbibliothek als -Kriegsverlust möglich- findet, deshalb von mir nicht bestellt. H. Scherer bestellte und der Titel existiert. Die Überraschung ist perfekt, wenn man einen Blick in die Einleitung wirft. Dort ist u.a. zu lesen:

“Düsse Wunsch wärd nu nah-folgendermaaten in der Verposselung der beeden kräftigsten un gelesensten Bürgerschen Gedichte, üm sau leewer erfüllt; da Bürger sülwst, 1793, düssen Innfall.....” [Hervorhebung hinzugefügt]

Hier das vollständige Vorwort als Faksimile. 

Hier zur Transkription.

Die Hintergründe werden noch untersucht, jedenfalls ist nicht nur die “Männerwürde” verposselt worden, sondern auch “An die Hoffnung”. Dieses Beispiel zeigt, dass in den Bibliographien nicht immer die Arbeit mit dem Original üblich ist, sonst wäre das aufgefallen - so findet sich sowohl bei E. Consentius als auch bei G. und H. Häntzschel (um nur zwei Beispiele zu nennen) zwar “Dei Wörde det Manns”, nicht aber die “Ode an dei Hoopnung”.

Bürger selbst hat Parodieen über Werke anderer Autoren geschrieben, genannt seien
    - Schäm`dich nicht der Liebe zum Kammermädchen (eine seinem Freund Erich Biester gewidmete
                                        Horazparodie, die in den meisten Gedichtausgaben fehlt)
    - Neue weltliche hochdeutsche Reime [...] oder Prinzessin Europa (eine Travestie nach Ovid)
    - An Themire. Travestirt nach dem Horaz:

Schäm' dich nicht der Liebe zum Kammermädchen,
Erich Biester, rührte die rosenblütne
Bettmagd Briseis doch auch den erlauchten
                      Feldherrn AchilIes.

Schau' auf die Erzväter Abram, Jakob,
Welche Fintchen machten sie nicht, sich mit den
Zofen der Hausehren begeben zu dürfen !
                    Herrliche Zeiten!

Als die alten Saras den Wachsstock hielten,
Wenn die Herrn des Hauses an jüngern Dirnen,
Um den Tisch voll Kinder zu kriegen, Ihre
                   Kräfte versuchten !

Falsch vielleicht, Freund, wähnest du von den Ahnen
Deiner braunen, niedlIchen Miß Luise,
Glaubst du, daß aus niedrer Philster Lenden
                       Diese gekommen?

Ha! wer weiß es, ob sie nicht Fräulein hieße
Oder MamseIl? beichtete nur die Mutter.
Es verrät Ihr Adel, ihr Gang und ihre
                 Züchtige Miene.

Und ihr Anstand in dem beblümten, bunten
Kleinen, saubern Mäntelchen, ihre Unschuld,
Welch' allein noch, feuriges Ding, dich zähmet,
                 Besseren Ursprung.

Ach! wie lockt ihr Auge - ihr Mund - Ihr Busen -
Wade - Fuß? - Doch wähne von mir nichts Arges,
Den bereits unzählige Abenteuer
          Schlapper gemachet.

An Themiren
Travestiert nach dem Horaz

Ach, würden falsche Schwüre
Durch Zeichen an dir kund !
Verfärbte sich, Themire,
Dein frevelhafter Mund!

O, daß ein Zahn sich schwärzte,
Meineidige I daß nur
Ein Fingerchen dir schmerzte,
Das sich erhob zum Schwur!

So glaubt' ich, Götter hielten
Noch was auf Treu' und Pflicht,
Und falsche Mädchen spielten
Mit teuern Eiden nicht. -

Doch deinen Reiz erheben
Verbrechen nur noch mehr;
Und immer dichter schweben
Verehrer um dich her.

Frau Venus und ihr Völkchen
Läßt fünf gerade sein.
Von Unmut nicht ein Wölkchen
Hüllt ihre Stirnen ein.

Per Dio ! Was noch schlimmer,
Dein Flattersinn ergötzt
Den Schadenfroh, der immer
An heißen Pfeilen wetzt.

Daher in allen Schulen
Befiedert täglich sich
Ein Heer von jungen Buhlen,
Und insgesamt für dich.

Die kommen dann, und zollen
Dir Huldigung und Pflicht.
Die Alten aber trollen
Deswegen sich noch nicht.

Und Alt und Jung umschwärmet
Nun, wie behext, dein Haus.
Man baxet sich, man lärmet ...
Ach! wo will das hinaus? -

Dich scheut, des Söhnchens wegen,
Die zärtliche Mama;
Und, seines Beutels wegen,
Der geizige Papa.

Du ängstigst junge Frauen:
Es möchte deinen Wert
Ein Tröpfchen Gunst betauen,
Das ihnen zugehört.

 

Zusätzlich hat Bürger sein eigenes Werk parodiert, siehe die beiden Gedichte zu “Das Mädel das ich meine”.
Noch komplizierter wird es, wenn neben den Begriffen Parodie und Travestie die Begriffe Satire und Farce auftauchen, so in dem Buch “Prinz Seidenwurm, Satiren und Farcen des Sturm und Drangs”. Dort sind fünf Gedichte und vierzehn Epigramme Bürgers eingebunden.
Es erscheint deshalb sinnvoll, auf Arbeiten hinzuweisen, die sich mit diesen Begriffen z.T. aus literaturwissenschaftlicher Sicht befassen. Am Ende des Kapitels (nach den Bürger-”Parodieen”) werden deshalb Definitionen und Hinweise auf weiterführende Literatur gegeben. An einem kleinen Beispiel (der kürzesten Lenore-Parodie) soll jedoch schon auf einige Aspekte hingewiesen werden:
1. Wenn ein solches Werk nicht im Titel schon das Wort Parodie enthält, ist der Leser gefordert - wenn er das
   Original nicht kennt, wird er vielleicht keine Parodie erkennen.
2. Etwas Verstand wird auch benötigt, der Leser sollte erkennen, was parodiert wird, hier ist es vor allem die Länge
  des Originals.
3. Kuriose Verhältnisse können sich ergeben, wenn dem Leser (oder Zuschauer einer Oper) zuerst die Parodie
   und dann erst das Original bekannt ist.
4. Parodie ist oft ein geschicktes Spiel mit Wörtern, an unserem Beispiel besonders gut zu studieren:
  im Original bedeutet “fuhr aus ihren Träumen” aufwachen, nicht aber sich fortbewegen, “ums Morgenrot” ist zeitlich
  gemeint”. In der Parodie erfolgt eine doppelte Umdeutung: Lenore fährt um das Morgenrot herum, also Bewegung 
  und räumliche, nicht zeitliche, Veränderung.

Eine vermutlich unbeabsichtigte Parodie zu Bürgers Balladen erschien 1787 von Geiger im Salzburger Musenalmanach unter dem Titel "Mädchentreue oder Ritter Ferdinand". Der Herausgeber des Almanach verwahrt sich zwar 1788 gegen Vorwürfe des Rezensenten der ALZ von 1787, aber das Werk spricht für sich. In der Allgemeinen Literaturzeitung von August 1787, Sp. 494 ist zu Geigers Gedicht zu lesen:
      "Eine andere Ballade eben dieses Verf. (S. 141.) Mädchentreue, ist etwas besser; aber es ist auch ganz natürlich; denn bis zu halben Strophen ist sie wörtlich aus Bürgers Blandine, Entführung etc. zusammengeschrieben."

Mädchentreue oder Ritter Ferdinand. Eine Ballade. von Geiger. In: Salzburger Musenalmanach auf das Jahr 1787

Ich fuhr vor einem alten Schloß;
  Es war um die Mitternachtsstunde:
Da bebten, da sträubten sich bäumend die Roß,
  Da wauten so grausig die Hunde!
"Herr! sieht 'r den schwarzen Reuter dort
  Auf seinem weissen Schimmel?
So macht ers allen an diesem Ort.
  Gott gebe dir Ruhe im Himmel!"

      der vollständige Text

 

Ordnet man die folgenden Bearbeitungen Bürgerscher Gedichte nach der Intention der Autoren, kann man deutlich auch unterschiedliche Motivationen erkennen:
– dem Inhalt des Originals soll widersprochen werden (Männerkeuschheit)
– die Bekanntheit des Originals soll genutzt werden, um eine Botschaft zu transportieren (Napoleons Zug nach Rußland)
– die eigene Bedeutung soll gesteigert werden, indem möglichst viele bekannte Werke eines berühmten Autors parodiert
  werden (Die Fahrt nach der Brigittenau u.a.)
– die Lust am Spiel mit Worten am eigenen Werk (Die Hexe die ich meine)
– die Nutzung der Struktur des eigenen Werkes, um ein anderes Werk lächerlich zu machen (Wer hat die Arsback...)
- ein bekanntes Werk Bürgers wird umgearbeitet um den Stil eines anderen Schriftstellers parodieren zu können (Ratschky)
Für alle folgenden Werke kann jedoch Bürgers Epigramm als Motto dienen:


                Wenn dich die Lästerzunge sticht,
                So laß dir dies zum Troste sagen:
                Die schlechtesten Früchte sind es nicht,
                Woran die Wespen nagen

 

 

 

Lenore (1773)

   ...

   “Rapp´! Rapp´! Mich dünkt der Hahn schon ruft.
   Bald wird der Sand verrinnen
   Rapp´! Rapp´! Ich wittre Morgenluft
   Rapp´! Tummle dich von hinnen !
   Vollbracht, vollbracht ist unser Lauf !
   Das Hochzeitbette thut sich auf !
   Die Todten reiten schnelle !
   Wir sind, wir sind zur Stelle.”

   Rasch auf ein eisern Gitterthor
   Ging´s mit verhängtem Zügel.
   Mit schwanker Gert´ein Schlag davor
   Zersprengte Schloß und Riegel.
   Die Flügel flogen klirrend auf,
   Und über Gräber ging der Lauf.
   Es blinkten Leichensteine
   Rund um im Mondenscheine.

    ...

   

Gedichte von Gottfried August Bürger. Zweyter Theil. Mit Kupfern. Göttingen bey Johann Christian Dieterich 1789. Stich von Daniel Chodowiecki

 

Die Kurzfassung:

Lenore fuhr ums Morgenrot
und als sie rum war
war sie tot.

 

Der untreue Knabe von Johann Wolfgang von Goethe.

Dieses Gedicht bezeichnet Heinrich Düntzer als Gegenstück zu Bürgers Lenore. Viktor Hehn zieht in seinen Gedanken über Goethe einen drastischen Vergleich zwischen diesem Goethe-Gedicht und Bürgers Lenore: "Ja, bis auf den heutigen Tag ist von der Schulzeit her die Lenore in Jedermanns Munde, von dem untreuen Knaben aber wissen nur die Kenner, deren Zahl nicht groß ist. Aber wie wenig zuständig ist auch hier das Gericht des Publikums, die Stimme der Menge! Wie wenig ist Popularität ein Kriterium des Aechten! Die Lenore trägt alle Fehler der Bürger'schen Dichtweise an sich und ist weder in Erfindung noch in Behandlung ein Meisterstück."

Es war ein Knabe frech genug,
War erst aus Frankreich kommen,
Der hatt' ein armes Mädel jung
Gar oft in Arm genommen,
Und liebgekos't und liebgeherzt,
Als Bräutigam herumgescherzt,
Und endlich sie verlassen.
      [...]
Auf einmal steht er hoch im Saal,
Sieht sitzen hundert Gäste,
Hohläugig grinsen allzumahl
Und winken ihm zum Feste.
Er sieht sein Schätzel unten an,
Mit weissen Tüchern angethan,
Die wend't sich -

      der vollständige Text  

 

Bürgers Leonore von André in Musik gesezt und in Chinesischem Schattenspiel aufgeführt von der Fräulein von B*** zu Regensburg 1781

Herrn Bürgers leibliches Kind, und Herrn André's Pflegetochter, Leonore, hat zu Regensburg die lezte Erziehung erhalten, da sie von der Fräulein von B. im Chinesischen Schattenspiel, nach ihrer eignen Erfindung und Ausarbeitung mit Musik gegeben worden ist. Dieses Spektakel, da Schatten wirklich redend und handelnd in einer gewissen Ordnung aufgeführt werden, ist wohl das erste in seiner Art: eine nähere Beschreibung desselben dürfte also Leonorens Freunden nicht unangenehm seyn.
       [...]

     der vollständige Text 

 

Lenoré von John Halket. Unveröffentlichte Parodie auf Bürgers Lenore. Handschrift in der Göttinger Universitätsbibliothek.
                     Katalogverzeichnis Nr.2° Cod. Ms. philol.

Translated from the German
      of
Gottfried Augustus Bürger
      by
      I. H.

At 1/2 past XI o'clock,
   (Like other young Ladies of fashion)
Lenoré, in nightcap, and smock,
   Popp'd out of her bed in a passion.

First ringing the bell for her Maid,
   To scold her without rhyme or reason,
"Is the dear man not come yet?" she said,
   "Though now 'tis so late in the season?"

              [...]

And You Single Spinsters so gay,
   If you wish to be thought to act right,
And to gain each a Husband by Day,
   You must not ride double by Night.


89 Strophen mit zwei farbigen Abbildungen. Ausführliche Besprechung der Parodie in G. A. Bürgers Ballade Lenore in England von Evelyn B. Jolles, Regensburg 1974, S. 160f.

 

Miss Kitty: a Parody, on Lenora; a Ballad, Translated from the German. 1797. Digitalisiert von Google.

 AWAKE all night, Miss Kitty toss´d,
  Unconscious of the down:
"My BELMONT, art thou kill´d, she said,
  - Or, art thou not in town?"

    der vollständige Text.

 

Lenore als Schattenspiel im Jahr 1800 in Weimar.

Prolog zur Lenore,
welche in Weimar im Jahr 1800 als Schattenspiel vorgestellt wurde, gedichtet *) von Kotzebue.

Hoch gepriesene Damen und Herrn,
Die Schale, wie Sie wissen, ist nicht der Kern.
Es möchte cheinen ein Schattenspiel
Solle bedeuten für Kinder und Weise nicht viel.
             [...]

         der vollständige Text

*) für einen kleinen Privatzirkel, im Augenblicke, als sich die darstellenden Personen in der Garderobe zur Vorstellung ankleideten.

 

The Maid of the Moor, or The Water Fiends von George Colman

     Frederick H. Wilkens im Kapitel German Poetry (Early Influence of German Literature in America, New York, London, Berlin 1900) schreibt: "The popularity, in England, of Bürger's ballad Lenore is well known. The English translations of this ballad, ´the best ballad of the century,´ were undoubtedly imported into America, like all the various products of the British press. Its moderate size also made it suitable for reprinting in the periodical press and it was, we may presume, reprinted in that way.2
[...] Parodies of the German ballad style also found their way into the periodical press. The Philadelphia Repository and Weekly 
      Register for 1800-1801, Vol. 1,p. 328, reprints a burlesque of the German ballads (it "appeared in The Dessert to the True American two and a half years ago") beginning :


              ´Cold blows the blast; -the night's obscure.
                   The mansion's crazy wainscots crack:
              the Sun had sunk: and all the moor,
                   Like every other moor was black."

         der vollständige Text in Tales of Wonder, Vol. II, London 1801

         Eine Rezension darüber findet man in The Critical Review, March 1798

 

Poetisch-prophetische Construction der Geschichte der Kantischen Philosophie, nebst einem
geschwänzten Sonette, und einer neuesten Epoche in der deutschen Poesie.
Eingesandt aus Jena.

Dieses ganz merkwürdige literarische Erzeugnis ist zu finden in: Neues Museum der Philosophie und Literatur, 1804 S.163-170
Ein Auszug:

Ausführlich beschreibt nunmehr der Poet das populare Drängen und das sentimentale Jauchzen des Volkes der Platten in jener Periode.
   Ach! aber für Lenoren
   War Gruß und Kuß verloren.
Die Philosophie fand ihren Mann nicht. Und Kant ließ noch immer nichts von sich hören.
Der Poet mahlt hierauf die verzweiflungsvolle Situation der Philosophie.
   Als nun der Zug vorüber war,
   Zerzauste sie ihr Rabenhaar,...
Dieses Gemählde konnte nicht schicklicher ausgeführt werden, als durch die Unterhaltung der Philosophie mit ihrer
M u t t e r, nämlich der V e r n u n f t.
   Die Mutter lief wohl hin zu ihr.
   Ach ! daß sich Gott erbarme !

       der vollständige faksimilierte Text mit dem geschwänzten Sonette

 

The Observer. No. VI. Imitation of Burger's "Lenora". In: The Poetical Magazine, London 1804

     At Whitsuntyde, with gloomy thoughts,
        Poor Mary struggled sore;
     "My William, art thou slaine," said she,
        "On Egypt's fatal shore ?"

    He went abroade, with many moe,
       The Gallic foe to quell,
    But he no word to her had writ,
       An he were sick or well.

    der vollständige Text im The Poetical Magazine

 

Lenore. (Bürger hörte dieses Lied Nachts in einem Nebenzimmer.) In: Des Knaben Wunderhorn, Zweyter Band, Heidelberg.    Über den Zusammenhang mit Bürgers Gedicht siehe Frau Auguste Pattberg, von Reinhold Steig 1896.

Es stehn die Stern am Himmel,
Es scheint der Mond so hell,
Die Todten reiten schnell:
        [...]

   der vollständige Text
 

 

472. Charade von Anonym. In: Deutsches Räthselbuch, Erster Band, Halle und Berlin 1812.

Lenore fuhr ums Morgenroth
Empor aus schweren Träumen.
´Ach Gott! Geliebter! du bist todt!
Ich sah in höhern Räumen
Dein bleiches Bild durch Nebelflor
Wehmüthig nach mir blicken,
Und tief aus wunder Brust hervor
Gepreßte Seufzer schicken.

   der vollständige Text

 

Die Male (Amalie) von C.W.Peschel. In: Schlesischer Musen-Almanach. 1829. (Sammlung Helmut Scherer)

Die Male sprach: - ums Morgenroth
Erwacht aus schweren Träumen -
“Zehn Freunde gehn wohl auf ein Loth,
Noch immer thut er säumen!
Ich meinte doch: in einer Nacht
Wär fertig solch ein Rock gemacht,
Ich hatt´s ihm ja geschrieben,
Und er - ist ausgeblieben.”

    der vollständige Text.

 

Herr Holtei fuhr um's Morgenroth. In: Didaskalia, 7. Juli. 1829

Herr Holtei fuhr um's Morgenroth
  Empor aus Dichterträumen,
Zum Drama konnt' er Wilhelms Tod
  Zu bilden nicht versäumen:
Er bot auf seine ganze Macht,
Dem besseren Geschmack der Schlacht
  Zu liefern, ward geschrieben.
  Wär' er zu Haus geblieben!

 

Lenore fuhr ums Abendroth von Moritz Gottlieb Saphir. In: Der Bazar für München und Bayern, 18. Oktober 1833

Lenore fuhr ums Abendroth
Empor aus dem Theater,
Ich litt' als hätt' ich schwere Noth,
Und gähnte wie ein Kater;
Hätt Friedrich einst statt aller Macht
In jener großen Prager Schlacht
Ein solches Stück geschrieben,
Es wär kein Feind geblieben!

Der Bürger und die Bürgerin
Sie machten mich bald müde,
Ich warf mich auf den Sperrsitz hin
Und schlummerte voll Friede.
Und als gar kam der Sing und Sang,
Da wartete kein Mensch mehr lang,
Es sogen sich die Weisern
Zurück zu ihren Häusern!

 

Sourel. Parodie von Bürgers Leonore, im jüdischen Dialekte, wie er am Rhein gesprochen wird. In: Gemeinnütziger und erheiternder Haus-Kalender 1834

Die Sourel faeihrt um´s Morjerouth
Uff ahnmoul uff aus Traeume:
“Nu Itzig lieb, sag bist du toudt,
Sag, wie lang willst de saeume ?” - -
Der Itzig, mit Napoliouns Macht
Marschirt uff Rußland in der Schlacht,
Hot noch kahn Wort geschriebe,
Oeb er gesund geliebe.

     der vollständige Text
 

Napoleons Zug nach Russland. In: Ein hundert deutsche historische Volkslieder. Hg. Fr. Leonard von Soltau Leipzig 1836

Napoleon fuhr ums Morgenrot
Empor aus schweren Träumen -
Ach, alles hin, ach, alles tot,
Jetzt muß ich Deutschland räumen!
Er war mit seiner ganzen Macht
Gen Rußland zogen in die Schlacht,
Man hatte oft geschrieben,
Daß er gesund geblieben.

       der vollständige Text

 

Die Fahrt nach der Brigittenau. In:Ein Beitrag zur heiteren Deklamation, Im Verlage bei Franz Wimmer, 
 Wien 1834 - 1839

D` Lenorl fuhr ums Abendroth
Empor aus düstern Träumen ;
“Wo bleibt mein Jörgerl ? - Schwerenoth,
Wie lang wird er noch säumen ?
Er ging als Aufhackknecht ins Gay ,
Und schwur bey seiner Lieb´ und Treu
Zum Kirchtag mich zu führen ,
Und dort recht zu traktiren !”

       der vollständige faksimilierte Text mit Original

 

Die Gallopade von Ulrich von Destouches. In: Erzählungen und Gedichte. München 1839. Digitalisiert von Google

   Die Lenerl fuhr am Faschingstag
Empor von ihrem Sitze:
"Wo nur der Krispin bleiben mag,
Der bringt mich noch in Hitze!" —
Denn da er zu der Gallopad'
Sie lang schon engagiret hat,
So war ihr angst und bange,
Blieb er doch gar so lange! —

   der vollständige Text

 

Gregorius fuhr ums Morgenroth von Theodor Echtermeyer und Arnold Ruge in Der Protestantismus und die Romantik.

Gregorius fuhr ums Morgenroth
Empor aus schweren Träumen:
Bist untreu, Wilhelm? o der Noth! -
Da schrieb er ohne Säumen:
Was immer er geschrieben,
Er sei sich treu geblieben.
 
   die vollständige Quelle          

 

 

Der Schriftsteller. Von W. v. A. In: Das Buch deutscher Parodieen und Travestieen, Zweiter Cyclus, Erlangen 1841

Es fuhr Herr Carl um´s Morgenroth
Empor aus schweren Träumen:
“Du bist ein großer Schlagetodt,
Wie lange willst du säumen ?
Du schreibst so gut, wie Göth´und Tieck;
So setz´dich hin, schreib die Kritik
Von Bürgers Leonore,
Das macht gewiß Furore !”

     der vollständige Text

 

The New Leonora (Altered from Bürger). In: Punch, Vol. XII London

Punchs Poems of Parliament

The New Leonora (Altered from Bürger)

The County-Member rose from dreams
  Of Peel und base defection:-
"Art lost, or liv'st in STANLEY'S schemes,
  My own, my loved Protection?"
The cause hab suffered in the fight,
Where Peel with COBDEN joined and BRIGHT;
But there was an impression
'Twould rise again this Session.

  der vollständige Text

 

The Bürger and Brighton Leonora, or Romance versus railway: dedicated by permission to all desperate daughters - by I.W. Warre Tyndale; illustrated by K.A. Drake.  Digitalisiert von Google.

LENORA from her dreamy bed
  Awoke at rosy break of day:
“Oh, William, art thou false or dead,
  Why tarry thus so long away?”
With Frederic´s royal train and might
He went to Prague´s protracted fight,
And ne´er had tidings sent to tell
If still he lived, if all were well.

     der vollständige Text mit vielen Illustrationen.

 

Bürgers en Amstels Leonora: een spoorweg romance, opgedragen aan alle wanhopig dochters
het Engelsch van J.W. Warre Tyndale vrij gevolgd door W.J. van Zeggelen. Digitalisiert von Google.

    Rezensionen von 1849 und 1850 zu dieser Parodie in der ONLINE-BIBLIOTHEK

Naauw lichtte in ´t Oost de dageraad,
  Toen LENORE ontwaakte,
En met de smart op ´t schoon gelaat
  Een zucht van weemoed slaakte.
“Ach, WILHELM! ach wanneer misschien
Zal ´k u gelukkig wederzien ?
Of moest, bij ´t dolend zwerven,
Ge op vreemden bodem sterven?”

     der vollständige Text mit mehreren Illustrationen.

 

Die neue Lenore. In: Isis. Zeitschrift für Unterhaltung und sociales Leben, 28. Juli 1850
                      Erstmals veröffentlicht in Leuchtkugeln, 1850, S. 55

Die neue Lenore.

Rapp'! Rapp'! Mich dünkt, der Hahn schon ruft ...
Bald wird der Sand verrinnen,
Rapp'! Rapp'! Ich wittre Morgenluft ...
Rapp'! Tummle dich von hinnen! -
Vollbracht, vollbracht ist dieser Lauf!
Das Hochzeitbette thut sich auf.
Die Todten reiten schnelle!
Wir sind, wir sind zur Stelle.

Rasch auf die Revolution
Ging's mit verhängtem Zügel.
Ein leichter Schlag zersprengte schon
Den Hecker, Struv' und Siegel.
Die Bayonnette klirrten auf,
Und über Gräber ging der Lauf.
Es blinkten Leichensteine
Ringsum im Mondenscheine.

   der vollständige Text

 

Der deutsche Kaiser, von Louise Dittmar. In: Der Wiener Postillon, 1851, S. 165-167

Der Deutsche fuhr um’s Morgenroth
Empor aus schweren Träumen;
“Bist untreu, Freiheit, oder todt,
Wie lange willst Du säumen?”
Die Freiheit, nach der Herrmannsschlacht,
Gezogen in die dunkle Nacht,
Sie hatte nicht geschrieben,
Wo sie seitdem geblieben.

  der vollständige Text

 

Die Megerle von Moritz Gottlieb Saphir: Rezension "William Shakespeare," nach einer Novelle von Rödiger, von Th. Megerle. In: Humorist, 22. October 1852

Die Megerle fuhr um's Morgenroth
Empor aus schweren Träumen,
Bist fertig, Wilhelm? schwere Noth!
Wie lange willst Du säumen?
Er soll mit der Costumenpracht
Ausfüllen eine Schauspielnacht,
Doch ist er nicht geblieben,
Wie der Rödiger geschrieben!

 

 

Die Leonore. In: Der Anecdotenjäger. Zeitschrift für das lustige Deutschland. Zehnter Band. Nordhausen 1854 u. 1855.  Digitalisiert von Google

„Kraut, Liebchen, auch!" sagte mein Vater und schob die Platte mit Sauerkraut meiner Mutter zu. Es war nämlich Sonntag Mittag, und das schwäbische Lieblingsgericht stand auf dem Tische. Der mütterliche Magen konnte zeitweise kein Sauerkraut vertragen und ward alsdann mit Blutwurst und geräuchertem Schweinefleisch entschädigt, weshalb Papa für nöthig hielt, auf den Inhalt der Platte aufmerksam zu machen mit den Worten:
        „Kraut, Liebchen, auch!"
„Der Mond scheint hell!" sagte ich halblaut vor mich hin, obgleich eigentlich die Sonne schien. Papa sah mich mit freudestrahlenlen Augen an, Mama aber ließ Messer und Gabel fallen, maß erst mich, dann Papa'n mit Zornesblicken und fuhr auf: „So muß auch noch der Bube das närrische Zeug auffangen! Ist aber auch kein Wunder, denn man hört kein gescheidtes Wort mehr von Dir. Wenn mir nur das Sappermentsbuch nicht ins Haus gekommen wäre!"
        „O Mutter, Mutter, was mich brennt,
        Das lindert mir kein Sakrament!"
sagte ich, und blies mit beiden Backen auf den heißen Inhalt meines Tellers. Hätte Papa mich nicht in Schutz genommen, so wäre ich mit meiner poetischen Reminiscenz übel gefahren.

    der vollständige Text

 

Hans Daniel fuhr ums Morgenroth von Anonym. In: Kladderadatsch, 21. October. 1855

    "Rapp'! Rapp'! ich wittre Morgenluft!"
    Hans Daniel fuhr ums Morgenroth
    Mit schrecklichem Gerassel -
    Es war für ihn kein Butterbrot -
    Zum letzten Mal durch Cassel!
    Zu Ende war's mit seiner Macht;
    Es hatte noch in später Nacht
    Sein Brotherr ihm geschrieben,
    Daß er's zu arg getrieben!

    Und überall, all' überall
    Auf Wegen und auf Stegen,
    Zog Alt und Jung dem Jubelschall
    Der Freudenpost entgegen.
    Gottlob! - rief Bräutigam und Braut -
    Gottlob! rief Kind und Gattin laut,
    Und Jubel ohn' Ermessen
    War in dem Lande Hessen!

    Und rasch nach rechts und rasch nach links,
    Durch Dörfer, Städt’ und Flecken,
    Durch alle Deutschen Gauen rings
    That sich der Ruf erstrecken:
    "Geduld, Geduld! Wenn's Herz auch bricht!
    Nur stets Geduld und hadert nicht!
    Hans Daniels sind wir ledig!
    Gott sei - dem Lande gnädig
    !"
     

 

Pilger- und Jägerchor von Hermann Wollheim. In: Tannhäuser oder: Die Keilerei auf der Wartburg, Hoyerswerda. 1856

       (Pilger und Jägerchor bringen zwei Bahren).
       Morgenroth, Morgenroth!
       Du Latern' zum frühen Tod.
       Ach um sich vor vielen Jahren
       Ist Lenore 'rumgefahren
       In der Droschke des Vereins.
       Kaum gedacht, kaum gedacht,
       Sollst du werden Todesnacht.
       Gestern roth und heut erblassend
       Ach das find ich gar nicht passend
       Von ein junges Liebespaar.

 

Einlauf. In: Nürnberger Beobachter 6. August 1857

Hübsch Gretchen fuhr ums Morgenroth
  Empor aus schweren Träumen:
Bist untreu, Wilhelm! oder todt,
  Wie lange willst Du säumen? -
  Der polizeiliche Beschluß,
  Hat ihm gemacht zwar viel Verdruß,
   Doch hat er oft geschrieben,
   Daß er gesund geblieben.

  der vollständige Text

 

Das Deklamiren muß sein. In: Telegraf vom 6. August 1857

deklamiren_muss_sein_1857

 

 

Wochenkalender von Anonym. In: Kladderadatsch, 17. Juli 1859

       Montag, den 18. Juli.
    Italien fährt ums Morgenroth
    Empor aus blut'gen Träumen:
    Wo bist du Freiheit? Schwere Noth!
    Wie lange willst du säumen?

       Dienstag, den 19. Juli.
    Der Kaiser schreibt der Kaiserin:
    ´Des blutigen Haders müde,
    Erweichten wir den harten Sinn -
    Geschlossen ist der Friede

       Mittwoch, den 20. Juli.
    ´Gottlob!´ ruft Kind und Gattin laut,
    ´Willkommen!´ manche frohe Braut,
    Doch denkt auch Der und Jener
    Der armen Italiäner:

        Donnerstag, den 21. Juli.
    ´Du arme Freiheit, lisch nur aus!
    Stirb hin, stirb hin in Nacht und Graus!
    Für uns ist kein Erbarmen -
    O weh, o weh uns Armen!

        Freitag, den 22. Juli.
    Komm, Pfaffe, her mit deinem Chor
    Und gurgle ihr das Sterbelied vor!
    Komm her und sprich den Segen,
    Eh' sie ins Grab sie legen!´

         Sonnabend, den 23. Juli.
    Geduld, Geduld, wenn's Herz auch bricht!
    Mit der Geschichte hadert nicht!
    Des Einen seid ihr ledig;
    Gott sei dem Andern gnädig!
                Kladderadatsch

 

Leonore, das Opfer blinder Liebe. Eine Geschichte aus Preußens großen Königs Friedrich II. Helden- und Waffenthaten. Nebst dem Liede: Lenore fuhr um's Morgenroth.

Wilhelm war der einzige Sohn eines alten biedern Landedelmannes, Namens Strahlberg in Pommern. Als sich im Jahre 1756 Preußen zum Kriege rüstete, hätte Wilhelms Vater, der früher unter den Fahnen des alten Friedrich II. gedient hatte, gerne den Feldzug noch einmal mitgemacht, allein seine geschwächte Gesundheit und hohes Alter gestatteten ihm dies nicht.
   [...]

   der vollständige Text

 

Die neue Lenore. In: Kladderadatsch 26. Mai 1861

Borussia fuhr ums Morgenroth
Empor aus schweren Träumen:
"Bin ich mir untreu oder todt?
Wie lang' noch will ich säumen?
Noch hab ich durch moral'sche Macht
Erobert nichts
, wie man gedacht
Und wie man oft geschrieben -
Ach, wo bin ich geblieben.

  der vollständige Text

 

Vom Lechthale. Ein Echo von den Bergen in zwangslosen Reimen auf das Halloh der Freimaurerblätter bei Gelegenheit der Treibjagd gegen die glaubenstreuen Tiroler. In: Tiroler Stimmen, 7. September 1861

     Die Presse fuhr ums Morgenroth
       Empor aus schweren Träumen:
     "Ist Alles untreu, oder todt?
       Wie lange wird man säumen!
     Noch immer agitiert Tirol,
     Daß es doch der Schwarze hohl
     Sammt seinem Felsenneste!
     Das wär' das Allerbeste.

     der vollständige Text in Beilage zu den "Tiroler Stimmen" No. 129 

 

Meister Fröschle's Illustrationen zu Bürger's Lenore . In: Fliegende Blätter, Nr. 815

lenore_froeschle_parodie

 

 

Wiener Eulenspiegel. In: Der Zeitgeist, 25. November. 1861

9. Erklärung von Klassikern.

Knabe. Frau Slava fuhr um's Morgentodt -
      empor aus wachen Säumen -
      Ruthen bist untreu oder roth -
      wie lange wirst Du träumen? -
      Er war mit seines Bischofs Schlacht -
      gezogen in die Schmerlingmacht -
      und hatte nicht geblieben -
      ob er gesund geschrieben.
Professor (erklärend.) Das Ausbleiben des Briefes ist leicht erklärlich, die Ruthenen pflegen nämlich meist nicht schreiben zu können.

 

 

Leehßore, Travestie nach Bürger's "Lenore."
        Vom Verfasser des "Gütsteher." [d.i. Reb Gedaljeh Pinkeltroger]
        Wien, Herzfeld & Bauer. 1865

Leehßore wahnt sich de Agen roith
Uen höert nit auf zü schreie:
"Is Wolfele plete oder toidt?
Oder thüt er's gor bereue?"
Mit Maier, Feiwel, ün Jekewbär
Is er fort zün Schier, zün Rebbe Reb Mär;
Oder noch nie hot er geschrieben
Uem Leberlech oder Grieben.

      der vollständige Text

 

Entreelied, von Henrion, Poly [Kohlenegg]; Musik Carl Millöcker. Sachsen in Oesterreich.
             Komisches Grenzbild mit Gesang, Wien. 1866

    Aurora fuhr ums Morgenroth!
    Bist, Theurer, untreu oder todt?
    Wie lang wirst Du noch säumen?
    Er hat mir nicht geschrieben,
    Ob er is todt geblieben.
    Was nützt mich all' mein Träumen!
    Ich weiß nix von mein Schatz,
    Ach! am End' g'hört er gar schon der Katz!

 

Minister-Conseil. In Figaro, 10. November. 1866

Minister-Conseil

Belcredi fuhr um's Morgenroth
Empor aus wirren Träumen:
Jetzt geht wieder an die schwere Noth!
Wir dürfen nichts versäumen.
Doch reiten wir nicht hopp, hopp, hopp,
Sofort im sausenden Galopp,
Auch wollen wir nicht trottiren,
Nur sachte das Rößlein führen."

     der vollständige Text

 

David und Itzig. In: Politisch-humoristisch-satyrisches Universal-Lexikon, 15. Jänner 1866

Kühranda fuhr um's Morgenroth
Empor aus schweren Träumen.
"Bist untreu David? oder todt?
Wie lange willst du säumen?
Du zogst mit deines Troßes Macht
Nach Prag, zu schlagen manche Schlacht
Und hast mir nicht geschrieben,
Ob du gesünd geblieben."

     der vollständige Text

 

 

Der Deklamator in Verlegenheit, von Karl Zwerens. In: Der flotte Geist, Wien. 1. Februar  1867

    Zum Ich möchte gern was deklamiren,
    Man macht sich ja dadurch beliebt,
    Nur kann man auch dabei riskiren,
    Daß es Verlegenheiten gibt.
    Die Wahl des Stoffes ist entscheidend,
    Zuhörer gibt's verschied'ner Art,
    Was für den Einen ist zu schneidend,
    Dem Andern scheint es viel zu zart;
    Ein Dritter will nur Großes hören,
    Dem Vierten Kleines nur gefällt
    Und Alle, Alle stets begehren
    Was Neues! - Gibt's das auf der Welt?
    Ist denn nicht Alles alt geworden?
    Hat nicht das Gute immer Werth?
    So will ich denn von da und dorten,
    Nur Altes kochen an dem Herd:
    So ein Ragout vom Zeitenschmause,
    Aus Wohlbekanntem bunt gemischt,
    Das sei zum gütigen Applause
    Deklamatorisch aufgetischt. - -
    Man kennt, was Bürger hat geschrieben:
    ´Lenore fuhr um's Morgenroth´ -
    Da bin ich stecken schon geblieben.
    Wie helf ich mir aus dieser Noth?
    Ich muß auf Bürger's Rechnung reimen:
    Lenore fuhr um's Morgenroth,
    Empor aus sehr verliebten Träumen,
    ´Bist untreu Wilhelm, oder todt?´
    Sie hat um ihn geseufzt bei Nacht,
    Was hat indessen er gemacht?
    Sie muß es wissen auf der Stelle,
    Und ´hurre! hurre! hop, hop, hop!´
    Da springt sie schon an seiner Schwelle
    Aus dem Fiaker im Galopp.
    ´Rasch auf ein eisern' Gitterthor,
    Geht's mit verhängtem Zügel

    Es kommt ihr was verdächtig vor,
    Sie sprengt der Thüre Riegel:
    Da sitzt er in dem Kanapé
    Und bei ihm eine and're Fee!
    Der Zweifel ist sie ledig,
    Gott sei dem armen Teufel gnädig! - -
    ´Die Tochter des Pfarrers von Taubenhain
    War unschuldsvoll, wie ein Täubchen´ -
    Da fällt mir schon wieder nichts weiter ein,
    - Ja, ´zu enge ward ihr das Leibchen
    Ein Lump war der Ritter von Falkenstein,
    Hat sie doch nicht genommen zum Weibchen -
     

     

Breitmann in Maryland von Charles G. Leland. In: Hans Breitmann's Barty and other Ballads, London 1869

B. F. schreibt in Our Monthly Gossip (Lippincott's Magazine, April 1869):
“[S. 457] The article in the Spectator is one of the best, as the reviewer has most thoroughly appreciated and fully understood the exquisite humor with which the author, in the true Teutonic style, mixes up sentiment with sausages, Limburg cheese with literary aspirations, and much beer with Moral Ideas. It is singular, however, that not one of the critics should have discovered the subtle vein of parody which runs through the volume. Not only are several stanzas of Bürger's ´Lenore´ travestied in ´Breitmann in Maryland´ but the ballad of ´The Father and the Son´ is a close parody of ´Das Hildebrandt's Lied´ in Das Heldenbuch; [...].”

DER BREITMANN mit his gompany,
Rode out in Marylandt.
'Dere's nix to trink in dis countrie ;
Mine droat 's as dry as sand.
It 's light canteen und haversack,
I 's hoonger mixed mit doorst ;
Und if ve had some lager-peer
I 'd trink oontil I boorst.
Gling, glang, gloria !
Ve 'd trink oontil ve boorst.
      [...]

   der vollständige Text

 

Schwindel, nichts als Schwindel. In: Der Zeitgeist, 10. Mai, 1869

           [...]
Aktien, das ist das große Losungswort des Tages, nur Aktien! und man gründet darauf los,
 als ob die Welt fürderhin nur aus lauter Gründern, Verwaltungsräthen und Direktoren
bestehen sollte -

     Und hurrah, hurrah, hopp, hopp, hopp,
     Geh't's fort im sausenden Galopp,
     Daß Volk und Gründer schnoben
     Und Aktienfetzen stoben,

und auch die Gefahr, die ganze Börsen-Gallopins-Bande mir zu bitterbösen Feinden zu machen,
 möchte ich einen zweiten Passus der famosen Bürger'schen Ballade, in moderner
Uebertragung zum Besten geben, der da lautet:
    "Und an der Börse Spindel
     Da tanzt ein lustiges Gesindel."
          [...]

    der vollständige Text

 

Eine Konfiszirte. In: Der Floh, 19. Dezember 1869

Elias fuhr ums Morgenroth
Empor aus schweren Träumen -

   der vollständige Beitrag  


Diese Parodie hatte ein gerichtliches Nachspiel, wie die Berliner Gerichts Zeitung vom 10. März 1870 berichtet:
"Auswärtiges.
Wien, 5. März. Ein Scandalproceß der stärksten Art kam an den Tagen Freitag und Sonnabend v. W. vor dem hiesigen Schwurgericht zur Verhandlung. Der Angeklagte ist der verantwortliche Redacteur des hierselbst erscheinenden Witzblattes ´Floh´, Carl Floch. Er wird beschuldigt, durch verschiedene, in seinem Blatte veröffentlichte Artikel, die am Carltheater engagirte
Schauspielerin, Fräulein Hermine Meyerhoff theils bildlich, theils wörtlich in der ehrenrührigsten Weise beleidigt zu haben.
        [...]
Der Gerichtshof verurteilt den Angeklagten zu einem Monat Arrest und zu 60 Gulden Cautionsverlust, ferner zur Veröffentlichung des Urtheils an der Spitze seines Blattes und zur Tragung der Kosten.”
 

 

 

Die Schlacht von Wörth. Ballade von Gottfried August Bürger. In: Immortellen des Schlachtfeldes von Wilhelm von Plönnies 1870.

Im schönen Land am Oberrhein
Da hat sich´s zugetragen:
Drei feine deutsche Mägdelein
Die sah ich steh´n und klagen.
Du liebliche Markgräflerin,
Wo ist dein helles Lachen hin?
Wo sind der Schwäbin Scherze?
Was bricht der Bai´rin Herze?

     der vollständige Text.

 

LEAN ´NORA:Supernatural, though Sub-pathetic BALLAD. A Good Long Way (almost Ninety-Seven years) AFTER THE GERMAN OF GOTTFRIED AUGUST BÜRGER. BY HEINRICH YALC SNEKUL [d.i. Clay Lukens] 1870.

At dawn of day, lean 'Nora wakes;
   From night-mare, quick alighting.
"Ach, William mein !"- she shuddering shakes;
   His paper profile sighting:
"He fights at Prague, mit Fritz the Great,
For extra news, in vain ich wait,
   Und long for William's kissing;
   Mein Gott! he turns up,- missing!"

     der vollständige Text.

 

Lenore. (Frei nach Bürger.) In: Figaro, 20. August 1870

Lenore fuhr um's Morgenroth
Empor aus schweren Träumen:
"Louis! Schlage doch die Preußen todt,
Wie lange willst du säumen?!"
Das war im Schlosse zu Paris,
Wo der Gemal sie jüngst verließ,
Um seine lahmen Beine
Zu tragen nach dem Rheine.

    der vollständige Text

 

Auch ein Künstler von Anonym. In: Blätter für Theater, Musik u. Kunst vom 29. Juli 1870

Zur Häßlein, Hotel Nothanker, schlich
Ein Student, das Bett unter'm Arme
Und seufzte, daß Gott sich erbarme!
Was willst du, mein Sohn mit dem Bette O sprich!
So forschet Cretcentia gar ängstiglich.
"Von ihm mich auf's Schnellste befreien!"
Das wirst oft des Nachts du bereuen

Ich bin, spricht jener, zur Reue bereit,
Und werde mich weiter nicht kränken
Willst du mir vier Thaler jetzt schenken,
So wären drei durstige Seelen erfreut.
Drum, bis es vom Vater der Wechsel befreit,
So lange, du gütige Alte,
Das Bett zum Pfande behalte.

Was liegt mir auch an den Federn zuletzt?
Belebt doch mit freundlichem Scheine
Die Sonne schon Wälder und Haine.
Hier nimm, die schon die Uhr mir versetzt,
Ich decke mich mit dem Schlafrock zuletzt
Und rufe mit großem Behagen:
Das Glück beruht - im Entsagen!

Da lächelt die Häßlein mit arger List,
Und äußert ohn all Widerstreben:
Vier Thaler will ich dir geben
Behalte sie bis zu jener Frist,
Wo dir der Wechsel gesendet ist
Vom Vater aus fernem Lande
Das Bett behalt' ich zum Pfande.

Und hurre, hurre, hopp, hopp, hopp
Geht es in sausendem Galopp
Hin zu den heiligen Räumen,
Wo hoch die Gläser schäumen.

Da schlürfen sie ohn' Unterlaß
Vom edle Nasse Glas auf Glas,
Bis nach wenig Stunden
Der letzte Thaler verschwunden.

Geduld, Geduld, wenn's Stroh auch sticht,
Mit Gott im Himmel hadre nicht
Des Bettes bist du ledig
Gott sei dem Schlafsack gnädig.

    das Original

 

Frau Oesterreich fuhr ums Abendroth. In: Beilage zum Tiroler Volksblatt Nro. 93, 22. November 1871

Eine Parodie auf Bürger's Leonore

Frau Oesterreich fuhr ums Abendroth
Empor aus schweren Träumen,
Bist Ausgleich fertig oder todt,
Wie lange willst du säumen?
Er ist gezogen in die Reichskanzlei,
Und mit dem Ausgleich war's vorbei.
Herr Beust ist weg, Andrassy zieht,
Frau Oesterreich nach Pest noch mit.

 

Großes Kraut- und Rüben-Gedicht. Komische Deklamation. Vorgetragen vom Komiker Karl Porkert, Wien (o. J.)

       Lenore fuhr um's Morgenroth
       Empor aus schweren Träumen:
       "Lebst Wilhelm oder bist Du todt!
       Was soll Dein langes Säumen?"

       Der vollständige Text.

 

Schauderöse Abenteuer eines Coupons,
oder: Die Schneeverwehung des Unionbank-Directors Minkus.
  In: Der Floh, 3. Jaener 1875

Herr Minkus fuhr ums Morgenroth
Empor aus schweren Träumen.
"Bist untreu Ghyczny oder futsch?.
Wie lange willst Du säumen?
Was kriegen wir von Ostbahn noch
Zu stopfen dieses große Loch,
Das uns vom Krach geblieben?
Du hast mir nichts geschrieben."

    der vollständige Text

 

 

Plonplon. In: Nebelspalter Band 12, 1886. Zürich. Digitalisiert von ETH Zürich.

    Prinz Plonplon fahr um's Morgenroth
    Empor ans schweren Träumen:
    "Mein Kaiserthron, er ist in Noth,
    Da gilt's nieht Tanger säumen.
    Ha, vorwärts nur mit frischem Muth!
    Der alte Geist Napoleons thut
    Sich wieder in mir bäumen.

    Der vollständige Text

 

Balladen-Ragout. In: Beilage zu Nr. 65 der "Bozner Zeitung" vom 20. März 1901

Erlkönig jagt durch die finstre Nacht
Zu Dionys, dem Tyrannen,
Der wilde Jäger hinter ihm
Saust durch die dunklen Tannen.
Und hurra! hurra! hopp, hopp, hopp!
Geht's fort in sausendem Galopp

    Der vollständige Text

 

Lenore (frei nach Bürger). In: Beiblatt der Fliegenden Blätter 103. 1895

    Lenore fuhr ums Morgenroth      
    Hervor aus ihren Betten:          
    Hurrah! jetzt kann ich ohne Noth   
    Für Wilhelm Hemden plätten!      

    Ich frag die Leute auf und ab,
    Ich frug in allen Läden,
    Bis man mir ein Plätteisen gab,
    Frei von den frühern Schäden.

    Das früh're Plättzeug hat mich genirt
    Durch Hitze an Arm und Fingern;
    Jetzt aber plätt ich isolirt!!
    Fort mit den alten Dingern!

    Und hurre, hurre, hopp, hopp, hopp,
    Plätt ich an manchen Tagen
    Seitdem in sausendem Galopp
    Weit über hundert Kragen!

    Wüßt ich nur blos, wo Wilhelm bleibt?
    's ist doch ein säum'ger Wandrer!
    Na! seit ich dies Plätteisen hab,
    Nimmt mich auch gern ein Andrer!

      Die vollständige Anzeige

 

Englische Romanze. In: Nebelspalter, 2. Dezember, 1899, Zürich. Digitalisiert von ETH Zürich 

    Herr Chamberlaine um's Morgenrot
    Fuhr auf aus schweren Träumen:
    "Was ist denn das? Stockschwere Not!
    Wie lang will Buller säumen?
    Wir schicken ihn doch nach Transvaal
    Damit er, wie ein Wetterstrahl
    Bei schwüler Luft wie Halme,
    Die Boerenbrut zermalme!"

    Der vollständige Text

 

Lenore hat es satt. In: Kein Pardon für Klassiker, Parodieen Philipp Reclam jun. Stuttgart S. 30-32

Lenore fuhr nach Liebe toll
Empor aus schwülen Träumen.
»Bist untreu Wilhelm? Oder voll?
Tust deine Pflicht versäumen.«
Er war mit seinem Säufertrupp
Gezogen in den Kegelclub
Und hat nicht ferngesprochen,
Wann er käm' heimgekrochen.

        der vollständige Text

 

Lenore. In: Lene Voigt Werke Bd. 2 "Ich weeß nich, mir isses so gomisch", copyright Connewitzer Verlagsbuchhandlung Peter Hinke & Lene -Voigt-Gesellschaft e. V. mit freundlicher Genehmigung

Lenore sauste ausn Bätt
Un fuhr in ihre Laatschen,
Denn's schiener, als wenn eener tät
Vorm Hause unten graatschen.

        der vollständige Text

 

 

An Agathe
Nach einem Gespräche über ihre irdischen Leiden
und Aussichten in die Ewigkeit.

Mit dem naßgeweinten Schleier
Lösch' ich meine Thränen aus,
Und mein Auge schauet freier
Ueber Zeit und Grab hinaus.
        [...]

 

Ohne Titel von Carl Friedrich Cramer. Parodie. 1773. An den jüngsten Grafen Stolberg, als er anfing Griechisch zu lernen. In: Bundesbuch des Göttinger Hains.  (Sammlung Helmut Scherer)

Mit dem naß gelecktem Finger
Schlage frisch die Blätter um,
Endlich wird die Müh geringer
Und du dringst ins Adytum.

     der vollständige Text.

An die Hoffnung

Wohltätigste der Feen!
Du, mit dem weichen Sinn,
Vom Himmel ausersehen,
Zur Menschentrösterin!
Schön, wie die Morgenstunde,
Mit rosichtem Gesicht,
Und mit dem Purpurmunde,
Der Honigrede spricht!
       [...]

Ode an dei Hoopnung. In: Dei Wörde det Manns, Im Jahr Christi 1793 sassisch verposselt, nach Bürgers Männerkeuschheit [1812]   (Sammlung Helmut Scherer)

O beste holder Fayen!
Met leewevullem Sinn,
Vom Himmel utersaihen
Taur Minschentrösterin!
Schön, wie dei Morgenstunne,
Dei rosig an us bräkkt,
Un met dem Purpurmunne,
Dei Honnigrede, spräkkt:

        der vollständige faksimilierte Text

 

Das Blümchen Wunderhold

Es blüht ein Blümchen irgendwo
In einem stillen Thal;
Das schmeichelt Aug' und Herz so froh
Wie Abendsonnenstrahl;
Das ist viel köstlicher als Gold,
Als Perl' und Diamant:
Drum wird es “Blümchen Wunderhold”
Mit gutem Fug genannt.
        [...]

Auch ein Blümchen Wunderhold. In: Almanach der Porodieen und Travestien. Hg. M.G.G. Röller. 1818.

Es blüht ein Blümchen irgendwo
In einem stillen Thal.
Das macht, so oft es blüht, uns froh,
Doch blüht´s nicht allemal.
Man kauft es oftmals nicht um Gold,
Der Kluge hält´s geheim.
Drum nennt´ ich Blümchen Wunderhold
Verböt´ es auch der Reim.

      der vollständige faksimilierte Text

Blümchen Immerschön. In: Lyrische Anthologie. Herausgegeben von Friedrich Matthisson. 1806.

Es wächst ein Blümchen irgendwo,
Zur Lust vom Himmel uns beschert.
Wers blühen sieht, den macht es froh;
Wers eigen hat, der halt´ es werth!
Ein jeder ist darum bemüht,
Weil´s Blümchen hier so selten blüht.

        der vollständige faksimilierte Text

 

Das harte Mädchen.

Ich sah so frei und wonnereich
Einst meine Tag' entschlüpfen,
Wie Vögelchen, von Zweig auf Zweig,
Beim Morgenliede hüpfen.
       [...]

Elegie eines Schneidermeisters. Seinen Schuldnern gesungen von ***. In: Parodieen. Gesammelt und herausgegeben von Karl Müchler, Berlin 1820
 

Ihr nennt die Schneider freudenreich,
Weil sie so munter hüpfen,
Ach ! ihr wißt nicht, wie viel um euch
Uns Thränen oft entschlüpfen.

        der vollständige Text

 

Das Lied vom braven Mann
   ...

   ”Hier rief der Graf, mein wackrer Freund !
   Hier ist dein Preis ! Komm her! Nimm hin!” -
   Sag an, war das nicht brav gemeint?
   Bey Gott! der Graf trug hohen Sinn. -
   Doch höher und himmlischer, wahrlich! schlug
   Das Herz, das der Bauer im Kittel trug.

   “Mein Leben ist für Gold nicht feil.
   Arm bin ich zwar, doch ess´ich satt.
   Dem Zöllner werd´eur Gold zu Theil,
   Der Hab´und Gut verloren hat!”
   So rief er, mit herzlichem Biederton,
   Und wandte den Rücken und ging davon.-

    ...

  

   Gedichte von Gottfried August Bürger. Zweyter Theil.
   Mit Kupfern.
   Göttingen bey Johann Christian Dieterich 1789
   Stich von Daniel Chodowiecki

 

Das Lied vom braven Mann. Ein schönes, neues, deutsches Lied. Nach Bürger. von Anonym. In: Süddeutsche Blätter füe Leben, Wissenschaft und Kunst, 15. Februar 1838
 

Hoch klingt das Lied vom braven Mann
Wie Orgelton und Glockenklang;
Schlimm lohnt die Welt solch einen Mann,
Doch ihn erhebe mein Gesang.
Und all´ihr Guten, stimmt mit an,
Zu loben und preisen den braven Mann.

        der vollständige Text

 

Das Lied vom Schutzmann von Paul Warnke. In: Am Born der Borniertheit, Berlin 1919

Vom Schutzmann klingt's, vom braven Mann,
Wie Orgelton und Glockenklang.
Wer so dem Dalles helfen kann,
Dem lohnt nicht Gold, dem lohnt Gesang!
Gottlob, daß ich singen und sagen kann,
Zu loben und preisen den braven Mann!

        der vollständige Text

 

,s Lied vom braven Manne. In: Lene Voigt Werke Bd. 2 "Ich weeß nich, mir isses so gomisch", copyright Connewitzer Verlagsbuchhandlung Peter Hinke & Lene-Voigt-Gesellschaft e. V.

Es war ämal im Februar.
Dr Himmel sahk so sonderbar,
Un alle Männer, alle Fraun,
Die meenten : «Heite wärds noch daun!»

       der vollständige Text

 

 

Das Mädel, das ich meine
  
   
Zu Mollys Geburtstag, 24. August, gedichtet
   und am 22.Aug. 1776 an Goeckingk für den
   Almanach gesandt:

   “Ein Liedlein, meiner Schöne zu Ehren, an ihrem
   Geburtstage ganz leise gesungen. Meine Frau
   würde mich bas kuranzen, wenn sie alles wüßte,
   was wir zwei und noch zwei wissen.

   Damit kein Argwohn entstünde, so sollte wohl gut
   sein die Jahreszahl 1770 drauf zu setzen, wie
   wohl auch das wieder bei andern Leuten Nachdenken
   erwecken würde, die wohl wissen, daß wir ao. 1770
   solche Lieder noch nicht machen konnten.

   Mach Ers, wie Er will!” 6

   
   Bürgers Molly (Auguste Leonhart)
   Nach einem von ihr selbst 1781 gemalten Pastellbilde.
   Die Gartenlaube 1884 Nr.1, S.12: Aus dem Lebens- und
   Leidensbuche eines Dichters.
   Von Adolf Strodtmann, 2. Molly

 

O was in tausend Liebespracht,
Das Mädel, das ich meine, lacht!
Nun sing, o Lied, und sag mir an!
Wer hat das Wunder aufgetan:
Daß so in tausend Liebespracht
Das Mädel, das ich meine, lacht?
            [...]

 

Die Hexe, die ich meine. In: Poetische Blumenlese Auf das Jahr 1779, Göttingen

Von Bürger gemeinsam mit Lichtenberg geschrieben, dazu Bürger am 22. Okt. 1778; “Zu der Parodie: Die Hexe die ich meine, hat Lichtenberg blos die Idee und Grundlage hergegeben. Die ganze Ausführung bis auf ohngefähr 2 Strophen gehört mir.” [Bürgers Gedichte in zwei Teilen, Zweiter Teil , Hrg. Consentius,Ernst, Berlin 1914, S.345 ]

O was in tausend Zauberpracht,
Die Hexe, die ich meine, lacht!
Nun sing, 0 Lied, und sag's der Welt:
Wer hat den Unfug angestellt;
Daß so in tausend Zauberpracht
Die Hexe, die ich meine, lacht?

       der vollständige Text

 

Ausforderung an Bürger von K. E. S. In: Litteratur- und Theater-Zeitung, 11. September 1779
  

Ausforderung an Bürger.

Schöner, B ü r g e r ! reim ich ein,
Süßer mag Dein Liebchen seyn:
Schöner ? süßer ? - mag es doch !
Wär es zehnmal schöner noch:
Lieber, holder, als das Deine,
Ist das Mädel, das ich meine.
      [...]

       der vollständige Text

 

Das Mädel, das ich minne, von M-r. In: Blumenlese Auf das Jahr 1779, Göttingen. Später in Gedichte von Levin Adolf Moller, Göttingen 1786

Das Mädel, das ich minne,
   Ist treu und from und schön;
So ist's von Anbeginne
   Der Erde kaum geshn.
         [...]

     der vollständige Text    

 

Eine Parodie auf ein Gedicht ´Der Jüngling, den ich liebe´ eines anderen Autors. Dazu Bürger an Dieterich (Brief vom 20. Juli 1780): ´Zu dem holdseeligen Ziele, der Jüngling den ich liebe, das ich ja mit aufnehmen soll, weil es so sehr gefält, habe ich in der beliebten Manier des Verfassers einige Zusätze gemacht, die Euch und allen Euren Mitkennern, denen alles geschissene gemalt heisset, nicht minder gefallen werden:[...] Seht, passen der große Satler, der große Kanonier, der große Kürschner, der große Gärtner, der große Schäfer, der große Beutler, der große Drechsler, nicht gar scharmant zu dem großen Färber, dem großen Juwelier, dem großen Lackirer, Emaillemacher u.s.w. des beliebten und belobten Herrn Verfasser?...Zeigt doch die schönen Zusäze Lichtenbergen.” [Bürgers Gedichte in zwei Teilen, Zweiter Teil , Hrg. Consentius,Ernst, Berlin 1914, S.248-249]

Carl Schüddekopf bringt diesen Brief Nachlese zu Bürger, Euphorion, Drittes Ergänzungsheft 1897. Allerdings druckt er das Gedicht nicht, sondern bemerkt nur: [Hier folgen sieben sechszeilige Strophen einer geradezu unflätigen Parodie auf ein unbekanntes Lied "Der Jüngling den ich liebe", das nicht im Musenalmanache steht und seinerseits wieder eine Nachahmung von Bürgers "Das Mädel, das ich meine" gewesen sein muß.]

Wer hat die Arsback ausgestopft,
Die sich so prall' anfühlt und klopft? -
Der große Satler hat's gethan,
Der Pferdelenden polstern kan;
Der hat die Arsback ausgestopft,
Die sich so prall' anfühlt und klopft.

       der vollständige Text

 

Stoßseufzer bei der Heimkehr (1818.) von Adelbert von Chamisso [Titel in der Werkausgabe von 1870]
Als Brief an Hitzig "Aus England", Dienstag 16. Juni im Jahre 1842 veröffentlicht.

Wer gab mir jenen Carabus, *)
Den Unalaschka nähren muß?
   Der Doctor Eschholtz hats getan,
   Der Läus' und Wanzen geben kann.
     Der gab mir jenen Carabus,
     Den Unalaschka nähren muß!

Wer gab auf Peru's reicher Flur
Mir Achyrantes**) Unkraut nur?
   Der junge Kunth hat es gethan,
   Der Palmen selbst austheilen!
     Der gab auf Peru's reicher Flur
     Mir Achyranthes Unkraut nur!

*) Insect. Carabus Chamissonis Schscholz in M. Sept. habit. Unalaschka.
*) Pflanze. Chamissoa, Kunth in plantis aequinoctiallibuis. Humboldt. et Consort. Achyranthea species.

[Unalaschka = Insel im Südwesten von Alaska, die Chamisso als Wissenschaftler auf dem Schiff Rurik unter Kapitän Otto von Kotzebue besucht hat]

     der vollständige Text

 

Der Bauer. An seinen Durchlauchtigen Tyrannen.

Wer bist du, Fürst, daß ohne Scheu
Zerrollen mich dein Wagenrad,
Zerschlagen darf dein Roß?
         [...]

Aus dem Lehrerblog von Herrn Rau vom 25.3.2009 mit freundlicher Erlaubnis: “Kann man viel mit machen: Politische Lyrik, Rollenlyrik; Kommunikationssituation, rhetorische Fragen, Parallelismen in Auf- und Satzbau.Meine Schüler haben Parallelgedichte geschrieben: “Der Schüler an seinen durchlauchtigen Lehrer”. Zuerst sammelten die Schüler an der Tafel Kriterien, nach denen man die Qualität der Parodien beurteilen kann, und suchten die wichtigsten heraus. Dann sagte ich ihnen, welche Kriterien für mich die wichtigsten sind. Und dann lasen einzelne Schüler ihre Gedichte vor, und die waren alle so gut, dass ich gleich alle haben wollte und sie mir schicken ließ. Hier ein paar davon:”

Caroline:

  Wer kannst du sein? Dass ohne Scheu
  Zermalmen mich dein Blick aufs neu
  Zerquetschen mich deine Wissbegier?

  Wer kannst du sein? Dass in mein Heft
  Dein Freund, dein Rotstift, ungebremst
  Darf zerstreichen, zerstörn?

  Wer kannst du sein? Dass durch die Tests
  Durch sie mich Tag und Nacht treibst
  Nimmst mir meine Zeit? -

  Das was du da zerstörst
  Was dir egal so scheints mir manchmal
  Ist mein Leben!

  Du musst nicht die Freiheit opfern
  Statt schwimmen du musst nicht rechnen, malen, dichten
  Ich will wieder was du nimmst! -

  Ha! Du bist Obrigkeit vom Staat!
  Wohl eher von deiner selbst
  Der Staat ist nicht wie du, Tyrann!

Anna:

  Wer bist du, Lehrer, dass ohne Scheu
  Erreichen mich dein Mahnungsbrief,
  Ereilen der Verweis?

  Wer bist du, Lehrer, dass auf mein Blatt
  Dein Freund, der Rotstift, ungebläut
  Darf Punkt und Fehler mal’n?


  Wer bist du, dass durch Frag’ und Wort
  Du meinen Tag bestimmen tust
  So herrisch wie ein Fürst?-

  Der Spaß, der schnell vorübergeht
  Bei Schulaufgaben, Exen
  Sollt ein Begleiter sein

  Du Lehrer musst nicht Tag und Nacht
  In deinen Kopf viel Wissen füll’n
  Mein, mein ist dann dies Wissen!-

  Ha! Du wärst schlauer noch als wir?
  Wir lernen noch – du auch?

 

Werner:

  Wer bist du, Lehrer, dass ohne Scheu
  zerschlagen mich dein Zeigestab
  verletzen mich der Schwamm

  Wer bist du, Lehrer, dass in mein Heft
  dein Freund der Rotstift ungebläut
  darf über Schrift und Zeichen streichen

  Wer bist du, Lehrer, dass durch Tasche und Beutel
  das Hurrah deiner Suche mich treibt
  entatmet wie im Sport

  Du, Lehrer, hast nicht bei Ex und Test
  hast nicht die Schulaufgabe durchgeschwitzt
  mein, mein sind die Noten

  Ha! Du wärst Obrigkeit vom Staat
  der Staat macht Gesetze, du unterdrückst
  du nicht vom Staat, Lehrer

Johanna:

  Die Schülerin an ihren durchlauchtigsten Lehrer

  Wer bist du, Herr, dass ohne Scheu
  Verstören mich dein laut Geschrei,
  Ängstigt mich dein Zeigestab?

  Wer bist du, Herr, dass nur ein Wort
  Aus deinem Mund mich zwingt zu tun
  Jeglich schwere Übung auch?

  Wer bist du, dass den ganzen Tag
  Von Früh bis Spät der Stoff mich quält,
  die Leere meines Schädels stört?

  Intelligent und klug sagst du
  So möchtest du wohl sein, jedoch
  
So klug wie du bin auch ich!

  Dein Wissen willst du teilen, doch –
  Auf diese Weise geht das nicht,
  es fehlt die Freude und der Witz!

  Ha! Du willst guter Lehrer sein?
  Bist du nicht, denn man schläft ein!
  Du bringst nur Langeweile!

 

Bastian:

  Wer bist du, Lehrer, dass ohne Scheu
  Zerrollen mich dein Wutgeschrei
  Zerschlagen darf dein Stoff?

  Wer bist du, Lehrer, dass in mein Kopf
  Dein Chef, dein Kollege ungestraft
  Darf Wort und Formeln haun?

  Wer bist du, dass, durch manches Fach
  Der Ruf deines Unterrichts mich treibt,
  Entatmet wie ein Läufer? -

  Das Wissen so dein Wort vertreibt,
  Was Chef, Kollege und du verbrauchst
  Der Fleiß, du Lehrer, ist mein.

  Du Lehrer hast nicht bei Nacht
  Hast nicht den Schultag durchschwitzt.
  Mein, mein ist Fleiß und Lohn! -

  Ha! du wärst Wissender?
  Wissender lehrt mich; du quälst!
  Du nicht wissend, Tyrann!

 

 



Der Bruder Graurock und die Pilgerin
   Ein Pilgermädel, jung und schön,
   Wallt auf ein Kloster zu.
   Sie zog das Glöcklein an dem Thor;
   Ein Bruder Graurock trat hervor,
   Halbbarfuß ohne Schuh.

   Sie sprach: “Gelobt sey Jesus Christ! - “
   “In Ewigkeit!” sprach er.
   Gar wunderseltsam ihm geschah;
   Und als er ihr ins Auge sah,
   Da schlug sein Herz noch mehr.

   Die Pilgerinn mit leisem Ton,
   Voll holder Schüchternheit:
   “Ehrwürdiger, o meldet mir,
   Weilt nicht mein Herzgeliebter hier
   In Klostereinsamkeit?”

   ...

   
   
Gedichte von Gottfried August Bürger. Zweyter Theil.
   Mit Kupfern.
   Göttingen bey Johann Christian Dieterich 1789
   Stich von Daniel Chodowiecki
 

 

Die Linzer-Nanni und der schöne Pepi. Parodie der Ballade: Der Bruder Graurock und die Pilgerin, Wien. 1837

Die Linzer-Nanni, jung und schön,
Geht schnell der Herberg zu;
Sie zog die Glocke an dem Thor,
Im Schlafrock Einer trat hervor,
Pantoffeln statt der Schuh.

       der vollständige Text

 

Der große Mann

Es ist ein Ding, das mich verdreußt,
Wenn Schwindel oder Schmeichelgeist
Gemeines Maaß für großes preist.

Du, Geist der Wahrheit, sag' es an:
Wer ist, wer ist ein großer Mann?
Der Ruhmverschwendung Acht und Bann!
        [...]

Glossen-Kranz von August Grebe. In: Frankfurter Konversationsblatt, 7. Juli 1843

Es ist ein Ding, das mich verdreußt,
Das tief mich kränkt und zürnen macht, -
Die nied're Sucht, die groß das heißt,
Was Edelsinn als klein verlacht,
Die, was ein Mächtiger gelobt,
Nicht minder rühmt, und nichts erprobt!

       Der vollständige Text

 

Der kluge Held

Tags vor der Schlacht gerät ein junger Held
In allerlei bedenkliche Bewegung;
Nimmt dies und das in ernste Überlegung
Und bringt heraus: Dein bißchen Löhnungsgeld
Und Lumpenruhm, mein guter König,
Reizt wahrlich unsereinen wenig,
Daß er dafür im Mordgemetzel fällt!
              [...]

Der kluge Held von Bürger ouder des Kernounefieber von Christian Heinrich Gilardone. In: Parodiee, Gedichtches und prousaische Uffsätz, Speyer 1832

De Tag vor der Betallche kriegt der Schmuhl
Uff ahnmoul ganz entsetzlick Moure,
Sein Bisselche Curasch geiht ganz kepoure
           [...]

        der vollständige Text (S. 120)
 

 

Der Raubgraf
   ...

   Wohl manchem wässerte der Mund,
   Doch mancher ward geprellt.
   Denn, Herr, Gott sey bey uns! Ein Hund
   Bewacht das schöne Geld.
   Ein schwarzer Hund, die Zähne bloß,
   Mit Feueraugen, tellergroß !

   Nur immer alle sieben Jahr´
   Läßt sich ein Flämmchen sehn.
   Dann mag ein Bock, kohlschwarz von Haar,
   Die Hebung wohl bestehn.
   Um zwölf Uhr in Walpurgis Nacht,
   Wird der dem Unhold dargebracht.

   ...

  

   
Ursteindruck von Franz Kolbrand
   G. A. Bürger   Balladen
   München 1920. Herausgegeben und mit einem Nachwort von
   Erich Ebstein
 

Der Graf von Bärentatzentunke und die Ysebrücker Hexe (Berlinisch.) In: Museum komischer Vorträge, Band II, Berlin.
        Hg. F. E. Moll. Erstdruck: Die Humoristen in der Westentasche, Bändchen 11 bei B. S. Berendsohn in Hamburg

        Zitiert in Die Bayerische Landbötin 2. November 1847, S. 1087: Die Humoristen in der Westentasche, 11. Bändchen:
         Der Ritter Graf von Bären-Tatzen-Tunka und die Bannernickerhexe, (Parodie von Bürgers "Raubgraf", im Berliner
         Volksdialekt). [...]
 

Ein Graf besaß das Rittergut
Alt-Bärentatzentunke
Und war bei schwerem Jeld und Jut
Een rechter Erzhalunke,
Er röberte noch döller schier,
Als wie Kartusch und Käsebier,
Und wat er moppsen konnte - prums!
Det schmiß er jleich in seinen Bums.

      Der vollständige Text

 

Das kleine Hexchen und die modernen Walzer. In: Ein zwölfter Beitrag zur heiteren Deklamation in gesellschaftlichen Zirkeln, Wien. Im Verlag bei Franz Wimmer. 1840

Es liegt nicht weit von hier ein Land,
   Da reist' ich einst hindurch,
Am Weg auf hohem Felsen stand,
   Vor Alters eine Burg.
Die alten Rudera davon
Wies mir der Schwager Postillon.
 

     Der vollständige Text

 

Der Kaiser und der Abt.

Ich will euch erzählen ein Märchen, gar schnurrig:
Es war mal ein Kaiser; der Kaiser war kurrig;
Auch war mal ein Abt, ein gar stattlicher Herr;
Nur schade! sein Schäfer war klüger, als er.
              [...]

 

Der Chozef und der Row. Jüdische Parodie des Gedichtes der Kaiser und der Abt von G. A. Bürger. Travestirt für unsere Leut. von  Reb Schamsche Zoreles Leipzig 1846

Der Chozef1) und der Row2)!

Iach wer thün enck messapere3) e gor groiße Schmüe4):
Emol wor N'Oischer5); der hot gehand'lt mit Twüe6),
Es wor ach e Row, mit e sehr groißen Bort:
Nur hot er! Vorn Schammes7) nischt klären8) getort9).


1) Arroganter Mensch. 2) Rabbiner, 3) Erzählen. 4) Mährchen. 5) Reicher. 6) Frucht. 7) Schuldiener. 8) Philosophiren. 9) Dürfen.

    der vollständige Text

 

 

Aber von Carl Friedrich Hartmann. In: Alsatische Saitenklänge. 1848.

“Der Mann, der das Wenn und das Aber erdacht
Hat sicher aus Häckerling Gold schon gemacht”   Bürger.  [Strophe 30 aus der Kaiser und der Abt]

Wer das A b e r hat erfunden,
Ward im Widerspruch erzeugt;
Hat des Wirkens Trieb gebunden,
Manchen Freudengott verscheucht.

          Der vollständige Text

 

Ein Mährchen. In: Kladderadatsch 28. August. Berlin 1859

   Ich will euch erzählen ein Mährchen gar schnurrig,
Es war ´mal ein Kaiser, der Kaiser war kurrig:
Ein fliegendes Blättlein das ärgerte ihn,
Und doch las er's jedes Mal wann es erschien.

   Es kochte dabei ihm das Blut in der Ader.
Was hilft mir - so rief er - mein Kriegesgeschwader?
Was hilft mir mein Pulver, was hilft mir mein Blei,
Mein Ruhm, mein Triumph und das Vivatgeschrei?

            Der vollständige Text

 

Der Müller und der Bischof von Barthélémy Imbert. In: Die gepuderte Muse. Französische Verserzählungen des Rokoko, Berlin 1922

Zur Zeit, da noch der Wert des Wissens unbekannt,
Ward ein Prälat, der offenbar
Der Günstling einer sehr verehrten Dame war,
In Frankreich ziemlich viel genannt.
Mit schwülstiger Beredsamkeit
War ihn zu rühmen sie beflissen
Und pries besonders weit und breit
Ihn als ein Phaenomen an Wissen.
       
       der vollständige Text 

 

 

Der wilde Jäger
   ...
   
Ein schwefelgelber Wetterschein
   umzieht hierauf des Waldes Laub,
   Angst rieselt ihm durch Mark und Bein.
   Ihm wird so schwül, so dumpf, so taub!
   Entgegen weht ihm kaltes Grausen,
   Dem Nacken folgt Gewittersausen.

   Das Grausen weht, das Wetter saust,
   Und aus der Erd´ empor, hu hu!
   Fährt eine schwarze Riesenfaust;
   Sie spannt sich auf, sie krallt sich zu,
   Hui! Will sie ihn beim Wirbel packen,
   Hui! Steht das Angesicht im Nacken.
   ...


   
Bürgers Ballade Der wilde Jäger
   gezeichnet von Joseph Führich,
   radiert von Anton Gareis.
   1827
 

 

Die blonde Sepherl und die schwarze Baberl. In: Ein Beitrag zur heiteren Deklamation, Im Verlage bei Franz Wimmer, Ein elfter Beitrag zur heitern Deklamation. Wien 1834 - 1839

Der Franzel hat ein Ambo g´macht,
Zecht d`raussen jetzt im Lerchenfeld,
Heut gibt er nicht auf´s Sparen acht,
Denn leicht erworben war das Geld,
Noch will er - kann nicht grad mehr stehen,
Ins Branntweinhaus auf Währing gehen.

       der vollständige faksimilierte Text mit Original

Mirth, with thee I mean to live von Anonym. In: The Port Folio, Vol. III, Philadelphia, 1807.
     Edward Ziegler Davis schreibt in seinem Translations of German Poetry von 1905:
     “On the other hand there were unsympathetic writers who ridiculed the Germans and their literature.
     The Monthly Magazine published a letter entitled Literary Industry of the Germans, which decried their
     pedantic scholarship in unprofitable directions. This attack is also expressed in the form of parodies, of
     which the following were found: [...] Parody on Bürger's Earl Walter (1807) [...].”

Parody.
Mirth, with thee I mean to live.

Earl Walter kicks the waiter's rump,
  Down stairs! down stairs! halloo, halloo!
They sally forth, they wheel, they jump,
  And fast the scampering watch pursue.

     der vollständige Text

 

 

Des Pfarrers Tochter von Taubenhain
 

      ...

   “Lieb Närrchen, ich halte dir´s, wie ich´s gemeint:
   Mein Liebchen sollst immerdar bleiben.
   Und wenn dir mein wackerer Jäger gefällt,
   so lass´ ich´s mir kosten ein gutes Stück Geld.
   Dann können wirs ferner noch treiben.”

   ”Daß Gott dich! - du schändlicher, bübischer Mann! -
   Daß Gott dich zur Hölle verdamme! -
   Entehr´ ich als Gattin dein adliges Blut,
   Warum dann, o Bösewicht, war ich einst gut
   Für deine unehrliche Flamme? -”

      ...


   
Gedichte von Gottfried August Bürger.
   Zweyter Theil.
   Mit Kupfern.
   Göttingen bey Johann Christian Dieterich 1789
   Stich von J.H. Meil

 

 

Das Schicksal des Junkers von Falkenstein. Eine Ballade nach Bürger*. In: Blüten Anhaltischer Muse. Erste Sammlung. 1792. (Sammlung Helmut Scherer)
*) Verzeihung erwarte ich von diesem verehrten Dichter, daß ich dagegen sündigte, wovor er in der Vorrede zu seinen Gedichten warnte. Ueberdem Strafe genug für mich, daß ich mich eben hierinn so oft getroffen finde! Anm. d. Verf.

Im Schlosse der Junker von Falkenstein
geht´s irre bei Nacht auf dem Walle;
da haußt ein schwarzer zottiger Bär.
und wüthet mit funkelnden Augen umher;
da peitscht es die Pferde im Stalle.

         der vollständige Text.

 

Der Junker von Falkenstein, als Seitenstück zu Bürgers Pfarrers Tochter zu Taubenhain von Gotthold Friedrich Stäudlin. Angekündigt im Journal für Fabrik, Manufaktur Handlung und Mode, Leipzig 1796
Ob dieses Werk vollendet, begonnen oder nur geplant war, ist nicht bekannt.

 

 

 

Junker Rudolf von Falkenstein von Johann Ernst Daniel Bornschein [d. i. Johann Jakob Brückner] 1799
Von Bornschein wurden viele weitere Ausgaben vertrieben, z. B. Des Pfarrers Tochter zu Taubenheim eine wahre Geschichte nach Bürgers Ballade neu bearbeitet
Eisenberg und Leipz 1801

Dort drüben am Hügel von Falkensteins Schloß,
Gings voll auf bey Nacht und bey Tage;
Da trieb es der Junker gar stattlich und hehr
Und dachte des armen Rosettchen nicht mehr,
Fortschwelgend beym Freudengelage.
          [...]

     der vollständige Text aus einem Druck von 1810   

 

Die schöne Advocaten-Tochter zu Wacholderleben : ein Seitenstück zur Pfarrers-Tochter zu Taubenhayn von Gottlieb Bertrant [d. i. Georg Carl Ludwig Schöpfer] Nordhausen 1829 216 S

     Kein Digitalisat verfügbar

 

 

Leben, Thaten und Liebschaften des Rittmeisters von Strabaloff. Ein Gegenstück zur schönen Advocaten-Tochter zu Wacholderleben und zur Pfarrers-Tochter zu Taubenhayn von Gottlieb Bertrant

     der vollständige Text
 



Des Pfarrers Tochter in Taubenhayn. Volkssage nach Bürgers Ballade dargestellt von Dr. Ew. Dietrich. Zweite Auflage, Meißen 1834

     Kein Digitalisat vorhanden

 


Des Pachters Tochter von Schöpfenhain. Von Eginhardt. In: Z. Funck [d.i. Carl Friedrich Kunz], Das Buch deutscher Parodieen und Travestieen, Zweiter Cyclus, Erlangen 1841

Im Holzstall des Pachters von Schöpfenhain
Da spukt es allmählich um Zwölfe,
Da flüstert und stöhnt´s so ängstlich;
Da zerret, da reistet und sträubet es sich,
Wie Schöpfe sich gegen die Wölfe.

        der vollständige faksimilierte Text

 

Die Pfarrose, Trauerspiel in fünf Aufzügen von Otto Ludwig. 1846

 In Anselm Salzers Illustrierten Geschichte der Deutschen Literatur von 1912 wird die Verbindung von Bürger zu Otto Ludwig gezogen: "Auf seinem eigensten Gebiete zeigt sich der Dichter zuerst in der Pfarrose (1847), der dramatisierten und modernisierten Geschichte der Pfarrerstochter zu Taubenhain, zu der Bürgers Ballade die Anregung bot. Hier haben wir bei noch leise fortdauernder Abhängigkeit von der Ifflandschen und Tieckschen Darstellung der dörflichen Welt teilweise schon die
Sicherheit der realistischen Menschengestaltung, die Ludwig auszeichnet."

       der vollständige Text

 

Im Grafenschlosse von Emanuel Geibel. In: Gedichte von Emanuel Geibel, Nijmegen 1846
Karl Ludwig Leimbach schreibt in seinem "Emanuel Geibels Leben, Werke und Bedeutung für das deutsche Volk" von 1894 zu Im Grafenschlosse: Der Inhalt ist ein Gegenstück zu der Bürgerschen allbekannten Schauerballade „Des Pfarrers Tochter von Taubenheim"

Sie waren alle in den Forst hinaus,
Den Hirsch mit Büchs' und Messer zu erlegen;
Ich sass allein im alten Grafenhaus
Und harrt' im Saal der Jägerschaar entgegen.
Ein fahles Spätroth floss gedämpften Lichts
Auf Wänd' und Hausrath durch die engen Scheiben;
Rings Todtenstill' umher! Ich hörte nichts,
Als vorn im Hof den Zugwind in den Eiben.

      der vollständige Text
 

 

Die Rose von Taubenheim. In: Kladderadatsch, 7. April 1850

Personen:
Junker von Falkenstein, Abonnent der Kreuzzeitung.
Der Pfarrer von Taubenheim, Patriot, mit der Aussicht auf eine Seminardirektorstelle in Berlin.
Rosette, seine Tochter, leichtgläubiges Mädchen aus dem vorigen Jahrhundert.
Ein Plätzchen wo kein Gras wächst, das vom Regen und Thau nicht naß wird und daher bei jetziger Witterung ein geehrtes Publikum
           um gütigen Zuspruch bittet.

   Zeit der Handlung: Um 1750

       der vollständige Text

Die Pfarrers-Tochter von Taubenheim. Volksdrama in 5 Abtheilungen, nach Bürger's Ballade und Schiller's "Kindsmörderin" frei bearbeitet von Ferdinand Fränkel 1853

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Des Pfarrers Tochter von Taubenhayn. Nach Bürgers Ballade bearbeitet von Wilhelm Schröter, Leipzig 1862.

       kein Digitalisat verfügbar

 

Des Pfarrers Tochter von Taubenheim. Angeblich ein Volkslied - tatsächlich eine Bearbeitung von Bürgers Gedicht durch Eva Padberg. In: Des Knaben Wunderhorn, Zweiter Band 1808

Da drunten auf der Wiesen
Da ist ein kleiner Platz,
Da thät ein Wasser fließen,
Da wächst kein grünes Gras.
        [...]

     der vollständige Text

 


Des Pfarrers Tochter von Streladorf, ein modernes Gegenstück zu Bürgers Des Pfarrers Tochten von Taubenhain von Max Dreyer 1909

      kein Digitalisat verfügbar - Rezension in der Allgemeine Zeitung 2.10.1909

 

 

Des Schäfers Liebeswerbung. Für Herrn Voß vor seiner Hochzeit gesungen.

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   Komm, biß mein Liebchen, biß mein Weib!
   Und fodre Lust und Zeitvertreib,
   So oft und viel dein Herz begehrt,
   Und Garten, Flur, und Hain gewährt.

   Bald wollen wir von freien Höhn
   Rund um die Herden weiden sehn,
   Und sehn der Lämmer Fröhlichkeit,
   Und junger Stiere Hörnerstreit;

   Bald hören, durch den Birkenhain,
   Das Tutti froher Vögelein,
   Und, an des Bächleins Murmelfall,
   Das Solo einer Nachtigall.

   Bald rudern auf bekränztem Kahn,
   Den See hinab, den See hinan;
   Bald Fischchen angeln aus der Flut,
   Bald locken junge Vögelbrut; [...]

   Gedichte von Gottfried August Bürger. Zweyter Theil. Mit Kupfern. Göttingen
   bey Johann Christian Dieterich 1789. 

 

Antwort der Schäferin auf des Schäfers Liebeswerbung. Von Johann Michael Hamann. In: Blätter des Gefühls und der Erinnerung, Königsberg 1799

Blieb' alles jung auf dieser Welt,
Spräch' jeder Schäfer unverstellt;
Dann gnügte mir dein Zeitvertreib,
Ich zöge mit und wär' dein Weib.

     Der vollständige Text
 

Antwort auf des Schäfers Liebeswerbung
  (S. Bürgers Gedichte I.Thl. S. 235. Ausg. v. K. Reinhard.)
  Nach dem Engländischen. In: Karl Philipp Conz, Gedichte. 1806.

Laß Lenz und Liebe nicht vergehn,
Und jeden Schäferschwur bestehn;
Dann locket mich dein Zeitvertreib,
Dann zieh´ich mit, und bin dein Weib.

 

    Der vollständige Text

Die beiden Liebenden

Ein Andrer werb' um Ehr' und Gold
Ich werb' um Liebe bey Selinden.
Mich kann allein ihr süßer Sold
An allgetreue Dienste binden.
Das Glück läßt manchen Ehrenmann
In seinem Dienst umsonst verderben.
Allein bei treuer Liebe kann
Der Hirt auch sichern Sold erwerben
        [...]


Jeremiade eines Ehemannes. In: Görner, Karl August: Der lustige Deklamator. Eine Sammlung komischer Vorträge in Versen und Prosa mit Originalbeiträgen von C. A. Görner. 4 Teile in einem Band. Altona, Verlagsbureau, ohne Jahr (1850).

Ein And'rer sing' von Lieb' und Glück!
Ich sing' von meinem Ungemache.
Verdüstert ward mein freier Blick,
Verzweiflung nur ist's, wenn ich lache.
Das Glück läßt manchem Ehemann
Auf seinem Pfad nur Rosen finden,
Doch was ich fand, das wahrlich kann
Zu frohem Dank mich nicht verbinden.

     Der vollständige Text

 

 

Die Entführung oder Ritter Karl von Eichenhorst und Fräulein Gertrude von Hochburg
     ...

    Ach! Trudchen, wie voll Angst und Noth!
    Sah hoch die Säbel schwingen.
    Hell funkelten im Morgenroth
    Die Damascener Klingen.
    Von Kling und Klang, von Ach und Krach,
    Ward rund umher das Echo wach.
    Von ihrer Fersen Stampfen
    Begann der Grund zu dampfen.

    Wie Wetter schlug des Liebsten Schwert
    Den Ungeschliffnen nieder.
    Gertrudens Held blieb unversehrt,
    Und Plump erstand nicht wieder. -
    Nun weh, o weh ! Erbarm´es Gott !
    Kam fürchterlich, Galopp und Trott,
    Als Karl kaum ausgestritten,
    Der Nachtrab angeritten. -

    ...

    Gedichte von Gottfried August Bürger. Zweyter Theil. Mit Kupfern.
    Göttingen bey Johann Christian Dieterich 1789
    Stich von Daniel Chodowiecki

 

Berthold der Student von Ludwig Bechstein [über eine öffentliche Aufführung der Entführung durch Jenaer Studenten]. Halle 1850

“Das Stück spielte auf offener Straße; es war betitelt: Ritter Carl von Eichenhorst. Ein Trompetenstoß gab das Zeichen zum Anfang. Aus dem Fenster eines Hauses neben Scheibens Apotheke legte sich, einen Papphelm auf dem Kopf, der Student W. W. und zitirte mit Stentorstimme Bürgers Strophe:
     ´Knapp sattle mit mein Dänenroß,
     Daß ich mir Ruh erreite!
     Es wird mir hier zu eng im Schloß,
     Ich will, ich muß ins Weite!´
Sogleich kam aus dem nahen Mühlgäßchen der Student M. von etwas untersetzter Statur in einem Bauernwams, mit kurzen Lederhosen, blauen Strümpfen und Schuhen auf einem magern Philisterklepper, ein ächter deutscher Sancho Pana, hervor geritten, und führte eine edle Rosinante am Zaum.
           [...]

      der vollständige Text

 

Die Entführung auf dem Zeiselwagen oder der Harfenist und der Bierwirth. In: Ein Beitrag zur heiteren Deklamation, Im Verlage bei Franz Wimmer, Ein zehnter Beitrag zur heitern Deklamation. Wien 1838

“Ich spiel die Harfe heut nicht mehr,
Und lehne sie bey Seite -
Gebt noch ein Stutzen Bier mir her,
Und dann geh ich ins Weite” -
Sprach ein berühmter Harfenist,
Wie in Hernals nicht Jeder ist -
Den Wenzel schiens zu plagen
Kaum konnt´ ers mehr ertragen.”

       der vollständige faksimilierte Text mit Original
 

Die Entführung oder Schneider Valentin Quend und Jungfer Rebecke Schach.
Von Eginhardt.
In: Das Buch deutscher Parodieen und Travestieen, Zweiter Cyclus. Erlangen 1841 

“Math´s, gib mir die Pantoffeln her,
Kannst auch die Mütze holen;
Es wird um´s Herz mir angst und schwer,
Mir brennen meine Sohlen !” -
So rief der Schneider Quend in Hast,
Voll Angst schier torkelnd, sonder Rast,
Und ließ die Seufzer schallen,
Als fühlt´er Satans Krallen.

        der vollständige Text

 

Traurige Folgen. In: Fliegende Blätter Band LXXII Nro. 1821 München S. 198, 1822.
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Sentimentale Jurisprudenz. Das geliehene Pferd. In: Fliegende Blätter Nro. 983, 1864

"Freund, sattle mir Dein Dänenroß,
Daß ich mir Ruh' erreite,
Mir ist verhaßt der Menschentroß,
Ich such' das Einsam-Weite,
Beim ersten Frührot laß' mich fort,
Zur Nacht bin ich zurück am Ort!"

         Der vollständige Text  

 

Nachruf über die Festvorstellung "Oberon". In: Magdeburgische Zeitung, 18.10.1853

Knapp, sattle mir den Pegasus, daß ich mir Ruh erreite!
Denn Oberon hat mir Verdruß gebracht statt Lust und Freude. -
Es war ein wahres Gaudium die Art zu divertiren
Das Magdeburger Publicum nach dürftigem Probiren. -
Der ganzen Direction ging's wie der Deutschen Flotte:
Sie glich, zu ihres Meisters Hohn, ach! einer blauen Grotte,
Und während die Fatime krank und Oberon die Hosen
Verlor, Herr Kretschy hüpft und sprang wie Peter untern Rosen. -
Das Ganze - ach! zu matt und arm. - Es läßt sich schwer beschreiben
Ja, ja ich werde wahrlich warm, drum laß' ich's lieber bleiben -
Und rathe der Direction in Wiederholungsfällen,
Zu ihrem eig'nen Ruhm und Lohn, mehr Proben zu bestellen.

 

Die Verführing, onder der Lieferant Affroumche Speyer unn dem Benquier Itzig Mannem sein Schickselche von Christian Heinrich Gilardone. In: Parodiee, Gedichtches und prousaische Uffsätz, Speyer 1832

"Nu Salmche, sattel mich de Gaul,
Uff Mannem muß ich 'nunter,
Wenn ich dehahm hock, bin ich faul -
Unn is es denn e Wunder? -
         [...]

      der vollständige Text (S. 30)

 

 

Die Kuh
 

    ...

    Frau Magdalis weint´auf ihr letztes Stück Brot.
    Sie konnt´es vor Kummer nicht essen.
    Ach, Witwen bekümmert oft grössere Noth,
    Als glückliche Menschen ermessen.

    “Wie tief ich auf immer geschlagen nun bin!
    Was hab´ich, bist du erst verzehrt?”
    Denn, Jammer ! ihr Eins und ihr Alles war hin,
    Die Kuh, die bisher sie ernähret. -

    ...

 

 

    Ursteindruck von Franz Kolbrand
    G. A. Bürger   Balladen München 1920
    Herausgegeben und mit einem Nachwort von Erich 
    Ebstein
 

 

Der Schuldner. Von Eginhardt. In: Z. Funck [d.i. Carl Friedrich Kunz], Das Buch deutscher Parodieen und Travestieen, Zweiter Cyclus, Erlangen 1841

Den letzten Kreuzer wohl hin und her
Schob Veit mit verzweifelnden Klagen.
Ach, Manche bekümmern die Schulden wohl mehr
Als andere Leute sich sagen.

        der vollständige Text

 

Die Weiber von Weinsberg
   ...
   
“Die Weiber sollten Abzug han,
   Mit ihren besten Schätzen,
   Was übrig bliebe, wollte man
   Zerhauen und zerfetzen.”
   Mit der Capitulation
   Schleicht die Gesandschaft trüb´ davon.

   Drauf, als der Morgen bricht hervor,
   Gebt Achtung! Was geschiehet?
   Es öffnet sich das nächste Thor,
   Und jedes Weibchen ziehet,
   Mit ihrem Männchen schwer im Sack,
   So wahr ich lebe! Huckepack.-

   Manch Hofschranz suchte zwar sofort
   Das Kniffchen zu vereiteln;
   Doch Konrad sprach: “Ein Kaiserwort
   Soll man nicht dreh´n noch deuteln.
   Ha bravo! rief er, bravo so!
   Meint´unsre Frau es auch nur so!”.

    ...

Gedichte von Gottfried August Bürger. Zweyter Theil. Mit Kupfern.
Göttingen bey Johann Christian Dieterich 1789 Stich von Daniel Chodowiecki

 

Bürger´s Weiber von Weinsberg, im modernsten Geschmack hexametrisirt und stylisirt, mit classischer Sedulität emendirt und castigirt, durch zahl- und lehrreiche kritische Glossen locupletirt und illustrirt, und zum Nutzen und Frommen angehender Musenpfleglinge publicirt und promulgirt von den Scholiasten der Strigeliade  von J.F. Ratschky, Wien 1799
       
Saget mir an, wo Weinsberg liegt, das Städtlein, (3.) das wackre ! (4.)
Vormals hausten darin der frommen und züchtigen Hausfraun
(Also verkündigt der Ruf) (5.) und der Mägdelein viele. Gelüstet´s
Je mich nach einer Gespons, so kies´ich sie traun ! mir aus Weinsberg.

        der vollständige faksimilierte Text mit Original

Diese Parodie bedarf einer Erläuterung, wir folgen der Besprechung des Werkes [ Neue allgemeine deutsche Bibliothek. 1793-1806. 1800 , 51 .Bd.,2.St. , S. 316 - 319]
“Die Absicht dieses launichten Produktes weiß Rec. nicht besser anzugeben, als mit den Worten des Verfassers in der ersten Note seines angehängten Kommentars: “Jeder nur einigermaßen aufmerksame Beobachter der neuesten schönen Literatur muß wahrgenommen haben, daß die Metrik der alten Griechen und Römer die Reimschmiedekunst unserer barbarischen Voreltern, besonders seit einem Jahrzehend, auf deutschen Grund und Boden beynahe gänzlich verdrängt hat. Inspirirt von einer rühmlichen Homeromanie, haben einige vaterländische Lieblingsjünger des göttlichen Föbos Apollon das Geschäft der Germanisierung des Hexameters und der Organisirung der Statuten der Grammatik nach den jeweiligen Bedürfnissen der Prosodie so glücklich betrieben, ut sibi nemo speret idem. Indessen ist es doch immer zu bedaueren, daß durch diese plötzliche Revolution manche beliebte Produkte unsrer bisherigen Anhänger des Reimzwangs, denen man, wie z.B. Hagedornen, Wielanden, Uzen, u.a.m. einiges poetisches Verdienst nicht abzusprechen vermag, für die leselustige Coátaneität und Posterität auf immer verloren seyn sollen. Um nun dieses, so viel an mir ist, zu hindern, folge ich dem, mir in einer genialischen Stunde von dem Dämon des guten Geschmacks geoffenbarten, Berufe, den gesammten verlegenen Reimwaarenvorrath unsrer klassischen Musenpriester dem Geiste des Zeitalters gemäß umzuarbeiten.” - Zur Probe wird hier nun solch eine Umgestaltung der bekannten Bürgerschen Ballade geliefert. Es ist damit besonders auf Nachbildung der Manier und Sprachbehandlung in der Vossischen Uebersetzung Homers, und in Göthe´s Herrman und Dorothee, abgesehen! Unter andern wird die in beyden Gedichten häufig vorkommende Stellung des Adjektivs hinter dem Substantiv zum öftern parodiirt, die, wie in einer Note gesagt wird, bey dem, der dieses Wagestück zuerst unternahm, einen nicht geringen Heldenmuth voraussetzte,...”
Zu den im Text eingefügten (x) gibt Ratschky im Anhang umfangreiche Erläuterungen, wovon nur eine (unvollständig) als Beispiel angefügt werden soll:
(3.) In den altdeutschen Diminutiven Städtlein, Mägdlein, Weiblein, Männlein u.s.f. liegt meines Bedünkens eine so liebenswürdige Treuherzigkeit, und sie haben einen so ganz eigenen Wohllaut für mein Ohr, daß ich sie den der sächsischen Mundart abgeborgten, durch die Sylbe c h e n gebildeten Verkleinerungswörtchen allenthalben vorziehe. Diese meine Vorliebe rechtfertigt unter andern die berühmte Altonaer Übersetzung der Ilias,.....

 

Parodie der Weiber von Weinsberg von August von Kotzebue. Der Text konnte noch nicht ermittelt werden, jedoch schreibt von Kotzebue in seiner Selbstbiographie von 1811: “[S. 37] Es kam nähmlich ein Seiltänzer nach Weimar, der seine schöne, herkulische Gestalt durch die mannigfaltigsten Biegungen seines Körpers, in das vortheilhafteste Licht zu setzen wußte. Die Verleumdung streuete aus, er habe - um dem Chevalier Boufflers einen Ausdruck abzuborgen - das Herz mancher Dame gewonnen, und mir kam dabey die lustige Idee in den Sinn, Bürgers Lied: die Weiber von Weinsberg zu parodiren. Ich muß bekennen, daß ich noch heute, nach sechzehn Jahren, diese Parodie für eines meiner witzigsten Produkte halte; aber um so mehr zog es mir den gerechten Haß der Damen zu.”
      Das Werk konnte noch nicht ausfindig gemacht werden.


 

Die Weiber von Winsperg (1831) von Adelbert von Chamisso

Der erste Hohenstaufen, der König Konrad lag
Mit Heeresmacht vor Winsperg seit manchem langen Tag;
Der Welfe war geschlagen, noch wehrte sich das Nest,
Die unverzagten Städter, die hielten es noch fest.

    der vollständige Text
 

 

Die Ische vun Weinsbargk von Christian Heinrich Gilardone in Parodiee, Gedichtches unn prousaische Uffsätz', Zweites Bändchen, Speyer 1834

Wer waaß, wu Moukem Weinsbargk liegt? -
Nu, waaß es Kaaner, Leute,? -
Aß Aaner nergends Aane kriegt ; -
Süll er uff Weinsbargk reite:
Dort wouhnt é feiner, noubler Schlag, -
Das hoert´ ich all mein Liebestag. -

        der vollständige Text

 

Das Prädikat, oder Weiberlist über Alles. In: Ein zwölfter Beitrag zur heiteren Deklamation in gesellschaftlichen Zirkeln, Wien. Im Verlag bei Franz Wimmer. 1840


Erzählen hörte ich einmahl,
  Von einem wackern Städtchen,
An Schönheit hat man dort die Wahl
  Von Weiberchen und Mädchen.
Und daß sie superklug und fein,
Soll die Erzählung Zeuge seyn.
 

      der vollständige Text

 

D´Wjwer von Weinsberg von Carl Friedrich Hartmann. In: Alsatische Saitenklänge. 1848.

O saaue merr wo Weinsberg lejt?
Wer isch schunn dort gewese?
Brav müen dort d´Wibslydd sinn unn g´scheit,
Nooch dem was ich gelese!
Kummt mir emol´s Hyrothe-n-yn,
So reis´ ich, werzina, dort nyn.

       der vollständige Text

 

De Weiwer von Weinsbärch. In: Lene Voigt Werke Bd. 2 "Ich weeß nich, mir isses so gomisch", copyright Connewitzer Verlagsbuchhandlung Peter Hinke & Lene-Voigt-Gesellschaft e. V.

Dr Gaiser Gonrad hatte Wut
Uffs Städtchen Weinsbärch sähre:
«Wänn sich das nich ergäm mir dut,
Da gibts 'ne Mordsaffäre !»
So ließr dorch sein Häröld blasen
Nach Weinsbärch nein in alle Schtraßen.

       der vollständige Text

 

Frau Schnips

Ein Märlein halb lustig, halb ernsthaft,
samt angehängter Apologie

Frau Schnipsen hatte Korn im Stroh,
Und hielt sich weidlich lecker;
Sie lebt' in dulci jubilo,
Und keine war euch kecker.
       [...]

 

Frau Surpf von Carl Friedrich Hartmann. In: Alsatische Saitenklänge. 1848.
   Mit Stroßburrjer Cräyon getreu abkaltiert uff d´F r a u S c h n i p s in G. A. Bürgers Gedichte.

D´Frau Surpf, by iehrer sechste Tass´
Unn nooch em achte Wecke,
Macht plötzli de koriose G´spaß
Unn thuet sich langs hienstrecke.

      der vollständige Text

 

Herr Bacchus

Herr Bacchus ist ein braver Mann,
Das kann ich euch versichern;
Mehr, als Apoll, der Leiermann,
Mit seinen Notenbüchern.

Des Armen ganzer Reichtum ist
Der Klingklang seiner Leier,
Von der er prahlet, wie ihr wißt,
Sie sei entsetzlich teuer.
      [...]
Fürwahr! sie ließen nicht mit Müh
Zur kleinsten Gunst sich zwingen,
Und ungerufen würden sie
Uns in die Arme springen.

 

Parodie auf Herrn Bürgers Lied: Herr Bacchus ist usw. von E. In: Taschenbuch für Dichter und Dichterfreunde, Erste Abtheilung, Leipzig 1774

Apollo ist ein braver Mann,
Und würdiger zu preisen
Als Bacchus, der betrunkene Mann,
Das will ich euch beweisen.

       der vollständige Text  

 

Bachus Vereinigung mit Apoll, ein Mittelstück zwischen H. Bürgers und H. Blumauers Liedern. In: Blüten Anhaltischer Muse. Erste Sammlung. 1792 (Sammlung Helmut Scherer)

Herr Bachus sey ein braver Mann,
   doch Herr Apoll nicht minder!
denn Beiden bin ich zugethan,
   auch sind ja Beide Kinder.

        der vollständige Text.

 

Bacchus von Gottfried August Bürger. In: Gottfried August Bürger's Gedichte, Erster Theil, Göttingen 1796
    
Hoch, drei Mahl höher als Apoll,
Soll Vater Bacchus leben!
Zehn Berge, dicht von Lorbern voll,
Gilt Einer mir voll Reben.

       der vollständige Text
 

nach Blumauer. Gegenstück zu Bürgers Lied: Herr Bachus ist ein braver Mann. In: Aloy's Blumauer's sämmtliche Werke, Vierter Band, Wien 1809
 

Herr Bachus ist ein schlechter Mann,
Ein schmutz´ger grober Bengel,
Und Herr Apoll, der Leyermann,
Ist gegen ihn ein Engel.

      der vollständige Text

 

Lob des Bacchus. Zur Weinlese. von Johann Gottlieb Seume. In: Tisch- und Trinklieder der Deutschen, Erster Theil, Wien 1811

Herr Bacchus ist der beste Mann
Zu einem Schutzpatrone;
Wir nehmen ihn zum Heil'gen an:
Bringt her die Epheukrone.

      der vollständige Text

 

Herr Bachus. (Gegenstück zu Bürger's bekanntem Liede.) von Ernst Woldemar. In: Der Sammler, 10. Juni 1824, Wien

Herr Bachus ist ein armer Wicht,
Das mög´t ihr sicher glauben,
Dem sie, bei hellen Tageslicht,
Jetzt Nas´auf Nase schrauben.

      der vollständige Text

Frau Venus. Parodie auf Bürgers Lied: Herr Bachus ist ein braver Mann von v. X. In: Didaskalia, 27. August 1825

Frau Venus ist ein braves Weib,
(Das kann ich klar beweisen.)
Mehr als Minerva, die den Leib
Bedeckt mit Stahl und Eisen.

      der vollständige Text

 

 

Hummel-Lied

Die Buben sind den Hummeln gleich:
Ihr Mägdlein mögt euch hüten!
Sie schwärmen durch des Lenzes Reich,
Um Blumen und um Blüten.
Sie irren her, sie schwirren hin,
Mit Sehnen und mit Stöhnen,
Und können ihren Leckersinn
Des Honigs nicht entwöhnen.
      [...]

Parodie von Bürger's "Hummel-Lied". von - k. In: Der Gesellschafter, 12. April 1826

Die Kritiker sind Hummeln gleich.
Ihr Dichter mögt euch hüthen !
Sie schwärmen durch Apollo´s Reich,
Vernichten Blum und Blüthen.
Sie irren und sie schwirren hin,
Mit Wähnen und mit Höhnen,
Und wollen ihren kecken Sinn
Zur Freiheit schnell gewöhnen.

        der vollständige Text

 

 

Lenardo und Blandine
   

      ...

   “Lenardo, du Armer! Blandine, mein Kind! -
   O heiliger Himmel! Verzeih´ mir die Sünd`!
   Verklaget nicht mich auch vor Gottes Gericht!
   Ich bin ja - bin Vater ! - Verklaget mich nicht!” -

   So weinte der König, so reut` ihn zu spat,
   Schwer reut´ ihn die himmellanschreyende That.
   D`rauf wurde bereitet ein silberner Sarg,
   Worein er die Leichen der Liebenden barg.

 




   Ursteindruck von Franz Kolbrand
   G. A. Bürger   Balladen
   München 1920
   Herausgegeben und mit einem Nachwort von
   Erich Ebstein

 

Lenardo und Blandine. Ein Melodram. von Joseph Franz von Götz, Zweyte verbesserte Auflage, München 1779
   [...]
In dem Geleite ähnlicher Ideen fielen mir Bürgers Seelen Ergiessungen mit dem ganzen Reiz der Neuheit plötzlich auf, ich weidete mich recht nach Küntler Art an ihren manichfaltigen kraftvollen Bildern.

        der vollständige Text

 

Versuch einer zalreichen Folge leidenschaftlicher Entwürfe für empfindsame Kunst- und Schauspiel-Freunde von Joseph Franz von Götz. Augsburg, 1783

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       die vollständige Serie von Kupferstichen

 

Leonhardtel und Blondinel. Parodie (von Bürgers Leonard und Blandine) mit Ges. in 1 Akt. Musik von Franz Joseph Volkert. Aufgef. Wien, Th. in der Leopoldstadt 19. Jan. 1819 (Wien ThZtg 1819, S. 52; Sammler 1819, S. 40).

Text nicht verfügbar


 

Ludwiga von Caroline Lessing. In: Schlesischer Musen-Almanach 1829. (Sammlung Helmut Scherer)

Als Held in der Schlacht, und als Edler im Land
War Hugo, der stattliche Ritter, bekannt.
Viel Narben verschönten sein stolzes Gesicht,
Hoch glüthen die Wangen für Ehre und Pflicht.

       der vollständige Text.

 

Der Hausknecht und die Wäscherin, oder Leonhartl und Gatschinka. Wien 1832 (ein Geschenk von Herrn Heinrich Tuitje (Göttingen)

Gatschinka sah her, Leonhartl sah hin,
Mit Augen, erleuchtet vom zärtlichsten Sinn,
Sie, d´niedlichste Wäsch´rinn am Alserbach,
Er, Hausknecht, gab Keinem an Schönheit was nach.

        der vollständige faksimilierte Text mit Original
 

 

Liebeszauber
 

      ...

    Schelmenauge, Schelmenmund,
    Sieh’ mich an und thu mirs kund;
    He! Warum bist du die Meine,
    Du allein und anders keine?
    Sieh’ mich an und thu mirs kund,
    Schelmenauge, Schelmenmund!

    Sinnig forsch ich auf und ab;
    Was so ganz dir hin mich gab?
    Ha! Durch nichts mich so zu zwingen,
    Geht nicht zu mit rechten Dingen.
    Zaubermädel auf und ab,
    Sprich, wo ist dein Zauberstab?

      ...

    Gedichte von Gottfried August Bürger. Erster Theil.
    Mit Kupfern.
    Göttingen bey Johann Christian Dieterich 1789
    Stich von Daniel Chodowiecki

 

Magentyranney. Von Eginhardt. In: Z. Funck [d.i. Carl Friedrich Kunz], Das Buch deutscher Parodieen und Travestieen, Zweiter Cyclus, Erlangen 1841

Magen, höre auf mein Wort!
Fahr´nicht stets zu plagen fort!
Magen, merke was ich sage,
Gieb Bescheid auf meine Frage!
Holla, höre auf meinn Wort!
Fahr´nicht stets zu bellen fort!

       der vollständige faksimilierte Text

 

Macbeth. Schauspiel in fünf Aufzügen. Vierter Aufzug.
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    Erste Hexe
    Dreimal hat der Kater miaut.

    Zweite.
    Dreimal schrie das Leichhuhn laut!

    Dritte.
    Dreimal hat der Frosch geköckert,
    und der schwarze Bock gemeckert,
    Urian ruft: ´s ist Zeit jetzunder!

     Erste.
     Trippelt, trappelt, Tritt und Trott
     rund um unsern Zauberpott!
     Werft hinein den Hexenplunder.

     Erst den Kellerlorck, der tief
     Mondenlang im Winkel schlief,
     und von Gift geschwollen quappelt:
     hussa! wie er zuckt und zappelt!

 

 

 

Schmiert! Schmiert! Schmiert! Von Friedrich Heinrich Bothe. In: Parodien, gesammelt und herausgegeben von Karl Müchler. 1820 . (Sammlung Helmut Scherer)

   Erste Hexe.
   Dreimal hat´s im Morgen miaut.

   Zweite.
   Dreimal boll´s vom Abend laut.

   Dritte.
   Dreimal ist gebrüllt aus Norden,
   dreimal Weh geheulet worden.
   Urian ruft: “´s ist Zeit jezunder!”

   Erste.
   Trippelt, trappelt, Tritt und Trott
   um den Hexenmusenpott!
   Werft hinein den Zauberplunder!

   Erst das Hirn von Lohenstein,
   Neukirchs Finger dann hinein!
   Wasser drauf, auch ohne Flammen,
   kocht´s in heiße Flut zusammen.

         der vollständige Text.

Die Kunst Falkische Taschenbücher zu machen. In: Berlinisches Archiv der Zeit und ihres Geschmacks. Berlin 
           1800

Freie Parodie von der ersten Scene vierten Akts von Macbeth, nach Bürger und Eschenburg.

    Viel Monden sind vom Jahr vergangen,
    Noch ist das Buch nicht angefangen,
    - meint ´s ist Zeit jetzunder.
    Laß dir nun schnell die Bücher kommen,
    Sonst ist dir aller Witz entnommen,
    Und bald muß fertig sein der Plunder.

         der vollständige Text.

 

Männerkeuschheit

Wem Wollust nie den Nacken bog
Und der Gesundheit Mark entsog,
Dem steht ein stolzes Wort wohl an,
Das Heldenwort: Ich bin ein Mann!
           [...]

Kastraten und Männer. In: Schiller, Friedrich Sämtliche Werke in 10 Bänden, Berliner Ausgabe Band 1, Gedichte, bearbeitet von Jochen Golz , S.98-102, Aufbau-Verlag Berlin 1980

Überarbeitet und verkürzt um die Strophen 9, 18 und 22-27 fand das Gedicht unter dem Titel “Männerwürde” im Zweiten Teil der Schillerschen Gedichtsammlung (II/2,S. 171-176) Aufnahme

Ich bin ein Mann! – wer ist es mehr?
Wers sagen kann, der springe
Frei unter Gottes Sonn einher
Und hüpfe hoch und singe!

       der vollständige Text

Dei Wörde det Manns. In: Dei Wörde det Manns, Im Jahr Christi 1793 sassisch verposselt, nach Bürgers Männerkeuschheit [1812]

Wem Wollust nie den Nakken bog,
Nich der Gesundheet Mark entsog;
Nur Geist dei Wundersenne strafft,
Nich brunftet Bull- un Bären-Kraft;

       der vollständige faksimilierte Text

       die Transkrition des Vorwortes

 

Mollys Wert

Ach, könnt' ich Molly kaufen
Für Gold und Edelstein,
Mir sollten große Haufen
Für sie wie Kiesel sein.
Man rühmt wol viel vom Golde,
Was ich nicht läugnen kann;
Doch ohne sie, die Holde,
Wie hätt' ich Lust daran?
      [...]


Eine besondere Kostbarkeit stellt eine Parodie von Johann Wolfgang von Goethe dar, über deren Entstehung Carl Schüddekopf13 in seinem Beitrag “Ein Goethisches Lied” berichtet: Der Musiker Carl Melchior Jacob Moltke spielte am Klavier Goethe seine Vertonung von Bürgers Gedicht “Mollys Wert” vor. Daraufhin notierte Goethe “eigenhändig mit lateinischen Buchstaben geschrieben [...], auf einem Quartbogen blaugrünen Conceptpapiers (mit dem Wasserzeichen C&I HONIG)...”

Was sagt hierauf das liebenswürdge Mädchen?
Was sagt sie ?    Was sagt sie ?

  So singst du übertrieben,
Wie mancher übertrieb;
Doch nimmt das wahre Lieben
mit wenigem vorlieb.
Wer will sich denn verbinden
Wer nicht dem Glück vertraut
Das andre wird sich finden.
Gesetzt ! ich wär die Braut.

  Von allen jenen Gütern
Ist freylich gar nichts dein;
Drum singe den Gemüthern
Nicht eingebildte Pein.
Dass ich mich gar nicht scheue
Diess schwör ich Angesichts.
Nur immer Lieb und Treue
Und weiter braucht es nichts.

W d 18 Febr                     Goethe
   1814

 

Münchhausen

Jäger-Latein, oder des berühmten Freiherrn v. Münchhausen [...]. Poetisch bearbeitet im Versmas von Blumauer's travestierter Aeneis von Christian Heinrich Gilardone, 1839

Vorwort
   an
die hochungeneigten Herren Rezensenten.

Weil mir die Sache selbst Vergnügen machen,
Hab' ich in eigner Art sie ausgeführt;
Darum ihr Herren, sachte, sachte, -
Nicht gar zu haarscharf rezensiert;
Verschüttet nicht mein Kindlein sammt dem Bade,
Ihr lieben Herr'n, - ich fleh' um Gnade.
           [...]

         Der vollständige Text

 

Neue weltliche hochdeutsche Reime... auch: Prinzessin Europa
 
      ...

   Die niedliche Gestalt,
   Die schlanken zarten Glieder
   Besah er auf und nieder.
   Ihr Alter er gar bald
   Recht kunstverständig schätzte,
   Und es auf Sechszehn setzte.

   Zum Blumenlesen war
   Ihr Röckchen aufgehoben.
   Das Perspectiv von oben
   Sah alles auf ein Haar.
   Die Füßchen, Knie´, und Waden
   Behagten Seiner Gnaden.

      ...


   Ursteindruck von Franz Kolbrand
   G. A. Bürger   Balladen
   München 1920. Herausgegeben und mit einem Nachwort von
   Erich Ebstein
 

 

Der Kunstreiter und sein Pferd. In: Ein Beitrag zur heiteren Deklamation, Im Verlage bei Franz Wimmer, Ein achter Beitrag zur heitern Deklamation. Wien 1837

In Wien ein Schneider war,
Von nicht geringem Ruhme
In seinem Schneiderthume -
Er konnte auf ein Haar
Ohn´ Maß und solche Sachen
Die schönsten Kleider machen.

             der vollständige faksimilierte Text mit Original

 

Spinnerlied

Hurre, hurre, hurre!
Schnurre, Rädchen, schnurre!
Trille, Rädchen, lang und fein,
Trille fein ein Fädelein,
Mir zum Busenschleier.
       [...]

 

Parodie nach Bürgers Spinnerlied und deßen Melodie von D. In: Preußische Blumenlese für das Jahr 1780.

Hurre, hurre, hurre,
Schnurre, Rädchen schnurre,
Trille, trille lang und fein,
Trille mir ein Fädelein
Unverfälschter Liebe.

        der vollständige Text

 

Das Ganze von Dr. Debeck. In: Der Bazar für München und Bayern, 21. April 1833

Hurre, hurre, hurre;
Schnurre, Rädchen, schnurre
Viele Fädchen groß und klein!

     Der vollständige Text

 

Pokorny, Eduard. Eine Sau. Dritter oder eigentlich zweiter Act. In: Bücher für Herz und Scherz, Zweiter Theil, Prag 1855

          1.
Schnurre Rädchen, schnurre,
Knurre Mädchen, knurre,
Fließt ihr Thränen ungedämmet,
Spinn' ich doch mein Leichenhemmed!
Schnurre Rädchen, schnurre.

          2.
Schnurre Rädchen, schnurre,
Gurre Täubchen, gurre,
Bist du noch so rein und sauber,
Nichts vereint dich deinem Tauber,
Schnurre Rädchen, schnurre.

 

 

 

Begriffe und weiterführende Literatur zum Thema

Hier sollen in aller Kürze einige Begriffe erläutert und Hinweise auf weiterführende Literatur gegeben werden. Zuerst ein Blick in Lexika, die Bürgers Zeit nahe sind.

 „Die Parodie, (a.d. Griech.) ein Gedicht; im weiten Sinne, überhaupt ein Werk des Geschmacks, das man nach einem andern bekannten Gedicht oder ähnlichen Werke macht, welches letztere man durch zweckmäßige Veränderungen auf einen andern Gegenstand anwendet, oder gleichsam in einen andern Ton setzt.“

 „Travestie nennt man eine Art des scherzhaften Gedichts, welcher immer ein ernstes Gedicht zum Grunde liegt, dessen Hauptgedanken, Schilderungen und Charaktere in der Travestie auf lächerliche Weise umgestaltet werden. Sie gelingt am besten, wenn in der ihr zum Grunde liegenden Dichtung viel Pomphaftes und falsches Pathos enthalten sind. Unter den neuern deutschen Travestien von größerem Umfange ist immer noch die travestierte „Aeneis“ von Blumauer die bemerkenswertheste.“ 

Farce (fr., spr. Fars), 1) von gehacktem Fleische mit Eiern, Semmel, Gewürz etc. bereitete Speisen, def. wenn solche in Geflügel, in Fischen, in einem Krautkopf etc. als Gefülltes benutzt od. mit Blätterteig umzogen werden; 2) (sth.), bei den Franzosen u. Italienern kleine dramatische Zwischenspiele (Intermezzi od. Interludien), welche sich auf dem Gebiete der niederen Komik bewegen. Der Name rührt sehr wahrscheinlich von Farce 1) her, indem die F. dazu dient, eine Pause in der Hauptvorstellung auszufüllen, u. mit pikanten Anspielungen u. Localwitzen gewürzt zu sein pflegt.”

Aktuelle und nachvollziehbare Definitionen in neuerer Zeit werden von Wünsch gegeben.

“Eine Parodie ist ein Text, der einen anderen Text dergestellt verzerrend imitiert, daß eine gegen diese Vorlage gerichtete komische Wirkung entsteht.”
 Neben der Parodie gibt es verwandte Phänomene, die sich allerdings mit dem Begriff der Parodie auch überschneiden können.

“Eine Satire ist ein Text, der mit den Mitteln einer oft recht ausgeprägt aggresiven Komik Mißstände jeglicher Art aufdeckt und verspottet. Im wesentlichen handelt es sich demnach um eine Verbindung von Komik und Kritik, wobei die Komisierung des Gegners, ähnlich wie in der Parodie, als Waffe und Wirkungsmittel im Dienste der kritischen Intention eingesetzt wird. Komik und Kritik sind also nicht unabhängig voneinander, sondern die Komik richtet sich gegen den kritisierten Gegenstand mit dem Ziel, ihn zu verspotten und der Lächerlichkeit preiszugebenm um ihn (sozial) zu vernichten oder zu tadeln.”

“Der Terminus ´Kontrafaktur´bezeichnet in Literatur- und Musikwissenschaft Gedichte oder Lieder, die die metrisch-strophische Struktur (Metrum, Vers- und Strophenbau) einer Vorlage übernehmen, aber deren Inhalt (Text) mehr oder weniger tiefgreifend ändern. Es handelt sich also um eine Um- oder Neutextierung (Umdichtung) eines Gedichtes bzw. Liedes, wobei die Imitation der metrisch-strophischen Grundstruktur essentiell ist, während nicht unbedingt die exakte Strophenzahl übernommen werden muß ...”

“Eine Travestie ist ein Text, der einen anderen Text unter Beibehaltung der wesentlichen inhaltlichen Merkmale, aber durch Einkleidung in eine völlig neue, unpassende Sprachform dergestalt verzerrend imitiert, daß eine gegen die Vorlage gerichtete komische Wirkung entsteht. [...,] Die Travestie ist eine Unterart der Parodie ...”

“Das heroikomische Epos oder komische Heldenepos ist ein Typus der Parodie, dessen spezifisches Verfahren darin besteht, kleine und unbedeutende, triviale Ereignisse im hohen Stil des Heldenepos, wie z.B. der Ilias, darzustellen (inhaltliche Substitution bei Wahrung der hohen Stillage). Die komische Wirkung entsteht durch die Diskrepanz zwischen Aufwand und Inhalt.”

“Das Pastiche ist ein Verfahren der Stilnachbildung, das “la maniére, le style” eines Autors, einer Epoche, Schule oder Gattung mit ernsthafter (Plagiat, Stilübung u.ä.) oder parodistischer Absicht imitiert.”

“Ein Cento ist ein aus unveränderten Zitaten eines oder mehrerer Dichter zusammengesetzter Text. [...] Die komische Verzerrung entsteht beim parodistischen Cento durch die Art der Montage, die nicht im Sinne des Originals ist und mehr oder weniger starke Disharmonien erzeugt.”


Am Ende dieses Kapitels wird Literatur zum Thema zitiert, teils belletristischer, teils wissenschaftlicher Natur. Von den vielen Fachbegriffen und sehr ins Detail gehenden Diskussionen sollte man sich nicht abschrecken lassen - man kann sie bei Bedarf übergehen. Es sind aber so viele schöne Beispiele, die auch kommentiert und eingeordnet werden, in den Werken aufgeführt, dass sich die Lektüre auch für den Laien lohnt. Nur ein kleines Beispiel: was passiert, wenn die Parodie vor dem Original da ist - zumindest für die Zuschauer, die erstmals Wagners Tannhäuser sehen, vorher jedoch bereits die diesbezügliche Parodie kennengelernt hatten.
.
Conversations-Lexikon oder kurzgefasstes Handwörterbuch (1809-1811), S. 3699 (www.digitale-bibliothek.de/band131.htm)

Travestie. Bilder-Conversations-Lexikon, S. 15230 (www.digitale-bibliothek.de/band146.htm)

Pierer's Universal-Lexikon, S. 74520 (www.digitale-bibliothek.de/band115.htm)

Frank Wünsch, Die Parodie Zu Definition und Typologie Hamburg Kovac 1999

Bürgers Gedichte in zwei Teilen, Zweiter Teil , Hrg. Consentius,Ernst, Berlin 1909, S.92.

Prinz Seidenwurm, Satiren und Farcen des Sturm und Drang, Rütten & Löning Berlin 1968 Hrg. Klaus Hammer

Die respektlose Muse Literarische Parodieen aus fünf Jahrhunderten, Rütten & Loening Berlin 1968

Aloys Blumauer. gesammelte Schriften Gesammt-Ausgabe, Stuttgart 1877 S.381-383    

Odor Verweyen. Günther Witting Die Parodie in der neueren deutschen Literatur Wiss.Buchgesellschaft Darmstadt 1979     

Eduard Grisebach. Die deutsche Literatur 1770-1870 Wien Verlag von L.Rosner 1876 Kapitel “Die Parodie in Oesterreich” S.175-213