06 Feb, 2017 Bürger-Parodien
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Lenore
 
Kurzfassung
  nach Lene Voigt
  Napoleons Zug nach
    Rußland

  Lenore hat es satt
  Die Fahrt nach der
    Brigittenau

  Der Schriftsteller
  Sourel
  Leehssore
  P-p. Construction
  The Bürger and 
    Brighton Leonora, or
    Romance versus
    railway

  Bürgers en Amstels
    Leonora: een
    spoorweg romance,
    opgedragen aan alle
    wanhopig dochters

  Die Schlacht von Wörth
  Lean ´Nora
  Miss Kitty
  Die Male
  Die Leonore
  Die Gallopade
  Charade
  Die neue Lenore
  The new Leonora
  Die neue Lenore (Kl)
  Einlauf
  Der deutsche Kaiser
  Der Deklamator in Ver- 
    legenheit

  Hans Daniel fuhr ums
    Morgenroth

  Das neue Plätteisen
  Wochenkalender
  Englische Romanze
  Plonplon
  Entreelied
  Tannhäuser

An Agathe
  Mit dem naß geleckten

An die Hoffnung
  Ode an dei Hoopnung

Das Blümchen Wunderhold
  Auch ein Blümchen
   Wunderhold.
  Blümchen Immerschön

Das harte Mädchen
  Elegie eines
   Schneidermeisters

Das Lied vom braven Mann
  ,s Lied vom braven
    Manne
  Ein neues, schönes
   deutsches Lied

Das Mädel, das ich meine
  Die Hexe, die ich meine
  Ausforderung an B.
  Wer hat die Arsback

Der Bauer. An seinen d. T.
  Caroline
  Anna
  Werner
  Johanna
  Bastian

Der Bruder Graurock und die Pilgerin
  Die Linzer Nanni nd der
   schöne Peppi

Der Kaiser und der Abt
  Chozef und der Row
  Aber
  Ein Mährchen

Der Raubgraf
  Das kleine Hexchen

Der wilde Jäger
  Die blonde Sepherl
  Mirth, with thee I mean
    to live

Des Pfarrers Tochter von Taubenhain
  Des Pachters Tochter von
   Schöpfenhain
  Das Schicksal des 
   Junkers vom Falkenstein

Des Schäfers Liebeswerbung
   Antwort auf [...]

Die Entführung
  Die Entführung auf dem
   Zeiselwagen
  Die Entführung oder
   Schneider Valentin
   Quend
  Traurige Folgen

Die Kuh
  Der Schuldner

Die Weiber von Weinsberg
  De Weiwer von
   Weinsbärch
  Die Ische vun Weinsbargk
  nach Ratschky
  nach von Kotzebue
  D´Wjwer von Weinsberg

Frau Schnips
  Frau Surpf

Herr Bacchus
  nach Bürger
  nach Blumauer
  anonymus
  Frau Venus
  Bachus Vereinigung mit
   Apoll

Hummellied
  Parodie von K

Lenardo und Blandine
  Der Hausknecht und die
   Wäscherin
  Ludwiga

Liebeszauber
  Magentyranney

Macbeth
  Schmiert! Schmiert!
          Schmiert!
  Viel Monden sind

Männerkeuschheit
  Kastraten und Männer
  Dei Wörde det Manns

Mollys Wert
  Was sagt hierauf das
   liebenswürdge Mädchen

Neue weltliche hoch- deutsche Reime...oder Prinzessin Europa
  Der Kunstreiter und sein
   Pferd
 

Begriffe & Literatur
 

Parodie ist als Oberbegriff gewählt worden, weil es keinen verbindlichen und kurzen Begriff für die Werke gibt, um die wir uns hier kümmern wollen: Be- und Verarbeitungen von Werken Bürgers, die natürlich auch Parodieen sein können, manchmal aber auch nur als Mittel genutzt werden.

Die Beschaffung geeigneten Materials von einem kleinen Dorf aus ist auch im Zeitalter des Internet nicht immer leicht, manchmal sogar unmöglich. Deshalb sei an dieser Stelle Herrn Helmut Scherer (Berlin) für seine Hilfe herzlich gedankt, ganz besonders für die Bereitstellung von Faksimile der prachtvollen Kupferstiche aus der Gedichtausgabe von 1789, der Arbeit von Schüddekopf “Ein Goethisches Lied” sowie mannigfache Literatur zum Thema Parodie. Darunter ist speziell zu nennen: “Dei Wörde det Manns”, ein Titel, der sich im Katalog der Berliner Staatsbibliothek als -Kriegsverlust möglich- findet, deshalb von mir nicht bestellt. H. Scherer bestellte und der Titel existiert. Die Überraschung ist perfekt, wenn man einen Blick in die Einleitung wirft. Dort ist u.a. zu lesen:

“Düsse Wunsch wärd nu nah-folgendermaaten in der Verposselung der beeden kräftigsten un gelesensten Bürgerschen Gedichte, üm sau leewer erfüllt; da Bürger sülwst, 1793, düssen Innfall.....” (Hervorhebung hinzugefügt)

Hier das vollständige Vorwort als Faksimile. Hier zur Transkription. Die Hintergründe werden noch untersucht, jedenfalls ist nicht nur die “Männerwürde” verposselt worden, sondern auch “An die Hoffnung”. Dieses Beispiel zeigt, dass in den Bibliographien nicht immer die Arbeit mit dem Original üblich ist, sonst wäre das aufgefallen - so findet sich sowohl bei E. Consentius als auch bei G. und H. Häntzschel (um nur zwei Beispiele zu nennen) zwar “Dei Wörde det Manns”, nicht aber die “Ode an dei Hoopnung”.

Bürger selbst hat Parodieen über Werke anderer Autoren geschrieben, genannt seien
    - Schäm`dich nicht der Liebe zum Kammermädchen (eine seinem Freund Erich Biester gewidmete
                                        Horazparodie, die in den meisten Gedichtausgaben fehlt)
    - Neue weltliche hochdeutsche Reime [...] oder Prinzessin Europa (eine Travestie nach Ovid)
    - An Themire. Travestirt nach dem Horaz:

Schäm' dich nicht der Liebe zum Kammermädchen,
Erich Biester, rührte die rosenblütne
Bettmagd Briseis doch auch den erlauchten
                      Feldherrn AchilIes.

Schau' auf die Erzväter Abram, Jakob,
Welche Fintchen machten sie nicht, sich mit den
Zofen der Hausehren begeben zu dürfen !
                    Herrliche Zeiten!

Als die alten Saras den Wachsstock hielten,
Wenn die Herrn des Hauses an jüngern Dirnen,
Um den Tisch voll Kinder zu kriegen, Ihre
                   Kräfte versuchten !

Falsch vielleicht, Freund, wähnest du von den Ahnen
Deiner braunen, niedlIchen Miß Luise,
Glaubst du, daß aus niedrer Philster Lenden
                       Diese gekommen?

Ha! wer weiß es, ob sie nicht Fräulein hieße
Oder MamseIl? beichtete nur die Mutter.
Es verrät Ihr Adel, ihr Gang und ihre
                 Züchtige Miene.

Und ihr Anstand in dem beblümten, bunten
Kleinen, saubern Mäntelchen, ihre Unschuld,
Welch' allein noch, feuriges Ding, dich zähmet,
                 Besseren Ursprung.

Ach! wie lockt ihr Auge - ihr Mund - Ihr Busen -
Wade - Fuß? - Doch wähne von mir nichts Arges,
Den bereits unzählige Abenteuer
          Schlapper gemachet.

An Themiren
Travestiert nach dem Horaz

Ach, würden falsche Schwüre
Durch Zeichen an dir kund !
Verfärbte sich, Themire,
Dein frevelhafter Mund!

O, daß ein Zahn sich schwärzte,
Meineidige I daß nur
Ein Fingerchen dir schmerzte,
Das sich erhob zum Schwur!

So glaubt' ich, Götter hielten
Noch was auf Treu' und Pflicht,
Und falsche Mädchen spielten
Mit teuern Eiden nicht. -

Doch deinen Reiz erheben
Verbrechen nur noch mehr;
Und immer dichter schweben
Verehrer um dich her.

Frau Venus und ihr Völkchen
Läßt fünf gerade sein.
Von Unmut nicht ein Wölkchen
Hüllt ihre Stirnen ein.

Per Dio ! Was noch schlimmer,
Dein Flattersinn ergötzt
Den Schadenfroh, der immer
An heißen Pfeilen wetzt.

Daher in allen Schulen
Befiedert täglich sich
Ein Heer von jungen Buhlen,
Und insgesamt für dich.

Die kommen dann, und zollen
Dir Huldigung und Pflicht.
Die Alten aber trollen
Deswegen sich noch nicht.

Und Alt und Jung umschwärmet
Nun, wie behext, dein Haus.
Man baxet sich, man lärmet ...
Ach! wo will das hinaus? -

Dich scheut, des Söhnchens wegen,
Die zärtliche Mama;
Und, seines Beutels wegen,
Der geizige Papa.

Du ängstigst junge Frauen:
Es möchte deinen Wert
Ein Tröpfchen Gunst betauen,
Das ihnen zugehört.

 

Zusätzlich hat Bürger sein eigenes Werk parodiert, siehe die beiden Gedichte zu “Das Mädel das ich meine”.
Noch komplizierter wird es, wenn neben den Begriffen Parodie und Travestie die Begriffe Satire und Farce auftauchen, so in dem Buch “Prinz Seidenwurm, Satiren und Farcen des Sturm und Drangs”. Dort sind fünf Gedichte und vierzehn Epigramme Bürgers eingebunden.
Es erscheint deshalb sinnvoll, auf Arbeiten hinzuweisen, die sich mit diesen Begriffen z.T. aus literaturwissenschaft- licher Sicht befassen. Am Ende des Kapitels (nach den Bürger-”Parodieen”) werden deshalb Definitionen und Hinweise auf weiterführende Literatur gegeben. An einem kleinen Beispiel (der kürzesten Lenore-Parodie) soll jedoch schon auf einige Aspekte hingewiesen werden:
1. Wenn ein solches Werk nicht im Titel schon das Wort Parodie enthält, ist der Leser gefordert - wenn er das
   Original nicht kennt, wird er vielleicht keine Parodie erkennen.
2. Etwas Verstand wird auch benötigt, der Leser sollte erkennen, was parodiert wird, hier ist es vor allem die Länge
  des Originals.
3. Kuriose Verhältnisse können sich ergeben, wenn dem Leser (oder Zuschauer einer Oper) zuerst die Parodie
   und dann erst das Original bekannt ist.
4. Parodie ist oft ein geschicktes Spiel mit Wörtern, an unserem Beispiel besonders gut zu studieren:
  im Original bedeutet “fuhr aus ihren Träumen” aufwachen, nicht aber sich fortbewegen, “ums Morgenrot” ist zeitlich
  gemeint”. In der Parodie erfolgt eine doppelte Umdeutung: Lenore fährt um das Morgenrot herum, also Bewegung 
  und räumliche, nicht zeitliche, Veränderung.

Parodie ist nicht immer freiwillig, besonders wenn Betrachter und Autor zu unterschiedlichen Zeiten leben. Die Illustrationen zu Bürgers Lenardo und Blandine von J.F. von Goez (1783) zeigen dies. Dieses Werk ist von Horst Günther im Insel Verlag Frankfurt am Main 1980 in einer hervorragend ausgestatteten Ausgabe faksimiliert worden.

Ordnet man die folgenden Bearbeitungen Bürgerscher Gedichte nach der Intention der Autoren, kann man deutlich auch unterschiedliche Motivationen erkennen:
– dem Inhalt des Originals soll widersprochen werden (Männerkeuschheit)
– die Bekanntheit des Originals soll genutzt werden, um eine Botschaft zu transportieren (Napoleons Zug nach Rußland)
– die eigene Bedeutung soll gesteigert werden, indem möglichst viele bekannte Werke eines berühmten Autors parodiert werden
   (Die Fahrt nach der Brigittenau u.a.)
– die Lust am Spiel mit Worten am eigenen Werk (Die Hexe die ich meine)
– die Nutzung der Struktur des eigenen Werkes, um ein anderes Werk lächerlich zu machen (Wer hat die Arsback...)
- ein bekanntes Werk Bürgers wird umgearbeitet um den Stil eines anderen Schriftstellers zu parodieren zu können (Ratschky)
Für alle folgenden Werke kann jedoch Bürgers Epigramm als Motto dienen:


                Wenn dich die Lästerzunge sticht,
                So laß dir dies zum Troste sagen:
                Die schlechtesten Früchte sind es nicht,
                Woran die Wespen nagen.

 

Lenore (1773)

   ...

   “Rapp´! Rapp´! Mich dünkt der Hahn schon ruft.
   Bald wird der Sand verrinnen
   Rapp´! Rapp´! Ich wittre Morgenluft
   Rapp´! Tummle dich von hinnen !
   Vollbracht, vollbracht ist unser Lauf !
   Das Hochzeitbette thut sich auf !
   Die Todten reiten schnelle !
   Wir sind, wir sind zur Stelle.”

   Rasch auf ein eisern Gitterthor
   Ging´s mit verhängtem Zügel.
   Mit schwanker Gert´ein Schlag davor
   Zersprengte Schloß und Riegel.
   Die Flügel flogen klirrend auf,
   Und über Gräber ging der Lauf.
   Es blinkten Leichensteine
   Rund um im Mondenscheine.

    ...

   

Gedichte von Gottfried August Bürger. Zweyter Theil. Mit Kupfern. Göttingen bey Johann Christian Dieterich 1789. Stich von Daniel Chodowiecki

 

Die Kurzfassung:

Lenore fuhr ums Morgenrot
und als sie rum war
war sie tot.

Lenore. In: Lene Voigt Werke Bd. 2 "Ich weeß nich, mir isses so gomisch", copyright Connewitzer Verlagsbuchhandlung Peter Hinke & Lene-Voigt -Gesellschaft e. V. mit freundlicher Genehmigung

Lenore sauste ausn Bätt
Un fuhr in ihre Laatschen,
Denn's schiener, als wenn eener tät
Vorm Hause unten graatschen.

        der vollständige Text

Napoleons Zug nach Russland. In: Ein hundert deutsche historische Volkslieder. Hg. Fr. Leonard von Soltau Leipzig 1836

Napoleon fuhr ums Morgenrot
Empor aus schweren Träumen -
Ach, alles hin, ach, alles tot,
Jetzt muß ich Deutschland räumen!
Er war mit seiner ganzen Macht
Gen Rußland zogen in die Schlacht,
Man hatte oft geschrieben,
Daß er gesund geblieben.

       der vollständige Text

Lenore hat es satt. In: Kein Pardon für Klassiker, Parodieen Philipp Reclam jun. Stuttgart S. 30-32

Lenore fuhr nach Liebe toll
Empor aus schwülen Träumen.
»Bist untreu Wilhelm? Oder voll?
Tust deine Pflicht versäumen.«
Er war mit seinem Säufertrupp
Gezogen in den Kegelclub
Und hat nicht ferngesprochen,
Wann er käm' heimgekrochen.

        der vollständige Text

Die Fahrt nach der Brigittenau. In:Ein Beitrag zur heiteren Deklamation, Im Verlage bei Franz Wimmer, 
 Wien 1834 - 1839

D` Lenorl fuhr ums Abendroth
Empor aus düstern Träumen ;
“Wo bleibt mein Jörgerl ? - Schwerenoth,
Wie lang wird er noch säumen ?
Er ging als Aufhackknecht ins Gay ,
Und schwur bey seiner Lieb´ und Treu
Zum Kirchtag mich zu führen ,
Und dort recht zu traktiren !”

       der vollständige faksimilierte Text mit Original

Leehßore, Travestie nach Bürger's "Lenore."
        Vom Verfasser des "Gütsteher." [d.i. Reb Gedaljeh Pinkeltroger]
        Wien, Herzfeld & Bauer. 1865

Leehßore wahnt sich de Agen roith
Uen höert nit auf zü schreie:
"Is Wolfele plete oder toidt?
Oder thüt er's gor bereue?"
Mit Maier, Feiwel, ün Jekewbär
Is er fort zün Schier, zün Rebbe Reb Mär;
Oder noch nie hot er geschrieben
Uem Leberlech oder Grieben.

      der vollständige Text

 

Der Schriftsteller. Von W. v. A. In: Z. Funck [d.i. Carl Friedrich Kunz], Das Buch deutscher Parodieen und Travestieen, Zweiter Cyclus, Erlangen 1841

Es fuhr Herr Carl um´s Morgenroth
Empor aus schweren Träumen:
“Du bist ein großer Schlagetodt,
Wie lange willst du säumen ?
Du schreibst so gut, wie Göth´und Tieck;
So setz´dich hin, schreib die Kritik
Von Bürgers Leonore,
Das macht gewiß Furore !”

Sourel. In: Z. Funck [d.i. Carl Friedrich Kunz], Das Buch deutscher Parodieen und Travestieen, Zweiter Cyclus, Erlangen 1841

Die Sourel faeihrt um´s Morjerouth
Uff ahnmoul uff aus Traeume:
“Nu Itzig lieb, sag bist du toudt,
Sag, wie lang willst de saeume ?” - -
Der Itzig, mit Napoliouns Macht
Marschirt uff Rußland in der Schlacht,
Hot noch kahn Wort geschriebe,
Oeb er gesund geliebe.
 

        der vollständige faksimilierte Text beider Parodien

Poetisch-prophetische Construction der Geschichte der Kantischen Philosophie, nebst einem
geschwänzten Sonette, und einer neuesten Epoche in der deutschen Poesie.
Eingesandt aus Jena.

Dieses ganz merkwürdige literarische Erzeugnis ist zu finden in: Neues Museum der Philosophie und Literatur, 1804 S.163-170
Ein Auszug:

Ausführlich beschreibt nunmehr der Poet das populare Drängen und das sentimentale Jauchzen des Volkes der Platten in jener Periode.
   Ach! aber für Lenoren
   War Gruß und Kuß verloren.
Die Philosophie fand ihren Mann nicht. Und Kant ließ noch immer nichts von sich hören.
Der Poet mahlt hierauf die verzweiflungsvolle Situation der Philosophie.
   Als nun der Zug vorüber war,
   Zerzauste sie ihr Rabenhaar,...
Dieses Gemählde konnte nicht schicklicher ausgeführt werden, als durch die Unterhaltung der Philosophie mit ihrer
M u t t e r, nämlich der V e r n u n f t.
   Die Mutter lief wohl hin zu ihr.
   Ach ! daß sich Gott erbarme !

       der vollständige faksimilierte Text mit dem geschwänzten Sonette

 

The Bürger and Brighton Leonora, or Romance versus railway: dedicated by permission to all desperate daughters - by I.W. Warre Tyndale; illustrated by K.A. Drake.  Digitalisiert von Google.

LENORA from her dreamy bed
  Awoke at rosy break of day:
“Oh, William, art thou false or dead,
  Why tarry thus so long away?”
With Frederic´s royal train and might
He went to Prague´s protracted fight,
And ne´er had tidings sent to tell
If still he lived, if all were well.

     der vollständige Text mit vielen Illustrationen.

 

Bürgers en Amstels Leonora: een spoorweg romance, opgedragen aan alle wanhopig dochters
het Engelsch van J.W. Warre Tyndale vrij gevolgd door W.J. van Zeggelen. Digitalisiert von Google.

    Rezensionen von 1849 und 1850 zu dieser Parodie in der ONLINE-BIBLIOTHEK

Naauw lichtte in ´t Oost de dageraad,
  Toen LENORE ontwaakte,
En met de smart op ´t schoon gelaat
  Een zucht van weemoed slaakte.
“Ach, WILHELM! ach wanneer misschien
Zal ´k u gelukkig wederzien ?
Of moest, bij ´t dolend zwerven,
Ge op vreemden bodem sterven?”

     der vollständige Text mit mehreren Illustrationen.

Die Schlacht von Wörth. Ballade von Gottfried August Bürger. In: Immortellen des Schlachtfeldes von Wilhelm von Plönnies 1870.

Im schönen Land am Oberrhein
Da hat sich´s zugetragen:
Drei feine deutsche Mägdelein
Die sah ich steh´n und klagen.
Du liebliche Markgräflerin,
Wo ist dein helles Lachen hin?
Wo sind der Schwäbin Scherze?
Was bricht der Bai´rin Herze?

     der vollständige Text.

 

LEAN ´NORA:Supernatural, though Sub-pathetic BALLAD. A Good Long Way (almost Ninety-Seven years) AFTER THE GERMAN OF GOTTFRIED AUGUST BÜRGER. BY HEINRICH YALC SNEKUL [d.i. Clay Lukens] 1870.

At dawn of day, lean 'Nora wakes;
   From night-mare, quick alighting.
"Ach, William mein !"- she shuddering shakes;
   His paper profile sighting:
"He fights at Prague, mit Fritz the Great,
For extra news, in vain ich wait,
   Und long for William's kissing;
   Mein Gott! he turns up,- missing!"

     der vollständige Text.

Miss Kitty: a Parody, on Lenora; a Ballad, Translated from the German. 1797. Digitalisiert von Google.

 AWAKE all night, Miss Kitty toss´d,
  Unconscious of the down:
"My BELMONT, art thou kill´d, she said,
  - Or, art thou not in town?"

    der vollständige Text.

Die Male (Amalie) von C.W.Peschel. In: Schlesischer Musen-Almanach. 1829. (Sammlung Helmut Scherer)

Die Male sprach: - ums Morgenroth
Erwacht aus schweren Träumen -
“Zehn Freunde gehn wohl auf ein Loth,
Noch immer thut er säumen!
Ich meinte doch: in einer Nacht
Wär fertig solch ein Rock gemacht,
Ich hatt´s ihm ja geschrieben,
Und er - ist ausgeblieben.”

    der vollständige Text.

 

Die Leonore . In: Der Anecdotenjäger. Zeitschrift für das lustige Deutschland. Zehnter Band. Nordhausen 1854 u. 1855.  Digitalisiert von Google

„Kraut, Liebchen, auch!" sagte mein Vater und schob die Platte mit Sauerkraut meiner Mutter zu. Es war nämlich Sonntag Mittag, und das schwäbische Lieblingsgericht stand auf dem Tische. Der mütterliche Magen konnte zeitweise kein Sauerkraut vertragen und ward alsdann mit Blutwurst und geräuchertem Schweinefleisch entschädigt, weshalb Papa für nöthig hielt, auf den Inhalt der Platte aufmerksam zu machen mit den Worten:
        „Kraut, Liebchen, auch!"
„Der Mond scheint hell!" sagte ich halblaut vor mich hin, obgleich eigentlich die Sonne schien. Papa sah mich mit freudestrahlenlen Augen an, Mama aber ließ Messer und Gabel fallen, maß erst mich, dann Papa'n mit Zornesblicken und fuhr auf: „So muß auch noch der Bube das närrische Zeug auffangen! Ist aber auch kein Wunder, denn man hört kein gescheidtes Wort mehr von Dir. Wenn mir nur das Sappermentsbuch nicht ins Haus gekommen wäre!"
        „O Mutter, Mutter, was mich brennt,
        Das lindert mir kein Sakrament!"
sagte ich, und blies mit beiden Backen auf den heißen Inhalt meines Tellers. Hätte Papa mich nicht in Schutz genommen, so wäre ich mit meiner poetischen Reminiscenz übel gefahren.

    der vollständige Text

 

Die Gallopade von Ulrich von Destouches. In: Erzählungen und Gedichte. München 1839. Digitalisiert von Google

   Die Lenerl fuhr am Faschingstag
Empor von ihrem Sitze:
"Wo nur der Krispin bleiben mag,
Der bringt mich noch in Hitze!" —
Denn da er zu der Gallopad'
Sie lang schon engagiret hat,
So war ihr angst und bange,
Blieb er doch gar so lange! —

   der vollständige Text

472. Charade von Anonym. In: Deutsches Räthselbuch, Erster Band, Halle und Berlin 1812.

Lenore fuhr ums Morgenroth
Empor aus schweren Träumen.
´Ach Gott! Geliebter! du bist todt!
Ich sah in höhern Räumen
Dein bleiches Bild durch Nebelflor
Wehmüthig nach mir blicken,
Und tief aus wunder Brust hervor
Gepreßte Seufzer schicken.

   der vollständige Text

Die neue Lenore. In: Isis. Zeitschrift für Unterhaltung und sociales Leben, 28. Juli 1850
                      Erstmals veröffentlicht in Leuchtkugeln, 1850, S. 55

Die neue Lenore.

Rapp'! Rapp'! Mich dünkt, der Hahn schon ruft ...
Bald wird der Sand verrinnen,
Rapp'! Rapp'! Ich wittre Morgenluft ...
Rapp'! Tummle dich von hinnen! -
Vollbracht, vollbracht ist dieser Lauf!
Das Hochzeitbette thut sich auf.
Die Todten reiten schnelle!
Wir sind, wir sind zur Stelle.

Rasch auf die Revolution
Ging's mit verhängtem Zügel.
Ein leichter Schlag zersprengte schon
Den Hecker, Struv' und Siegel.
Die Bayonnette klirrten auf,
Und über Gräber ging der Lauf.
Es blinkten Leichensteine
Ringsum im Mondenscheine.

   der vollständige Text

The New Leonora (Altered from Bürger). In: Punch, Vol. XII London

Punchs Poems of Parliament

The New Leonora (Altered from Bürger)

The County-Member rose from dreams
  Of Peel und base defection:-
"Art lost, or liv'st in STANLEY'S schemes,
  My own, my loved Protection?"
The cause hab suffered in the fight,
Where Peel with COBDEN joined and BRIGHT;
But there was an impression
'Twould rise again this Session.

  der vollständige Text

Die neue Lenore. In: Kladderadatsch 26. Mai 1861

Borussia fuhr ums Morgenroth
Empor aus schweren Träumen:
"Bin ich mir untreu oder todt?
Wie lang' noch will ich säumen?
Noch hab ich durch moral'sche Macht
Erobert nichts
, wie man gedacht
Und wie man oft geschrieben -
Ach, wo bin ich geblieben.

  der vollständige Text

Einlauf. In: Nürnberger Beobachter 6. August 1857

Hübsch Gretchen fuhr ums Morgenroth
  Empor aus schweren Träumen:
Bist untreu, Wilhelm! oder todt,
  Wie lange willst Du säumen? -
  Der polizeiliche Beschluß,
  Hat ihm gemacht zwar viel Verdruß,
   Doch hat er oft geschrieben,
   Daß er gesund geblieben.

  der vollständige Text

Der deutsche Kaiser, von Louise Dittmar. In: Der Wiener Postillon, 1851, S. 165-167

Der Deutsche fuhr um’s Morgenroth
Empor aus schweren Träumen;
“Bist untreu, Freiheit, oder todt,
Wie lange willst Du säumen?”
Die Freiheit, nach der Herrmannsschlacht,
Gezogen in die dunkle Nacht,
Sie hatte nicht geschrieben,
Wo sie seitdem geblieben.

  der vollständige Text

Der Deklamator in Verlegenheit, von Karl Zwerens. In: Der flotte Geist, Wien. 1. Februar  1867

    Zum Ich möchte gern was deklamiren,
    Man macht sich ja dadurch beliebt,
    Nur kann man auch dabei riskiren,
    Daß es Verlegenheiten gibt.
    Die Wahl des Stoffes ist entscheidend,
    Zuhörer gibt's verschied'ner Art,
    Was für den Einen ist zu schneidend,
    Dem Andern scheint es viel zu zart;
    Ein Dritter will nur Großes hören,
    Dem Vierten Kleines nur gefällt
    Und Alle, Alle stets begehren
    Was Neues! - Gibt's das auf der Welt?
    Ist denn nicht Alles alt geworden?
    Hat nicht das Gute immer Werth?
    So will ich denn von da und dorten,
    Nur Altes kochen an dem Herd:
    So ein Ragout vom Zeitenschmause,
    Aus Wohlbekanntem bunt gemischt,
    Das sei zum gütigen Applause
    Deklamatorisch aufgetischt. - -
    Man kennt, was Bürger hat geschrieben:
    ´Lenore fuhr um's Morgenroth´ -
    Da bin ich stecken schon geblieben.
    Wie helf ich mir aus dieser Noth?
    Ich muß auf Bürger's Rechnung reimen:
    Lenore fuhr um's Morgenroth,
    Empor aus sehr verliebten Träumen,
    ´Bist untreu Wilhelm, oder todt?´
    Sie hat um ihn geseufzt bei Nacht,
    Was hat indessen er gemacht?
    Sie muß es wissen auf der Stelle,
    Und ´hurre! hurre! hop, hop, hop!´
    Da springt sie schon an seiner Schwelle
    Aus dem Fiaker im Galopp.
    ´Rasch auf ein eisern' Gitterthor,
    Geht's mit verhängtem Zügel

    Es kommt ihr was verdächtig vor,
    Sie sprengt der Thüre Riegel:
    Da sitzt er in dem Kanapé
    Und bei ihm eine and're Fee!
    Der Zweifel ist sie ledig,
    Gott sei dem armen Teufel gnädig! - -
    ´Die Tochter des Pfarrers von Taubenhain
    War unschuldsvoll, wie ein Täubchen´ -
    Da fällt mir schon wieder nichts weiter ein,
    - Ja, ´zu enge ward ihr das Leibchen
    Ein Lump war der Ritter von Falkenstein,
    Hat sie doch nicht genommen zum Weibchen -
     

Hans Daniel fuhr ums Morgenroth von Anonym. In: Kladderadatsch, 21. October. 1855

    "Rapp'! Rapp'! ich wittre Morgenluft!"
    Hans Daniel fuhr ums Morgenroth
    Mit schrecklichem Gerassel -
    Es war für ihn kein Butterbrot -
    Zum letzten Mal durch Cassel!
    Zu Ende war's mit seiner Macht;
    Es hatte noch in später Nacht
    Sein Brotherr ihm geschrieben,
    Daß er's zu arg getrieben!

    Und überall, all' überall
    Auf Wegen und auf Stegen,
    Zog Alt und Jung dem Jubelschall
    Der Freudenpost entgegen.
    Gottlob! - rief Bräutigam und Braut -
    Gottlob! rief Kind und Gattin laut,
    Und Jubel ohn' Ermessen
    War in dem Lande Hessen!

    Und rasch nach rechts und rasch nach links,
    Durch Dörfer, Städt’ und Flecken,
    Durch alle Deutschen Gauen rings
    That sich der Ruf erstrecken:
    "Geduld, Geduld! Wenn's Herz auch bricht!
    Nur stets Geduld und hadert nicht!
    Hans Daniels sind wir ledig!
    Gott sei - dem Lande gnädig
    !"
     

Lenore (frei nach Bürger). In: Beiblatt der Fliegenden Blätter 103. 1895

    Lenore fuhr ums Morgenroth      
    Hervor aus ihren Betten:          
    Hurrah! jetzt kann ich ohne Noth   
    Für Wilhelm Hemden plätten!      

    Ich frag die Leute auf und ab,
    Ich frug in allen Läden,
    Bis man mir ein Plätteisen gab,
    Frei von den frühern Schäden.

    Das früh're Plättzeug hat mich genirt
    Durch Hitze an Arm und Fingern;
    Jetzt aber plätt ich isolirt!!
    Fort mit den alten Dingern!

    Und hurre, hurre, hopp, hopp, hopp,
    Plätt ich an manchen Tagen
    Seitdem in sausendem Galopp
    Weit über hundert Kragen!

    Wüßt ich nur blos, wo Wilhelm bleibt?
    's ist doch ein säum'ger Wandrer!
    Na! seit ich dies Plätteisen hab,
    Nimmt mich auch gern ein Andrer!

Wochenkalender von Anonym. In: Kladderadatsch, 17. Juli 1859

       Montag, den 18. Juli.
    Italien fährt ums Morgenroth
    Empor aus blut'gen Träumen:
    Wo bist du Freiheit? Schwere Noth!
    Wie lange willst du säumen?

       Dienstag, den 19. Juli.
    Der Kaiser schreibt der Kaiserin:
    ´Des blutigen Haders müde,
    Erweichten wir den harten Sinn -
    Geschlossen ist der Friede

       Mittwoch, den 20. Juli.
    ´Gottlob!´ ruft Kind und Gattin laut,
    ´Willkommen!´ manche frohe Braut,
    Doch denkt auch Der und Jener
    Der armen Italiäner:

        Donnerstag, den 21. Juli.
    ´Du arme Freiheit, lisch nur aus!
    Stirb hin, stirb hin in Nacht und Graus!
    Für uns ist kein Erbarmen -
    O weh, o weh uns Armen!

        Freitag, den 22. Juli.
    Komm, Pfaffe, her mit deinem Chor
    Und gurgle ihr das Sterbelied vor!
    Komm her und sprich den Segen,
    Eh' sie ins Grab sie legen!´

         Sonnabend, den 23. Juli.
    Geduld, Geduld, wenn's Herz auch bricht!
    Mit der Geschichte hadert nicht!
    Des Einen seid ihr ledig;
    Gott sei dem Andern gnädig!
                Kladderadatsch

 

Englische Romanze. In: Nebelspalter, 2. Dezember, 1899, Zürich. Digitalisiert von ETH Zürich 

    Herr Chamberlaine um's Morgenrot
    Fuhr auf aus schweren Träumen:
    "Was ist denn das? Stockschwere Not!
    Wie lang will Buller säumen?
    Wir schicken ihn doch nach Transvaal
    Damit er, wie ein Wetterstrahl
    Bei schwüler Luft wie Halme,
    Die Boerenbrut zermalme!"

    Der vollständige Text

Plonplon. In: Nebelspalter Band 12, 1886. Zürich. Digitalisiert von ETH Zürich.

    Prinz Plonplon fahr um's Morgenroth
    Empor ans schweren Träumen:
    "Mein Kaiserthron, er ist in Noth,
    Da gilt's nieht Tanger säumen.
    Ha, vorwärts nur mit frischem Muth!
    Der alte Geist Napoleons thut
    Sich wieder in mir bäumen.

    Der vollständige Text

Entreelied, von Henrion, Poly [Kohlenegg]; Musik Carl Millöcker. Sachsen in Oesterreich.
             Komisches Grenzbild mit Gesang, Wien. 1866

    Aurora fuhr ums Morgenroth!
    Bist, Theurer, untreu oder todt?
    Wie lang wirst Du noch säumen?
    Er hat mir nicht geschrieben,
    Ob er is todt geblieben.
    Was nützt mich all' mein Träumen!
    Ich weiß nix von mein Schatz,
    Ach! am End' g'hört er gar schon der Katz!
     

Pilger- und Jägerchor von Hermann Wollheim. In: Tannhäuser oder: Die Keilerei auf der Wartburg, Hoyerswerda. 1856

       (Pilger und Jägerchor bringen zwei Bahren).
       Morgenroth, Morgenroth!
       Du Latern' zum frühen Tod.
       Ach um sich vor vielen Jahren
       Ist Lenore 'rumgefahren
       In der Droschke des Vereins.
       Kaum gedacht, kaum gedacht,
       Sollst du werden Todesnacht.
       Gestern roth und heut erblassend
       Ach das find ich gar nicht passend
       Von ein junges Liebespaar.

 

An Agathe

Ohne Titel von Carl Friedrich Cramer. Parodie. 1773. An den jüngsten Grafen Stolberg, als er anfing Griechisch zu lernen. In: Bundesbuch des Göttinger Hains.  (Sammlung Helmut Scherer)

Mit dem naß gelecktem Finger
Schlage frisch die Blätter um,
Endlich wird die Müh geringer
Und du dringst ins Adytum.

     der vollständige Text.

An die Hoffnung

Ode an dei Hoopnung. In: Dei Wörde det Manns, Im Jahr Christi 1793 sassisch verposselt, nach Bürgers Männerkeuschheit [1812]  (Sammlung Helmut Scherer)

O beste holder Fayen!
Met leewevullem Sinn,
Vom Himmel utersaihen
Taur Minschentrösterin!
Schön, wie dei Morgenstunne,
Dei rosig an us bräkkt,
Un met dem Purpurmunne,
Dei Honnigrede, spräkkt:

        der vollständige faksimilierte Text

Das Blümchen Wunderhold

Auch ein Blümchen Wunderhold. In: Almanach der Porodieen und Travestien. Hg. M.G.G. Röller. 1818.

Es blüht ein Blümchen irgendwo
In einem stillen Thal.
Das macht, so oft es blüht, uns froh,
Doch blüht´s nicht allemal.
Man kauft es oftmals nicht um Gold,
Der Kluge hält´s geheim.
Drum nennt´ ich Blümchen Wunderhold
Verböt´ es auch der Reim.

      der vollständige faksimilierte Text

Blümchen Immerschön. In: Lyrische Anthologie. Herausgegeben von Friedrich Matthisson. 1806.

Es wächst ein Blümchen irgendwo,
Zur Lust vom Himmel uns beschert.
Wers blühen sieht, den macht es froh;
Wers eigen hat, der halt´ es werth!
Ein jeder ist darum bemüht,
Weil´s Blümchen hier so selten blüht.

        der vollständige faksimilierte Text

Das harte Mädchen.

Elegie eines Schneidermeisters. Seinen Schuldnern gesungen. In: Z. Funck [d.i. Carl Friedrich Kunz], Das Buch deutscher Parodieen und Travestieen, Zweiter Cyclus, Erlangen 1841

Ihr nennt die Schneider freudenreich,
Weil sie so munter hüpfen,
Ach ! ihr wißt nicht, wie viel um euch
Uns Thränen oft entschlüpfen.

        der vollständige faksimilierte Text

Das Lied vom braven Mann
   ...

   ”Hier rief der Graf, mein wackrer Freund !
   Hier ist dein Preis ! Komm her! Nimm hin!” -
   Sag an, war das nicht brav gemeint?
   Bey Gott! der Graf trug hohen Sinn. -
   Doch höher und himmlischer, wahrlich! schlug
   Das Herz, das der Bauer im Kittel trug.

   “Mein Leben ist für Gold nicht feil.
   Arm bin ich zwar, doch ess´ich satt.
   Dem Zöllner werd´eur Gold zu Theil,
   Der Hab´und Gut verloren hat!”
   So rief er, mit herzlichem Biederton,
   Und wandte den Rücken und ging davon.-

    ...

  

   Gedichte von Gottfried August Bürger. Zweyter Theil.
   Mit Kupfern.
   Göttingen bey Johann Christian Dieterich 1789
   Stich von Daniel Chodowiecki

 

,s Lied vom braven Manne. In: Lene Voigt Werke Bd. 2 "Ich weeß nich, mir isses so gomisch", copyright Connewitzer Verlagsbuchhandlung Peter Hinke & Lene-Voigt-Gesellschaft e. V.

Es war ämal im Februar.
Dr Himmel sahk so sonderbar,
Un alle Männer, alle Fraun,
Die meenten : «Heite wärds noch daun!»

       der vollständige Text

Ein neues, schönes deutsches Lied. In: Z. Funck [d.i. Carl Friedrich Kunz], Das Buch deutscher Parodieen und Travestieen, Zweiter Cyclus, Erlangen 1841

Hoch klingt das Lied vom braven Mann
Wie Orgelton und Glockenklang;
Schlimm lohnt die Welt solch einen Mann,
Doch ihn erhebe mein Gesang.
Und all´ihr Guten, stimmt mit an,
Zu loben und preisen den braven Mann.

        der vollständige faksimilierte Text

Das Mädel, das ich meine
  
   
Zu Mollys Geburtstag, 24. August, gedichtet
   und am 22.Aug. 1776 an Goeckingk für den
   Almanach gesandt:

   “Ein Liedlein, meiner Schöne zu Ehren, an ihrem
   Geburtstage ganz leise gesungen. Meine Frau
   würde mich bas kuranzen, wenn sie alles wüßte,
   was wir zwei und noch zwei wissen.

   Damit kein Argwohn entstünde, so sollte wohl gut
   sein die Jahreszahl 1770 drauf zu setzen, wie
   wohl auch das wieder bei andern Leuten Nachdenken
   erwecken würde, die wohl wissen, daß wir ao. 1770
   solche Lieder noch nicht machen konnten.

   Mach Ers, wie Er will!” 6

   
   Bürgers Molly (Auguste Leonhart)
   Nach einem von ihr selbst 1781 gemalten Pastellbilde.
   Die Gartenlaube 1884 Nr.1, S.12: Aus dem Lebens- und
   Leidensbuche eines Dichters.
   Von Adolf Strodtmann, 2. Molly

 

 

Die Hexe, die ich meine. In: Lichtenberg, Georg Christoph Schriften und Briefe Dritter Band.
Zweitausendeins S.640-642
Von Bürger gemeinsam mit Lichtenberg geschrieben, dazu Bürger am 22. Okt. 1778; “Zu der Parodie: Die Hexe die ich meine, hat Lichtenberg blos die Idee und Grundlage hergegeben. Die ganze Ausführung bis auf ohngefähr 2 Strophen gehört mir.” [Bürgers Gedichte in zwei Teilen, Zweiter Teil , Hrg. Consentius,Ernst, Berlin 1914, S.345 ]

O was in tausend Zauberpracht,
Die Hexe, die ich meine, lacht!
Nun sing, 0 Lied, und sag's der Welt:
Wer hat den Unfug angestellt;
Daß so in tausend Zauberpracht
Die Hexe, die ich meine, lacht?

       der vollständige Text

Eine besonders hübsche Parodie erschien 1779 - aus der Sammlung von Helmut Scherer (Berlin) :
  

   Ausforderung an Bürger.

   Schöner, B ü r g e r ! reim ich ein,
   Süßer mag Dein Liebchen seyn:
   Schöner ? süßer ? - mag es doch !
   Wär es zehnmal schöner noch:
   Lieber, holder, als das Deine,
   Ist das Mädel, das ich meine.

      ...

 


 

       der vollständige Text
 

Eine Parodie auf ein Gedicht ´Der Jüngling, den ich liebe´ eines anderen Autors. Dazu Bürger an Dieterich: ´Zu dem holdseeligen Ziele, der Jüngling den ich liebe, das ich ja mit aufnehmen soll, weil es so sehr gefält, habe ich in der beliebten Manier des Verfassers einige Zusätze gemacht, die Euch und allen Euren Mitkennern, denen alles geschissene gemalt heisset, nicht minder gefallen werden:[...] Seht, passen der großeSatler, der große Kanonier, der große Kürschner, der große Gärtner, der große Schäfer, der große Beutler, der große Drechsler, nicht gar scharmant zu dem großen Färber, dem großen Juwelier, dem großen Lackirer, Emaillemacher u.s.w. des beliebten und belobten Herrn Verfasser?...Zeigt doch die schönen Zusäze Lichtenbergen.” [Bürgers Gedichte in zwei Teilen, Zweiter Teil , Hrg. Consentius,Ernst, Berlin 1914, S.248-249]
 

Wer hat die Arsback ausgestopft,
Die sich so prall' anfühlt und klopft? -
Der große Satler hat's gethan,
Der Pferdelenden polstern kan;
Der hat die Arsback ausgestopft,
Die sich so prall' anfühlt und klopft.

       der vollständige Text

 

Der Bauer. An seinen Durchlauchtigen Tyrannen.

Aus dem Lehrerblog von Herrn Rau vom 25.3.2009 mit freundlicher Erlaubnis: “Kann man viel mit machen: Politische Lyrik, Rollenlyrik; Kommunikationssituation, rhetorische Fragen, Parallelismen in Auf- und Satzbau.Meine Schüler haben Parallelgedichte geschrieben: “Der Schüler an seinen durchlauchtigen Lehrer”. Zuerst sammelten die Schüler an der Tafel Kriterien, nach denen man die Qualität der Parodien beurteilen kann, und suchten die wichtigsten heraus. Dann sagte ich ihnen, welche Kriterien für mich die wichtigsten sind. Und dann lasen einzelne Schüler ihre Gedichte vor, und die waren alle so gut, dass ich gleich alle haben wollte und sie mir schicken ließ. Hier ein paar davon:”

Caroline:

  Wer kannst du sein? Dass ohne Scheu
  Zermalmen mich dein Blick aufs neu
  Zerquetschen mich deine Wissbegier?

  Wer kannst du sein? Dass in mein Heft
  Dein Freund, dein Rotstift, ungebremst
  Darf zerstreichen, zerstörn?

  Wer kannst du sein? Dass durch die Tests
  Durch sie mich Tag und Nacht treibst
  Nimmst mir meine Zeit? -

  Das was du da zerstörst
  Was dir egal so scheints mir manchmal
  Ist mein Leben!

  Du musst nicht die Freiheit opfern
  Statt schwimmen du musst nicht rechnen, malen, dichten
  Ich will wieder was du nimmst! -

  Ha! Du bist Obrigkeit vom Staat!
  Wohl eher von deiner selbst
  Der Staat ist nicht wie du, Tyrann!

Anna:

  Wer bist du, Lehrer, dass ohne Scheu
  Erreichen mich dein Mahnungsbrief,
  Ereilen der Verweis?

  Wer bist du, Lehrer, dass auf mein Blatt
  Dein Freund, der Rotstift, ungebläut
  Darf Punkt und Fehler mal’n?


  Wer bist du, dass durch Frag’ und Wort
  Du meinen Tag bestimmen tust
  So herrisch wie ein Fürst?-

  Der Spaß, der schnell vorübergeht
  Bei Schulaufgaben, Exen
  Sollt ein Begleiter sein

  Du Lehrer musst nicht Tag und Nacht
  In deinen Kopf viel Wissen füll’n
  Mein, mein ist dann dies Wissen!-

  Ha! Du wärst schlauer noch als wir?
  Wir lernen noch – du auch?

 

Werner:

  Wer bist du, Lehrer, dass ohne Scheu
  zerschlagen mich dein Zeigestab
  verletzen mich der Schwamm

  Wer bist du, Lehrer, dass in mein Heft
  dein Freund der Rotstift ungebläut
  darf über Schrift und Zeichen streichen

  Wer bist du, Lehrer, dass durch Tasche und Beutel
  das Hurrah deiner Suche mich treibt
  entatmet wie im Sport

  Du, Lehrer, hast nicht bei Ex und Test
  hast nicht die Schulaufgabe durchgeschwitzt
  mein, mein sind die Noten

  Ha! Du wärst Obrigkeit vom Staat
  der Staat macht Gesetze, du unterdrückst
  du nicht vom Staat, Lehrer

Johanna:

  Die Schülerin an ihren durchlauchtigsten Lehrer

  Wer bist du, Herr, dass ohne Scheu
  Verstören mich dein laut Geschrei,
  Ängstigt mich dein Zeigestab?

  Wer bist du, Herr, dass nur ein Wort
  Aus deinem Mund mich zwingt zu tun
  Jeglich schwere Übung auch?

  Wer bist du, dass den ganzen Tag
  Von Früh bis Spät der Stoff mich quält,
  die Leere meines Schädels stört?

  Intelligent und klug sagst du
  So möchtest du wohl sein, jedoch
  
So klug wie du bin auch ich!

  Dein Wissen willst du teilen, doch –
  Auf diese Weise geht das nicht,
  es fehlt die Freude und der Witz!

  Ha! Du willst guter Lehrer sein?
  Bist du nicht, denn man schläft ein!
  Du bringst nur Langeweile!

 

Bastian:

  Wer bist du, Lehrer, dass ohne Scheu
  Zerrollen mich dein Wutgeschrei
  Zerschlagen darf dein Stoff?

  Wer bist du, Lehrer, dass in mein Kopf
  Dein Chef, dein Kollege ungestraft
  Darf Wort und Formeln haun?

  Wer bist du, dass, durch manches Fach
  Der Ruf deines Unterrichts mich treibt,
  Entatmet wie ein Läufer? -

  Das Wissen so dein Wort vertreibt,
  Was Chef, Kollege und du verbrauchst
  Der Fleiß, du Lehrer, ist mein.

  Du Lehrer hast nicht bei Nacht
  Hast nicht den Schultag durchschwitzt.
  Mein, mein ist Fleiß und Lohn! -

  Ha! du wärst Wissender?
  Wissender lehrt mich; du quälst!
  Du nicht wissend, Tyrann!

 

 

 

 

 



Der Bruder Graurock und die Pilgerin
   Ein Pilgermädel, jung und schön,
   Wallt auf ein Kloster zu.
   Sie zog das Glöcklein an dem Thor;
   Ein Bruder Graurock trat hervor,
   Halbbarfuß ohne Schuh.

   Sie sprach: “Gelobt sey Jesus Christ! - “
   “In Ewigkeit!” sprach er.
   Gar wunderseltsam ihm geschah;
   Und als er ihr ins Auge sah,
   Da schlug sein Herz noch mehr.

   Die Pilgerinn mit leisem Ton,
   Voll holder Schüchternheit:
   “Ehrwürdiger, o meldet mir,
   Weilt nicht mein Herzgeliebter hier
   In Klostereinsamkeit?”

   ...

   
   
Gedichte von Gottfried August Bürger. Zweyter Theil.
   Mit Kupfern.
   Göttingen bey Johann Christian Dieterich 1789
   Stich von Daniel Chodowiecki
 

 

Die Linzer-Nanni und der schöne Pepi oder die Stärke der treuen Liebe. In: Ein Beitrag zur heiteren Deklamation, Im Verlage bei Franz Wimmer, Ein neunter Beitrag zur heitern Deklamation. Wien 1834 - 1839

Die Linzer-Nanni, jung und schön,
Geht schnell der Herberg zu;
Sie zog die Glocke an dem Thor,
Im Schlafrock Einer trat hervor,
Pantoffeln statt der Schuh.

       der vollständige faksimilierte Text mit Original

 

Der Raubgraf
   ...

   Wohl manchem wässerte der Mund,
   Doch mancher ward geprellt.
   Denn, Herr, Gott sey bey uns! Ein Hund
   Bewacht das schöne Geld.
   Ein schwarzer Hund, die Zähne bloß,
   Mit Feueraugen, tellergroß !

   Nur immer alle sieben Jahr´
   Läßt sich ein Flämmchen sehn.
   Dann mag ein Bock, kohlschwarz von Haar,
   Die Hebung wohl bestehn.
   Um zwölf Uhr in Walpurgis Nacht,
   Wird der dem Unhold dargebracht.

   ...

  

   
Ursteindruck von Franz Kolbrand
   G. A. Bürger   Balladen
   München 1920. Herausgegeben und mit einem Nachwort von
   Erich Ebstein
 

 

Das kleine Hexchen und die modernen Walzer. In: Ein Beitrag zur heiteren Deklamation, Im Verlage bei Franz Wimmer,  Wien 1834 - 1839
   (in Arbeit)

 

Der Kaiser und der Abt.

Aber von Carl Friedrich Hartmann. In: Alsatische Saitenklänge. 1848.

“Der Mann, der das Wenn und das Aber erdacht
Hat sicher aus Häckerling Gold schon gemacht”   Bürger.  [Strophe 30 aus der Kaiser und der Abt]

Wer das A b e r hat erfunden,
Ward im Widerspruch erzeugt;
Hat des Wirkens Trieb gebunden,
Manchen Freudengott verscheucht.

          Der vollständige Text

 

Ein Mährchen. In: Kladderadatsch 28. August. Berlin 1859

   Ich will euch erzählen ein Mährchen gar schnurrig,
Es war ´mal ein Kaiser, der Kaiser war kurrig:
Ein fliegendes Blättlein das ärgerte ihn,
Und doch las er's jedes Mal wann es erschien.

   Es kochte dabei ihm das Blut in der Ader.
Was hilft mir - so rief er - mein Kriegesgeschwader?
Was hilft mir mein Pulver, was hilft mir mein Blei,
Mein Ruhm, mein Triumph und das Vivatgeschrei?

           Der vollständige Text

 

 

Der wilde Jäger
   ...
   
Ein schwefelgelber Wetterschein
   umzieht hierauf des Waldes Laub,
   Angst rieselt ihm durch Mark und Bein.
   Ihm wird so schwül, so dumpf, so taub!
   Entgegen weht ihm kaltes Grausen,
   Dem Nacken folgt Gewittersausen.

   Das Grausen weht, das Wetter saust,
   Und aus der Erd´ empor, hu hu!
   Fährt eine schwarze Riesenfaust;
   Sie spannt sich auf, sie krallt sich zu,
   Hui! Will sie ihn beim Wirbel packen,
   Hui! Steht das Angesicht im Nacken.
   ...


   
Bürgers Ballade Der wilde Jäger
   gezeichnet von Joseph Führich,
   radiert von Anton Gareis.
   1827
 

 

Die blonde Sepherl und die schwarze Baberl. In: Ein Beitrag zur heiteren Deklamation, Im Verlage bei Franz Wimmer, Ein elfter Beitrag zur heitern Deklamation. Wien 1834 - 1839

Der Franzel hat ein Ambo g´macht,
Zecht d`raussen jetzt im Lerchenfeld,
Heut gibt er nicht auf´s Sparen acht,
Denn leicht erworben war das Geld,
Noch will er - kann nicht grad mehr stehen,
Ins Branntweinhaus auf Währing gehen.

       der vollständige faksimilierte Text mit Original

Mirth, with thee I mean to live von Anonym. In: The Port Folio, Vol. III, Philadelphia, 1807.
     Edward Ziegler Davis schreibt in seinem Translations of German Poetry von 1905:
     “On the other hand there were unsympathetic writers who ridiculed the Germans and their literature.
     The Monthly Magazine published a letter entitled Literary Industry of the Germans, which decried their
     pedantic scholarship in unprofitable directions. This attack is also expressed in the form of parodies, of
     which the following were found: [...] Parody on Bürger's Earl Walter (1807) [...].”

Parody.
Mirth, with thee I mean to live.

Earl Walter kicks the waiter's rump,
  Down stairs! down stairs! halloo, halloo!
They sally forth, they wheel, they jump,
  And fast the scampering watch pursue.

     der vollständige Text

 

Des Pfarrers Tochter von Taubenhain
 

      ...

   “Lieb Närrchen, ich halte dir´s, wie ich´s gemeint:
   Mein Liebchen sollst immerdar bleiben.
   Und wenn dir mein wackerer Jäger gefällt,
   so lass´ ich´s mir kosten ein gutes Stück Geld.
   Dann können wirs ferner noch treiben.”

   ”Daß Gott dich! - du schändlicher, bübischer Mann! -
   Daß Gott dich zur Hölle verdamme! -
   Entehr´ ich als Gattin dein adliges Blut,
   Warum dann, o Bösewicht, war ich einst gut
   Für deine unehrliche Flamme? -”

      ...


   
Gedichte von Gottfried August Bürger.
   Zweyter Theil.
   Mit Kupfern.
   Göttingen bey Johann Christian Dieterich 1789
   Stich von J.H. Meil

 

 

Des Pachters Tochter von Schöpfenhain. Von Eginhardt. In: Z. Funck [d.i. Carl Friedrich Kunz], Das Buch deutscher Parodieen und Travestieen, Zweiter Cyclus, Erlangen 1841

Im Holzstall des Pachters von Schöpfenhain
Da spukt es allmählich um Zwölfe,
Da flüstert und stöhnt´s so ängstlich;
Da zerret, da reistet und sträubet es sich,
Wie Schöpfe sich gegen die Wölfe.

        der vollständige faksimilierte Text

Das Schicksal des Junkers von Falkenstein. Eine Ballade nach Bürger*. In: Blüten Anhaltischer Muse. Erste Sammlung. 1792. (Sammlung Helmut Scherer)
*) Verzeihung erwarte ich von diesem verehrten Dichter, daß ich dagegen sündigte, wovor er in der Vorrede zu seinen Gedichten warnte. Ueberdem Strafe genug für mich, daß ich mich eben hierinn so oft getroffen finde! Anm. d. Verf.

Im Schlosse der Junker von Falkenstein
geht´s irre bei Nacht auf dem Walle;
da haußt ein schwarzer zottiger Bär.
und wüthet mit funkelnden Augen umher;
da peitscht es die Pferde im Stalle.

          der vollständige Text.
 

Des Schäfers Liebeswerbung. Für Herrn Voß vor seiner Hochzeit gesungen.

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   Komm, biß mein Liebchen, biß mein Weib!
   Und fodre Lust und Zeitvertreib,
   So oft und viel dein Herz begehrt,
   Und Garten, Flur, und Hain gewährt.

   Bald wollen wir von freien Höhn
   Rund um die Herden weiden sehn,
   Und sehn der Lämmer Fröhlichkeit,
   Und junger Stiere Hörnerstreit;

   Bald hören, durch den Birkenhain,
   Das Tutti froher Vögelein,
   Und, an des Bächleins Murmelfall,
   Das Solo einer Nachtigall.

   Bald rudern auf bekränztem Kahn,
   Den See hinab, den See hinan;
   Bald Fischchen angeln aus der Flut,
   Bald locken junge Vögelbrut; [...]

   Gedichte von Gottfried August Bürger. Zweyter Theil. Mit Kupfern. Göttingen
   bey Johann Christian Dieterich 1789. 

 

Antwort auf des Schäfers Liebeswerbung
  (S. Bürgers Gedichte I.Thl. S. 235. Ausg. v. K. Reinhard.)
  Nach dem Engländischen. In: Karl Philipp Conz, Gedichte. 1806.

Laß Lenz und Liebe nicht vergehn,
Und jeden Schäferschwur bestehn;
Dann locket mich dein Zeitvertreib,
Dann zieh´ich mit, und bin dein Weib.

     Der vollständige Text

 

Die Entführung oder Ritter Karl von Eichenhorst und Fräulein Gertrude von Hochburg
     ...

    Ach! Trudchen, wie voll Angst und Noth!
    Sah hoch die Säbel schwingen.
    Hell funkelten im Morgenroth
    Die Damascener Klingen.
    Von Kling und Klang, von Ach und Krach,
    Ward rund umher das Echo wach.
    Von ihrer Fersen Stampfen
    Begann der Grund zu dampfen.

    Wie Wetter schlug des Liebsten Schwert
    Den Ungeschliffnen nieder.
    Gertrudens Held blieb unversehrt,
    Und Plump erstand nicht wieder. -
    Nun weh, o weh ! Erbarm´es Gott !
    Kam fürchterlich, Galopp und Trott,
    Als Karl kaum ausgestritten,
    Der Nachtrab angeritten. -

    ...

    Gedichte von Gottfried August Bürger. Zweyter Theil. Mit Kupfern.
    Göttingen bey Johann Christian Dieterich 1789
    Stich von Daniel Chodowiecki

 

 

Die Entführung auf dem Zeiselwagen oder der Harfenist und der Bierwirth. In: Ein Beitrag zur heiteren Deklamation, Im Verlage bei Franz Wimmer, Ein zehnter Beitrag zur heitern Deklamation. Wien 1834 - 1839

“Ich spiel die Harfe heut nicht mehr,
Und lehne sie bey Seite -
Gebt noch ein Stutzen Bier mir her,
Und dann geh ich ins Weite” -
Sprach ein berühmter Harfenist,
Wie in Hernals nicht Jeder ist -
Den Wenzel schiens zu plagen
Kaum konnt´ ers mehr ertragen.”

       der vollständige faksimilierte Text mit Original

Die Entführung oder Schneider Valentin Quend und Jungfer Rebecke Schach.
Von Eginhardt.
In: Ein Beitrag zur heiteren Deklamation, Im Verlage bei Franz Wimmer, Ein zehnter Beitrag zur heitern Deklamation.Wien 1834 - 1839

“Math´s, gib mir die Pantoffeln her,
Kannst auch die Mütze holen;
Es wird um´s Herz mir angst und schwer,
Mir brennen meine Sohlen !” -
So rief der Schneider Quend in Hast,
Voll Angst schier torkelnd, sonder Rast,
Und ließ die Seufzer schallen,
Als fühlt´er Satans Krallen.

        der vollständige faksimilierte Text

Traurige Folgen. In: Fliegende Blätter Band LXXII Nro. 1821 München S. 198, 1822.
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Die Kuh
 

    ...

    Frau Magdalis weint´auf ihr letztes Stück Brot.
    Sie konnt´es vor Kummer nicht essen.
    Ach, Witwen bekümmert oft grössere Noth,
    Als glückliche Menschen ermessen.

    “Wie tief ich auf immer geschlagen nun bin!
    Was hab´ich, bist du erst verzehrt?”
    Denn, Jammer ! ihr Eins und ihr Alles war hin,
    Die Kuh, die bisher sie ernähret. -

    ...

 

 

    Ursteindruck von Franz Kolbrand
    G. A. Bürger   Balladen
    München 1920
    Herausgegeben und mit einem Nachwort von Erich Ebstein
 


 

Der Schuldner. Von Eginhardt. In: Z. Funck [d.i. Carl Friedrich Kunz], Das Buch deutscher Parodieen und Travestieen, Zweiter Cyclus, Erlangen 1841

Den letzten Kreuzer wohl hin und her
Schob Veit mit verzweifelnden Klagen.
Ach, Manche bekümmern die Schulden wohl mehr
Als andere Leute sich sagen.

        der vollständige faksimilierte Text

Die Weiber von Weinsberg
   ...
   
“Die Weiber sollten Abzug han,
   Mit ihren besten Schätzen,
   Was übrig bliebe, wollte man
   Zerhauen und zerfetzen.”
   Mit der Capitulation
   Schleicht die Gesandschaft trüb´ davon.

   Drauf, als der Morgen bricht hervor,
   Gebt Achtung! Was geschiehet?
   Es öffnet sich das nächste Thor,
   Und jedes Weibchen ziehet,
   Mit ihrem Männchen schwer im Sack,
   So wahr ich lebe! Huckepack.-

   Manch Hofschranz suchte zwar sofort
   Das Kniffchen zu vereiteln;
   Doch Konrad sprach: “Ein Kaiserwort
   Soll man nicht dreh´n noch deuteln.
   Ha bravo! rief er, bravo so!
   Meint´unsre Frau es auch nur so!”.

    ...

Gedichte von Gottfried August Bürger. Zweyter Theil. Mit Kupfern.
Göttingen bey Johann Christian Dieterich 1789 Stich von Daniel Chodowiecki

 

De Weiwer von Weinsbärch. In: Lene Voigt Werke Bd. 2 "Ich weeß nich, mir isses so gomisch", copyright Connewitzer Verlagsbuchhandlung Peter Hinke & Lene-Voigt-Gesellschaft e. V.

Dr Gaiser Gonrad hatte Wut
Uffs Städtchen Weinsbärch sähre:
«Wänn sich das nich ergäm mir dut,
Da gibts 'ne Mordsaffäre !»
So ließr dorch sein Häröld blasen
Nach Weinsbärch nein in alle Schtraßen.

       der vollständige Text

Die Ische vun Weinsbargk. In: Z. Funck [d.i. Carl Friedrich Kunz], Das Buch deutscher Parodieen und Travestieen, Zweiter Cyclus, Erlangen 1841

Wer waaß, wu Moukem Weinsbargk liegt? -
Nu, waaß es Kaaner, Leute,? -
Aß Aaner nergends Aane kriegt ; -
Süll er uff Weinsbargk reite:
Dort wouhnt é feiner, noubler Schlag, -
Das hoert´ich all mein Liebestag. -

        der vollständige faksimilierte Text

Bürger´s Weiber von Weinsberg, im modernsten Geschmack hexametrisirt und stylisirt, mit classischer Sedulität emendirt und castigirt, durch zahl- und lehrreiche kritische Glossen locupletirt und illustrirt, und zum Nutzen und Frommen angehender Musenpfleglinge publicirt und promulgirt von den Scholiasten der Strigeliade  von J.F. Ratschky, Wien 1799
       
Saget mir an, wo Weinsberg liegt, das Städtlein, (3.) das wackre ! (4.)
Vormals hausten darin der frommen und züchtigen Hausfraun
(Also verkündigt der Ruf) (5.) und der Mägdelein viele. Gelüstet´s
Je mich nach einer Gespons, so kies´ich sie traun ! mir aus Weinsberg.

        der vollständige faksimilierte Text mit Original

Diese Parodie bedarf einer Erläuterung, wir folgen der Besprechung des Werkes [ Neue allgemeine deutsche Bibliothek. 1793-1806. 1800 , 51.Bd.,2 .St. , S. 316 - 319]
“Die Absicht dieses launichten Produktes weiß Rec. nicht besser anzugeben, als mit den Worten des Verfassers in der ersten Note seines angehängten Kommentars: “Jeder nur einigermaßen aufmerksame Beobachter der neuesten schönen Literatur muß wahrgenommen haben, daß die Metrik der alten Griechen und Römer die Reimschmiedekunst unserer barbarischen Voreltern, besonders seit einem Jahrzehend, auf deutschen Grund und Boden beynahe gänzlich verdrängt hat. Inspirirt von einer rühmlichen Homeromanie, haben einige vaterländische Lieblingsjünger des göttlichen Föbos Apollon das Geschäft der Germanisierung des Hexameters und der Organisirung der Statuten der Grammatik nach den jeweiligen Bedürfnissen der Prosodie so glücklich betrieben, ut sibi nemo speret idem. Indessen ist es doch immer zu bedaueren, daß durch diese plötzliche Revolution manche beliebte Produkte unsrer bisherigen Anhänger des Reimzwangs, denen man, wie z.B. Hagedornen, Wielanden, Uzen, u.a.m. einiges poetisches Verdienst nicht abzusprechen vermag, für die leselustige Coátaneität und Posterität auf immer verloren seyn sollen. Um nun dieses, so viel an mir ist, zu hindern, folge ich dem, mir in einer genialischen Stunde von dem Dämon des guten Geschmacks geoffenbarten, Berufe, den gesammten verlegenen Reimwaarenvorrath unsrer klassischen Musenpriester dem Geiste des Zeitalters gemäß umzuarbeiten.” - Zur Probe wird hier nun solch eine Umgestaltung der bekannten Bürgerschen Ballade geliefert. Es ist damit besonders auf Nachbildung der Manier und Sprachbehandlung in der Vossischen Uebersetzung Homers, und in Göthe´s Herrman und Dorothee, abgesehen! Unter andern wird die in beyden Gedichten häufig vorkommende Stellung des Adjektivs hinter dem Substantiv zum öftern parodiirt, die, wie in einer Note gesagt wird, bey dem, der dieses Wagestück zuerst unternahm, einen nicht geringen Heldenmuth voraussetzte,...”
Zu den im Text eingefügten (x) gibt Ratschky im Anhang umfangreiche Erläuterungen, wovon nur eine (unvollständig) als Beispiel angefügt werden soll:
(3.) In den altdeutschen Diminutiven Städtlein, Mägdlein, Weiblein, Männlein u.s.f. liegt meines Bedünkens eine so liebenswürdige Treuherzigkeit, und sie haben einen so ganz eigenen Wohllaut für mein Ohr, daß ich sie den der sächsischen Mundart abgeborgten, durch die Sylbe c h e n gebildeten Verkleinerungswörtchen allenthalben vorziehe. Diese meine Vorliebe rechtfertigt unter andern die berühmte Altonaer Übersetzung der Ilias,.....

Parodie der Weiber von Weinsberg von August von Kotzebue. Der Text konnte noch nicht ermittelt werden, jedoch schreibt von Kotzebue in seiner Selbstbiographie von 1811: “[S. 37] Es kam nähmlich ein Seiltänzer nach Weimar, der seine schöne, herkulische Gestalt durch die mannigfaltigsten Biegungen seines Körpers, in das vortheilhafteste Licht zu setzen wußte. Die Verleumdung streuete aus, er habe - um dem Chevalier Boufflers einen Ausdruck abzuborgen - das Herz mancher Dame gewonnen, und mir kam dabey die lustige Idee in den Sinn, Bürgers Lied: die Weiber von Weinsberg zu parodiren. Ich muß bekennen, daß ich noch heute, nach sechzehn Jahren, diese Parodie für eines meiner witzigsten Produkte halte; aber um so mehr zog es mir den gerechten Haß der Damen zu.”

D´Wjwer von Weinsberg von Carl Friedrich Hartmann. In: Alsatische Saitenklänge. 1848.

O saaue merr wo Weinsberg lejt?
Wer isch schunn dort gewese?
Brav müen dort d´Wibslydd sinn unn g´scheit,
Nooch dem was ich gelese!
Kummt mir emol´s Hyrothe-n-yn,
So reis´ ich, werzina, dort nyn.

       der vollständige Text

 

Frau Schnips von Carl Friedrich Hartmann. In: Alsatische Saitenklänge. 1848.

Frau Surpf
   Mit Stroßburrjer Cräyon getreu abkaltiert uff d´F r a u S c h n i p s in G. A. Bürgers Gedichte.

D´Frau Surpf, by iehrer sechste Tass´
Unn nooch em achte Wecke,
Macht plötzli de koriose G´spaß
Unn thuet sich langs hienstrecke.

      der vollständige Text

 

Herr Bacchus

Herr Bacchus
     Variante von Bürger 12
Hoch, drei Mahl höher als Apoll,
Soll Vater Bacchus leben!
Zehn Berge, dicht von Lorbern voll,
Gilt Einer mir voll Reben.

       der vollständige Text

nach Blumauer. In: Z. Funck [d.i. Carl Friedrich Kunz], Das Buch deutscher Parodieen und Travestieen, Zweiter Cyclus, Erlangen 1841

Herr Bachus ist ein schlechter Mann,
Ein schmutz´ger grober Bengel,
Und Herr Apoll, der Leyermann,
Ist gegen ihn ein Engel.

anonymus. In: Z. Funck [d.i. Carl Friedrich Kunz], Das Buch deutscher Parodieen und Travestieen, Zweiter Cyclus, Erlangen 1841

Herr Bachus ist ein armer Wicht,
Das mög´t ihr sicher glauben,
Dem sie, bei hellen Tageslicht,
Jetzt Nas´auf Nase schrauben.

Frau Venus. In: Z. Funck [d.i. Carl Friedrich Kunz], Das Buch deutscher Parodieen und Travestieen, Zweiter Cyclus, Erlangen 1841

Frau Venus ist ein braves Weib,
(Das kann ich klar beweisen.)
Mehr als Minerva, die den Leib
Bedeckt mit Stahl und Eisen.

         der vollständige faksimilierte Text der drei Parodieen

Bachus Vereinigung mit Apoll, ein Mittelstück zwischen H. Bürgers und H. Blumauers Liedern. In: Blüten Anhaltischer Muse. Erste Sammlung. 1792 (Sammlung Helmut Scherer)

Herr Bachus sey ein braver Mann,
   doch Herr Apoll nicht minder!
denn Beiden bin ich zugethan,
   auch sind ja Beide Kinder.

        der vollständige Text.

Hummel-Lied

Parodie. Von - k. In: Z. Funck [d.i. Carl Friedrich Kunz], Das Buch deutscher Parodieen und Travestieen, Zweiter Cyclus, Erlangen 1841

Die Kritiker sind Hummeln gleich.
Ihr Dichter mögt euch hüthen !
Sie schwärmen durch Apollo´s Reich,
Vernichten Blum und Blüthen.
Sie irren und sie schwirren hin,
Mit Wähnen und mit Höhnen,
Und wollen ihren kecken Sinn
Zur Freiheit schnell gewöhnen.

         der vollständige faksimilierte Text

Lenardo und Blandine
   

      ...

   “Lenardo, du Armer! Blandine, mein Kind! -
   O heiliger Himmel! Verzeih´ mir die Sünd`!
   Verklaget nicht mich auch vor Gottes Gericht!
   Ich bin ja - bin Vater ! - Verklaget mich nicht!” -

   So weinte der König, so reut` ihn zu spat,
   Schwer reut´ ihn die himmellanschreyende That.
   D`rauf wurde bereitet ein silberner Sarg,
   Worein er die Leichen der Liebenden barg.

 




   Ursteindruck von Franz Kolbrand
   G. A. Bürger   Balladen
   München 1920
   Herausgegeben und mit einem Nachwort von
   Erich Ebstein

 

 

Der Hausknecht und die Wäscherin. In: Ein Beitrag zur heiteren Deklamation, Im Verlage bei Franz Wimmer, Ein vierter Beitrag zur heitern Deklamation. Wien 1834 - 1839 (Sammlung des Gottfried August Bürger Museums, ein Geschenk von Herrn Heinrich Tuitje (Göttingen))

Gatschinka sah her, Leonhartl sah hin,
Mit Augen, erleuchtet vom zärtlichsten Sinn,
Sie, d´niedlichste Wäsch´rinn am Alserbach,
Er, Hausknecht, gab Keinem an Schönheit was nach.

        der vollständige faksimilierte Text mit Original

Ludwiga von Caroline Lessing. In: Schlesischer Musen-Almanach 1829. (Sammlung Helmut Scherer)

Als Held in der Schlacht, und als Edler im Land
War Hugo, der stattliche Ritter, bekannt.
Viel Narben verschönten sein stolzes Gesicht,
Hoch glüthen die Wangen für Ehre und Pflicht.

       der vollständige Text.
 

Liebeszauber
 

      ...

    Schelmenauge, Schelmenmund,
    Sieh’ mich an und thu mirs kund;
    He! Warum bist du die Meine,
    Du allein und anders keine?
    Sieh’ mich an und thu mirs kund,
    Schelmenauge, Schelmenmund!

    Sinnig forsch ich auf und ab;
    Was so ganz dir hin mich gab?
    Ha! Durch nichts mich so zu zwingen,
    Geht nicht zu mit rechten Dingen.
    Zaubermädel auf und ab,
    Sprich, wo ist dein Zauberstab?

      ...

    Gedichte von Gottfried August Bürger. Erster Theil.
    Mit Kupfern.
    Göttingen bey Johann Christian Dieterich 1789
    Stich von Daniel Chodowiecki

 

 

Magentyranney. Von Eginhardt. In: Z. Funck [d.i. Carl Friedrich Kunz], Das Buch deutscher Parodieen und Travestieen, Zweiter Cyclus, Erlangen 1841

Magen, höre auf mein Wort!
Fahr´nicht stets zu plagen fort!
Magen, merke was ich sage,
Gieb Bescheid auf meine Frage!
Holla, höre auf meinn Wort!
Fahr´nicht stets zu bellen fort!

        der vollständige faksimilierte Text

Macbeth. Schauspiel in fünf Aufzügen. Vierter Aufzug.
macbeth9
    Erste Hexe
    Dreimal hat der Kater miaut.

    Zweite.
    Dreimal schrie das Leichhuhn laut!

    Dritte.
    Dreimal hat der Frosch geköckert,
    und der schwarze Bock gemeckert,
    Urian ruft: ´s ist Zeit jetzunder!

     Erste.
     Trippelt, trappelt, Tritt und Trott
     rund um unsern Zauberpott!
     Werft hinein den Hexenplunder.

     Erst den Kellerlorck, der tief
     Mondenlang im Winkel schlief,
     und von Gift geschwollen quappelt:
     hussa! wie er zuckt und zappelt!

 

 

Schmiert! Schmiert! Schmiert! Von Friedrich Heinrich Bothe. In: Parodien, gesammelt und herausgegeben von Karl Müchler. 1820 . (Sammlung Helmut Scherer)

   Erste Hexe.
   Dreimal hat´s im Morgen miaut.

   Zweite.
   Dreimal boll´s vom Abend laut.

   Dritte.
   Dreimal ist gebrüllt aus Norden,
   dreimal Weh geheulet worden.
   Urian ruft: “´s ist Zeit jezunder!”

   Erste.
   Trippelt, trappelt, Tritt und Trott
   um den Hexenmusenpott!
   Werft hinein den Zauberplunder!

   Erst das Hirn von Lohenstein,
   Neukirchs Finger dann hinein!
   Wasser drauf, auch ohne Flammen,
   kocht´s in heiße Flut zusammen.

          der vollständige Text.

 

Die Kunst Falkische Taschenbücher zu machen. In: Berlinisches Archiv der Zeit und ihres Geschmacks. Berlin 
           1800

Freie Parodie von der ersten Scene vierten Akts von Macbeth, nach Bürger und Eschenburg.

    Viel Monden sind vom Jahr vergangen,
    Noch ist das Buch nicht angefangen,
    - meint ´s ist Zeit jetzunder.
    Laß dir nun schnell die Bücher kommen,
    Sonst ist dir aller Witz entnommen,
    Und bald muß fertig sein der Plunder.

         der vollständige Text.

Männerkeuschheit

Kastraten und Männer. In: Schiller, Friedrich Sämtliche Werke in 10 Bänden, Berliner Ausgabe Band 1, Gedichte, bearbeitet von Jochen Golz, S.98 -102, Aufbau-Verlag Berlin 1980

Überarbeitet und verkürzt um die Strophen 9, 18 und 22-27 fand das Gedicht unter dem Titel “Männerwürde” im Zweiten Teil der Schillerschen Gedichtsammlung (II/2,S. 171-176) Aufnahme

Ich bin ein Mann! – wer ist es mehr?
Wers sagen kann, der springe
Frei unter Gottes Sonn einher
Und hüpfe hoch und singe!

       der vollständige Text

Dei Wörde det Manns. In: Dei Wörde det Manns, Im Jahr Christi 1793 sassisch verposselt, nach Bürgers Männerkeuschheit [1812]

Wem Wollust nie den Nakken bog,
Nich der Gesundheet Mark entsog;
Nur Geist dei Wundersenne strafft,
Nich brunftet Bull- un Bären-Kraft;

       der vollständige faksimilierte Text

       die Transkrition des Vorwortes

Mollys Wert

Eine besondere Kostbarkeit stellt eine Parodie von Johann Wolfgang von Goethe dar, über deren Entstehung Carl Schüddekopf13 in seinem Beitrag “Ein Goethisches Lied” berichtet: Der Musiker Carl Melchior Jacob Moltke spielte am Klavier Goethe seine Vertonung von Bürgers Gedicht “Mollys Wert” vor. Daraufhin notierte Goethe “eigenhändig mit lateinischen Buchstaben geschrieben [...], auf einem Quartbogen blaugrünen Conceptpapiers (mit dem Wasserzeichen C&I HONIG)...”

Was sagt hierauf das liebenswürdge Mädchen?
Was sagt sie ?    Was sagt sie ?

  So singst du übertrieben,
Wie mancher übertrieb;
Doch nimmt das wahre Lieben
mit wenigem vorlieb.
Wer will sich denn verbinden
Wer nicht dem Glück vertraut
Das andre wird sich finden.
Gesetzt ! ich wär die Braut.

  Von allen jenen Gütern
Ist freylich gar nichts dein;
Drum singe den Gemüthern
Nicht eingebildte Pein.
Dass ich mich gar nicht scheue
Diess schwör ich Angesichts.
Nur immer Lieb und Treue
Und weiter braucht es nichts.

W d 18 Febr                     Goethe
   1814

Neue weltliche hochdeutsche Reime... auch: Prinzessin Europa
 
      ...

   Die niedliche Gestalt,
   Die schlanken zarten Glieder
   Besah er auf und nieder.
   Ihr Alter er gar bald
   Recht kunstverständig schätzte,
   Und es auf Sechszehn setzte.

   Zum Blumenlesen war
   Ihr Röckchen aufgehoben.
   Das Perspectiv von oben
   Sah alles auf ein Haar.
   Die Füßchen, Knie´, und Waden
   Behagten Seiner Gnaden.

      ...


   Ursteindruck von Franz Kolbrand
   G. A. Bürger   Balladen
   München 1920. Herausgegeben und mit einem Nachwort von
   Erich Ebstein
 

 

Der Kunstreiter und sein Pferd. In: Ein Beitrag zur heiteren Deklamation, Im Verlage bei Franz Wimmer, Ein achter Beitrag zur heitern Deklamation. Wien 1834 - 1839

In Wien ein Schneider war,
Von nicht geringem Ruhme
In seinem Schneiderthume -
Er konnte auf ein Haar
Ohn´ Maß und solche Sachen
Die schönsten Kleider machen.

       der vollständige faksimilierte Text mit Original

 

Begriffe und weiterführende Literatur zum Thema

Hier sollen in aller Kürze einige Begriffe erläutert und Hinweise auf weiterführende Literatur gegeben werden. Zuerst ein Blick in Lexika, die Bürgers Zeit nahe sind.

 „Die Parodie, (a.d. Griech.) ein Gedicht; im weiten Sinne, überhaupt ein Werk des Geschmacks, das man nach einem andern bekannten Gedicht oder ähnlichen Werke macht, welches letztere man durch zweckmäßige Veränderungen auf einen andern Gegenstand
anwendet, oder gleichsam in einen andern Ton setzt.“

 „ Travestie nennt man eine Art des scherzhaften Gedichts, welcher immer ein ernstes Gedicht zum Grunde liegt, dessen Hauptgedanken, Schilderungen und Charaktere in der Travestie auf lächerliche Weise umgestaltet werden. Sie gelingt am besten, wenn in der ihr zum Grunde liegenden Dichtung viel Pomphaftes und falsches Pathos enthalten sind. Unter den neuern deutschen Travestien von größerem Umfange ist immer noch die travestierte „Aeneis“ von Blumauer die bemerkenswertheste.“ 

Farce (fr., spr. Fars), 1) von gehacktem Fleische mit Eiern, Semmel, Gewürz etc. bereitete Speisen, def. wenn solche in Geflügel, in Fischen, in einem Krautkopf etc. als Gefülltes benutzt od. mit Blätterteig umzogen werden; 2) (sth.), bei den Franzosen u. Italienern kleine dramatische Zwischenspiele (Intermezzi od. Interludien), welche sich auf dem Gebiete der niederen Komik bewegen. Der Name rührt sehr wahrscheinlich von Farce 1) her, indem die F. dazu dient, eine Pause in der Hauptvorstellung auszufüllen, u. mit pikanten Anspielungen u. Localwitzen gewürzt zu sein pflegt.”

Aktuelle und nachvollziehbare Definitionen in neuerer Zeit werden von Wünsch gegeben.

“Eine Parodie ist ein Text, der einen anderen Text dergestellt verzerrend imitiert, daß eine gegen diese Vorlage gerichtete komische Wirkung entsteht.”
 Neben der Parodie gibt es verwandte Phänomene, die sich allerdings mit dem Begriff der Parodie auch überschneiden können.

“Eine Satire ist ein Text, der mit den Mitteln einer oft recht ausgeprägt aggresiven Komik Mißstände jeglicher Art aufdeckt und verspottet. Im wesentlichen handelt es sich demnach um eine Verbindung von Komik und Kritik, wobei die Komisierung des Gegners, ähnlich wie in der Parodie, als Waffe und Wirkungsmittel im Dienste der kritischen Intention eingesetzt wird. Komik und Kritik sind also nicht unabhängig voneinander, sondern die Komik richtet sich gegen den kritisierten Gegenstand mit dem Ziel, ihn zu verspotten und der Lächerlichkeit preiszugebenm um ihn (sozial) zu vernichten oder zu tadeln.”

“Der Terminus ´Kontrafaktur´bezeichnet in Literatur- und Musikwissenschaft Gedichte oder Lieder, die die metrisch-strophische Struktur (Metrum, Vers- und Strophenbau) einer Vorlage übernehmen, aber deren Inhalt (Text) mehr oder weniger tiefgreifend ändern. Es handelt sich also um eine Um- oder Neutextierung (Umdichtung) eines Gedichtes bzw. Liedes, wobei die Imitation der metrisch-strophischen Grundstruktur essentiell ist, während nicht unbedingt die exakte Strophenzahl übernommen werden muß ...”

“Eine Travestie ist ein Text, der einen anderen Text unter Beibehaltung der wesentlichen inhaltlichen Merkmale, aber durch Einkleidung in eine völlig neue, unpassende Sprachform dergestalt verzerrend imitiert, daß eine gegen die Vorlage gerichtete komische Wirkung entsteht. [...,] Die Travestie ist eine Unterart der Parodie ...”

“Das heroikomische Epos oder komische Heldenepos ist ein Typus der Parodie, dessen spezifisches Verfahren darin besteht, kleine und unbedeutende, triviale Ereignisse im hohen Stil des Heldenepos, wie z.B. der Ilias, darzustellen (inhaltliche Substitution bei Wahrung der hohen Stillage ). Die komische Wirkung entsteht durch die Diskrepanz zwischen Aufwand und Inhalt.”

“Das Pastiche ist ein Verfahren der Stilnachbildung, das “la maniére, le style” eines Autors, einer Epoche, Schule oder Gattung mit ernsthafter (Plagiat, Stilübung u.ä.) oder parodistischer Absicht imitiert.”

“Ein Cento ist ein aus unveränderten Zitaten eines oder mehrerer Dichter zusammengesetzter Text. [...] Die komische Verzerrung entsteht beim parodistischen Cento durch die Art der Montage, die nicht im Sinne des Originals ist und mehr oder weniger starke Disharmonien erzeugt.”


Am Ende dieses Kapitels wird Literatur zum Thema zitiert, teils belletristischer, teils wissenschaftlicher Natur. Von den vielen Fachbegriffen und sehr ins Detail gehenden Diskussionen sollte man sich nicht abschrecken lassen - man kann sie bei Bedarf übergehen. Es sind aber so viele schöne Beispiele, die auch kommentiert und eingeordnet werden, in den Werken aufgeführt, dass sich die Lektüre auch für den Laien lohnt. Nur ein kleines Beispiel: was passiert, wenn die Parodie vor dem Original da ist - zumindest für die Zuschauer, die erstmals Wagners Tannhäuser sehen, vorher jedoch bereits die diesbezügliche Parodie kennengelernt hatten.
.
Conversations-Lexikon oder kurzgefasstes Handwörterbuch (1809-1811), S. 3699 (www.digitale-bibliothek.de/band131.htm)

Travestie. Bilder-Conversations-Lexikon, S. 15230 (www.digitale-bibliothek.de/band146.htm)

Pierer's Universal-Lexikon, S. 74520 (www.digitale-bibliothek.de/band115.htm)

Frank Wünsch, Die Parodie Zu Definition und Typologie Hamburg Kovac 1999

Bürgers Gedichte in zwei Teilen, Zweiter Teil , Hrg. Consentius,Ernst, Berlin 1909, S.92.

Prinz Seidenwurm, Satiren und Farcen des Sturm und Drang, Rütten & Löning Berlin 1968 Hrg. Klaus Hammer

Die respektlose Muse Literarische Parodieen aus fünf Jahrhunderten, Rütten & Loening Berlin 1968

Aloys Blumauer. gesammelte Schriften Gesammt-Ausgabe, Stuttgart 1877 S.381-383    

Odor Verweyen. Günther Witting Die Parodie in der neueren deutschen Literatur Wiss.Buchgesellschaft Darmstadt 1979     

Eduard Grisebach. Die deutsche Literatur 1770-1870 Wien Verlag von L.Rosner 1876 Kapitel “Die Parodie in Oesterreich” S.175-213