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Lenore (1773)
 ...
“Rapp´! Rapp´! Mich dünkt der Hahn schon ruft.
Bald wird der Sand verrinnen Rapp´! Rapp´! Ich wittre Morgenluft Rapp´! Tummle dich von hinnen !
Vollbracht, vollbracht ist unser Lauf ! Das Hochzeitbette thut sich auf ! Die Todten reiten schnelle !
Wir sind, wir sind zur Stelle.”
Rasch auf ein eisern Gitterthor
Ging´s mit verhängtem Zügel. Mit schwanker Gert´ein Schlag davor Zersprengte Schloß und Riegel.
Die Flügel flogen klirrend auf, Und über Gräber ging der Lauf. Es blinkten Leichensteine
Rund um im Mondenscheine.
...
Gedichte von Gottfried August Bürger. Zweyter Theil. Mit Kupfern.
Göttingen bey Johann Christian Dieterich 1789 Stich von Daniel Chodowiecki
Die Kurzfassung:
Lenore fuhr ums Morgenrot und als sie rum war war sie tot.
Lenore. In: Lene Voigt Werke Bd. 2 "Ich weeß nich, mir isses so gomisch", copyright Connewitzer
Verlagsbuchhandlung Peter Hinke & Lene-Voigt-Gesellschaft e. V. mit freundlicher Genehmigung
Lenore sauste ausn Bätt Un fuhr in ihre Laatschen,
Denn's schiener, als wenn eener tät Vorm Hause unten graatschen.
der vollständige Text
Napoleons Zug nach Russland. In: Ein hundert deutsche historische Volkslieder. Hg. Fr. Leonard von Soltau Leipzig 1836
Napoleon fuhr ums Morgenrot Empor aus schweren Träumen - Ach, alles hin, ach, alles tot, Jetzt muß ich Deutschland räumen! Er war mit seiner ganzen Macht
Gen Rußland zogen in die Schlacht, Man hatte oft geschrieben, Daß er gesund geblieben.
der vollständige Text
Lenore hat es satt. In: Kein Pardon für Klassiker, Parodieen Philipp Reclam jun. Stuttgart S. 30-32
Lenore fuhr nach Liebe toll Empor aus schwülen Träumen. »Bist untreu Wilhelm? Oder voll? Tust deine Pflicht versäumen.«
Er war mit seinem Säufertrupp Gezogen in den Kegelclub Und hat nicht ferngesprochen, Wann er käm' heimgekrochen.
der vollständige Text
Die Fahrt nach der Brigittenau. In:Ein Beitrag zur heiteren Deklamation, Im Verlage bei Franz Wimmer,
Wien 1834 - 1839
D` Lenorl fuhr ums Abendroth Empor aus düstern Träumen ; “Wo bleibt mein Jörgerl ? - Schwerenoth, Wie lang wird er noch säumen ?
Er ging als Aufhackknecht ins Gay , Und schwur bey seiner Lieb´ und Treu Zum Kirchtag mich zu führen , Und dort recht zu traktiren !”
der vollständige faksimilierte Text mit Original
Der Schriftsteller. Von W. v. A. In: Z. Funck [d.i. Carl Friedrich Kunz], Das Buch deutscher Parodieen und Travestieen, Zweiter Cyclus, Erlangen 1841
Es fuhr Herr Carl um´s Morgenroth Empor aus schweren Träumen: “Du bist ein großer Schlagetodt, Wie lange willst du säumen ?
Du schreibst so gut, wie Göth´und Tieck; So setz´dich hin, schreib die Kritik Von Bürgers Leonore, Das macht gewiß Furore !”
Sourel. In: Z. Funck [d.i. Carl Friedrich Kunz], Das Buch deutscher Parodieen und Travestieen, Zweiter Cyclus, Erlangen 1841
Die Sourel faeihrt um´s Morjerouth Uff ahnmoul uff aus Traeume: “Nu Itzig lieb, sag bist du toudt,
Sag, wie lang willst de saeume ?” - - Der Itzig, mit Napoliouns Macht Marschirt uff Rußland in der Schlacht, Hot noch kahn Wort geschriebe, Oeb er gesund geliebe.
der vollständige faksimilierte Text beider Parodien
Poetisch-prophetische Construction der Geschichte der Kantischen Philosophie, nebst einem
geschwänzten Sonette, und einer neuesten Epoche in der deutschen Poesie. Eingesandt aus Jena.
Dieses ganz merkwürdige literarische Erzeugnis ist zu finden in: Neues Museum der Philosophie und Literatur, 1804 S.163-170
Ein Auszug:
Ausführlich beschreibt nunmehr der Poet das populare Drängen und das sentimentale Jauchzen des Volkes der Platten in jener Periode.
Ach! aber für Lenoren War Gruß und Kuß verloren. Die Philosophie fand ihren Mann nicht. Und Kant ließ noch immer nichts von sich hören.
Der Poet mahlt hierauf die verzweiflungsvolle Situation der Philosophie. Als nun der Zug vorüber war, Zerzauste sie ihr Rabenhaar,...
Dieses Gemählde konnte nicht schicklicher ausgeführt werden, als durch die Unterhaltung der Philosophie mit ihrer M u t t e r, nämlich der V e r n u n f t.
Die Mutter lief wohl hin zu ihr. Ach ! daß sich Gott erbarme !
der vollständige faksimilierte Text mit dem geschwänzten Sonette
The Bürger and Brighton Leonora, or Romance versus railway:
dedicated by permission to all desperate daughters - by I.W. Warre Tyndale; illustrated by K.A. Drake. Digitalisiert von Google.
LENORA from her dreamy bed Awoke at rosy break of day: “Oh, William, art thou false or dead,
Why tarry thus so long away?” With Frederic´s royal train and might He went to Prague´s protracted fight, And ne´er had tidings sent to tell
If still he lived, if all were well.
der vollständige Text mit vielen Illustrationen.
Bürgers en Amstels Leonora: een spoorweg romance, opgedragen aan alle wanhopig dochters
het Engelsch van J.W. Warre Tyndale vrij gevolgd door W.J. van Zeggelen. Digitalisiert von Google.
Rezensionen von 1849 und 1850 zu dieser Parodie in der ONLINE-BIBLIOTHEK
Naauw lichtte in ´t Oost de dageraad, Toen LENORE ontwaakte, En met de smart op ´t schoon gelaat
Een zucht van weemoed slaakte. “Ach, WILHELM! ach wanneer misschien Zal ´k u gelukkig wederzien ? Of moest, bij ´t dolend zwerven, Ge op vreemden bodem sterven?”
der vollständige Text mit mehreren Illustrationen.
Die Schlacht von Wörth. Ballade von Gottfried August Bürger.
In: Immortellen des Schlachtfeldes von Wilhelm von Plönnies 1870.
Im schönen Land am Oberrhein Da hat sich´s zugetragen: Drei feine deutsche Mägdelein Die sah ich steh´n und klagen.
Du liebliche Markgräflerin, Wo ist dein helles Lachen hin? Wo sind der Schwäbin Scherze? Was bricht der Bai´rin Herze?
der vollständige Text.
LEAN ´NORA:Supernatural, though Sub-pathetic BALLAD.
A Good Long Way (almost Ninety-Seven years) AFTER THE GERMAN OF GOTTFRIED AUGUST BÜRGER. BY HEINRICH YALC SNEKUL [d.i. Clay Lukens] 1870.
At dawn of day, lean 'Nora wakes; From night-mare, quick alighting.
"Ach, William mein !"- she shuddering shakes; His paper profile sighting: "He fights at Prague, mit Fritz the Great, For extra news, in vain ich wait,
Und long for William's kissing; Mein Gott! he turns up,- missing!"
der vollständige Text.
Miss Kitty: a Parody, on Lenora; a Ballad, Translated from the German.
1797. Digitalisiert von Google.
AWAKE all night, Miss Kitty toss´d, Unconscious of the down: "My BELMONT, art thou kill´d, she said,
- Or, art thou not in town?"
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Die Male (Amalie) von C.W.Peschel. In: Schlesischer Musen-Almanach. 1829. (Sammlung Helmut Scherer)
Die Male sprach: - ums Morgenroth Erwacht aus schweren Träumen - “Zehn Freunde gehn wohl auf ein Loth, Noch immer thut er säumen!
Ich meinte doch: in einer Nacht Wär fertig solch ein Rock gemacht, Ich hatt´s ihm ja geschrieben, Und er - ist ausgeblieben.”
der vollständige Text.
Die Leonore
. In: Der Anecdotenjäger. Zeitschrift für das lustige Deutschland. Zehnter Band. Nordhausen 1854 u. 1855. Digitalisiert von Google
„Kraut, Liebchen, auch!" sagte mein Vater und schob die Platte mit Sauerkraut meiner Mutter zu. Es war nämlich
Sonntag Mittag, und das schwäbische Lieblingsgericht stand auf dem Tische. Der mütterliche Magen konnte zeitweise
kein Sauerkraut vertragen und ward alsdann mit Blutwurst und geräuchertem Schweinefleisch entschädigt, weshalb
Papa für nöthig hielt, auf den Inhalt der Platte aufmerksam zu machen mit den Worten: „Kraut, Liebchen, auch!"
„Der Mond scheint hell!" sagte ich halblaut vor mich hin, obgleich eigentlich die Sonne schien. Papa sah mich mit
freudestrahlenlen Augen an, Mama aber ließ Messer und Gabel fallen, maß erst mich, dann Papa'n mit Zornesblicken
und fuhr auf: „So muß auch noch der Bube das närrische Zeug auffangen! Ist aber auch kein Wunder, denn man hört
kein gescheidtes Wort mehr von Dir. Wenn mir nur das Sappermentsbuch nicht ins Haus gekommen wäre!" „O Mutter, Mutter, was mich brennt,
Das lindert mir kein Sakrament!"
sagte ich, und blies mit beiden Backen auf den heißen Inhalt meines Tellers. Hätte Papa mich nicht in Schutz genommen, so wäre ich mit meiner poetischen Reminiscenz übel gefahren.
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Die Gallopade
von Ulrich von Destouches. In: Erzählungen und Gedichte. München 1839. Digitalisiert von Google
Die Lenerl fuhr am Faschingstag Empor von ihrem Sitze: "Wo nur der Krispin bleiben mag,
Der bringt mich noch in Hitze!" — Denn da er zu der Gallopad' Sie lang schon engagiret hat, So war ihr angst und bange, Blieb er doch gar so lange! —
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An Agathe
Ohne Titel von Carl Friedrich Cramer. Parodie. 1773. An den jüngsten Grafen Stolberg, als er anfing Griechisch zu
lernen. In: Bundesbuch des Göttinger Hains. (Sammlung Helmut Scherer)
Mit dem naß gelecktem Finger Schlage frisch die Blätter um, Endlich wird die Müh geringer Und du dringst ins Adytum.
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An die Hoffnung
Ode an dei Hoopnung. In: Dei Wörde det Manns, Im Jahr Christi 1793 sassisch verposselt, nach Bürgers
Männerkeuschheit [1812] (Sammlung Helmut Scherer)
O beste holder Fayen! Met leewevullem Sinn, Vom Himmel utersaihen Taur Minschentrösterin! Schön, wie dei Morgenstunne,
Dei rosig an us bräkkt, Un met dem Purpurmunne, Dei Honnigrede, spräkkt:
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Das Blümchen Wunderhold
Auch ein Blümchen Wunderhold. In: Almanach der Porodieen und Travestien. Hg. M.G.G. Röller. 1818.
Es blüht ein Blümchen irgendwo In einem stillen Thal. Das macht, so oft es blüht, uns froh, Doch blüht´s nicht allemal.
Man kauft es oftmals nicht um Gold, Der Kluge hält´s geheim. Drum nennt´ ich Blümchen Wunderhold Verböt´ es auch der Reim.
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Blümchen Immerschön. In: Lyrische Anthologie. Herausgegeben von Friedrich Matthisson. 1806.
Es wächst ein Blümchen irgendwo, Zur Lust vom Himmel uns beschert. Wers blühen sieht, den macht es froh;
Wers eigen hat, der halt´ es werth! Ein jeder ist darum bemüht, Weil´s Blümchen hier so selten blüht.
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Das harte Mädchen.
Elegie eines Schneidermeisters. Seinen Schuldnern gesungen. In: Z. Funck [d.i. Carl Friedrich Kunz], Das Buch
deutscher Parodieen und Travestieen, Zweiter Cyclus, Erlangen 1841
Ihr nennt die Schneider freudenreich, Weil sie so munter hüpfen, Ach ! ihr wißt nicht, wie viel um euch Uns Thränen oft entschlüpfen.
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Das Lied vom braven Mann
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”Hier rief der Graf, mein wackrer Freund !
Hier ist dein Preis ! Komm her! Nimm hin!” - Sag an, war das nicht brav gemeint? Bey Gott! der Graf trug hohen Sinn. -
Doch höher und himmlischer, wahrlich! schlug Das Herz, das der Bauer im Kittel trug.
“Mein Leben ist für Gold nicht feil.
Arm bin ich zwar, doch ess´ich satt. Dem Zöllner werd´eur Gold zu Theil, Der Hab´und Gut verloren hat!”
So rief er, mit herzlichem Biederton, Und wandte den Rücken und ging davon.-
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Gedichte von Gottfried August Bürger. Zweyter Theil.
Mit Kupfern. Göttingen bey Johann Christian Dieterich 1789 Stich von Daniel Chodowiecki
,s Lied vom braven Manne. In: Lene Voigt Werke Bd. 2 "Ich weeß nich, mir isses so gomisch", copyright
Connewitzer Verlagsbuchhandlung Peter Hinke & Lene-Voigt-Gesellschaft e. V.
Es war ämal im Februar. Dr Himmel sahk so sonderbar, Un alle Männer, alle Fraun,
Die meenten : «Heite wärds noch daun!»
der vollständige Text
Ein neues, schönes deutsches Lied. In: Z. Funck [d.i. Carl Friedrich Kunz], Das Buch deutscher Parodieen und
Travestieen, Zweiter Cyclus, Erlangen 1841
Hoch klingt das Lied vom braven Mann Wie Orgelton und Glockenklang; Schlimm lohnt die Welt solch einen Mann,
Doch ihn erhebe mein Gesang. Und all´ihr Guten, stimmt mit an, Zu loben und preisen den braven Mann.
der vollständige faksimilierte Text
Das Mädel, das ich meine
Zu Mollys Geburtstag, 24. August, gedichtet
und am 22.Aug. 1776 an Goeckingk für den Almanach gesandt:
“Ein Liedlein, meiner Schöne zu Ehren, an ihrem
Geburtstage ganz leise gesungen. Meine Frau würde mich bas kuranzen, wenn sie alles wüßte, was wir zwei und noch zwei wissen.
Damit kein Argwohn entstünde, so sollte wohl gut
sein die Jahreszahl 1770 drauf zu setzen, wie wohl auch das wieder bei andern Leuten Nachdenken
erwecken würde, die wohl wissen, daß wir ao. 1770 solche Lieder noch nicht machen konnten.
Mach Ers, wie Er will!” 6
Bürgers Molly (Auguste Leonhart)
Nach einem von ihr selbst 1781 gemalten Pastellbilde. Die Gartenlaube 1884 Nr.1, S.12: Aus dem Lebens- und
Leidensbuche eines Dichters. Von Adolf Strodtmann, 2. Molly
Die Hexe, die ich meine. In: Lichtenberg, Georg Christoph Schriften und Briefe Dritter Band. Zweitausendeins S.640-642 Von Bürger gemeinsam mit Lichtenberg geschrieben, dazu Bürger am 22. Okt. 1778; “Zu der Parodie: Die Hexe die ich meine, hat
Lichtenberg blos die Idee und Grundlage hergegeben. Die ganze Ausführung bis auf ohngefähr 2 Strophen gehört mir.” [Bürgers Gedichte in
zwei Teilen, Zweiter Teil , Hrg. Consentius,Ernst, Berlin 1914, S.345 ]
O was in tausend Zauberpracht,
Die Hexe, die ich meine, lacht! Nun sing, 0 Lied, und sag's der Welt: Wer hat den Unfug angestellt; Daß so in tausend Zauberpracht Die Hexe, die ich meine, lacht?
der vollständige Text
Eine besonders hübsche Parodie erschien 1779 - aus der Sammlung von Helmut Scherer (Berlin) :
Ausforderung an Bürger.
Schöner, B ü r g e r ! reim ich ein, Süßer mag Dein Liebchen seyn:
Schöner ? süßer ? - mag es doch ! Wär es zehnmal schöner noch: Lieber, holder, als das Deine,
Ist das Mädel, das ich meine.
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der vollständige Text
Eine Parodie auf ein Gedicht ´Der Jüngling, den ich liebe´ eines anderen Autors. Dazu Bürger an Dieterich: ´Zu dem holdseeligen Ziele, der
Jüngling den ich liebe, das ich ja mit aufnehmen soll, weil es so sehr gefält, habe ich in der beliebten Manier des Verfassers einige Zusätze
gemacht, die Euch und allen Euren Mitkennern, denen alles geschissene gemalt heisset, nicht minder gefallen werden:[...] Seht, passen der
großeSatler, der große Kanonier, der große Kürschner, der große Gärtner, der große Schäfer, der große Beutler, der große Drechsler, nicht
gar scharmant zu dem großen Färber, dem großen Juwelier, dem großen Lackirer, Emaillemacher u.s.w. des beliebten und belobten Herrn
Verfasser?...Zeigt doch die schönen Zusäze Lichtenbergen.” [Bürgers Gedichte in zwei Teilen, Zweiter Teil , Hrg. Consentius,Ernst, Berlin 1914, S.248-249]
Wer hat die Arsback ausgestopft, Die sich so prall' anfühlt und klopft? - Der große Satler hat's gethan,
Der Pferdelenden polstern kan; Der hat die Arsback ausgestopft, Die sich so prall' anfühlt und klopft.
der vollständige Text
Der Bauer. An seinen Durchlauchtigen Tyrannen.
Aus dem Lehrerblog von Herrn Rau vom 25.3.2009 mit freundlicher Erlaubnis: “Kann man viel mit machen: Politische Lyrik,
Rollenlyrik; Kommunikationssituation, rhetorische Fragen, Parallelismen in Auf- und Satzbau.Meine Schüler haben Parallelgedichte
geschrieben: “Der Schüler an seinen durchlauchtigen Lehrer”. Zuerst sammelten die Schüler an der Tafel Kriterien, nach denen man die
Qualität der Parodien beurteilen kann, und suchten die wichtigsten heraus. Dann sagte ich ihnen, welche Kriterien für mich die wichtigsten
sind. Und dann lasen einzelne Schüler ihre Gedichte vor, und die waren alle so gut, dass ich gleich alle haben wollte und sie mir schicken ließ. Hier ein paar davon:”
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Caroline:
Wer kannst du sein? Dass ohne Scheu Zermalmen mich dein Blick aufs neu Zerquetschen mich deine Wissbegier?
Wer kannst du sein? Dass in mein Heft Dein Freund, dein Rotstift, ungebremst Darf zerstreichen, zerstörn?
Wer kannst du sein? Dass durch die Tests Durch sie mich Tag und Nacht treibst Nimmst mir meine Zeit? -
Das was du da zerstörst Was dir egal so scheints mir manchmal Ist mein Leben!
Du musst nicht die Freiheit opfern Statt schwimmen du musst nicht rechnen, malen, dichten
Ich will wieder was du nimmst! -
Ha! Du bist Obrigkeit vom Staat! Wohl eher von deiner selbst
Der Staat ist nicht wie du, Tyrann!
Anna:
Wer bist du, Lehrer, dass ohne Scheu
Erreichen mich dein Mahnungsbrief, Ereilen der Verweis?
Wer bist du, Lehrer, dass auf mein Blatt
Dein Freund, der Rotstift, ungebläut Darf Punkt und Fehler mal’n?
Wer bist du, dass durch Frag’ und Wort
Du meinen Tag bestimmen tust So herrisch wie ein Fürst?-
Der Spaß, der schnell vorübergeht
Bei Schulaufgaben, Exen Sollt ein Begleiter sein
Du Lehrer musst nicht Tag und Nacht
In deinen Kopf viel Wissen füll’n Mein, mein ist dann dies Wissen!-
Ha! Du wärst schlauer noch als wir?
Wir lernen noch – du auch?
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Werner:
Wer bist du, Lehrer, dass ohne Scheu zerschlagen mich dein Zeigestab verletzen mich der Schwamm
Wer bist du, Lehrer, dass in mein Heft dein Freund der Rotstift ungebläut darf über Schrift und Zeichen streichen
Wer bist du, Lehrer, dass durch Tasche und Beutel das Hurrah deiner Suche mich treibt entatmet wie im Sport
Du, Lehrer, hast nicht bei Ex und Test hast nicht die Schulaufgabe durchgeschwitzt mein, mein sind die Noten
Ha! Du wärst Obrigkeit vom Staat der Staat macht Gesetze, du unterdrückst du nicht vom Staat, Lehrer
Johanna:
Die Schülerin an ihren durchlauchtigsten Lehrer
Wer bist du, Herr, dass ohne Scheu
Verstören mich dein laut Geschrei, Ängstigt mich dein Zeigestab?
Wer bist du, Herr, dass nur ein Wort
Aus deinem Mund mich zwingt zu tun Jeglich schwere Übung auch?
Wer bist du, dass den ganzen Tag
Von Früh bis Spät der Stoff mich quält, die Leere meines Schädels stört?
Intelligent und klug sagst du
So möchtest du wohl sein, jedoch So klug wie du bin auch ich!
Dein Wissen willst du teilen, doch –
Auf diese Weise geht das nicht, es fehlt die Freude und der Witz!
Ha! Du willst guter Lehrer sein?
Bist du nicht, denn man schläft ein! Du bringst nur Langeweile!
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Bastian:
Wer bist du, Lehrer, dass ohne Scheu Zerrollen mich dein Wutgeschrei Zerschlagen darf dein Stoff?
Wer bist du, Lehrer, dass in mein Kopf Dein Chef, dein Kollege ungestraft Darf Wort und Formeln haun?
Wer bist du, dass, durch manches Fach Der Ruf deines Unterrichts mich treibt, Entatmet wie ein Läufer? -
Das Wissen so dein Wort vertreibt, Was Chef, Kollege und du verbrauchst Der Fleiß, du Lehrer, ist mein.
Du Lehrer hast nicht bei Nacht Hast nicht den Schultag durchschwitzt. Mein, mein ist Fleiß und Lohn! -
Ha! du wärst Wissender? Wissender lehrt mich; du quälst! Du nicht wissend, Tyrann!
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Der Bruder Graurock und die Pilgerin
Ein Pilgermädel, jung und schön, Wallt auf ein Kloster zu.
Sie zog das Glöcklein an dem Thor; Ein Bruder Graurock trat hervor, Halbbarfuß ohne Schuh.
Sie sprach: “Gelobt sey Jesus Christ! - “
“In Ewigkeit!” sprach er. Gar wunderseltsam ihm geschah; Und als er ihr ins Auge sah,
Da schlug sein Herz noch mehr.
Die Pilgerinn mit leisem Ton,
Voll holder Schüchternheit: “Ehrwürdiger, o meldet mir, Weilt nicht mein Herzgeliebter hier
In Klostereinsamkeit?”
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Gedichte von Gottfried August Bürger. Zweyter Theil. Mit Kupfern. Göttingen bey Johann Christian Dieterich 1789
Stich von Daniel Chodowiecki
Die Linzer-Nanni und der schöne Pepi oder die Stärke der treuen Liebe. In: Ein Beitrag zur heiteren Deklamation,
Im Verlage bei Franz Wimmer, Ein neunter Beitrag zur heitern Deklamation. Wien 1834 - 1839
Die Linzer-Nanni, jung und schön, Geht schnell der Herberg zu; Sie zog die Glocke an dem Thor, Im Schlafrock Einer trat hervor,
Pantoffeln statt der Schuh.
der vollständige faksimilierte Text mit Original
Der Raubgraf
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Wohl manchem wässerte der Mund,
Doch mancher ward geprellt. Denn, Herr, Gott sey bey uns! Ein Hund Bewacht das schöne Geld.
Ein schwarzer Hund, die Zähne bloß, Mit Feueraugen, tellergroß !
Nur immer alle sieben Jahr´
Läßt sich ein Flämmchen sehn. Dann mag ein Bock, kohlschwarz von Haar, Die Hebung wohl bestehn.
Um zwölf Uhr in Walpurgis Nacht, Wird der dem Unhold dargebracht.
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Ursteindruck von Franz Kolbrand
G. A. Bürger Balladen München 1920 Herausgegeben und mit einem Nachwort von
Erich Ebstein
Das kleine Hexchen und die modernen Walzer. In: Ein Beitrag zur heiteren Deklamation, Im Verlage bei Franz
Wimmer, Wien 1834 - 1839 (in Arbeit)
Der Kaiser und der Abt.
Aber von Carl Friedrich Hartmann. In: Alsatische Saitenklänge. 1848.
“Der Mann, der das Wenn und das Aber erdacht
Hat sicher aus Häckerling Gold schon gemacht” Bürger. [Strophe 30 aus der Kaiser und der Abt]
Wer das A b e r hat erfunden, Ward im Widerspruch erzeugt; Hat des Wirkens Trieb gebunden, Manchen Freudengott verscheucht.
Der vollständige Text
Ein Mährchen. In: Kladderadatsch 28. August. Berlin 1859
Ich will euch erzählen ein Mährchen gar schnurrig, Es war ´mal ein Kaiser, der Kaiser war kurrig:
Ein fliegendes Blättlein das ärgerte ihn, Und doch las er's jedes Mal wann es erschien.
Es kochte dabei ihm das Blut in der Ader.
Was hilft mir - so rief er - mein Kriegesgeschwader? Was hilft mir mein Pulver, was hilft mir mein Blei, Mein Ruhm, mein Triumph und das Vivatgeschrei?
Der vollständige Text
Der wilde Jäger
... Ein schwefelgelber Wetterschein umzieht hierauf des Waldes Laub,
Angst rieselt ihm durch Mark und Bein. Ihm wird so schwül, so dumpf, so taub! Entgegen weht ihm kaltes Grausen,
Dem Nacken folgt Gewittersausen.
Das Grausen weht, das Wetter saust,
Und aus der Erd´ empor, hu hu! Fährt eine schwarze Riesenfaust; Sie spannt sich auf, sie krallt sich zu,
Hui! Will sie ihn beim Wirbel packen, Hui! Steht das Angesicht im Nacken. ...
Bürgers Ballade Der wilde Jäger gezeichnet von Joseph Führich, radiert von Anton Gareis. 1827
Die blonde Sepherl und die schwarze Baberl. In: Ein Beitrag zur heiteren Deklamation, Im Verlage bei Franz
Wimmer, Ein elfter Beitrag zur heitern Deklamation. Wien 1834 - 1839
Der Franzel hat ein Ambo g´macht, Zecht d`raussen jetzt im Lerchenfeld, Heut gibt er nicht auf´s Sparen acht,
Denn leicht erworben war das Geld, Noch will er - kann nicht grad mehr stehen, Ins Branntweinhaus auf Währing gehen.
der vollständige faksimilierte Text mit Original
Des Pfarrers Tochter von Taubenhain
...
“Lieb Närrchen, ich halte dir´s, wie ich´s gemeint:
Mein Liebchen sollst immerdar bleiben. Und wenn dir mein wackerer Jäger gefällt, so lass´ ich´s mir kosten ein gutes Stück Geld.
Dann können wirs ferner noch treiben.”
”Daß Gott dich! - du schändlicher, bübischer Mann! -
Daß Gott dich zur Hölle verdamme! - Entehr´ ich als Gattin dein adliges Blut, Warum dann, o Bösewicht, war ich einst gut
Für deine unehrliche Flamme? -”
...
Gedichte von Gottfried August Bürger.
Zweyter Theil. Mit Kupfern. Göttingen bey Johann Christian Dieterich 1789 Stich von J.H. Meil
Des Pachters Tochter von Schöpfenhain. Von Eginhardt. In: Z. Funck [d.i. Carl Friedrich Kunz], Das Buch
deutscher Parodieen und Travestieen, Zweiter Cyclus, Erlangen 1841
Im Holzstall des Pachters von Schöpfenhain Da spukt es allmählich um Zwölfe, Da flüstert und stöhnt´s so ängstlich;
Da zerret, da reistet und sträubet es sich, Wie Schöpfe sich gegen die Wölfe.
der vollständige faksimilierte Text
Das Schicksal des Junkers von Falkenstein. Eine Ballade nach Bürger*.
In: Blüten Anhaltischer Muse. Erste Sammlung. 1792. (Sammlung Helmut Scherer) *) Verzeihung erwarte ich von diesem verehrten Dichter, daß ich dagegen sündigte, wovor er in der Vorrede zu seinen Gedichten warnte.
Ueberdem Strafe genug für mich, daß ich mich eben hierinn so oft getroffen finde! Anm. d. Verf.
Im Schlosse der Junker von Falkenstein geht´s irre bei Nacht auf dem Walle; da haußt ein schwarzer zottiger Bär.
und wüthet mit funkelnden Augen umher; da peitscht es die Pferde im Stalle.
der vollständige Text.
Des Schäfers Liebeswerbung. Für Herrn Voß vor seiner Hochzeit gesungen.
Komm, biß mein Liebchen, biß mein Weib!
Und fodre Lust und Zeitvertreib, So oft und viel dein Herz begehrt, Und Garten, Flur, und Hain gewährt.
Bald wollen wir von freien Höhn Rund um die Herden weiden sehn, Und sehn der Lämmer Fröhlichkeit,
Und junger Stiere Hörnerstreit;
Bald hören, durch den Birkenhain, Das Tutti froher Vögelein,
Und, an des Bächleins Murmelfall, Das Solo einer Nachtigall.
Bald rudern auf bekränztem Kahn, Den See hinab, den See hinan;
Bald Fischchen angeln aus der Flut, Bald locken junge Vögelbrut; [...]
Gedichte von Gottfried August Bürger. Zweyter Theil. Mit Kupfern. Göttingen
bey Johann Christian Dieterich 1789.
Antwort auf des Schäfers Liebeswerbung (S. Bürgers Gedichte I.Thl. S. 235. Ausg. v. K. Reinhard.)
Nach dem Engländischen. In: Karl Philipp Conz, Gedichte. 1806.
Laß Lenz und Liebe nicht vergehn, Und jeden Schäferschwur bestehn; Dann locket mich dein Zeitvertreib,
Dann zieh´ich mit, und bin dein Weib.
Der vollständige Text
Die Entführung oder Ritter Karl von Eichenhorst und Fräulein Gertrude von Hochburg
...
Ach! Trudchen, wie voll Angst und Noth!
Sah hoch die Säbel schwingen. Hell funkelten im Morgenroth Die Damascener Klingen.
Von Kling und Klang, von Ach und Krach, Ward rund umher das Echo wach. Von ihrer Fersen Stampfen
Begann der Grund zu dampfen.
Wie Wetter schlug des Liebsten Schwert
Den Ungeschliffnen nieder. Gertrudens Held blieb unversehrt, Und Plump erstand nicht wieder. -
Nun weh, o weh ! Erbarm´es Gott ! Kam fürchterlich, Galopp und Trott, Als Karl kaum ausgestritten,
Der Nachtrab angeritten. -
...
Gedichte von Gottfried August Bürger. Zweyter Theil. Mit Kupfern.
Göttingen bey Johann Christian Dieterich 1789 Stich von Daniel Chodowiecki
Die Entführung auf dem Zeiselwagen oder der Harfenist und der Bierwirth. In: Ein Beitrag zur heiteren
Deklamation, Im Verlage bei Franz Wimmer, Ein zehnter Beitrag zur heitern Deklamation. Wien 1834 - 1839
“Ich spiel die Harfe heut nicht mehr, Und lehne sie bey Seite - Gebt noch ein Stutzen Bier mir her,
Und dann geh ich ins Weite” - Sprach ein berühmter Harfenist, Wie in Hernals nicht Jeder ist - Den Wenzel schiens zu plagen Kaum konnt´ ers mehr ertragen.”
der vollständige faksimilierte Text mit Original
Die Entführung oder Schneider Valentin Quend und Jungfer Rebecke Schach. Von Eginhardt.
In: Ein Beitrag zur heiteren Deklamation, Im Verlage bei Franz Wimmer, Ein zehnter Beitrag zur heitern Deklamation.Wien 1834 - 1839
“Math´s, gib mir die Pantoffeln her, Kannst auch die Mütze holen; Es wird um´s Herz mir angst und schwer,
Mir brennen meine Sohlen !” - So rief der Schneider Quend in Hast, Voll Angst schier torkelnd, sonder Rast, Und ließ die Seufzer schallen, Als fühlt´er Satans Krallen.
der vollständige faksimilierte Text
Traurige Folgen. In: Fliegende Blätter Band LXXII Nro. 1821 München S. 198, 1822.
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Die Kuh
...
Frau Magdalis weint´auf ihr letztes Stück Brot.
Sie konnt´es vor Kummer nicht essen. Ach, Witwen bekümmert oft grössere Noth, Als glückliche Menschen ermessen.
“Wie tief ich auf immer geschlagen nun bin!
Was hab´ich, bist du erst verzehrt?” Denn, Jammer ! ihr Eins und ihr Alles war hin, Die Kuh, die bisher sie ernähret. -
...
Ursteindruck von Franz Kolbrand
G. A. Bürger Balladen München 1920 Herausgegeben und mit einem Nachwort von Erich Ebstein
Der Schuldner. Von Eginhardt. In: Z. Funck [d.i. Carl Friedrich Kunz], Das Buch deutscher Parodieen und
Travestieen, Zweiter Cyclus, Erlangen 1841
Den letzten Kreuzer wohl hin und her Schob Veit mit verzweifelnden Klagen. Ach, Manche bekümmern die Schulden wohl mehr
Als andere Leute sich sagen.
der vollständige faksimilierte Text
Die Weiber von Weinsberg
... “Die Weiber sollten Abzug han,
Mit ihren besten Schätzen, Was übrig bliebe, wollte man Zerhauen und zerfetzen.” Mit der Capitulation
Schleicht die Gesandschaft trüb´ davon.
Drauf, als der Morgen bricht hervor,
Gebt Achtung! Was geschiehet? Es öffnet sich das nächste Thor, Und jedes Weibchen ziehet,
Mit ihrem Männchen schwer im Sack, So wahr ich lebe! Huckepack.-
Manch Hofschranz suchte zwar sofort
Das Kniffchen zu vereiteln; Doch Konrad sprach: “Ein Kaiserwort Soll man nicht dreh´n noch deuteln.
Ha bravo! rief er, bravo so! Meint´unsre Frau es auch nur so!”.
...
Gedichte von Gottfried August Bürger. Zweyter Theil. Mit Kupfern.
Göttingen bey Johann Christian Dieterich 1789 Stich von Daniel Chodowiecki
De Weiwer von Weinsbärch. In: Lene Voigt Werke Bd. 2 "Ich weeß nich, mir isses so gomisch", copyright
Connewitzer Verlagsbuchhandlung Peter Hinke & Lene-Voigt-Gesellschaft e. V.
Dr Gaiser Gonrad hatte Wut Uffs Städtchen Weinsbärch sähre:
«Wänn sich das nich ergäm mir dut, Da gibts 'ne Mordsaffäre !» So ließr dorch sein Häröld blasen Nach Weinsbärch nein in alle Schtraßen.
der vollständige Text
Die Ische vun Weinsbargk. In: Z. Funck [d.i. Carl Friedrich Kunz], Das Buch deutscher Parodieen und Travestieen,
Zweiter Cyclus, Erlangen 1841
Wer waaß, wu Moukem Weinsbargk liegt? - Nu, waaß es Kaaner, Leute,? - Aß Aaner nergends Aane kriegt ; - Süll er uff Weinsbargk reite:
Dort wouhnt é feiner, noubler Schlag, - Das hoert´ich all mein Liebestag. -
der vollständige faksimilierte Text
Bürger´s Weiber von Weinsberg, im modernsten Geschmack hexametrisirt und stylisirt, mit classischer
Sedulität emendirt und castigirt, durch zahl- und lehrreiche kritische Glossen locupletirt und illustrirt, und zum
Nutzen und Frommen angehender Musenpfleglinge publicirt und promulgirt von den Scholiasten der Strigeliade von J.F. Ratschky, Wien 1799
Saget mir an, wo Weinsberg liegt, das Städtlein, (3.) das wackre ! (4.) Vormals hausten darin der frommen und züchtigen Hausfraun
(Also verkündigt der Ruf) (5.) und der Mägdelein viele. Gelüstet´s Je mich nach einer Gespons, so kies´ich sie traun ! mir aus Weinsberg.
der vollständige faksimilierte Text mit Original
Diese Parodie bedarf einer Erläuterung, wir folgen der Besprechung des Werkes [ Neue allgemeine deutsche
Bibliothek. 1793-1806. 1800 , 51.Bd.,2.St. , S. 316 - 319] “Die Absicht dieses launichten Produktes weiß Rec. nicht besser anzugeben, als mit den Worten des Verfassers in der ersten Note seines
angehängten Kommentars: “Jeder nur einigermaßen aufmerksame Beobachter der neuesten schönen Literatur muß wahrgenommen haben,
daß die Metrik der alten Griechen und Römer die Reimschmiedekunst unserer barbarischen Voreltern, besonders seit einem Jahrzehend, auf
deutschen Grund und Boden beynahe gänzlich verdrängt hat. Inspirirt von einer rühmlichen Homeromanie, haben einige vaterländische
Lieblingsjünger des göttlichen Föbos Apollon das Geschäft der Germanisierung des Hexameters und der Organisirung der Statuten der
Grammatik nach den jeweiligen Bedürfnissen der Prosodie so glücklich betrieben, ut sibi nemo speret idem. Indessen ist es doch immer zu
bedaueren, daß durch diese plötzliche Revolution manche beliebte Produkte unsrer bisherigen Anhänger des Reimzwangs, denen man, wie
z.B. Hagedornen, Wielanden, Uzen, u.a.m. einiges poetisches Verdienst nicht abzusprechen vermag, für die leselustige Coátaneität und
Posterität auf immer verloren seyn sollen. Um nun dieses, so viel an mir ist, zu hindern, folge ich dem, mir in einer genialischen Stunde von
dem Dämon des guten Geschmacks geoffenbarten, Berufe, den gesammten verlegenen Reimwaarenvorrath unsrer klassischen
Musenpriester dem Geiste des Zeitalters gemäß umzuarbeiten.” - Zur Probe wird hier nun solch eine Umgestaltung der bekannten
Bürgerschen Ballade geliefert. Es ist damit besonders auf Nachbildung der Manier und Sprachbehandlung in der Vossischen Uebersetzung
Homers, und in Göthe´s Herrman und Dorothee, abgesehen! Unter andern wird die in beyden Gedichten häufig vorkommende Stellung des
Adjektivs hinter dem Substantiv zum öftern parodiirt, die, wie in einer Note gesagt wird, bey dem, der dieses Wagestück zuerst unternahm, einen nicht geringen Heldenmuth voraussetzte,...”
Zu den im Text eingefügten (x) gibt Ratschky im Anhang umfangreiche Erläuterungen, wovon nur eine (unvollständig) als Beispiel angefügt werden soll:
(3.) In den altdeutschen Diminutiven Städtlein, Mägdlein, Weiblein, Männlein u.s.f. liegt meines Bedünkens eine so liebenswürdige
Treuherzigkeit, und sie haben einen so ganz eigenen Wohllaut für mein Ohr, daß ich sie den der sächsischen Mundart abgeborgten, durch
die Sylbe c h e n gebildeten Verkleinerungswörtchen allenthalben vorziehe. Diese meine Vorliebe rechtfertigt unter andern die berühmte Altonaer Übersetzung der Ilias,.....
Parodie der Weiber von Weinsberg von August von Kotzebue. Der Text konnte noch nicht ermittelt werden, jedoch
schreibt von Kotzebue in seiner Selbstbiographie von 1811: “[S. 37] Es kam nähmlich ein Seiltänzer nach Weimar, der seine schöne,
herkulische Gestalt durch die mannigfaltigsten Biegungen seines Körpers, in das vortheilhafteste Licht zu setzen wußte. Die Verleumdung
streuete aus, er habe - um dem Chevalier Boufflers einen Ausdruck abzuborgen - das Herz mancher Dame gewonnen, und mir kam dabey
die lustige Idee in den Sinn, Bürgers Lied: die Weiber von Weinsberg zu parodiren. Ich muß bekennen, daß ich noch heute, nach sechzehn
Jahren, diese Parodie für eines meiner witzigsten Produkte halte; aber um so mehr zog es mir den gerechten Haß der Damen zu.”
D´Wjwer von Weinsberg von Carl Friedrich Hartmann. In: Alsatische Saitenklänge. 1848.
O saaue merr wo Weinsberg lejt? Wer isch schunn dort gewese? Brav müen dort d´Wibslydd sinn unn g´scheit, Nooch dem was ich gelese!
Kummt mir emol´s Hyrothe-n-yn, So reis´ ich, werzina, dort nyn.
der vollständige Text
Frau Schnips von Carl Friedrich Hartmann. In: Alsatische Saitenklänge. 1848.
Frau Surpf
Mit Stroßburrjer Cräyon getreu abkaltiert uff d´F r a u S c h n i p s in G. A. Bürgers Gedichte.
D´Frau Surpf, by iehrer sechste Tass´ Unn nooch em achte Wecke, Macht plötzli de koriose G´spaß Unn thuet sich langs hienstrecke.
der vollständige Text
Herr Bacchus
Herr Bacchus Variante von Bürger 12 Hoch, drei Mahl höher als Apoll, Soll Vater Bacchus leben!
Zehn Berge, dicht von Lorbern voll, Gilt Einer mir voll Reben.
der vollständige Text
nach Blumauer. In: Z. Funck [d.i. Carl Friedrich Kunz], Das Buch deutscher Parodieen und Travestieen, Zweiter
Cyclus, Erlangen 1841
Herr Bachus ist ein schlechter Mann, Ein schmutz´ger grober Bengel, Und Herr Apoll, der Leyermann, Ist gegen ihn ein Engel.
anonymus. In: Z. Funck [d.i. Carl Friedrich Kunz], Das Buch deutscher Parodieen und Travestieen, Zweiter Cyclus, Erlangen 1841
Herr Bachus ist ein armer Wicht, Das mög´t ihr sicher glauben, Dem sie, bei hellen Tageslicht, Jetzt Nas´auf Nase schrauben.
Frau Venus. In: Z. Funck [d.i. Carl Friedrich Kunz], Das Buch deutscher Parodieen und Travestieen, Zweiter Cyclus, Erlangen 1841
Frau Venus ist ein braves Weib, (Das kann ich klar beweisen.) Mehr als Minerva, die den Leib Bedeckt mit Stahl und Eisen.
der vollständige faksimilierte Text der drei Parodieen
Bachus Vereinigung mit Apoll, ein Mittelstück zwischen H. Bürgers und H. Blumauers Liedern. In: Blüten
Anhaltischer Muse. Erste Sammlung. 1792 (Sammlung Helmut Scherer)
Herr Bachus sey ein braver Mann, doch Herr Apoll nicht minder! denn Beiden bin ich zugethan,
auch sind ja Beide Kinder.
der vollständige Text.
Hummel-Lied
Parodie. Von - k. In: Z. Funck [d.i. Carl Friedrich Kunz], Das Buch deutscher Parodieen und Travestieen, Zweiter
Cyclus, Erlangen 1841
Die Kritiker sind Hummeln gleich. Ihr Dichter mögt euch hüthen ! Sie schwärmen durch Apollo´s Reich, Vernichten Blum und Blüthen.
Sie irren und sie schwirren hin, Mit Wähnen und mit Höhnen, Und wollen ihren kecken Sinn Zur Freiheit schnell gewöhnen.
der vollständige faksimilierte Text
Lenardo und Blandine
...
“Lenardo, du Armer! Blandine, mein Kind! -
O heiliger Himmel! Verzeih´ mir die Sünd`! Verklaget nicht mich auch vor Gottes Gericht!
Ich bin ja - bin Vater ! - Verklaget mich nicht!” -
So weinte der König, so reut` ihn zu spat,
Schwer reut´ ihn die himmellanschreyende That. D`rauf wurde bereitet ein silberner Sarg,
Worein er die Leichen der Liebenden barg.
Ursteindruck von Franz Kolbrand
G. A. Bürger Balladen München 1920 Herausgegeben und mit einem Nachwort von Erich Ebstein
Der Hausknecht und die Wäscherin. In: Ein Beitrag zur heiteren Deklamation, Im Verlage bei Franz Wimmer, Ein
vierter Beitrag zur heitern Deklamation. Wien 1834 - 1839 (Sammlung des Gottfried August Bürger Museums, ein Geschenk von Herrn Heinrich Tuitje (Göttingen))
Gatschinka sah her, Leonhartl sah hin, Mit Augen, erleuchtet vom zärtlichsten Sinn, Sie, d´niedlichste Wäsch´rinn am Alserbach,
Er, Hausknecht, gab Keinem an Schönheit was nach.
der vollständige faksimilierte Text mit Original
Ludwiga von Caroline Lessing. In: Schlesischer Musen-Almanach 1829. (Sammlung Helmut Scherer)
Als Held in der Schlacht, und als Edler im Land War Hugo, der stattliche Ritter, bekannt. Viel Narben verschönten sein stolzes Gesicht,
Hoch glüthen die Wangen für Ehre und Pflicht.
der vollständige Text.
Liebeszauber
...
Schelmenauge, Schelmenmund,
Sieh’ mich an und thu mirs kund; He! Warum bist du die Meine, Du allein und anders keine?
Sieh’ mich an und thu mirs kund, Schelmenauge, Schelmenmund!
Sinnig forsch ich auf und ab;
Was so ganz dir hin mich gab? Ha! Durch nichts mich so zu zwingen, Geht nicht zu mit rechten Dingen.
Zaubermädel auf und ab, Sprich, wo ist dein Zauberstab?
...
Gedichte von Gottfried August Bürger. Erster Theil.
Mit Kupfern. Göttingen bey Johann Christian Dieterich 1789 Stich von Daniel Chodowiecki
Magentyranney. Von Eginhardt. In: Z. Funck [d.i. Carl Friedrich Kunz], Das Buch deutscher Parodieen und
Travestieen, Zweiter Cyclus, Erlangen 1841
Magen, höre auf mein Wort! Fahr´nicht stets zu plagen fort! Magen, merke was ich sage, Gieb Bescheid auf meine Frage!
Holla, höre auf meinn Wort! Fahr´nicht stets zu bellen fort!
der vollständige faksimilierte Text
Macbeth. Schauspiel in fünf Aufzügen. Vierter Aufzug.
 Erste Hexe Dreimal hat der Kater miaut.
Zweite.
Dreimal schrie das Leichhuhn laut!
Dritte.
Dreimal hat der Frosch geköckert, und der schwarze Bock gemeckert, Urian ruft: ´s ist Zeit jetzunder!
Erste.
Trippelt, trappelt, Tritt und Trott rund um unsern Zauberpott! Werft hinein den Hexenplunder.
Erst den Kellerlorck, der tief
Mondenlang im Winkel schlief, und von Gift geschwollen quappelt: hussa! wie er zuckt und zappelt!
Schmiert! Schmiert! Schmiert! Von Friedrich Heinrich Bothe. In: Parodien, gesammelt und herausgegeben von Karl
Müchler. 1820 . (Sammlung Helmut Scherer)
Erste Hexe.
Dreimal hat´s im Morgen miaut.
Zweite. Dreimal boll´s vom Abend laut.
Dritte. Dreimal ist gebrüllt aus Norden, dreimal Weh geheulet worden.
Urian ruft: “´s ist Zeit jezunder!”
Erste. Trippelt, trappelt, Tritt und Trott um den Hexenmusenpott!
Werft hinein den Zauberplunder!
Erst das Hirn von Lohenstein, Neukirchs Finger dann hinein! Wasser drauf, auch ohne Flammen,
kocht´s in heiße Flut zusammen.
der vollständige Text.
Männerkeuschheit
Kastraten und Männer. In: Schiller, Friedrich Sämtliche Werke in 10 Bänden, Berliner Ausgabe Band 1, Gedichte,
bearbeitet von Jochen Golz, S.98-102, Aufbau-Verlag Berlin 1980
Überarbeitet und verkürzt um die Strophen 9, 18 und 22-27 fand das Gedicht unter dem Titel “Männerwürde” im Zweiten Teil der Schillerschen
Gedichtsammlung (II/2,S. 171-176) Aufnahme
Ich bin ein Mann! – wer ist es mehr? Wers sagen kann, der springe Frei unter Gottes Sonn einher Und hüpfe hoch und singe!
der vollständige Text
Dei Wörde det Manns. In: Dei Wörde det Manns, Im Jahr Christi 1793 sassisch verposselt, nach Bürgers Männerkeuschheit [1812]
Wem Wollust nie den Nakken bog, Nich der Gesundheet Mark entsog; Nur Geist dei Wundersenne strafft,
Nich brunftet Bull- un Bären-Kraft;
der vollständige faksimilierte Text
die Transkrition des Vorwortes
Mollys Wert
Eine besondere Kostbarkeit stellt eine Parodie von Johann Wolfgang von Goethe dar, über deren Entstehung Carl Schüddekopf13 in seinem
Beitrag “Ein Goethisches Lied” berichtet: Der Musiker Carl Melchior Jacob Moltke spielte am Klavier Goethe seine Vertonung von Bürgers
Gedicht “Mollys Wert” vor. Daraufhin notierte Goethe “eigenhändig mit lateinischen Buchstaben geschrieben [...], auf einem Quartbogen
blaugrünen Conceptpapiers (mit dem Wasserzeichen C&I HONIG)...”
Was sagt hierauf das liebenswürdge Mädchen?
Was sagt sie ? Was sagt sie ?
So singst du übertrieben, Wie mancher übertrieb; Doch nimmt das wahre Lieben mit wenigem vorlieb.
Wer will sich denn verbinden Wer nicht dem Glück vertraut Das andre wird sich finden. Gesetzt ! ich wär die Braut.
Von allen jenen Gütern
Ist freylich gar nichts dein; Drum singe den Gemüthern Nicht eingebildte Pein. Dass ich mich gar nicht scheue Diess schwör ich Angesichts. Nur immer Lieb und Treue
Und weiter braucht es nichts.
W d 18 Febr Goethe
1814
Neue weltliche hochdeutsche Reime... auch: Prinzessin Europa
...
Die niedliche Gestalt,
Die schlanken zarten Glieder Besah er auf und nieder. Ihr Alter er gar bald Recht kunstverständig schätzte,
Und es auf Sechszehn setzte.
Zum Blumenlesen war
Ihr Röckchen aufgehoben. Das Perspectiv von oben Sah alles auf ein Haar. Die Füßchen, Knie´, und Waden
Behagten Seiner Gnaden.
...
Ursteindruck von Franz Kolbrand
G. A. Bürger Balladen München 1920 Herausgegeben und mit einem Nachwort von Erich Ebstein
Der Kunstreiter und sein Pferd. In: Ein Beitrag zur heiteren Deklamation, Im Verlage bei Franz Wimmer, Ein achter
Beitrag zur heitern Deklamation. Wien 1834 - 1839
In Wien ein Schneider war, Von nicht geringem Ruhme In seinem Schneiderthume - Er konnte auf ein Haar Ohn´ Maß und solche Sachen
Die schönsten Kleider machen.
der vollständige faksimilierte Text mit Original
Begriffe und weiterführende Literatur zum Thema
Hier sollen in aller Kürze einige Begriffe erläutert und Hinweise auf weiterführende Literatur gegeben werden. Zuerst
ein Blick in Lexika, die Bürgers Zeit nahe sind.
„Die Parodie
, (a.d. Griech.) ein Gedicht; im weiten Sinne, überhaupt ein Werk des Geschmacks, das man n a ch einem andern
bekannten Gedicht oder ähnlichen Werke macht, welches letztere man durch zweckmäßige Veränderungen auf einen andern Gegenstand anwendet, oder gleichsam in einen andern Ton setzt.“ 1
„Travestie
nennt man eine Art des scherzhaften Gedichts, welcher immer ein ernstes Gedicht zum Grunde liegt, dessen Hauptgedanken,
Schilderungen und Charaktere in der Travestie auf lächerliche Weise umgestaltet werden. Sie gelingt am besten, wenn in der ihr zum Grunde
liegenden Dichtung viel Pomphaftes und falsches Pathos enthalten sind. Unter den neuern deutschen Travestien von größerem Umfange ist
immer noch die travestierte „Aeneis“ von Blumauer die bemerkenswertheste.“ 2
“Farce
(fr., spr. Fars), 1) von gehacktem Fleische mit Eiern, Semmel, Gewürz etc. bereitete Speisen, def. wenn solche in Geflügel, in
Fischen, in einem Krautkopf etc. als Gefülltes benutzt od. mit Blätterteig umzogen werden; 2) (sth.), bei den Franzosen u. Italienern kleine
dramatische Zwischenspiele (Intermezzi od. Interludien), welche sich auf dem Gebiete der niederen Komik bewegen. Der Name rührt sehr
wahrscheinlich von Farce 1) her, indem die F. dazu dient, eine Pause in der Hauptvorstellung auszufüllen, u. mit pikanten Anspielungen u. Localwitzen gewürzt zu sein pflegt.” 3
Aktuelle und nachvollziehbare Definitionen in neuerer Zeit werden von Wünsch4 gegeben. “Eine Parodie ist ein Text, der einen anderen Text dergestellt verzerrend imitiert, daß eine gegen diese Vorlage gerichtete komische
Wirkung entsteht.” Neben der Parodie gibt es verwandte Phänomene, die sich allerdings mit dem Begriff der Parodie auch überschneiden können. “Eine Satire
ist ein Text, der mit den Mitteln einer oft recht ausgeprägt aggresiven Komik Mißstände jeglicher Art aufdeckt und verspottet. Im
wesentlichen handelt es sich demnach um eine Verbindung von Komik und Kritik, wobei die Komisierung des Gegners, ähnlich wie in der
Parodie, als Waffe und Wirkungsmittel im Dienste der kritischen Intention eingesetzt wird. Komik und Kritik sind also nicht unabhängig
voneinander, sondern die Komik richtet sich gegen den kritisierten Gegenstand mit dem Ziel, ihn zu verspotten und der Lächerlichkeit
preiszugebenm um ihn (sozial) zu vernichten oder zu tadeln.” “Der Terminus ´Kontrafaktur
´bezeichnet in Literatur- und Musikwissenschaft Gedichte oder Lieder, die die metrisch-strophische Struktur
(Metrum, Vers- und Strophenbau) einer Vorlage übernehmen, aber deren Inhalt (Text) mehr oder weniger tiefgreifend ändern. Es handelt sich
also um eine Um- oder Neutextierung (Umdichtung) eines Gedichtes bzw. Liedes, wobei die Imitation der metrisch-strophischen
Grundstruktur essentiell ist, während nicht unbedingt die exakte Strophenzahl übernommen werden muß ...” “Eine Travestie
ist ein Text, der einen anderen Text unter Beibehaltung der wesentlichen inhaltlichen Merkmale, aber durch Einkleidung in
eine völlig neue, unpassende Sprachform dergestalt verzerrend imitiert, daß eine gegen die Vorlage gerichtete komische Wirkung entsteht. [.
..,] Die Travestie ist eine Unterart der Parodie ...” “Das heroikomische Epos
oder komische Heldenepos ist ein Typus der Parodie, dessen spezifisches Verfahren darin besteht, kleine und
unbedeutende, triviale Ereignisse im hohen Stil des Heldenepos, wie z.B. der Ilias, darzustellen (inhaltliche Substitution bei Wahrung der
hohen Stillage). Die komische Wirkung entsteht durch die Diskrepanz zwischen Aufwand und Inhalt.” “Das Pastiche
ist ein Verfahren der Stilnachbildung, das “la maniére, le style” eines Autors, einer Epoche, Schule oder Gattung mit
ernsthafter (Plagiat, Stilübung u.ä.) oder parodistischer Absicht imitiert.” “Ein Cento
ist ein aus unveränderten Zitaten eines oder mehrerer Dichter zusammengesetzter Text. [...] Die komische Verzerrung entsteht
beim parodistischen Cento durch die Art der Montage, die nicht im Sinne des Originals ist und mehr oder weniger starke Disharmonien erzeugt.”
Am Ende dieses Kapitels wird Literatur zum Thema zitiert, teils belletristischer, teils wissenschaftlicher Natur. Von den
vielen Fachbegriffen und sehr ins Detail gehenden Diskussionen sollte man sich nicht abschrecken lassen - man kann
sie bei Bedarf übergehen. Es sind aber so viele schöne Beispiele, die auch kommentiert und eingeordnet werden, in
den Werken aufgeführt, dass sich die Lektüre auch für den Laien lohnt. Nur ein kleines Beispiel: was passiert, wenn
die Parodie vor dem Original da ist - zumindest für die Zuschauer, die erstmals Wagners Tannhäuser sehen, vorher jedoch bereits die diesbezügliche Parodie kennengelernt hatten. .
zu 5 Consentius: dieses Werk enthält neben den Gedichten ein umfangreiches Lebensbild Bürgers, ein
Literaturverzeichnis sowie Erläuterungen zu allen Gedichten (Entstehung, Veröffentlichung sowie Informationen
über Vertonungen und Parodien bzw. ähnliche Werke anderer Autoren) zu 6: Enthält u.a. Werke von J.H. Voß, L.F.G. Goecking, G.A. Bürger und C.F.D. Schubart sowie ein kurzes,
lesbares Nachwort von Klaus Hammer zu 4: Eine wissenschaftliche Arbeit, gleichzeitig Dissertation. Wer die theoretischen Erörterungen überlesen kann,
wird mit einer Vielzahl interessanter und amüsanter Beispiele belohnt - sehr empfehlenswert. Von Bürger wird
im Kapitel 1.2.3. die Travestie Neue weltliche hochdeutsche Reime [...] behandelt, ebenso eine Vielzahl von
Bearbeitungen Goethescher und Schillerscher Werke; Heinrich Heine ist ebenso vertreten wie Lene Voigt in
sächsischer Mundart oder Bertold Brecht. zu 7 : enthält einen “Versuch über die Parodie” von Walter Dietze. Analyse der Parodie unter formal-quantitativen,
inhaltlich-qualitativen und stilistisch-kompositionellen Aspekten. Knapp und gut lesbar. zu 8 Blumauers wichtigstes Werk,Virgils Aeneis, travestiert, erstreckt sich über 256 Seiten und erregte seinerzeit
viel Aufsehen - ein deutlicher Hinweis darauf, daß man die Brisanz vieler Parodien oder Travestien nur richtig
einschätzen kann, wenn man die gesellschaftlichen Umstände der Zeit berücksichtigt. Ebenfalls in diesem
Buch: Gegenstück zu Bürgers Lied: Herr Bacchus ist ein braver Mann. zu 9 Wie der Untertitel “Eine systematische Einführung” erkennen läßt, eine wissenschaftliche Arbeit - beschränkt
man sich auf die vielen Beispiele und ihre Analyse, ist die Lektüre auch für Laien sehr empfehlenswert. Ein
Beispiel: Brechts Kälbermarsch, eine Parodie auf das Horst-Wessel-Lied der SA : zu 10 :Beiträge über G.C. Lichtenberg, J.G. Herder, G.A. Bürger, C. Brentano und H. Heine sowie über die Parodie
in Österreich. Darin. wichtigstes Thema ist Blumauers Werk ´Virgils Aeneis, travestirt´ sowie dessen Wirkung
auf die spätere Literatur. Schon deshalb interessant, weil Blumauers Aeneis in allen Arbeiten zur Parodie eine
wichtige Rolle spielt. Sehr interessant die unterschiedlichen Kritiken dazu von C.M. Wieland, F. Schiller, A.W.
Schlegel und J.W.v. Goethe.
1 Conversations-Lexikon oder kurzgefasstes Handwörterbuch (1809-1811), S. 3699 (www.digitale-bibliothek.de/band131.htm)
2 Travestie. Bilder-Conversations-Lexikon, S. 15230 (www.digitale-bibliothek.de/band146.htm)
3 Pierer's Universal-Lexikon, S. 74520 (www.digitale-bibliothek.de/band115.htm)
4 Frank Wünsch, Die Parodie Zu Definition und Typologie Hamburg Kovac 1999
5 Bürgers Gedichte in zwei Teilen, Zweiter Teil , Hrg. Consentius,Ernst, Berlin 1909, S.92.
6 Prinz Seidenwurm, Satiren und Farcen des Sturm und Drang, Rütten & Löning Berlin 1968 Hrg. Klaus Hammer
7 Die respektlose Muse Literarische Parodieen aus fünf Jahrhunderten, Rütten & Loening Berlin 1968
8 Blumauer, Aloys, gesammelte Schriften Gesammt-Ausgabe, Stuttgart 1877 S.381-383 9 Odor Verweyen, Günther Witting Die Parodie in der neueren deutschen Literatur Wiss.Buchgesellschaft Darmstadt 1979 10 Eduard Grisebach Die deutsche Literatur 1770-1870 Wien Verlag von L.Rosner 1876 Kapitel “Die Parodie in Oesterreich” S.175-213
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