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18.Jh.
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19.Jh.
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ab 1900
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Wir sind hier: Rund um Bürger > Musikalisches

Bürger und die Musik?

Auf den ersten Blick eine ungewöhnliche Kombination - was haben der Lyriker und Autor vieler Münchhausengeschichten und die Musik miteinander zu tun? Sehr viel mehr, als Kenner nur der Musik oder nur der Literatur vermuten. Ohne zu sehr in die Tiefe zu gehen, dafür gibt es im Bürger-Archiv einen separaten Gliederungspunkt, sollen einige Anregungen gegeben werden.

Dass im Jahre 2002 in der Staatsbibliothek ein Albumblatt von Ludwig van Beethoven gefunden wurde,
   das einen Bürgerschen Text verwendet, ist nur eine neue
   Bestätigung für die Verehrung, die der junge Beethoven Bürger
   entgegenbrachte. Es dürfte kaum einen Europäer geben, der nicht
   die “Ode an die Freude” aus Beethovens IX. Sinfonie im Ohr hat -
   wenigstens als Europahymne. Erst nach Beethovens Tod fand sich
   im Nachlass ein Lied mit dem Titel “Seufzer eins Ungeliebten -
   Gegenliebe”, es wurde als Werk ohne Opuszahl WoO 118
   eingeordnet. Es handelt sich um zwei inhaltlich verbundene
   Gedichte Bürgers, natürlich seiner geliebten Molly gewidmet.
   Wichtig ist, dass Beethoven die Melodie dieser “Gegenliebe” Ton
   für Ton als Hauptmotiv in seine “Phantasie für Klavier,Chor und
   Orchester” op. 80 eingebaut hat und diese Melodie in leicht
   veränderter Form als Ode an die Freude in der IX ihre höchste
   Vollendung findet.
   Letztlich geht also die Europahymne auf ein Gedicht von Bürger
   zurück. 

   Beethoven hat noch weitere zwei Gedichte Bürgers vertont:
Mollys Abschied und Schön Suschen.

Nicht so bedeutend, dafür aber mit sehr viel mehr Vertonungen von Bürgers Gedichten: Georg Wilhelm
  Gruber
, Zeitgenosse Bürgers. Sein eigener
  “Vorbericht”:
  “Blos das wiederholte Verlangen vieler Liebhaber  
  des Claviers und des deutschen Gesangs hat mir
  das Versprechen abgenötigt, alle sez- und sangbare
  bürgerische Gedichte für das Clavier und die
  Singstimme zu sezen. Mein Unternehmen wird
  dadurch am besten gerechtfertigt werden: zumal es
  ein Beweis ist, wie sehr Bürger auch in unsern
  Gegenden als Lieblingsdichter der Nation geschätzt
  wird. Ich hätte freilich gewünscht, einige Lieder, ihrer
  Natur und Empfindung wegen, ganz zu komponieren,
  aber das würde theils die Herausgabe noch länger
  verzögert, theils würde es auch, wegen der Größe
  mancher Gedichte und des Stichs gar zu kostbar
  gekommen seyn. Doch ich habe wenigstens eines
  davon geliefert.”
In der ersten Sammlung vertont Gruber dreiundzwanzig Gedichte von Bürger, in der zweiten Sammlung achtundzwanzig. Bei dieser Massenproduktion verwundert es wenig, wenn die Musikwissenschaft Grubers Vertonungen nicht sehr schätzt.

Das “Spinnerlied” verwendete Joseph Haydn in seinem Oratorium “Die Jahreszeiten” im Abschnitt Winter.  
   “Es wird abwechselnd vom Chor und von der Hanne, des
   Pachters Simon Tochter, gesungen.          
   Am 29. März 1903 wurden Haydns “Jahreszeiten” in Kleve 
   aufgeführt. Beizeiten bemerkte man aber glücklicherweise
   auch folgende schamlose Verse des Spinnerlieds:

   Außen blank und innen rein
   Muß des Mädchens Busen sein.

   So wurde denn auch das Textbuch für die guten Klever
   ohne jene sündigen Verse Bürgers gedruckt. Aber man
   hatte sich verrechnet: Fräulen Stephanie Becker aus Köln,
   die Sopransängerin des Abends, sang sie doch,
   unbekümmert um das Erröten sämtlicher Mütter und
   Töchter und zum Entsetzen der klevischen Tugendwächter,
   frisch, fromm, fröhlich in den Saal hinein.”

 

  
   Einer des besten Orgelspieler seiner Zeit und
   der bedeutendste Komponist des Harzraumes
   war Carl Christian Agthe, vor allem in
   Ballenstedt/Harz tätig.

   In seinem Liederbuch hat er sieben der
   schönsten Liebesgedichte Gottfried August
   Bürger
s vertont.

   Alle diese Lieder sind auf der CD unseres
   Vereins enthalten.

   Die Aufnahme erfolgte in den Franckeschen
   Stiftungen in Halle/Saale. Dort ging der kleine
   Bürger drei Jahre im Pädagogium zur Schule.

 

Christoph Martin Wieland schrieb 1778: “Wer, in kurzem wird nicht Bürgers Gedichte auswendig wissen?
   In welchem Hause, in welchem Winkel 
   Deutschlands werden sie nicht gesungen
   werden?”

   So erinnert sich die Göttinger Dichterin
   Philippine Gatterer mit Vergnügen daran, daß
   Leute von Geschmack ganz in Entzückung
   kommen, wenn sie Bürgers “das Mädel, das
   ich meine” singt und dazu spielt. Und auch die
   schöne Melodie des Doktor Weis. Wenn mit
   Gefühl der Vers gesungen und mit Ausdruck
   gespielt wird: Lob sei u.s.w. so gehts ans Herz
   wie ein Psalm; einem däucht, man möchte die
   Hände falten ...

   Auch im Stolbergschen Hause werden die
   Bürgerschen Lieder viel gesungen: “Oft singt
Mein Weib Ihre Lieder” oder “Meine Agnes, die herzliche Sängerin Ihrer Lieder” oder “Als ein kleines Mädel hat sie schon mit Empfindung Ihre Lieder gesungen und singt sie mir oft...”
Vier der Weisschen Kompositionen sind auf unserer CD enthalten.

Eine Vertonung der Ballade Lenore, die Musikgeschichte geschrieben hat: Johann André war der erste  
   Komponist, der die Lenore durchkomponiert
   hat. Vorher wurden alle Strophen nach ein
   und derselben Melodie gesungen, was bei
   32 Strophen fast schon eine Zumutung ist
   und vor allem den unterschiedlichen
   Stimmungen nicht gerecht werden kann.
   Bürger erhielt diese Komposition von Boie
   und schrieb zurück: “Lenore sieht ja sehr
   glänzend aus. Ich habe mir aber von
   verschiedenen Musikern sagen lassen: Die
   Komposition sei abscheulich. Selbst habe
   ich sie noch nicht gehört; verstehe mich auch nicht darauf; bin aber doch nun recht begierig, sie zu hören. Muß ich mich denn wohl beim Herrn André bedanken?”... Im Winter 1776 hörte Biester Andrés Komposition, die als Duett gesetzt war, im Gerstenbergschen Hause zu Lübeck singen und war davon sehr entzückt: “O Bürger, Bürger!” schreibt er. “Wärst Du doch dagewesen! Solche Herrlichkeit der Musik, solche Kraft des Gesangs! Wie jeder Gedanke ganz ergriffen ist, und ganz ausgedrückt! Voll Wahrheit! Voll Natur! Einige Stellen sind über allen Ausdruck vortrefflich. Wie hats mein Herz gelabt! Und wie entzückte michs, dabei an dich zu denken”.
Interessant, wie unterschiedlich diese neue Kompositionsform gewertet wurde - heute sieht man Andrés Leistung positiv. Auch interessant: das Aquarell von Chodowiecki erscheint erstmals (als Stich ohne Farbe) auf dem Titelblatt der 4. Ausgabe von Andrés Lenore mit der Erläuterung: Einzug auf dem Friedhof, o. luftiges Gesindel, r. hinten Hochgericht.

   Ich rühme mir,
   Mein Dörfchen hier!
   Denn schön´re Auen,
   Als rings umher
   Die Blicke schauen,
   Blühn nirgends mehr.
   Welch ein Gefilde,
   Zum schönsten Bilde
   Für Dietrichs Hand!
   Hier Felsenwand,
   Dort Ährenfelder
   und Wiesengrün,
   Dem blaue Wälder
   Die Grenzen ziehn!
         ...
   Der vier Jahre nach Bürgers Tod geborene Franz Schubert
   vertonte Bürgers “Das Dörfchen” für Männerchor - ein sehr
   melodisches Lied, wie man es bei Schubert erwartet.

   Mit dem Dörfchen ist aber nicht Bürgers Heimatdorf 
   gemeint, es handelt sich vielmehr um die Bearbeitung eines
   französischen Themas.


Zu Unrecht hat Bürger einmal seine Ballade “Die Entführung oder Ritter Karl von Eichenhorst und Fräulein 
   Gertrude von Hochburg” als seine beste
   bezeichnet. Es handelt sich um eine Ballade,
   die wenig Tiefgang hat und bezeichnenderweise
   mit den Zeilen endet:

   “Auf! Wechselt Ring´und Hände!
   Und hiermit Lied am Ende!”

   Allerdings entsprach diese Ballade Bürgers
   Idee von der Volkspoesie, er wollte auch
   vom einfachen Volk verstanden werden.
   Hinzu kommt, dass er der Meinung war, dass
   auf den Vortrag dieser Ballade die Hälfte der
   Wirkung beruhe. Man kann sich wohl am
   besten vorstellen, dieses Werk als eine Art
   Bänkelsang aufzuführen. Vertont worden ist
die Entführung auch von Johann Rudolf Zumsteeg. Dazu gibt es eine hervorragende Einspielung mit dem berühmten Bariton Bernd Weikl und dem Pianisten Wolfgang Sawallisch. Im Händelhaus in Halle/Saale wurde 1972 diese Ballade mit Käthe Röschke aufgenommen und ist jetzt als CD verfügbar.

Verwendete Quellen:

- Die wörtlichen Zitate sind Erich Ebsteins “Bürgers Gedichte in der Musik” entnommen, erschienen 1903
  in der Zeitschrift für Bücherfreunde, Heft 5, S. 177-198
- Beethoven-Bild aus: Musik in Geschichte und Gegenwart, (c) Bärenreiter-Verlag 1986
  http://www.digitale-bibliothek.de/band60.htm ]
- Des Herrn Gottfried August Bürger´s Gedichte [...] von Georg Wilhelm Gruber. Erste Sammlung Nürnberg 1780
- Ausschnitt aus einem Stich Cl. Kohls, Gedichte von Gottfried August Bürger II. Teil Wien 1792
- Lieder eines leichten und fließenden Gesanges [...] von Carl Christian Agthe Dessau 1786
- Lieder mit Melodien von D. Friedrich Wilhelm Weis Zweyte Sammlung Lübeck 1776
  dieses Liederbuch ist als
DigiWunschbuch beim Göttinger Digitalisierungszentrum vorhanden:
 - Aquarell von Daniel Chodowiecki 1784 aus Helmut Scherer: Gottfried August Bürger Eine Biographie Berlin 1995
- Schubert-Bild aus: Musik in Geschichte und Gegenwart, (c) Bärenreiter-Verlag 1986
  http://www.digitale-bibliothek.de/band60.htm ]
- Titelbild von Zumsteegs Vertonung der Entführung aus: Balladen von Gottfried August Bürger Teil 1
  Das Erbe deutscher Musik, Herausgegeben von der musikgeschichtlichen Kommission e.V. Band 45
  Verlag B. Schotts Söhne in Mainz 1970

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