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     Die links verweisen auf die linke Navigationsleiste, dort sind die zugehörigen Werke anwählbar

Lenore

Beiträge im Zeitraum


bis 1800

1801-1810     

1811-1820     

1821-1830

1831-1840    

1841-1850    

1851-1860

1861-1870    

1871-1880    

1881-1890     

1891-1900     

1901-1910    

1911-1920     

1921-1930

1931-1940    

ab 1941
 

1861-1870

 

Leonore, das Opfer blinder Liebe. Eine Geschichte aus Preußens großen Königs Friedrich II. Helden- und Waffenthaten. Nebst dem Liede: Lenore fuhr um's Morgenroth.

Wilhelm war der einzige Sohn eines alten biedern Landedelmannes, Namens Strahlberg in Pommern. Als sich im Jahre 1756 Preußen zum Kriege rüstete, hätte Wilhelms Vater, der früher unter den Fahnen des alten Friedrich II. gedient hatte, gerne den Feldzug noch einmal mitgemacht, allein seine geschwächte Gesundheit und hohes Alter gestatteten ihm dies nicht.
   [...]

   der vollständige Text

 

Die neue Lenore. In: Kladderadatsch 26. Mai 1861

Borussia fuhr ums Morgenroth
Empor aus schweren Träumen:
"Bin ich mir untreu oder todt?
Wie lang' noch will ich säumen?
Noch hab ich durch moral'sche Macht
Erobert nichts
, wie man gedacht
Und wie man oft geschrieben -
Ach, wo bin ich geblieben.

  der vollständige Text

 

Vom Lechthale. Ein Echo von den Bergen in zwangslosen Reimen auf das Halloh der Freimaurerblätter bei Gelegenheit der Treibjagd gegen die glaubenstreuen Tiroler. In: Tiroler Stimmen, 7. September 1861

     Die Presse fuhr ums Morgenroth
       Empor aus schweren Träumen:
     "Ist Alles untreu, oder todt?
       Wie lange wird man säumen!
     Noch immer agitiert Tirol,
     Daß es doch der Schwarze hohl
     Sammt seinem Felsenneste!
     Das wär' das Allerbeste.

     der vollständige Text in Beilage zu den "Tiroler Stimmen" No. 129 

 

Meister Fröschle's Illustrationen zu Bürger's Lenore. In: Fliegende Blätter, Nr. 815

lenore_froeschle_parodie

 

 

Wiener Eulenspiegel. In: Der Zeitgeist, 25. November. 1861

9. Erklärung von Klassikern.

Knabe. Frau Slava fuhr um's Morgentodt -
      empor aus wachen Säumen -
      Ruthen bist untreu oder roth -
      wie lange wirst Du träumen? -
      Er war mit seines Bischofs Schlacht -
      gezogen in die Schmerlingmacht -
      und hatte nicht geblieben -
      ob er gesund geschrieben.
Professor (erklärend.) Das Ausbleiben des Briefes ist leicht erklärlich, die Ruthenen pflegen nämlich meist nicht schreiben zu können.

 

 

Vermischte Nachrichten. In: Grazer Zeitung 12.3.1861

* Der in gewissen Kreisen von flotten Juxbrüdern der westlichen Vorstädte Wiens wegen seiner „göttlichen Grobheit“ hochgefeierte und unter dem mehr populären als ästhetischen Beinamen „der Sauwirth“ bekannte Wirth von Hetzendorf, der sogar auf „die Bretter“ gelangte, hat sich nun zwischen sechs Bretter und zwei Brettchen zurückgezogen, indem er, dem Vernehmen nach, dieser Tage nach kurzem Leiden von dem Schauplatze seines irdischen Wirkens abgetreten, oder, um ohne Bild zu sprechen, gestorben ist.

 

 

Dresden, den 15. August. In: Dresdner Nachrichten 15.8.1861

Einige waren sogar so frech und kühn, das eiserne Geländer zu durchbrechen, was den zu kleinen Carambolagen mit den Cassenleuten führte, ohne weiter nachtheilig auf den Cours der Waldschlößchen-Actien einzuwirken. Jubel und Freude war noch im Gange, als längst der Hahn gekräht; Familien und einzelne Glieder des Hauses, "Lenore fuhr ums Morgenroth" erst mit ihrem Papa im Omnibus heim, und wir wollen nicht in Gewölben und Schreibstuben nachfragen, wie viel Köpfe am andern Vormittag so in der Stille gebrummt haben mögen.

 

 

Kulke, Eduard. Luise Dustmann-Mayer als Darstellerin Wagner'scher Frauen-Charaktere. In: Neue Zeitschrift für Musik 4.10.1861

Wir treffen sie im dritten Act nur noch im Gebete wieder. Ihr bebendes Forschen und Suchen nach des Geliebten Antlitz unter den Gesichtern der heimkehrenden Pilger mahnt uns an die Worte B ü r g e r' s:
   „Sie frug den Zug wol aus und ab,
   Sie frug nach allen Namen;
   Doch Keiner war, der Kundschaft gab,
   Von Allen, so da kamen."

 

 

Operette Lori. In: Salzburger Zeitung 10. April 1862

lori_operette

 

 

Die Arad-Hermannstädter Bahn. In: Die Presse 20.11.1862

Wer kennt vor allem jenen mysteriösen „deutschen Culturverein". der von der Großwardein-Klausenburger Entreprise gleich einem im entscheidenden Momente auftretenden „reichen Onkel aus Amerika" mit einemmal vorgeschoben wird? Wer kennt ihn? Bis Dato hat sich noch niemand gemeldet, um ein befriedigendes Signalement über ihn abzugeben.—
   „Man frug die Börse auf und ab,
   Und frug nach allen Namen;
   Doch keiner war, der Kundschaft gab,
   Von allen, so da kamen."

 

 

Briefkasten. In: Dresdner Nachrichten 8.9.1862

Stadtpostprief. der „alte Wohlbekannte." Saft und Kraft im ganzen Artikel Seht aber nicht, Freundchen, geht nicht; höchstens nur dann, wenn mir mit dem Streichstift in der Hand den Neuntödter spielten; dies aber hieße dem Weizenkorn den lebendigen Keim ausbeißen und den Lesern das todte Mehl übrig lassen.
   Geduld. Geduld, wenn's Herz auch bricht,
   Mit Stadtverordneten hadere nicht!

 

 

Der Fürst de Hölle und Minister Bockshorn. In: Nürnberger Beobachter 3.4.1862

Fürst. Also fahre fort mit deiner neuen Heraldik.
Minister. Jetzt kommt Nr. 10. H o l s t e i n s Wappen. Dies ist ein von mehreren Raubvögeln niedergeworfener, aus zahlreichen Wunden blutender Löwe. Im Hintergrund der deutsche Michel, der sich verlegen hinter den Ohren kratzt. Unten die Devise:
   "Geduld, Geduld, wenn's Herz auch bricht,
   Mit dem Geschicke had're nicht,
   Bald kann das Blatt sich wenden,
   Und Noth und Jammer enden."

 

 

Theater und Kunst. In: Harmonia, Oedemburg, 6. Dezember 1863

      Elise fuhr ums Morgenroth
      Empor aus schweren Träumen
      Sag, schläfst du, oder bist du todt?
     Wie lang willst du noch säumen!

Nun ja, wir schlafen nicht und sind nicht todt.
 Am 23. v. M. hätte uns jedenfalls der Postillon von "Stadl-Enzersdorf" wachgeblasen - und wir haben diese Parodie des französischen Lustspiels in deutscher Geduld verdaut, so gemein und trivial der erste Postillon auch immer sein mag, picanter Salat zu den zähen Braten waren die Tänze.

 

 

SPAIN. In: Morning Advertiser 14 December 1863

[FROM OUR OWN CORRESPONDENT]
             MADRID, DEC. 9.
They say that there is a skeleton in every house; but few houses have a festering corpse under the dining-table. As they banqueted at the expense of the gentleman below, possibly they may have drunk to his memory, and indulged in merry jests at his expense. Mrs. Manning, having passed her youth in the service and society of aristocratic houses, may, perhaps, have picked up a smattering of German literature in her annual trip up the Rhine with her patrician mistress; perhaps she taught her husband the railway porter, to join her in Burger's wondrous ballad,--
      “Hurrah, hurrah, the dead can ride,
       Dost fear to ride with me?”

 

 

Vermischtes In: Neue Augsburger Zeitung 3.8.1863

“Aus der landwirtschaftlichen Ausstellung in Hamburg [...] Amüsant war nur das junge Volk der noch ganz unerzogenen kleinen Ferkel in ihrer drolligen Derbheit. Sie spielten ohne Ausnahme ihren geduldigen Müttern sehr übel mit, und führten dabei ein Concert auf, gegen welches ‘Unkenruf in Teichen’ Sphärenmusik ist.”
 

 

Dresden, den 14. September. In: Dresdner Nachrichten 14.9.1864

Zu alledem sind diese Buchstabenklauberer meist noch kurzsichtig, müssen sich der Brille bedienen und von dem Flottweglesen scheinen sie noch sehr schwere Begriffe zu haben. Manchmal machen sie so ein kleines Nickchen, scheinen über dem Lesen eingeschlafen zu sein. Dieß ist aber nur Täuschung, was ein anderer Leser, der ihnen das Blatt leise aus der Hand nehmen will, sofort erfahren kann. Bei dem geringsten Geräusch fahren sie gleich der Bürgerschen „Lenore" empor aus schweren Träumen und fahren im Lesen fort, wo sie stehengeblieben sind.

 

 

Dresden, den 22, Januar. In: Dresdner Nachrichten 22.1.1864

— Wir hören von Teplitz aus, daß es mit der Gesundheit des geschätzten Schriftstellers Eduard Maria Oettinger im Ganzen viel besser geht; jedoch ist sein rechter Arm contraet und gelähmt, daß ihm das Schreiben noch immer große Schmerzen verursacht. Unter solchen Umständen ist der wackere Verleger seines neuen Romans „Gräfin Kielmannsegge" zu bedauern, der jetzt, nachdem der Druck bereits bis zur Hälfte des zweiten Bandes vorgeschritten ist, einstweilen festsitzt. Doch: „Geduld, Geduld, wenn's Herz auch bricht" nur mit C o n t r a c t e n hadre nicht!

 

 

Theater. In: Würzburger neueste Nachrichten 6.11.1864

   Kreuz Geduld, Geduld wenn's Herz auch bricht,
   Mit hoher Regie, da hadre nicht!
   Des Schauspiels sind wir ledig
   Gott sei der Posse gnädig! - - - - -
 

 

Nur keine Ueberstürzung. In: Kladderadatsch 24.4.1864

Wann setzt - wer sagt wir das sogleich? -
Die stolze F l o t t e v o n O e s t e r r e i c h
   Dem Dänen sich zur Wehre?
Geduld, Geduld, wenn's Herz auch bricht!
Sie ist, wenn wahr ist, was man spricht,
   Schon - a u s d e m M i t t e l m e e r e.

ueberstuerzung_1864

 

 

Leehßore, Travestie nach Bürger's "Lenore."
        Vom Verfasser des "Gütsteher." [d.i. Reb Gedaljeh Pinkeltroger]
        Wien, Herzfeld & Bauer. 1865

Leehßore wahnt sich de Agen roith
Uen höert nit auf zü schreie:
"Is Wolfele plete oder toidt?
Oder thüt er's gor bereue?"
Mit Maier, Feiwel, ün Jekewbär
Is er fort zün Schier, zün Rebbe Reb Mär;
Oder noch nie hot er geschrieben
Uem Leberlech oder Grieben.

      der vollständige Text



Verlegenheit in Neuer Styx, humoristisch-satyrisches. Beiblatt zur "Pester Sonntags-Zeitung." Nr. 14, 1865

Romanzero.
    XV.
 V e r l e g e n h e i t.

Festlich in dem Brautgewand'
Steht die Braut an Bräutigam's Hand.
Dichter Schleier sie verhüllt,
W i l h e l m ist von Luft erfüllt.

Das "Bedecken" ist vorbei,
Braut und Bräut'gam athmen frei.
Nur noch einige Sekunden:
Ewig sind sie dann verbunden.

Süßer Plebs harrt vor dem Thor,
Und im Tempel harrt der Chor,
Harrt der Gäste große Schaar,
Noch kommt nicht das junge Paar?

Bist untreu W i l h e l m oder todt?
Willst warten bis zum Morgenroth?
Und F o l e n o s, voll Ungeduld,
Dem schlechten Wetter gibt die Schuld.

Dicker Bräut'gam ängstlich schaut,
Auf die schöne dicke Braut,
Kein Fiaker in dem Ort
Führt das dicke Brautpaar fort.

Endlich nach zwei langen Stunden
Ward ein Wagen aufgefunden,
Der dazu sich wollt' bequemen,
Dickes Brautpaar aufzunehmen.


 

 

The Weather and the Crops. In: Warder and Dublin Weekly Mail, 29. April 1865

[...] Talking of Poles, it was an emigrant who had actually taken part in more than one Warsaw insurrection who performed the responsible office of engine driver from the French frontier at Busigny, near Cologne, to the station at
Montmartre, and had thus charge of the train bearing the Czar of all the Russias. He managed to keep up a velovcity of 30 leagues an hour, and might, if so minded, have re enacted what Burger sang in his German ballad of Leonora.

 

 

SPORTS AND PASTIMES. In: Bicester Herald 04 August 1865

By far the handsomest of the three Goodwood Cups, was the Chesterfield, run for on the last day. Somewhat wandering out of the beaten tract of equestrian groups, c., the designer, Mr. Robert Jefferson, has taken to the realms of poetry, and produced a subject illustrative of the German ballad of Leonora, exquisitely beautiful, and so much superior to anything we have seen in that way lately that we regret it was not the Cup of the meeting. The horse on the course has a wonderful amount of “go” in him; and the attendant angels, Leonora's intercessors, which form the handles, are beautifully designed in oxidised silver. There is a vast amount of elaborate ornamentation at the base, and, altogether, the piece of plate reflects the highest credit on both modeller and manufacturers.

 

 

Entreelied, von Henrion, Poly [Kohlenegg]; Musik Carl Millöcker. Sachsen in Oesterreich.
             Komisches Grenzbild mit Gesang, Wien. 1866

    Aurora fuhr ums Morgenroth!
    Bist, Theurer, untreu oder todt?
    Wie lang wirst Du noch säumen?
    Er hat mir nicht geschrieben,
    Ob er is todt geblieben.
    Was nützt mich all' mein Träumen!
    Ich weiß nix von mein Schatz,
    Ach! am End' g'hört er gar schon der Katz!

 

Minister-Conseil. In Figaro, 10. November. 1866

Minister-Conseil

Belcredi fuhr um's Morgenroth
Empor aus wirren Träumen:
Jetzt geht wieder an die schwere Noth!
Wir dürfen nichts versäumen.
Doch reiten wir nicht hopp, hopp, hopp,
Sofort im sausenden Galopp,
Auch wollen wir nicht trottiren,
Nur sachte das Rößlein führen."

     der vollständige Text

 

David und Itzig. In: Politisch-humoristisch-satyrisches Universal-Lexikon, 15. Jänner 1866

Kühranda fuhr um's Morgenroth
Empor aus schweren Träumen.
"Bist untreu David? oder todt?
Wie lange willst du säumen?
Du zogst mit deines Troßes Macht
Nach Prag, zu schlagen manche Schlacht
Und hast mir nicht geschrieben,
Ob du gesünd geblieben."

     der vollständige Text

 

les morts vont vite (Die Todten reiten schnell) in Le Charivari, 29 jullet 1866 (RETRONEWS der BnF)

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     zur Erläuterung

 

 

 

 

 

 

 

 

Eine Nacht im Nordbahnhofe zu Wien. In: Ortenauer Bote : Offenburger Tageblatt 14.08.1866

Es war 6 Uhr Morgens, als wir den Bahnhof verließen. Alle, die sich an dem Liebeswerke, die Verwundeten zu pflegen, betheiligt hatten, waren erschöpft, und doch galt es, in einer Stunde von Neuem zu arbeiten. Das arme Weib mit dem Säugling kauerte noch immer in der Ecke und suchte ihren Sohn.
    Sie frug den Zug wohl auf und ab
     Und frug nach allen Namen,
    Doch Keiner, der da Antwort gab,
     Von Allen, so da kamen.
Das junge Mädchen mit den schwarzen Locken hatte noch keine Nachricht von ihrem Bruder erhalten. Möge Beiden ein späterer Tag erfreuliche Kunde bringen!
                       (Wiener Fremden-Bl.)

 

 

Deutsche Weisen mit Nachklängen. In: Würzburger Wochenblatt und Stechäpfel 30.6.1866

   "Das Volk steht auf, der Sturm bricht los,"
   Es gießt Kanonen der Franzos.
       [...]
   "Geduld, Geduld, wenn's Herz auch bricht,"
   Mit Kriegsgesetzen had're nicht.

 

Feuilleton. Musik. In: Wiener Zeitung 20.11.1866

“Sonst möchten wir aber dieses Concert im Allgemeinen nicht zu den von besten Sternen beschienenen zählen. Schwankungen mancherlei Art machten sich fühlbar, besonders bei ‘Rosamunde’; die Clarinetten waren ‘Unkenruf in Teichen’, das Publicum verhielt sich ruhiger, gemessener denn sonst, obwohl es sehr zahlreich vertreten war.”

 

Echo der Gegenwart. 28.11.1866

“- Die Mont.=Ztg. bringt folgende Anfrage an die Aeltesten der Kaufmannschaft : Darf Lenore hier noch um's Morgenroth fahren, oder muß sie dies nach des neuen Straßen=Reglemang noch mitten in der Nacht abmachen ?
      B ü r g e r”

 

Der Deklamator in Verlegenheit, von Karl Zwerens. In: Der flotte Geist, Wien. 1. Februar  1867

    Zum Ich möchte gern was deklamiren,
    Man macht sich ja dadurch beliebt,
    Nur kann man auch dabei riskiren,
    Daß es Verlegenheiten gibt.
    Die Wahl des Stoffes ist entscheidend,
    Zuhörer gibt's verschied'ner Art,
    Was für den Einen ist zu schneidend,
    Dem Andern scheint es viel zu zart;
    Ein Dritter will nur Großes hören,
    Dem Vierten Kleines nur gefällt
    Und Alle, Alle stets begehren
    Was Neues! - Gibt's das auf der Welt?
    Ist denn nicht Alles alt geworden?
    Hat nicht das Gute immer Werth?
    So will ich denn von da und dorten,
    Nur Altes kochen an dem Herd:
    So ein Ragout vom Zeitenschmause,
    Aus Wohlbekanntem bunt gemischt,
    Das sei zum gütigen Applause
    Deklamatorisch aufgetischt. - -
    Man kennt, was Bürger hat geschrieben:
    ´Lenore fuhr um's Morgenroth´ -
    Da bin ich stecken schon geblieben.
    Wie helf ich mir aus dieser Noth?
    Ich muß auf Bürger's Rechnung reimen:
    Lenore fuhr um's Morgenroth,
    Empor aus sehr verliebten Träumen,
    ´Bist untreu Wilhelm, oder todt?´
    Sie hat um ihn geseufzt bei Nacht,
    Was hat indessen er gemacht?
    Sie muß es wissen auf der Stelle,
    Und ´hurre! hurre! hop, hop, hop!´
    Da springt sie schon an seiner Schwelle
    Aus dem Fiaker im Galopp.
    ´Rasch auf ein eisern' Gitterthor,
    Geht's mit verhängtem Zügel

    Es kommt ihr was verdächtig vor,
    Sie sprengt der Thüre Riegel:
    Da sitzt er in dem Kanapé
    Und bei ihm eine and're Fee!
    Der Zweifel ist sie ledig,
    Gott sei dem armen Teufel gnädig! - -
    ´Die Tochter des Pfarrers von Taubenhain
    War unschuldsvoll, wie ein Täubchen´ -
    Da fällt mir schon wieder nichts weiter ein,
    - Ja, ´zu enge ward ihr das Leibchen
    Ein Lump war der Ritter von Falkenstein,
    Hat sie doch nicht genommen zum Weibchen -
     

 

Passende Lieder für den österreichischen Staatsminister. In: Champagner: humoristisch-satyrisches Wochenblatt. 9.2.1867

“Wo bleibt mein Geld, so frag' ich alle Tage.
 O, du lieber Augustin, alles ist hin.
  Ja, das Gold ist nur Chimäre.
  O Mutter, hin ist hin,
  Verloren ist verloren!
  Was fang' ich armer Teufel an!!?
Ich hab mein Sach' auf Nichts gestellt - O weh!”

 

Ball-Chronik von Sincer. In: Oedenburger Bote, 1. März 1868

Der Sommer fuhr ums Morgenroth
Empor aus schweren Träumen
Schläft Sincer oder ist er todt -
Wie lang' wird er noch säumen?

 

 

Eine Wolfsjagd in Siebenbürgen. Süddeutsche Post 20.2.1868

Bis auf ungefähr 30 Schritte von der Straße galloppirte Meister Isegrim auf mich zu; dann aber nahm er seinen Weg in paraleller Richtung mit der Straße, von Zeit zu Zeit eineu lüsternen Blick auf mich werfend. Schnelligkeit nützte nun nichts mehr, desto mehr aber mußte ich jetzt darauf achten, daß mein Pferd nicht stürze. Wäre dies der Fall gewesen, dann adieu Welt! Mit meinem Säbelstumpfe hätte ich nichts thun können. So ging's nun:
   Hurre hurre hopp hopp hopp
   Fort im saußenden Galopp
   Daß Roß und Reiter ſchnoben
   Aus dem Eise Funken stoben,
bis ich Rosenau erreicht hatte.

 

 

Fünftes Sinfonie-Concert der K. S. musikalischen Capelle. Saal des Hotel de Saxe. Dienstag,am 11. Februar. In: Dresdner Nachrichten 13.2.1868

Göthe behauptet: „Der Deutsche giebt sich gern Rechenschaft von Dem, was er thut." Das läugne ich, und zwar ganz besonders, als die erste Programmnummer des Concerts ihre Beseitigung gefunden oder zu dem Punkte gekomnen war,auf welchen sich die letzten Worte von Bürger's "Leonore" anwenden lassen, wo es heißt: „Des Leibes bist Du ledig, Gott sei der Seele gnädig!"

 

 

Briefe an eine Unbekannte. In: Wiener Sonn- und Montags-Zeitung 16.8.1868

Die Blätter sind voll „interessanter Einzelheiten," die Politik wird benagt, um nur mit der größten Ausführlichkeit berichten zu können, die Entreprise de pompes funebres bemächtigt sich der Leichen um sie als Reclame zu benützen, von protestantischer Seite überbietet man sich in Beweisen von Uneigennützigkeit, es sticht so gewinnend ab gegen die Härte mit welcher die „katholischen" Gebühren eingetrieben werden und wird nur durch die Herablassung übertroffen, diese „unerläßlichen Gebühren" selbst von jüdischen Zeitungsredacteuren huldvollst anzunehmen. Non olet! Sechs Bretter und zwei Brettchen, fünfmal genommen, für Großmutter, Mutter und drei Kinder, ein Trab hinaus vor die Linie, an drei Gräbern warme Segensworte, an den zwei anderen bezahltes und auf Stämpelpapier quittirtes Gemurmel, einige Schaufel voll Erde darüber und Alles ist vorüber, nichts mehr mahnt an die abscheulichen Blasen, welche der Glutofen die „Gesellschaft" getrieben.

 

Delegations-Bankett. In: Figaro 15.2.1868

“Wie es vielleicht später einmal von den Ungarn arrangirt werden dürfte.
 Der Bankettsaal ist durch eine Glaswand in zwei Hälften getheilt; die Abtheilung für Ungarn ist von Gaslicht hell erleuchtet. Ueber dem Sitze des Präsidenten stehen in goldenen Lettern die Worte:
    Parität, 30 Perzente oder Nichts.
Die cisleithanische Saalhälfte ist durch ‘Schusterkerzen’ erleuchtet, den Deputirten sind hölzerne Bänke als Sitzplätze angewiesen. Oberhalb des Präsidenten-’Bankel's’ liest man die inhaltsschweren Worte:
   Geduld, Geduld, wenn's Herz auch bricht,
   Das Quotenzahlen ist Bürgerspflicht.”

 

 

Breitmann in Maryland von Charles G. Leland. In: Hans Breitmann's Barty and other Ballads, London 1869

B. F. schreibt in Our Monthly Gossip (Lippincott's Magazine, April 1869):
“[S. 457] The article in the Spectator is one of the best, as the reviewer has most thoroughly appreciated and fully understood the exquisite humor with which the author, in the true Teutonic style, mixes up sentiment with sausages, Limburg cheese with literary aspirations, and much beer with Moral Ideas. It is singular, however, that not one of the critics should have discovered the subtle vein of parody which runs through the volume. Not only are several stanzas of Bürger's ´Lenore´ travestied in ´Breitmann in Maryland´ but the ballad of ´The Father and the Son´ is a close parody of ´Das Hildebrandt's Lied´ in Das Heldenbuch; [...].”

DER BREITMANN mit his gompany,
Rode out in Marylandt.
'Dere's nix to trink in dis countrie ;
Mine droat 's as dry as sand.
It 's light canteen und haversack,
I 's hoonger mixed mit doorst ;
Und if ve had some lager-peer
I 'd trink oontil I boorst.
Gling, glang, gloria !
Ve 'd trink oontil ve boorst.
      [...]

   der vollständige Text

 

Schwindel, nichts als Schwindel. In: Der Zeitgeist, 10. Mai, 1869

           [...]
Aktien, das ist das große Losungswort des Tages, nur Aktien! und man gründet darauf los,
 als ob die Welt fürderhin nur aus lauter Gründern, Verwaltungsräthen und Direktoren
bestehen sollte -

     Und hurrah, hurrah, hopp, hopp, hopp,
     Geh't's fort im sausenden Galopp,
     Daß Volk und Gründer schnoben
     Und Aktienfetzen stoben,

und auch die Gefahr, die ganze Börsen-Gallopins-Bande mir zu bitterbösen Feinden zu machen,
 möchte ich einen zweiten Passus der famosen Bürger'schen Ballade, in moderner
Uebertragung zum Besten geben, der da lautet:
    "Und an der Börse Spindel
     Da tanzt ein lustiges Gesindel."
          [...]

    der vollständige Text

 

Eine Konfiszirte. In: Der Floh, 19. Dezember 1869

Elias fuhr ums Morgenroth
Empor aus schweren Träumen -

   der vollständige Beitrag  

Diese Parodie hatte ein gerichtliches Nachspiel, wie die Berliner Gerichts Zeitung vom 10. März 1870 berichtet:
"Auswärtiges.
Wien, 5. März. Ein Scandalproceß der stärksten Art kam an den Tagen Freitag und Sonnabend v. W. vor dem hiesigen Schwurgericht zur Verhandlung. Der Angeklagte ist der verantwortliche Redacteur des hierselbst erscheinenden Witzblattes ´Floh´, Carl Floch. Er wird beschuldigt, durch verschiedene, in seinem Blatte veröffentlichte Artikel, die am Carltheater engagirte
Schauspielerin, Fräulein Hermine Meyerhoff theils bildlich, theils wörtlich in der ehrenrührigsten Weise beleidigt zu haben.
        [...]
Der Gerichtshof verurteilt den Angeklagten zu einem Monat Arrest und zu 60 Gulden Cautionsverlust, ferner zur Veröffentlichung des Urtheils an der Spitze seines Blattes und zur Tragung der Kosten.”
 

 

Scene in Sprühfeuer, Original-Lustspiel von Oscar Friedrich Eirich. Wien 1869

I d a. O ja, hören Sie nur. (stellt sich in Positur und deklamirt mit komischem Pathos).

Leonore fuhr ums Morgenroth
Empor aus schweren Träumen.
Da zogen drei Burschen über den Rhein
Bei Leonoren kehrten sie ein,
Und wie ein Gebild aus Himmelshöhen
Sahen sie die Holde vor sich stehen,
Es sprachen alle drei in Jugendprangen
Mit züchtigen verschämten Wangen:
Wir liebten dich immer, wir lieben dich heut'
Und werden dich lieben in Ewigkeit!
Sie aber erwiedert mit freiem Sinn:
Meine Ruhe ist längst schon dahin.
Mein Herz ist schwer
Euch schenk' ich es nimmermehr!
Da zogen die Burschen nach Hause
In die still' einsame Klause
Schütteln die Mähnen
Mit langen Gähnen
 Strecken die Glieder
Und legen sich nieder. 
Und so lagen sie viele Tage
Zu ihrer und der andern Plage
Bis ein Strom aus Felsenrissen
Sie in den Strudel der Wellen gerissen!
Es kommen, es kommen die Wasser all'
Sie rauschen herauf sie rauschen nieder
Die Burschen aber bringt keines wieder.
   Nun wie gefällt Ihnen das?

M a x. Ich finde, daß Sie viele Werke berühmter Männer gelesen haben, daß Sie aber ein wenig anektiren. Wenn man sich auch zuweilen Citate erlauben darf, und Vorbilder, wie ein Wieland, Schiller, ein Bürger -

I d a. (lachend) Jetzt haben Sie sich aber stark geschnitten! Sie sagen: "Wieland, Schiller ein Bürger" und der verstorbene Schiller war gar Bürger, zuerst war er Feldarzt, ist er Dichter von Profession geworden und man hat ihn in den Adelsstand erhoben, folglich kann er nie Bürger gewesen sein. 

 

 

Negative Punschtelegramme. In: Wiener Punsch, 10. Februar 1869

Der Wiener fuhr um's Morgenroth
Empor aus schweren Träumen,
Bist untreu, Freiheit, oder todt,
Wie lange willst Du säumen?
Sie ist mit klerikaler Macht
Gezogen in die Römer Schlacht
Und zappelnd mit den Füßen
Läßt's Concordat uns grüßen.

Es rief Graf Bismarck jüngstens erst
Erbittert und voll Rage,
Wir können halten uns nur mehr,
Durch tücht'ge Spionage!
Was sagst, o deutsches Volk, denn Du
Zu dieser Grand-Blamage?
Die Antwort ist zu finden leicht,
Bagage bleibt Bagage!

 

 

O Mutter, Mutter, hin ist hin! in Fliegende Blätter 50 1869

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Karnevals-Reminiszenzen in Neue Zeit, Olmüzer Zeitung 14. Februar 1869

Es ist Ball – ein „deutscher“ Ball! Der deutsche Stuzer kömmt. Er borgt sich vom Franzosen eine ziemliche Dosis Arroganz, ohne dessen Geschmeidigkeit; vom Briten eine Portion englisches Phlegma und Nonchalance, ohne deren Natürlichkeit. Dieses, gepaart mit deutscher Unbehilflichkeit und Schwerfüßigkeit wird bis zur modernen Ungeschliffenheit potenzirt, und so ausgerüstet in den Ballsaal hinein
„mit mächtigem Schritt
    der Stuzer tritt.
    Er sieht sich stumm
    rings um,
    mustert die Schönen,
    schüttelt die Mähnen;
    dann strekt er die Glieder
    und sezt sich nieder.
Dann stürzt wie aus offenem Thor
Mit plumpen Sprunge der Stuzer hervor,
Und greift mit wilder Gier -
Nach einer Gazelle hier;
und jezt geht es: Hopp! hopp! hopp!
fort in sausendem Galopp,
daß Kies und Funken stoben,
und beide Tänzer schnoben.“

 

 

 

Trost der Ultramontanen. In: Kladderadatsch 14.3.1869

   Geduld! Geduld! Wenn's Herz auch bricht,
   Der N u n t i u s entgeht uns nicht!
   Wird euch auch etwas lang die Zeit,
   Vertraut nur fest auf A d e l h e i t!

 

Wochen-Plaudereien. In: Augsburger Neueste Nachrichten 8.11.1869

“Mir hat der häßliche Alte gefallen, ich habe mich neben ihm auf einen alten verwitterten Grabhügel gesetzt und mir Todtengräber -Geschichten erzählen lassen, Histörchen, heiter und ernst, traurig und schaurig; das klang so heiser und hohl, wie vor Zeiten bei der alten Muhme in der Spinnstube. Und er erzählte mir, wie einst in sternenheller Nacht der Mond über die Gräber schien und einen muthigen Kavalier, ein lebensfrohes Prinzlein beleuchtete, den sein Durst nach heißen Küssen hieher geführt und der von einem leise und lose dahin schwebenden Gespenst überrascht wurde. So eine Chevauxlegers-Säbel thut oft gute Dienste, meinte der geschwätzige Alte. Wie singt doch Bürger:
 ‘Graut Liebchen auch? ... der Mond scheint hell!
 ‘Hurrah, die Todten huschen schnell!
 ‘Graut Liebchen auch vor Todten?
 ‘Ach nein! ... doch laß die Todten!’"
 

 

 

Die Schlacht von Wörth. Ballade von Gottfried August Bürger. In: Immortellen des Schlachtfeldes von Wilhelm von Plönnies 1870.

Im schönen Land am Oberrhein
Da hat sich´s zugetragen:
Drei feine deutsche Mägdelein
Die sah ich steh´n und klagen.
Du liebliche Markgräflerin,
Wo ist dein helles Lachen hin?
Wo sind der Schwäbin Scherze?
Was bricht der Bai´rin Herze?

     der vollständige Text.

 

LEAN ´NORA:Supernatural, though Sub-pathetic BALLAD. A Good Long Way (almost Ninety-Seven years) AFTER THE GERMAN OF GOTTFRIED AUGUST BÜRGER. BY HEINRICH YALC SNEKUL [d.i. Clay Lukens] 1870.

At dawn of day, lean 'Nora wakes;
   From night-mare, quick alighting.
"Ach, William mein !"- she shuddering shakes;
   His paper profile sighting:
"He fights at Prague, mit Fritz the Great,
For extra news, in vain ich wait,
   Und long for William's kissing;
   Mein Gott! he turns up,- missing!"

     der vollständige Text.

 

Lenore. (Frei nach Bürger.) In: Figaro, 20. August 1870

Lenore fuhr um's Morgenroth
Empor aus schweren Träumen:
"Louis! Schlage doch die Preußen todt,
Wie lange willst du säumen?!"
Das war im Schlosse zu Paris,
Wo der Gemal sie jüngst verließ,
Um seine lahmen Beine
Zu tragen nach dem Rheine.

    der vollständige Text

 

Auch ein Künstler von Anonym. In: Blätter für Theater, Musik u. Kunst vom 29. Juli 1870

Zur Häßlein, Hotel Nothanker, schlich
Ein Student, das Bett unter'm Arme
Und seufzte, daß Gott sich erbarme!
Was willst du, mein Sohn mit dem Bette O sprich!
So forschet Cretcentia gar ängstiglich.
"Von ihm mich auf's Schnellste befreien!"
Das wirst oft des Nachts du bereuen

Ich bin, spricht jener, zur Reue bereit,
Und werde mich weiter nicht kränken
Willst du mir vier Thaler jetzt schenken,
So wären drei durstige Seelen erfreut.
Drum, bis es vom Vater der Wechsel befreit,
So lange, du gütige Alte,
Das Bett zum Pfande behalte.

Was liegt mir auch an den Federn zuletzt?
Belebt doch mit freundlichem Scheine
Die Sonne schon Wälder und Haine.
Hier nimm, die schon die Uhr mir versetzt,
Ich decke mich mit dem Schlafrock zuletzt
Und rufe mit großem Behagen:
Das Glück beruht - im Entsagen!

Da lächelt die Häßlein mit arger List,
Und äußert ohn all Widerstreben:
Vier Thaler will ich dir geben
Behalte sie bis zu jener Frist,
Wo dir der Wechsel gesendet ist
Vom Vater aus fernem Lande
Das Bett behalt' ich zum Pfande.

Und hurre, hurre, hopp, hopp, hopp
Geht es in sausendem Galopp
Hin zu den heiligen Räumen,
Wo hoch die Gläser schäumen.

Da schlürfen sie ohn' Unterlaß
Vom edle Nasse Glas auf Glas,
Bis nach wenig Stunden
Der letzte Thaler verschwunden.

Geduld, Geduld, wenn's Stroh auch sticht,
Mit Gott im Himmel hadre nicht
Des Bettes bist du ledig
Gott sei dem Schlafsack gnädig.

    das Original

 

 

Eugenia. In: Der Zeitgeist, Wien 10. September 1870

Eugenia fuhr um's Morgenroth
Empor aus schweren Träumen,
"Bist untreu Ludwig oder todt",
"Wie lange willst du säumen?"
Er war ja mit Mac Mahon's Macht
Gezogen in die blut'ge Schlacht,
Und hatte nicht geschrieben,
Ob er gesund geblieben.

Da spricht des Telegraphen Draht
Zum Trost des armen Weibes,
Daß Louis wohl noch das Leben hat,
Der Seele, wie des Leibes,
Er ist, ach! Eugenia,
Wohl krank, doch noch am Leben,
Er hat sich salva venia
Erst neulich übergeben.
 

 

 

Fantaisies Satiriques von Albert Wolff in Le Figaro, 17 mai 1870 (Digitalisiert von BNF)

Vous que le Rhin vit éclore,
Je vous offre ici, mon cher,
Ce pastiche de Lénore,
La ballade de Burger!

   Der vollständige Text       (Erläuterung)
 

 

De Dame République in Le Tribun du peuple, 6 novembre 1870

La piéce suivante, assez piétre copie de la
ballade bien connue de Bürger, a été trouvée
avant-hier sur un prisonnier prussien amené
au fort de l'Est.

   Der vollständige Beitrag    (Erläuterung)

 

 

Le Centre gauche, 30 avril 1870

En voyant comme les ministres mènent les affaires, on se rappelle involontairement la ballade de Burger :
  -  Les morts vont vite.
 

 

Correspondenzen. In: Tiroler Volksblatt 3.8.1870

Klausen, 27. Juli. Ein Zuträger des Tiroler Boten, der sich als Korrespondenzzeichen ein Verdienstkreuz (wahrscheinlich die stille Sehnsucht seines bescheidenen Herzens) gewählt, hat in Nr. 163 seine Liebenswürdigkeit an die konservativen Männer von K l a u s e n, vor allem an den Klerus verschwendet, um ihnen den Ausfall der Wahlen zu Ungunsten des Dr. Grebmer heimzuzahlen. Er findet die klerikale Wahlagitation fabelhaft, seine Schilderung der selben ist freilich eine Fabel, der Kreuzritter fuhr wahrscheinlich „ums Morgenroth empor aus schweren Träumen,“ und hat die Spukgeschichten nächtlicher Traumphantasie zu einem wohlbezahlten Botenartikel verarbeitet, in welchem beinahe so viel Lügen als Sätze vorkommen.

 

 

Königliches Hoftheater.Sonnabend, am 19. März. In: Dresdner Nachrichten 21.03.1870

Die Welt wollte eine durchgreifende Poesie mit großen, wahren und freien Interessen. Die Worte in Bürger's Ballade „Leonore": „Laßt ruh'n die Todten!" könnte man auf das „Lorke" der Frau Birch Pfeiffer anwenden, womit das TheaterPublikum fünf Akte hindurch in das Hospital der Rührung geführt wird.

 

 

Wien, 3. Mai. In: Freie Presse Morgenblatt 4.5.1870

Und dennoch, wir leben und wir rühren uns, und wir fühlen noch nicht die geringste Neigung, uns in den Sistirungssarg zu legen, zu dem böhmische und Wiener Czechen, Polen und Slovenen, Dalmatiner und Istrianer, Triestiner und Baron Petrino „sechs Bretter und zwei Brettchen" geliefert haben. Es mag Unrecht, es mag Frevel sein, daß acht Millionen Deutsche nicht ihren Feinden zutiebe sterben wollen; aber sie hängen nun einmal zäh an der süßen Gewohnheit des Daseins, und selbst das „Vaterland", das heute die Conductansager-Miene anlegt, einen Flor um den Hut, eine Citrone in die Hand nimmt und auf den Sargdeckel, unter dem es die Deutschen begraben wähnt, eine Thräne des Mitgefühls tropfen läßt, mild und warm, wie der Sommerregen an unsere Fenster pocht — selbst das „Vaterland" dürfte uns von der sündhaften Begier des Daseins nicht heilen.

 

 

Für den Marienburger Werder. In: Kladderadatsch 18.12.1870

   Geduld! Geduld, wenn's - R a d a u c h b r i c h t!
   Mit der Regierung hadert nicht;
   Bis i h r einst b e s s' r e W e g e kriegt -
   Geduld! damit hat's wohl noch g u t e W e g e!

 

 

Zur Entwaffnungs-Frage. In: Stadtfraubas No.1 1870

   Borussia, geh' Du voran,
   Du hast ja große Stiefel an!
     "Ich sage treu nach Recht und Pflicht:
     Es ginge wohl, aber 'd geht noch nicht!"
    
                 [...]

   Auf, auf, zum ersten kühnen Schritt!
   Die Herr'n vom Dortschritt gehen mit;
     "Geduld, Geduld, wenn's Herz auch bricht,
     Es ginge wohl, aber 's geht doch nicht!"

 

 

nach oben     54 / 06.12.2021

 

1871-1880

Frau Oesterreich fuhr ums Abendroth. In: Beilage zum Tiroler Volksblatt Nro. 93, 22. November 1871

Eine Parodie auf Bürger's Leonore

Frau Oesterreich fuhr ums Abendroth
Empor aus schweren Träumen,
Bist Ausgleich fertig oder todt,
Wie lange willst du säumen?
Er ist gezogen in die Reichskanzlei,
Und mit dem Ausgleich war's vorbei.
Herr Beust ist weg, Andrassy zieht,
Frau Oesterreich nach Pest noch mit.

 

 

Feuilleton in Kladderadatsch: Humoristisch-satyrisches Wochenblatt — 24.1871

Eugénie ist nach Spanien gereist und soll in das Zimmer ihrer Mutter eingetreten sein mit den Worten der Bürgerschen Ballade:
            „O Mutter, Mutter! Hin ist hin,
            Verloren ist verloren!"
Und auf die Frage, ob sie denn nicht an die Rückkehr nach Frankreich glaube, soll sie erwidert haben:
            „O Mutter, Mutter! Eitler Wahn!
            Gott hat an mir nicht wohlgethan!
            Was half, was half mein Beten?
            Nun ist's nicht mehr von nöthen!"

 

 

Wiener Spaziergänge in Die Presse, 16. Juli 1871

Wie manche sanguinisch - cholerische Mehlspeisköchin mochte nicht der Bürger'schen Leonore gleich aus schweren
 Träumen emporfahrend gerufen haben: „Bist untreu, Wilhelm, oder todt?" da auch ihr geliebter Cavallerist, wol
 nicht „in die Prager Schlacht" gezogen, jedoch zur Parade ausgerückt war, „und hatte nicht geschrieben, ob er gesund
 geblieben", während doch der Wilhelm .junior, weder untreu war noch todt, sondern für ihn ganz einfach „die Tragzeit
 der Hose" abgelaufen war, so daß er nicht in der Lage sich befand, bei Leonoren vorzusprechen. Ich frage nun ganz im Ernste, gibt es für einen vaterländischen Balladendichter einen schöneren Stoff, als: der Cavallerist. und sein Pferd? Das poetische Wasser läuft Einem ordentlich im Mund zusamnen, wenn man an all das Unglück unserer Rosse und Reiter denkt!
 

 

 

Großes Kraut- und Rüben-Gedicht. Komische Deklamation. Vorgetragen vom Komiker Karl Porkert, Wien (o. J.)

       Lenore fuhr um's Morgenroth
       Empor aus schweren Träumen:
       "Lebst Wilhelm oder bist Du todt!
       Was soll Dein langes Säumen?"

       Der vollständige Text.

 

 

La Liberté, 6 novembre 1871

Une étymologie ignorée.
Savez-vous quel est l'étymologie de l'expression « prendre le mors aux dents » ?
C'est que les morts vont vite !
       DON SPAVENTO.

 

 

Le Peuple souverain, 5 novembre 1871

LA VIE PARISIENNE
Une étymologie ignorée.
     Savez-vous d'où vient l'expression « Prendre le mors aux dents ?... »
     De ce que les morts vont vite.

 

 

L'Estafette, 21 mai 1871

AU GALOP !
C'est surtout aujourd'hui que mon litre [?] est vrai !
  Au galop ! Au galop ! … hurrah ! Les morts vont vite ! Et nous mettons la légende en action.

 

 

Hurrah, die Todten reiten schnell von Georg Scheuerlin. In: Künstler-Album, Düsseldorf 1871

Es zog heran wie Sand und Meer:
Zuaven, Turkos, Frankreichs Heer,
   Geführt vom Kaiserneffen.
Im Schaffen klein, im Lügen groß,
Wollt' er, ein Rächer Waterloo's,
   In's Herz die Deutschen treffen;
Wohl flog sein Adler hoch und hell: -
Hurrah, die Todten reiten schnell.

      Der vollständigen Text 

 

 

Hurrah! die Todten reiten schnell! von Anonym. In: Der Deutschen Heldenkampf im Jahre 1870/71, Berlin 1871

Jüngst prahlt' er noch vom hohen Pferde:
"Das ganze Weltall blickt auf Euch"
Und heuten schon auf nied'rer Erde,
Geschlagen krumm und windelweich!
Wir haben Euch die Hochmuthstriebe
Und gründlich ausgeklopft das Fell,
Hurrah! das waren deutsche Hiebe!
Hurrah! die Todten reiten schnell.

      Der vollständige Text

 

 

1872. Melbourne punch dec. 28 1871

   MIDNIGHT, musical and splendid !
   And the Old Year's life is ended,
And the New, "born in the purple," babe, yet crowned among us dwells.
   While Creation's welcome swells ;
    Starlight all the heavens pervading
    And the whole world serenading
   Him, at birth, with all its bells.

[...]

   Ere the tightening of the tetber
   Bind THIS YEAR and us together,
Let us pause and well consider -" Whither tend we side by side,
   He who gallops, we who guide !"
    Once we start, like lost LENORE
    Sung in BURGER'S ballad story,
   Fast as ODIN's Hunt, we ride !

 

 

Ungarischer Reichstag. In: Neue Freie Presse 20.11.1871

Die monströse Mißgeburt des Letzteren, welche zwar die Devise „Gewerbefreiheit" an der Stirne trug, hinterher aber diese Freiheit knebelte: durch ein weitausgedehntes Concessions-System, durch die Beibehaltung der Arbeitsbücher, durch den Zwang der Arbeiter und Arbeitgeber zur Bildung von Unterstützungs-, Kranken- und Leichenkassen, sowie endlich durch die den Localbehörden ertheilte Befugniß, zu den Genossenschafts-Versammlungen einen obrigkeitlichen Kommissär zu entsenden, mit dem Rechte, gesetzwidrige Beschlüsse zu sistiren, diese Mißgeburt hat — Gott sei Dank!— nachdem Szkavy, ein auf der Höhe westeuropäischer Bildung stehender Mann, Handelsminister geworden, „die sechs Bretter und zwei Brettchen" erhalten.

 

 

Wiener Crayons. In: Tagespost (Graz) 5.3.1871

An die riesigen Opfer, die Deutschland gebracht, an die Leiden, die der frevelhaft heraufbeschworene Krieg über das deutsche Volk verhängt, an die vielen Verluste denkt Niemand. Wenn die deutschen Heere im Trimphzuge heimkehren in's Vaterland, da wird sich wohl öfter die Scene aus Bürger's „Leonore“ wiederholen:
  „Sie frug den Zug wohl auf wohl ab,
  Sie frug nach allen Namen,-
  Doch keiner war, der Kundschaft gab
  Von allen, die da kamen."--
Und in die Freudenthränen über das Ende des blutigen Krieges wird sich manche Thräne des Leid's, des bitteren Kummers, des tiefsten Schmerzes mischen.

 

 

Großer Sternschnuppenfall. Auf der Pariser Höhe beobachtet seit dem 4. September 1870. In: Kladderadatsch 1871

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Avancements-Listiges und Lustiges. In: Der Zeitgeist, Wien 1872

Andrassy fuhr um's Morgenroth
Empor aus festem Schlafen,
Die "Wiener Zeitung" brachte man
Hierauf sofort dem Grafen.

Die Liste der "Avancements"
Las er, und die der "Orden",
Und freute sich von Herzen, daß
Er "General" geworden.

Und als er schier zu Ende war,
Es ihn sehr amüsirte,
Daß auch Frau Anna Blasinger
Der Kaiser dekorirte.

Er dachte sich: Erhaben ist's,
Dies schöne Recht zu üben
An Allen ohne Unterschied,
Die nur die Menschheit lieben.

Ohn' Unterschied des Standes und
Sogar auch des Geschlechtes,
So daß selbst die "Madame" genießt
Die Wohlthat dieses Rechtes.

 

 

Briefkasten. In: Kladderadatsch, 11.August 1872, S. 7

 T. in C h e m n i t z: Bei dem Vogelschießen zu Limbach hat, laut Programm, das „v e r s t o r b e n e R i c h t e r' s c h e 
M u s i k c h o r“ ein Concert gegeben? Daß die Todten r e i t e n, und zwar s c h n e l l, wissen wir aus Bürgers „Lenore“; daß sie aber auch blasen und trommeln, war uns neu.
 

 

Classiker-Blumenlese des "Floh." In: Der Floh, 11. Februar 1872. S. 2

Dem Subcomité des Verfassungs-Ausschusses.

   "Schläfst, Liebchen, oder wachst Du?!

 

 

Le Figaro, 21 jullet 1872

Les morts vont vite...Voilà onze ans aujourd'hui qu'est mort un des anciens collaborateurs du Figaro, Paul d'Ivoy, dont nos abonnés n'ont sans doute pas oublié l'esprit charmant.
 

 

International Exhibition / The English Pictures. In: The Morning Advertiser, June 17, 1872

A tragedy is ever succeeded by a farce, so we turn to Mr. Storey's “After You,” and, apart from the skill with which he has managed the mass of red in the cloak of one of the Chesterfieldian disputants, admire the underseeming civility of the red-bearded visitant, who seems to himself to say Après vous, Monsieur,” age before honesty.” “Hurrah, die Todten reiten schnell,” fast ride the dead as the ghastly mob troops along gibbering and howling round the black horse and his demon rider, and Lenore is borne through the night “along the land, along the sea;” here we seem to realise that wild ride of Bürger's heroine depicted by Mr. Elmore with all the weird power of Fuseli.
 

 

The Chronicle History of Henry the Fift: […] in The Morning Advertiser, October 25, 1872

At ten minutes to eleven the gallant little band charged – the 17th Lancers, following their motto “Death or glory,” and the 13th Light Dragoons of the 8th and 11th Hussars in the second – and at 25 minutes to 12 there remained on the ground but the dead and dying, a moment of time for an eternity of fame. Die Todten reiten schnell, but not so fast that NOLAN and FITZGIBBON, CARDIGAN and HALKETT shall ever be forgotten, or
    “Crispin Crispian e'er go by,
    From this day to the ending of the world,
    But t h e y in it shall be remembered.”

 

 

Berlin, 30. October. in Hallesches Tageblatt, 1.11.1872

-Der Minister Graf Itzenplitz fühlte sich gestern gedrungen, dem Herrenhause ein schönes Loblied zu singen. Herr v. Winter, der kecke Oberbürgermeister, hatte den warnenden Ruf erschallen lassen, die Majorität möge sich nur ja vergegenwärtigen, daß sie die längste Zeit gelebt habe, wenn sie fortfahre, ein Hemmschuh der freiheitlichen Entwicklung des Volkes zu sein: ‘Die Todten reiten schnell.’
[...]
Trotz dieser zärtlichen Zurede und trotz der Vorstellungen des Ministers des Innern stimmte die Majorität wieder gegen die Regierung und für den Commissionsantrag. Die Todten reiten schnell!

 

 

Kleine Chronik. In: Neue Freie Presse 7.9.1872

[B u m ! B u m ! P i f f ! P a f f ! T r a r a !]
Lenore fuhr ums Morgenroth empor aus schweren Träumen; wahrscheinlich ist zu dieser wenig vorgerückten Tageszeit, wie gestern vor meinem,so auch vor ihrem Fenster eine Militär-Colonne unter den rauschenden Klängen eines mit Trommel und Becken übermäßig capricirten Marsches vorübergezogen; wahrscheinlich hat der einen Korybantenlärm schlagende Bearbeiter der türkischen Trommel auch damals das Meisterstück der Teleologie geleistet, gleichzeitig wüthende Angriffe auf sein und auf das Trommelfell harmloser Schläfer zu machen.

 

 

Zwischenahn. In: Nachrichten für Stadt und Land : Oldenburger Zeitung für Volk und Heimat 20.4.1872

»Graut Liebchen auch vor Todten?" „„Ach nein! . . . doch laß die Todten!"" sagt Bürger in seiner »Leonore«. Es ist wahr, es ist immer gut, wenn man die Todten ruhen läßt. Auf dem hiesigen Kirchhofe scheint dies jedoch nicht der Fall zu sein. Hier läßt man die Todten in Ermangelung eines Besseren, das heißt weil der Kirchhof zu klein ist, nur 16 Jahre anstatt der gesetzlichen 25 Jahre ruhen.

 

 

(Ballchronik.) In: Neues Fremdenblatt 20.1.1872

Diesen Studien lagen die jungen Herren mit einem Eifer ob, der — eines corpus juris würdig gewesen wäre; die Aufgabe wurde ihnen diesmal freilich leicht gemacht, denn der Frauenemanzipation vorgreifend, hatten sie in den Hör-, Pardon Tanzsaal Kommentatorinen geladen, die ihnen in hilfreichster Weise zur Seite standen. Bis zum frühen Morgen wurde studirt und, als schon die Zeit kam, wo Leonore ums Morgenroth fährt, da war der Fleiß noch so rege, daß man die Artikel, die sich ausnahmsweise in einer sogenannten Tanzordnung befanden, nochmals vom Anfang an durchgehen oder besser durchhüpfen wollte.

 

 

Was gibt's denn Neues? In: Illustrirtes Wiener Extrablatt, 9. Juli 1872

(„Eleonore fuhr ums Morgenroth")
Ebenso wie die Eleonore in Bürger's gleichnamiger Ballade, fuhr auch Josef, der Sohn des Fleischers Johann
Haberger, vorgestern ums Morgenroth, zwar nicht empor aus schweren Träumen, sondern in das Schlachthaus
um Fleisch. Kühn lenkte er die Rosse, welche da hin sausten, als ob sie nicht einem Fleischer-, sondern dem Sonnen­wagen Apollo's vorgespannt wären: an der Ecke des Mittersteiges und der Nikolsdorferstraße stießen die Pferde einen harmlosen Straßenkehrer, den Griesgasse Nr. 35 wohnhaften Ignaz D e g e l nieder, über welchen der
Wagen derart hinwegfubr, daß derselbe schwer verletzt in das Wiedner Spital gebracht werden mußte. Gegen den
25jährigen Josef H a b e r g e r, Nikolsdorferstraße Nr. 40 wohnhaft, wurde die Strafanzeige wegen des Vergehens
gegen die Sicherbeit des Lebens erstattet.

 

Alte Citate mit zeitgemäßem Comentar in Kikeriki 27. Februar 1873

Die Todten reiten schnell; könnte man sie nicht als Vorspannreiter
bei den Tramwaywaggons engagieren?
 

 

Nothgedrungene Erklärung in Der Floh 12. Januar 1873

 Mit Bezug auf den, trotz der vom „Gaulois" ausgedrückten Hoffnungen, daß Napoleon bald wieder zu Pferde werde steigen
 können, eingetretenen Tod des Kaisers, sehe ich mich veranlaßt, öffentlich zu erklären, daß der von mir gethane Ausspruch:

  "Die Todten reiten schnell" zu diesem Ereignisse in gar keiner Beziehung steht.

   Jenseits, Jänner 1873.
                G. A. Bürger.
                Deutscher Dichter a. D.

 

 

Le Figaro, 21 novembre 1873

Pensée d'un cocher, recueillie par un de nos reporters :
  Prendre le mors aux dents. - On exprime ai si qu'un cheval est lancé à fond de train, parce que les morts vont vite.
       Gaston Vassy

 

 

Feuilleton. Kreuz und Quer. In: Wiener Sonn- und Montags-Zeitung 30.11.1873

Die letztere Aussicht trug den Sieg davon. Ich machte mich auf den Weg, um zu erfahren, was die armen Aufgelösten in Wirklichkeit verbrochen hatten, ich frug das Ministerium wohl auf und ab, ich frug nach allen Namen, die als die Rädelsführerinnen galten, konnte aber leider sehr wenig erfahren.

 

 

Kleiner Briefkasten. In: Die Gartenlaube No. 29 1873

E. H. in Mainz.
   Geduld, Geduld, wenn's Herz auch bricht!
   So lang in Wien man fertig nicht,
   Geht auch mit uns nicht in's Gericht!
Sie werden bereits in einer der nächsten Nummern den Einleitungsartikel einer Reihe von Aufsätzen über die Wiener Weltausstellung mit und ohne Illustrationen finden.

 

 

(Clericale Lügen.) In: Bozner Zeitung 17.7.1873

“Jede Unschuld von zwanzig Jahren im ganzen Sarnthale machte sich nun die boshafte Vorstellung, als hätte die Pfarrersköchin, wie ihre Ahnfrau von Paradieseszeiten, in den Apfel gebissen. Als dann die Langvermißte endlich doch wieder kam und das Gerede immer nicht aufhörte, stieg der gerechte Zorn in das milde Herz Seiner Hochwürden, rasch sattelte er sein Dänenroß und rennt dem Landgerichte zu. ‘daß Roß und Reiter schnoben.’

 

 

Heinrich Peun: Was sich die Stadt erzählt. In: Illustrirtes Wiener Extrablatt, 18. Oktober 1874

Jedenfalls wird diese Heirat anderer Art sein, wie jene des Herrn K o h a u n mit seiner jungfräulichen Gemalin 
E l e o n o r e, von der wir dieser Tage berichteten. Es wird dort eben eine schlicht bürgerliche - aber glückliche Ehe geben, während es hier heißt:

 L e n o r e fuhr um's Morgenroth
 Empor aus schweren Träumen.
 Bist K o h a u n immer noch nicht todt,
 Was soll Dein langes Säumen?
 Auf z w a n z i g t a u s e n d Gulden,
 Muß ich so lang gedulden?
 

 

Stimme aus der Unterwelt. In: Figaro, 21. November 1874

 Ich verstehe nicht, was man aus dem Distanzritt dieses österreichischen Lieutenants Z u b o v i t s für ein unnöthiges Aufhebens macht. Ich habe doch bereits im Jahre 1763 zu Pferd eine Strecke von hundert Meilen in kaum einer Stunde zurückgelegt. Wer's nicht glaubt, wolle gefälligst das Nähere in Bürger's: „L e n o r e" nachlesen.

                                  Wilhelm,
                        königlich preußischer Lieutnant a. D.

 

 

Kriminalgeschichten in Illustrirtes Wiener Extrablatt 10. Juni 1874

Eine sichere Eleonore K a m p a ß, übernahm, von der Raffelsberger einen auf 200 fl. lautenden Wechsel, um darauf Geld zu beschaffen. Ein Biederer, Namens D e i n i n g e r, gab darauf 150 fl, Eleonore fuhr ums Morgenroth zur Raddelsberger, brachte ihr hievon 120 fl. und sackte außer den schon früher eingesackten 30 fl. noch 20 fl. ein, als „Honorar“ nämlich, so daß die Raffelsberger für ihr Akzept von 200 fl. summa summarum 100 fl. erhielt !!

 

 

Klagen einer hiesigen Hausfrau. In: Tetschner Anzeiger 28..2.1874

Einige Tage darauf – begegnest du ihr zwar nicht mit der Butte auf dem Rücken, – das fehlte noch, aber du erfährst aus sicherster Quelle, daß das kranke Dienstmädchen in einem anderen Orte einen Dienst angenommen habe.Das ist doch Schlaumaierei! Aber: Da Lenore schon längst nicht mehr ums Morgenroth fuhr, – hatte schon die Nacht die Böse gräßlich geweckt, denn das Auge des Gesetzes wacht.

 

 

Locales. Carneval 1874. In: Tetschner Anzeiger 7.1.1874

Hinaus in die wogende Menge der tanzlustigen Welt werden die Ball- und Kränzchen-Antheilscheine zu mäßigem Kurse geworfen. Der zärtliche Familienvater, dem blühen sechs liebliche Töchter, welche schon öfter mit Lenore ums Morgenroth gefahren, erwartet das Unvermeidliche; denn nicht sicher ist er auf Weg und Steg, in seines Gehäuses tiefinnersten Winkel – überall taucht ein Dienstmann, ein Unbekannter mit Bogen und Briefgroßcouvert auf, und – überreicht ein Schriftstück, auf dem so manchmal der Bleistiftzug und die Federführung die Gefühle des Zeichnenden verrathen.

 

 

Musik. Der erste Act von R. Wagners "Walküre". In: Wiener Zeitung 12.2.1874

Die ungeheuerlich­barocken Phrasen und Wendungen des Worttextes, die wunderliche Alterthümelei der Sprache, das beim bloßen Lesen der Dichtung am Ende, ich weiß nicht, soll ich sagen: lächerlich oder unausstehlich werdende Geklapper der „Stabreime", oder dessen, was Wagner uns für „Stabreime" aufbinden will — Brünhildens kannibalisches „Hojothoho!" und ähnliche Jnterjectionen, gegen welche Bürgers weiland von Schiller als roh getadeltes „Hurre, hurre, Hop, Hop, Hop" völlig zahm aussieht— Alles wird durch die Musik nicht nur erträglich, sondern, man darf sagen: klingend und erhält Bedeutung, [...]

 

 

Rosenthal, Louis. Bilder aus Peru. In: Das Ausland : Wochenschrift für Erd- und Völkerkunde. 11.1874

So mochte aber der arme Teufel da drinnen nicht denken, der, auf einmal erwachend, sich zwischen "sechs Bretter und zwei Brettchen" eingeklemmt fand. Wie der Blitz wurde ihm die Erinnerung an das Vorgefallene und das Bewußtsein seiner jeztzigen furchtbaren Lage klar.


Vermischtes. In: Hallesches Tageblatt 8.7.1874

Mit dem soliden Eichensarge ausgerüstet und mit traurigen Mienen zogen denn zwei seiner Freunde gen Langensalza, um dem Todtgeglaubten die letzte Ehre zu erweisen. Aber dort angekommen,fanden sie Richter zwar verwundet im Lazareth, aber doch vollständig munter genug, um sich über die ihm vorzeitig zugedachte Behausung von sechs Brettern und sechs Brettchen von Herzen zu amüssiren.

 

 

Schauderöse Abenteuer eines Coupons,
oder: Die Schneeverwehung des Unionbank-Directors Minkus
in Der Floh, 3. Jaener 1875

Herr Minkus fuhr ums Morgenroth
Empor aus schweren Träumen.
"Bist untreu Ghyczny oder futsch?.
Wie lange willst Du säumen?
Was kriegen wir von Ostbahn noch
Zu stopfen dieses große Loch,
Das uns vom Krach geblieben?
Du hast mir nichts geschrieben."

    der vollständige Text

 

 

Das Nonplusultra in Welt-Neuigkeits-Blatt, Wien 15. Dezember 1875

Das Nonplusultra der Schriftstellerei mit Dampf leistet jetzt eben der Pariser Journalist George Duval. Demselben wurde nämlich, unmittelbar nachdem Virginie Dejazet die Augen geschlossen hatte, von einem Verleger der Antrag gemacht, binnen zehn Tagen ein Buch über die Künstlerin zu verfertigen und Hr. Duval hat diesen Antrag angenommen. Die Todten reiten schnelle, noch schneller aber die Nekrologisten!
 

 

Der Vierte. In: Illustrirtes Wiener Extrablatt, 19. März 1875. S. 2

 Nachdem Giovanelli, Divauli und Graf ihre Reichsrathsmandate niedergelegt haben, ist nun auch Dr. R a p p diesem Beispiele gefolgt. Die Demonstration der Tiroler Schwarzen dürfte indeß in ihrem glaubensstarken Heimatslande schwerlich günstig beurtheilt werden. Es tagt allgemach selbst zwischen den Tiroler Bergen und es werden Stimmen laut, die uns lebhaft an die Worte des todten Reiters mahnen: "Rapp', Rapp', ich wittre Morgenluft! Rapp, tummle Dich von hinnen!"

 

 

An den Gräbern in Wiener Sonn- und Montags-Zeitung 1. November 1875

Ist aber das Leben traurig, so bleibt uns Nichts übrig, als über die Todten zu lachen. Denen schadet's Nichts und uns stimmt es heiterer. Ich bin überzeugt, es ist der Herzogin Parisina von Este ganz gleichgiltig, ob wir an ihrem Grabe Trauergesänge ertönen lassen oder Freudenlieder anstimmen. Mutter, Mutter, hin ist hin, verloren ist verloren, die Elementarversicherungsbank
will auch kein Auferstehungsfest und die Türkenlose kümmern sich den Teufel darum, ob man sie den Engelsschaaren empfiehlt oder nicht.

 

 

Le Gaulois, 17 janvier 1875

Les morts vont vite dans le monde des théâtres !
Nous avons encore à enregistrer aujourd'hui le décès d'une pauvre jeune fille, artiste du Gymnase, Mlle Juliette Prioleau, qui vient de succomber à peine âgée de vingt ans.

 

 

Original-Korrespondenzen. In: Kärntner-Blatt 18.11.1875

Klagenfurt. (Graut Liebchen auch schon ––?)
(Nach Bürger's „Leonore“) Als im Frühlinge d. J. bei Gelegenheit der Gemeinderathswahlen von Seite der Sparpartei warnende Worte gegen die unverantwortliche Mißwirthschaft, welche immer größere Dimensionen anzunehmen droht, fielen, als ihre Sprecher, frei von jedem Sonderinteresse, nur auf das allseitige Wohl der Gemeinde bedacht, den Abgrund zeigten, in welchen diese Mißwirthschaft unausweichlich führen müsse – war das ein Geschimpfe und Toben, nicht anders, als hätten wir etwa einen Vorschlag zur Zerstörung von Klagenfurt gemacht!

 

 

"So kann's nicht bleiben." In: Neues Wiener Tagblatt (Tages-Ausgabe) 24.1.187
“Baron Scharschmidt bekämpft die Anschauungen des Abgeordneten Wickhoff. Er bedauert es, daß aus der Mitte der Verfassungspartei, sich Klagen gegen das Abgeordnetenhaus und die Regierung erheben, weil beide Faktoren der Krise rath- und thatlos gegenüber ständen. Abgeordneter Wolfrum hält eine lange Rede gegen die Vermehrung der Staatquoten. Der Inhalt seiner Rede ist: ‘Geduld, Geduld, wenn's Herz auch bricht, mit Gott im Himmel had're nicht.’“

 

 

L'Éclaireur de l'arrondissement de Coulommiers, 2 septembre 1876

Un nouveau Sultan.
Se les morts vont vite, les sultans ne vont pas lentement, dit le Rappel.
  Une dépêche de Constantinople, reçue dans la soirée d'avant-hier, annonce que dans un conseil auquel ont pris part les grands dignitaires de l'empire, Mouras V a été déclaré déchu, et Abdul-Hamid proclamé sultan à sa place.

 

 

Le Bien public, 24 juin 1876

  Les feuilles mortes vont vite !
  Un journal bonapartiste de Lyon, l'Indépendant du Rhône, annonce mélancoliquement qu'il cesse de paraître.

 

 

Land und Leute in den "unteren" Donaugegenden. In: Krumauer Zeitung 6.7.1876

Damen nennt man in den vereinigten Fürstenthümern sämmtliche Mitglieder schönen Geschlechtes, alle Leonoren, die um die Treue ihres eigenen oder fremden Wilhelm besorgt sind, die zwar selten ums Morgenroth ausfahren, aber zu keiner Zeit einen Wilhelm ungern sehen, alle Holden, deren Lebensberuf darin besteht, dem Gegenstande ihrer Zuneigung das Leben recht theuer zu machen. Hieher gehören in den Fürstenthümern alle Frauen und Mädchen ohne Unterschied des Ranges und der Gesellschaftsclassen.

 

 

Schröder, Wilhelm. Dat's mien Popp. In: Illustrirte Zeitung 23.12.1876

De groote Tied nööm ünnerdeß ehren Foortgang nah Gottes Rathsluß, un as nu endlick Paris sülwst harr kapituleeren müßd, da duure et denn ook nich lange mehr, un de Freudensbotschaft drööp in, de Freden wöör afflaten un alle dütsche Soldaten, de noch irgendwo in Gefangenschaft holen wöören in Frankriek, kömen nu bald in't Vaderland, in ehr Heimat torügge. Wat för Hapnungen wörden da up't Nee wach in so veele Harten, de in Ungewißheit un Angst bither truurt harren. Mänge Moder kunn ehren Sähn, mänge Bruut ehren Troolewsten, den se all as verlaaren betruurt, balde drup weder an ehr Hart drücken. Doch in Dorp Buckholt bleew dat eene Hart, wat üm den eenen „Vermißten“ truure, ahne Trost un Hapnung.
   „Sie ging den Zug wol auf und ab,
   Sie frug nach allen Namen,
   Doch keiner war, der Kunde gab,
   Von allen, die da kamen,“
wie et in Börger sien Leed van Lenore heet.

 

 

Wieder eine Muster=Reclame. In: Sauerländischer Anzeiger ; [...] ; Amtliches Kreisblatt für die Kreise Brilon und Büren, 28.12.1876

Lenore!

1. Lenore fuhr ums Morgenroth
  Empor aus ihren Träumen:
  Wo ist mein Hut mein Paletot?
  Nicht länger darf ich säumen:
  Das Weihnachtsfest es rückt heran,
  Ich muß doch dem Geliebten dann
  Ein Angebinde reichen,
  Als meiner Liebe Zeichen!
2. Sie nahm die„Vossische“ zur Hand,
  Fing eilig an zu blättern;
  Da, auf der dritten Seite stand
  Mit großen schwarzen Lettern:
  Zum Weihnachts=Ausverkaufe stehn
  Jetzt in der goldenen Hundertzehn
  Zu fest taxirten Preisen
  Aus Stoffen wie von Eisen:
      6000 Schlafröcke usw.

 

 

Anzeige in Dresdner Nachrichten, 10.12.1876

lenore_dresden_1876

   Lenore!

    Lenore fuhr ums Morgenrotb
    Empor aus düstern Träumen:
    Wo ist mein Hut und Paletot?
    Nicht länger darf ich säumen!
    Das Weihnachtsfest, es rückt heran,
    Ich muß doch dem Geliebten dann
    Ein Angebinde reichen,
    Als meiner Liebe Zeichen!

    Sie nahm die Nachrichten zur Hand,
    Fing eilig an zu blättern;
    Da, auf der sechsten Seite stand,
    Mit großen schwarzen Lettern:
    Zum Weihnachts-Ausverkaufe stehn,
    Wie es bis jetzt noch nie geschehn,
    Zu so spottbilligen Preisen,
    Aus Stoffen wie von Eisen,
    [...]
    in L. Rudolph's Deutschem Herren-Garderoben-Bazar
    [...]

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Leipziger Tageblatt und Anzeiger : Amtsblatt des Königlichen Amts- und Landgerichtes Leipzig und des Rathes und Polizeiamtes der Stadt Leipzig 13.10.1876

"Herrn Wilhelm Liebknecht, Redacteur des Vorwärts, Leipzig.
  Der canis und die Vorwärtsin
  Des langen Haders müde
  Erweichten ihren harten Sinn
  Und machten endlich Friede:
singt Bürger und läßt seine 'verbohrte' Elnore mit ihrem Wilhelm hurre hurre hop hop hop zum Teufel reiten.
Hochmögender Herr des 'gepritschten' Vorwärts und des vielgebissenen Volksstaat, Sie erlauben doch gütigst einem armen, 'hochgradig Verbohrten'*) ein paar simpele Fragen zum Schluß der seltsamstiligen Correspondenz?
 Heißen Sie nicht auch Wilhelm? Haben Sie nicht ein intimes Verhältniß mit der 'zorn'gen Dirne'**), der blutarmen und brennrothen Elnore Commune? Besitzen Sie denn gar keine Lust oder verteufelt keine Schneide selbander mit der tollen Maid im saußenden Galopp — hinter sich diverses Schreibergesindel — dem Bürger'schen Liebespaar nachzujagen?
   Ihr beiß-fehde- und siegmüder
   can. fam. vulgo Pritscher.
*) Vorwärts-Briefkasten Nr. 5.
**) Leipziger Tageblatt, vierte Beilage Nr. 180."

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Die Reform : ein Volksblatt, 30.01.1876

Rückblick auf die Woche
"Die hamburgische Polizei-Behörde freilich macht es anders; sie beschäftigt sich mit unglücklichen Menschen erst mehrere Jahrzehnte nach deren Tode, wie aus einem amtlichen Inserat in der Sonntags-Nummer des "Corresp." hervorgeht. Dasselbe berichtet nämlich von einem nicht recognoscirten Todten und fügt zum Schluß der Personal-Beschreibung sinnig hinzu: "D i e L e i c h e i s t e t w a 22 J a h r e a l t u n d s c h e i n t F u h r k n e c h t g e w e s e n z u s e i n." Also erst 22 Jahre nach seinem Tode kommt der arme Mensch in's Amtsblatt! Was den Schein des Fuhrknecht-Gewesenseins anbelangt, so ist mir diese wunderbare Wendung etwas dunkel. Zwar weiß ich von Bürger's Lied "Lenoren" (die sich einen Officier erkoren, dieser aber blieb im Kriege todt und Lenore fuhr um's Morgenroth), daß die Todten schnell reiten; daß sie aber auch fahren, war mir unbekannt, die Charons-Passage selbstverständlich abgerechnet."
 

 

Clichés Parisiens von Georges Petit in L'Éclipse, 11 février 1877

georges_petit_L_Eclipse_1877

               Erläuterung

 

 

Ein Verkannter. In: Leitmeritzer Zeitung 6.6.1877

Mancher ahnt gewiß nicht, welche wunderbare, Kneipzangen ähnliche Figur sein Leichnam dort auf dem Pferde bildet. Noch köstlicher aber erscheinen die nicht sattelfesten Europäer auf den Alexandriner Eseln, — denn diese schleichen nicht so langsam, wie die frommen Pferde der „Sächser", sondern
   „Hurre, hurre, hopp hopp hopp,
   Geht's fort im sausenden Galopp."
Da ist es denn kein Wunder, wenn der arme Ritter in seltsames Schwanken gerät und um Gottes willen halt! halt! ruft.

 

 

Die Fliegenkirmes zu Spellen von Moritz Schmitz. In: Die Heimath, Crefeld. 4. November 1877

[...]
Und weil, - was fuhr ums Morgenroth
Empor aus süßen Träumen,
Ereilt von großen "Fliegentod" -
So hinstarb ohne Säumen;
Und weil auch noch, - von weit und breit
In langen, langen Zügen,
Wohl jedes Jahr um diese Zeit
Zieh'n fort von uns die Fliegen;
[...]
       das vollständige Gedicht
 

 

Nürnberger Presse, 10. Februar 1877

Ein Gedicht aus Fürth eingesandt, beginnend:
    "E v o r a fuhr ums Morgenroth
    Empor aus schweren Träumen:
    Bist untreu H o f m a n n oder todt,
    Wie lange willst du säumen."
und jeder Vers mit dem Refrain:
     "O Göker hol dein Flinterling,
     Johann Baptis Kiderlin"
schließend, kann aus erklärlichen Gründen keine Aufnahme finden
und ersuchen wir den verehrlichen Herrn Einsender, den in Postmarken
eingesandten Insertionsbetrag gefälligst bei uns wieder in Empfang nehmen zu wollen.
Nürnberg, den 9. Februar 1877.

 

Sozialpolitische Uebersicht. In: Vorwärts <Leipzig> : Centralorgan der Sozialdemokratie Deutschlands 2.5.1877

Er habe vielleicht Krieg gesprochen, aber er habe Frieden gemeint; der Abgeordnete Lasker habe ihn besser verstanden, als er (der große Schweiger) sich ausgedrückt. Und damit setzte der große Schweiger sich hin, unter Zeichen des Erstaunens ob solch tiefsinniger Weisheit und sehr vereinzelten Bravos.
   Valentin schneidet weitere Debatten ab. Und jetzt Hurre, hurre, hopp, hopp,hopp über einen Budgetposten nach dem anderen; in sausendem Galopp stürmt die Majorität vorwärts. Kein Hinderniß giebt's.

 

 

Allerseelentags-Gedanken. In: St. Pöltner Bote 31.10.1877

Wenn es in unserer Macht gelegen wäre, wir würden jene Mächtigen der Erde, welche Krieg und Frieden in der Toga verborgen halten, am Allerseelentage hinaus auf die Friedhöfe führen, wir würden jene, welche nie genug haben und immer ländergierig oder erpicht auf des Krieges unsinnigen Ruhm den Knoten der politischen Verwirrung schürzen, zu den Gräbern geleiten und dort sagen: Sehet, das ist Alles, was ihr einst von der Erde mit euch nehmen werdet. Sechs Bretter und zwei Brettchen haben Raum für die größten Eroberer aller Zeiten gehabt, und werden es auch für euch haben.

 

 

Volkswirthschaftlicher Theil [Vom Viktualienmarkt.] In: Nürnberger Presse 16.12.1877

“Zudem sind die altgewohnten Pfade, die Ihren Marktreporter zu Eier-, Geflügel- und Gemüsehändlern führten, durch die, Leute gesetzten Alters sehr antiquirt vorkommenden Christmarktsbuden versperrt, ich wandle ungewohnte Wege und es geht mir, komme ich in die zerstreuten Bivouacs der Gemüseweiber, rings um die Sebalder Kirche, wie Bürger's herzgeängstigter Leonore:
   Sie frug' den Zug wohl auf und ab,
   Und frug' nach allen Namen.
wo finde ich meine Groß- und Kleinreutherinnen, meine [...].”

 

 

Erzgebirgischer Volksfreund 29.09.1877

Erzgebirgischer Volksfreund 29 09 1877

Man beachte den Bearbeiter Friedrich Schiller!

 

 

Der Kongreß. Sehr frei nach B ü r g e r. In: Figaro, 9. Februar 1878

Andrassy fuhr um's Morgenroth
Empor aus schweren Träumen:
"Bist untreu, Gortschakoff - bist todt?
Wie lange willst Du säumen?"
Er war mit hoffnungsvollem Blick
Hinabgeeilt nach Kazanlik
Und hatte nicht geschrieben,
Was er allda getrieben. -

     der vollständige Text

 

 

Lenorens Glück! In: Norddeutsche allgemeine Zeitung 19.12.1878

lenorens_glueck_1878

   Lenore fuhr um's Morgenroth 
  Empor aus düstern Träumen,
  Aß schnell ein weißes Dreierbrot
  Und lief dann ohne Säumen
  Durch da« belagerte Berlin,
  Stand still vor jedem Magazin,
  Bis sie 'ne Weihnachtsgabe
  Für ihren Wilhelm habe!

               

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Dritter Akt. Dritter Auftritt In: Aus Göthes lustigen Tagen: Original-Lustspiel in 4 Akten von Elise Henle Stuttgart 1878

“Amalie.
  (nimmt ein Buch vom Tische, darin blätternd)
Das soll er auch, doch will ich sorglich wählen,
Zum Ernste wird ihn dann der Ernst schon zwingen.
Da lest, doch Göthe, hütet Euch vor Schwänken.
  (gibt Thusnelde das aufgeschlagene Buch, das Erste dagegen nehmend)

Göthe.
Wie könnt Ihr, Durchlaucht, anders von mir denken?
Sieh sieh, des Bürgers Leonore.

Alle.
Ah!

Göthe.
  (liest mit Ausdruck, alle hören gespannt zu)
Leonore fuhr um's Morgenroth,
Empor aus düstern Träumen,
Bist untreu, Wilhelm, oder todt,
Wie lange willst Du säumen?
Er war mit König Friedrichs Macht,
Gezogen in die Prager Schlacht,
Und hatte nicht geschrieben,
Ob er getreu geblieben.
  (mit gleichem Ernste lesend, während sich die andern betroffen ansehen)
Der Herzog und die Herzogin
Des langen Haders müde,
Erweichten ihren harten Sinn
Und machten endlich Friede,
Denn jeder sah ganz sonnenklar,
Daß jeder schon gefehlet,
Er, weil er oft nicht höflich war,
Sie, weil sie ihn gequälet.
  (Merk rückt unruhig auf seinem Stuhl, die Andern lachen leise. Göthe liest ruhig weiter)
Und überall, allüberall,
In Tiefurth, Belvedere,
Gibt's Schlittenfahrt und Maskenball
Dem hohen Paar zur Ehre.
Der Wieland kömmt als Oberon
Mit Stock und mit Perrücke,
Und Darmstadt's Apotheker-Sohn
Erscheint als gift'ge Mücke.
   (Merk will aufspringen. Bertuch drückt ihn lachend auf den Stuhl nieder. Göthe liest ruhig weiter)
Er fragt den Göthe Wort für Wort
Nach seinem Thun und Treiben
Und summt und brummt in einem fort,
Wie's halt die Mücken treiben.
Und als er hört die Mähr, o Graus,
Daß Göthe Maler werde,
Da reißt er sich die Flügel aus,
Mit wüthiger Geberde.

Amalie
  (die Thränen trocknend, unter Lachen)
Genug, genug Ihr seht ja, ich ersticke.

Carl August (ebenso).
Ihr habt ihn doch zum Ernst gezwungen, Mutter.

Göthe (liest ruhig weiter).
O Heinrich, Heinrich, bester Freund,
Verloren ist verloren,
Es ist nicht jeder, was er scheint,
Drum laß mich ungeschoren.
  (Schallendes Gelächter. Göthe aufstehend, schlägt Merk mit dem Buch auf die Schulter)”

 

 

Wettrennen-Epilog in Die Bombe, 22. Juni 1879

- Schade, daß die Pferde-Wettrennen zu Ende gehen, bevor die eigentliche m o r t e saison beginnt.
- Warum denn?
- Wenn sich die "morte saison" am P f e r d e-W e t t r e n n e n betheiligen würde, möchte sie
            gewiß den ersten Preis gewinnen.
- Aus welchem Grunde denn?
- Weil es ja heißt: "Die T o d t e n  r e i t e n schnelle."

 

 

Treue Liebe! in Berliner Tageblatt 19. Oktober 1879

berliner tageblatt 19 october 1879 s13


   Lenore fuhr um's Morgenroth
   Empor aus ihrem Bette,
   Ihr Wilhelm war in großer Noth,
   Ihm fehlte ein Jaquette;.......

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

In aller Eile! In:Berliner Tageblatt und Handels-Zeitung, Morgen-Ausgabe 21.9.1879

erbleichen_1879


    Graus war die Nacht und um den Giebel
   Der Miethskaserne heult der Sturm,
   Da zog Georg sich an die Stiebel
   Und sieben schlug's vom Spittel-Thurm!
    Ach, rief Lenore mit Erbleichen,
   Schon sieben, und Du willst noch weg?
   Georg, bleib' hier, laß Dich erweichen,
   Mir ahnt, Du hast noch heute Pech!
    Nein, rief er, ich muß eilig laufen,
   Um mir was Warmes zu erstehn,
   Es könnt' leicht Alles ausverkaufen
   Noch heut die gold'ne Hundertzehn:
   5000 Herbst- und Winter-Paletots
[...]

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Tanzlocale in der Peripherie von Berlin. In: Berliner Börsen-Zeitung, Morgen-Ausgabe 14.4.1878

Die Musik geht vom Walzer in den Galopp über, die Musiker gönnen sich eine kleine Pause; sie, feuerroth, benutzt diese, um sich die perlenden Schweißtropfen von der Stirn zu trocknen, und dann folgt sie willenlos dem magischen Bann des blendend weißen Uniformrocks; fort wird gerast, daß Kies und Funken stoben.

 

 

Der Sturz Mac Mahons. In: Berliner Tageblatt und Handels-Zeitung, Morgen-Ausgabe 31.1.1879

Man wartet im heutigen Frankreich weder das Ende der Lebenszeit, noch selbst das der gesetzlich festgestellten Amtsdauer ab, um dem gewählten Oberhaupte einen Nachfolger zu geben. So ist denn auch Marschall Mac Mahon von der Präsidentschaft der Republik zurückgetreten, wie es im Mai 1873 Thiers gethan, noch ehe die Frist, welche ihm durch das Septennat gesetzt worden war, abgelaufen. Nicht nur die Todten reiten schnell, wie es in der Bürger'schen Ballade heißt, in Frankreich thuen es auch die „glorreich Besiegten."

 

 

II. Beilage der Berliner Börsen-Zeitung 9.3.1879

[Apotheker Maynud gegen die Ostbahngesellschaft]
Der Sarg wurde Abends in Paris auf dem Ostbahnhofe aufgegeben und sollte des Morgens nach 7 Uhr an dem Bestimmnngsorte eintreffen, wo eben die Clerisei, die Verwandten und Freunde warteten, um der Todten das letzte Geleite zu geben. Der Zug traf richtig ein, unter seinen Gepäckstücken aber befand sich nicht der Sarg. Wo blieb also die Leiche? Man telegraphirte nach PariS, von dort nach allen Bahnhöfen mit der Frage nach dem Sarge. „Die Todten reiten schnell", wie es in dem Liede heißt; diesmal reiste ein Sarg schnell, doch in falscher Richtung. Schließlich wurde man des Flüchtlings in Epernay habhaft, wohin man wahrscheinlich den Sarg unter der falschen Signatur einer Champagnerkiste verladen hatte.

 

 

Schücking, Levin. Sklaven des Herzens. In: Karlsruher Zeitung 17.5.1879

 Es war ja furchtbar, daß sich so rasch, wie ein Paar Würfel geworfen werden, ein Menschenschicksal entscheiden, ein Lebensglück verlieren lassen sollte !
„O mein Gott!" stöhnte er aus tiefster Brust — „das erleben zu müssen! Wahrhaftig, die Todten reiten schnell!"
Die Todten reiten schnell. Und Weiberherzen sind schnell gewandelt!

 

 

Locales und Vermischtes. In: Berliner Börsen-Zeitung, Morgen-Ausgabe 23.7.1879

- Die Todten reiten schnell — auch auf die Bühne! Der arme Prinz LouiS Napoleon! Kaum hat er sein Leben unter dem Grinsen einiger Wilden in Afrika aufgegeben, so wird er von einem unternehmenden Französischen „Dramatiker" flugS auf die Bühne geschleppt, um dort nach allen Regeln der Kunst nochmals abgeschlachtet zu werden. Felician Renard heißt der „Dichter", der die Thaten des unglücklichen Lulu in einem historischen Gemälde „Prinz LouiS Napoleon's Leben und Ende" zusammengefaßt hat

 

 

Theater und Musik. In: Berliner Tageblatt und Handels-Zeitung, Morgen-Ausgabe 16.12.1879

Auch im Hennetheater hat es keinen sonderlich warmen Beifall gefunden, obwohl es in den Hauptrollen von Herrn Direktor Henne, Herrn Wilhelm Fliegner (als Gast) und Fräulein Bünde recht flott und verständnißvoll gespielt wurde. Die Komödien der Charakterverkleidungen sind eben überlebt und "die Todten reiten schnell", wie Laube selbst sein jüngstes Feuilleton überschrieben hat.

 

 

Gottschall, Rud. von. Das goldene Kalb. In: Norddeutsche allgemeine Zeitung, Morgen-Ausgabe 15.5.1879

Auf Wiedersehen also! Laß Deine Lenore allein den Gespensterritt machen und fahre Du selbst ums Morgenroth empor aus schönen Träumen, um ihnen nie wieder zu verfallen.
    Dein Sintenis.

 

 

Zur Beruhigung. Kladderadatsch: Humoristisch-satirisches Wochenblatt — 33.1880, Seite: 19

Angesichts der heftigen Reclame, welche für die in Rom so eben auftauchende "Aurora", das neu erschienene Organ des Vaticans, jetzt überall gemacht wird, halte ich es nicht für überflüssig zu erklären, daß es d i e s e s "Morgenroth" nicht war, um welches ich empor aus schweren Träumen fuhr. Im Gegentheil!

      Bürgers Lenore.

 

 

Die Liebe im Irrenhause in Leitmeritzer Zeitung 12. Mai 1880

Die Pazientin bemerkte die Annäherung der beiden Aerzte nicht. Sie blickte vor sich zur Erde und sang mit schwacher aber sicherer Stimme einzelne Verse aus Bürgers Leonore. Sie wußte den Ausdruck leidenschaftlicher Sehnsucht in die Worte zu legen: „Bist untreu, Wilhelm, oder todt? „Wie lange willst Du säumen?" Die Krankengeschichte des Mädchens, nach welcher der junge Arzt fragte, war eine sehr kurze. Vor etwa sechs Monaten war es in seinem elterlichen Hause von einem heftigen Typhus befallen worden, schwebte während einiger Wochen zwischen Leben und Tod, überwand endlich die Krankheit, und die
Rekonvaleszeuz nahm ihren regelrechten Verlauf. Aber die Pazientin blieb seitdem in einem Traumleben befangen, aus welchem kein äußerer Einfluß sie erwecken kann. Die wirkliche Welt existiert nicht für sie. Sie wartet Tag für Tag als Leonore auf ihren Wilhelm, der aus dem Kriege heimkehren soll, und schmückt sich für ihn. Dabei waren weder Liebesgram, noch auch der Tod des Geliebten oder Verlobten die Ursache der ersten Krankheit.
   Die Kranke wird dem jungen Arzte zur Behandlung zugewiesen und er soll sie auf elektro-therapeutischem Wege behandeln. Und nun beginnt unser Roman. Der hoffnungsvolle Jünger Aeskulaps verliebt sich nach allen Regeln der Kunst in seine bleiche Pazientin und sie stürzt sich, als er eines Tages den gewöhnlichen Krankenbesuch bei ihr macht, mit dem Rufe: „Wilhelm! Wilhelm!" in seine Arme, und drückt — sich immer noch als Leonore wähnend — einen heißen Kuß auf seine Lippen. Rasch eilt nun das junge Mädchen der Gesundung entgegen. Schon nach wenigen Monaten wird es von seiner Mutter abgeholt, um
 die volle Genesung im väterlichen Hause zu beschleunigen. Die Heilmethode des jungen Arztes soll durch die Verlobung mit seiner reizenden Schutzbefohlenen gekrönt werden. Und eines morgens — ist sie vollständig genesen, so vollständig, daß sie sich nicht einmal mehr ihres „Wilhelm" erinnert und auch nichts davon weiß, daß er ihr Arzt gewesen ist. Die Erinnerung an ihre Krankheit ist ausgelöscht und der junge Heilkünstler, für den sie in verzückt schwärmerischer Weise geschwärmt hat, ist ihr
 ein wildfremder Mensch, von dem sie nichts wissen will.
    Die Sache wird jetzt tragikomisch: der junge Arzt nimmt sich nämlich sein Liebesleid so zu Herzen, daß er selbst irrsinnig wird . Das kaum genesene Fräulein bekommt einen Rückfall, und nun sind beide Insassen des freundlichen Hauses, vor dessen Pforten sein Herz an den Haken zu hängen, der unvorsichtige „Wilhelm" leider unterlassen hat. Aber beider Fall ist nicht un ­
 heilbar, und der menschenfreundliche Direktor hofft noch immer, daß aus beiden noch ein Paar wird, und „Eros im Irrenhause" mit einem befriedigenden hausbackenen Schlüsse enden wird.
 

 

Spirit Rapping von L. M. Bonn, A leaf out of my life facts and fiction. In: The Taunton Courier, September 1, 1880

“What was your wife's Christian name, Mr. B-r-y?”
“Leonora fuhr um's Morgenroth.” answered my friend.
“That is a very hard name to pronounce; I suppose it's Hungarian. Can you not abbreviate it, somewhat?”
“Say Leonora Morgenroth.”

      Der vollständige Text 

 

 

A. E. Die Düsseldorfer Ausstellung von 1880. In: Düsseldorfer Sonntagsblatt : Beilage zum Düsseldorfer Tageblatt 22.8.1880

Dis Särge sind sehr schön gearbeitet, einer von ihnen hat sogar Spiegelglas im Deckel, um hineinzuschauen, und drinnen liegen weiße Atlaskissen, um die Leiche weich darauf zu betten . . . für reiche Leute, die auch noch im Grabe etwas vor den anderen Menschen voraus haben müssen. Das beste Ruhekissen ist nach dem Sprichwort ein gut Gewissen, und dann schläft es sich auf Hobelspänen („sechs Bretter und zwei Brettchen") ebenso sanft wie auf Atlas und unter Spiegelglas.

 

 

I. Beilage der "Berliner Börsen-Zeitung 3.1.1880

Wir lesen in der „Presse" über das Wiener Stadttheater: Die Todten reiten schnell. Sonntag beschlossen die Actionaire des Stadttheaters die Statuten-Aenderung, und vierundzwanzig Stunden später wurde der Concurs (nomen et omen) ausgeschrieben. Vorläufig nur der Concurs für einen Director oder Pächter.

 

 

Frankreich. In: Durlacher Wochenblatt : Tageblatt 24.1.1880

— „Die Todten reiten schnell!" Gestern war es der Anstifter des verhängnißschweren deutsch-französischen Krieges, dem sie in Paris zu Grabe läuteten, heute schloß dort die müden Augen der Mann, der sich das patriotische Opfer abgerungcn, seinen Namen unter das Aktenstück zu setzen, welches die furchtbaren Consequenzen dieser so frivol herbeigeführten Völkermensur für Frankreich besiegelte. Gestern der Herzog von Gramont, heute Jules Favre! Der Tod versöhnt, sagt man, aber er versöhnt nicht immer.

 

 

Schücking, Levin. Etwas auf dem Gewissen. In: Berliner Tageblatt und Handels-Zeitung, Morgen-Ausgabe 18.3.1880

„Das giebt Ihnen wohl zu denken, Kommissär?" meinte der kleine Doktor. „Die Todten reiten schnell, aber noch schneller die Gedanken eines Kriminalisten."
   „Die reiten gar nicht, Doktor."
   „Obwohl sie oft aufsitzen," lächelte dieser.

 

 

"Ein Stündchen bei Stöcker." In: Berliner Börsen-Zeitung, Morgen-Ausgabe I. Beilage 19.10.1880

Heiliger Isidor, was mögen da für Mädchen umherlaufen, die auf den Namen Achilles, Jonathan, Abraham oder Esau, und was für Jungen, die auf Eulalia, Eustachia, Genoveva oder Euphrosine hören müssen. Vom Schweineschlachten ging der Herr dann mit „hurre, hurre, hopp, hopp, hopp" auf den Kölner Dom und von diesem in einem ebenso gewagten Salto mortale auf die Frauen über , denen er ein „Hohes Lied" sang, das er mit den Worten schloß: „Ein Weihrauchsduft in dem Herzen der Frauen aber ist die Liebe!"

 

 


nach oben      69 / 06.12.2021

 

1881-1890

 

Illustrationen zu bekannten Balladen. In: Der Floh, 29. Mai 1881

abdul_hamid_1881
    Abdul Hamid (der Todte Mann, mit der Türkei ins  
    Verderben rennend).

   Hurre, hurre, hopp, hopp, hopp!
   Fort im sausenden Galop,
   Denn die Todten reiten schnell.

     der vollständige Beitrag

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Frei nach Bürger senior. In: Der Floh, 4. Dezember 1881

Herr Jauner fuhr um's Morgenroth
Empor aus schweren Träumen:
Bist "G o l d u n d E i s e n" du schon todt?...
             Leider!
                   Hugo Bürger junior.

 

 

Erklärung in Figaro, 6. August 1881

Ich erkläre hiemit, um einer Konfiskation meiner Gedichte vorzubeugen, daß ich mit den Versen meiner "Lenore":
  "R a p p'! R a p p'! nich dünkt der Hahn schon ruft....
  Bald wird der Sand verrinnen...
  R a p p'! R a p p'! ich witt're Morgenluft...
  R a p p'! tummle dich von hinnen!"
keineswegs eine Anspielung auf den neuen Landeshauptmann von Tirol beabsichtige.
            G. A. Bürger.
 

 

Gil Blas, 13 mai 1881

Les morts vont vite décidément. Presque chaque jour nous avons un décès à enregistrer.
  Hier c'était celui de M. de La Bordette, aujourd'hui c'est celui de la vicomtesse de Bauroye, qui vient de succomber à une longue et cruelle maladie.

 

 

Vom Mont Cenis. In: Znaimer Wochenblatt 8.10.1881

Nachdem jedoch 36 Kilometer steiler Berg durchaus keine Kleinigkeit sind, machten wir gute Miene zum bösen Spiel und bestiegen unsere Klepper nicht ohne, da das Sattelzeug bestehend aus dem hier landesüblichen Wagensattel und etlichen Stricken stets locker wurde, einigemale herunterzukollern. Endlich waren wir oben und „Hurre hurre hopp hopp hopp, ging's fort im sausenden Gallop". O nein, schön langsam und bedächtig, mit einem Gefühl, als würde bei jedem Schritt des edlen Thieres ein Stückchen Seele aus uns herausgeschlagen.

 

 

Aus Wien, 19. Oktober, wird uns geschrieben: In: Norddeutsche allgemeine Zeitung, Morgen-Ausgabe 23.10.1881

Die Todten reiten schnell; am schnellsten aber reiten wohl die Todtgeborenen. Das zeigt sich wieder an dem "Deutschen Klub", den die Fortschrittspartei ausgeheckt hat und für den seit Wochen alle Glocken und Glöckchen der Oppositionspresse geläutet wurden.
 

 

 

Aus dem Theaterjahre 1881. In: Neue Freie Presse 25.12.1881

Die Freude stieg aufS höchste, als der todte Offenbach sein Faungesicht aus dem Grabe herausstreckte, als mit den weichen Strauß'schen Rhythmen die wohlvertrauten Klänge des Sängers der „Schönen Helena" sich mischten. Die Gespenster Hoffmann's traten auf die Scene, rauschender Erfolg, feenhafte Beleuchtung, ein wahres Feuerwerk - - - Graut Liebchen auch vor Todten? — ach nein, laß ruh'n die Todten... Kein Chronist der Erde, und wäre er in seinem Schreiberhandwerk noch so verknöchert, vermöchte diesmal die Wiener Theater-Revue des Jahres 1881 methodisch zu Ende zu führen.

 

 

Der Hinfall! In: Berliner Tageblatt und Handels-Zeitung, Morgen-Ausgabe 22.5.1881

lenore_hinfall_1881
   Lenore fuhr des Morgens früh
 Geschwind aus ihrem Bette
 Und machte zu 'ner Landparthie
 Die Sonntags-Toilette.
 Es war ja gestern ausgemacht,
 Ihr Wilhelm wollte sie um acht
 Zum ländlichen Poussiren
 Nach Hundekehle führen!

   Da öffnet sich die Stubenthür,
 Und lang fiel au! den Rücken
 Lenore, denn sie glaubte schier
 Ein Wunder zu erblicken!
 Doch Wilhelm war's, den sie gesehn,
 Der in der goldnen Hundertzehn
 Zu wahrem Schleuderpreise
 Gekauft zur Liebesreise:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

(Gestörte Theaterfreuden.) In: Norddeutsche allgemeine Zeitung, Morgen-Ausgabe 31.12.1881

Im nördlichen Stadtbezirk Berlins hat sick ein geselliger Verein gebildet, der sich "Lustige Brüder" nennt und welcher allmonatlich einmal seine Mitglieder und Gönner mit Aufführung von Theaterstücken, denen ein Tänzchen folgt, zu amüsieren bestrebt ist. Ein solcher vergnüglicher Abend war von dem Vorstande auch zum ersten Weihnachtsfeiertage arrangirt und das Schauspiel: "Lenore" mit dem Grabesritt um Mitternacht als Finale, gewählt worden. Leider konnte aber, wie hiesige Blätter erzählen, das Schauspiel in Folge eines unangenehmen Zwischenfalls nicht zu Ende geführt werden. Als nämlich im zweiten Akte Lenore's Wilhelm zu der ihn mit verführerischen Reizen umstrickenden Gräfin Aurora sich soweit vergaß, dieser Aurora zwei herzhafte Küsse zu schenken, rief plötzlich mit Stentorstimme ein Mann aus dem Publikum: "Dett steht nich in die Rolle — zum Küssen gebe ick meine Dochter nich her — da soll gleich der   drinn schlagen!" Und dieser Vater-Protestler machte auch sofort Anstalten, persönlich dreinzuschlagen, denn er war mit einigen kühnen Sprüngen schnell genug auf der Bühne angelangt. Bald darauf senkte sich der Vorhang und zur selben Zeit verließ Aurora weinend an der Hand ihres Vaters, den Zirkel der "Lustigen Brüder"; der küssende Wilhelm war schon zuvor, nichts Gutes ahnend — über verschiedene Hindernisse voltigirend, nach hinten heraus ohne Adieu gewandert, und so mußte die Vorstellung abgebrochen werden.

 

 

Eine Lehrer-Parodie. In: Kölner Nachrichten, 30.9.1881

lehrer parodie koelner nachrichten 30 9 1881

 

 

Gambetta träumt in Nebelspalter, 8 (1882)

Gambetta fuhr um's Morgenroth
Empor aus schweren Träumen:
"Ein ander Regiment thut Noth,
Ich darf nicht länger säumen.

     der vollständige Beitrag

 

 

L'Estafette, 6 septembre 1882

Il paraît que M. Gustave Worms va épouser Mlle Blanche Baretta.
  Les mortes vont vite !

 

 

L'Événement, 25 juin 1882

Notre belle petite est si peu trépassée qu'elle soupait avant-hier au café Anglais en joyeuse compagnie – et qu'une victoria attelée d'un stepper rapide la conduisait à toutes guides à la fête de Neuilly.
      Les morts vont vite !
 

 

Le Bien public, 19 jullet 1882

A TRAVERS LA VIE
[...]
Hop ! Hop ! Les morts vont vite. Hop ! Hop ! L'Océan derrière une falaise, se dresse et beugle. Hop ! Hop ! c'est la fin, la fin dans la mer écumeuse. Hop ! Hop ! la victoria ne s'est pas arrêtée. Elle se précipite, et, après elle, le tramway fait un saut. Ils vont, ils vont, en effleurant la crète blanche des vagues. La vitesse a mangé le poids.
  Et ils roulent de la sorte pendant des nuits, des jours, des nuits, des jours, des nuits, des mois, des années, des siècles. Le cocher du tramway est toujours calme et placide et regarde sans cesse en clignant des yeux. Il est l'ange du tramway. La petite cocotte est encore blonde et belle, mais sa robe n'est plus à la mode. Hip ! Hop ! Darwin a dit que les plantes, les animaux et les choses se transforment suivant les milieux où ils vivent. Les roues de la victoria et du tramway se transforment en nagepires. C'est une simple question de temps. Darwin le sait bien.

 

 

Le Voltaire, 30 septembre 1882

Hurrah! les morts vont vite!
Coquelin cadet a fait hier sa première sortie, bien que son poignet soit loin d'être remis. Mais la guérison en sera plus prompte qu'on ne l'espérait tout d'abord.

 

 

Möllhausen, Balduin. Der Haushofmeister. In: Berliner Tageblatt und Handels-Zeitung, Morgen-Ausgabe 15.9.1882

Ruhe auch im Schloß zwischen den nunmehr fest aufeinander geschraubten sechs Brettern und vier Brettchen, wo der Herr von Eckernwald nach einem langen Leben trauriger Vereinsamung der Ewigkeit entgegenschlummerte. — —

 

 

L'Intransigeant, 30 décembre 1883

Le Senat
Les morts vont vite, dit la ballade. Les moribonds aussi. Les sénateurs, jugeant que trois séances pour disposer de six milliards c'était beaucoup, ont encore abrégé leur mode de discussion. Ils se sont mis à employer la langue télégraphique. Imitonsles.

 

 

Leipzig. In: Hallesches Tageblatt 20.9.1883

Der Drache stand wundervoll und da bekanntlich das Drachensteigenlassen eine durstige Arbeit ist, so kam dem Drachenbesitzer ein prächtiger Gedanke. Eine Restauration war ganz in der Nähe, also hinein mit Weib und — nein, das Kind mußte draußen bleiben, denn am Wagen, worin das Kind lag, sollte der Drache für die Dauer des „Stehseidels" angebunden werden. Aber der Mensch denkt und diesmal lenkte der Drache. Kaum waren Mann und Frau im Wirthshaus beim kühlen Biere, so gings hurre,hurre, hopp, hopp, hopp mit dem Kinderwagen fort.

 

 

Meldung In: Figaro, 30. August 1884, Seite 5

Da es sich herausstellt, daß alle Verwaltungszweige, welche die Gemeindewirthschaft betreffen, passiv sind und nur der Zentralfriedhof ein Erträgniß liefert, so kann die Wiener Kommunal-Verwaltung mit Bürger's „Lenore" singen:

      D e r  T o d, d e r  T o d  i s t  m e i n  G e w i n n!

 

 

Oesterreich-Ungarn. In: Norddeutsche allgemeine Zeitung, Morgen-Ausgabe 2,11,1883

Man schreibt uns unter dem 31. v. M. aus Wien:
In meinem jüngsten Briefe schilderte ich Stimmungen, Erscheinungen und Thatsachen, welche in ihrer Gesammtheit darauf hindeuteten, daß sich im oppositionellen Lager eine Krise vorbereite. Seitdem — die Todten reiten schnell — ist diese Krise zu vollem Ausbruche gelangt.

 

 

Haus der Abgeordneten. In: Berliner Tageblatt und Handels-Zeitung, Morgen-Ausgabe 6.12.1883

Wir wiederholen aus dem Berichte im Abendblatt zunächst in ausführlicher Weise die Rede des Abg. Virchow: Trotz ihres kurzen Verlaufes kann man von dieser Debatte sagen: die Todten reiten schnell. Als ich den Antrag Stern unterschrieb, hatte ich keine Vorstellung davon, daß wir hier so eingehende Erklärungen vernehmen würden. Der Minister theilt uns mit, daß „wir", wie er sagt, ich setzte also voraus, auch Fürst Bismarck, gegenwärtig die Meinung haben, es solle auch an das geheime Stimmrecht für den Reichstag Hand angelegt werden.

 

 

Der Jahrmarkt in der Tonhalle zum besten der Ueberschwemmten. In: Düsseldorfer Volksblatt 8.1.1883

Die beiden auf dem Tische liegenden, vielverheißenden Cithern wurden nicht gespielt, wahrscheinlich weil in dem engen Raum bei jeder etwas ausgreifenden Bewegung die spitzen Fichtennadeln allzu prompt ihre Pflicht thun würden; zudem hätte das lärmende Karoussel in der Nachbarschaft die zarten Gesänge bald tot gemacht. Am Karoussel ging's im sausenden Galopp, „daß Roß und Reiter schnoben und Kies und Funken stoben"; auch Damen machten die Fahrten, allerdings auf bequemen Sitzen mit vermittels eines Rundreisebillets von zehn Pfennigen.

 

 

Oberhessischer Anzeiger 05.05.1883

Oberhessischer Anzeiger 05 05 1883

 

 

Paris, 7 janvier 1884

MON BOUT DE L'AN
  (Auxamis de Belleville)

Salut à toi, maison modeste
Dernier asile de celui
Dont le grand souvenir nous reste
Et nous réunit aujourd'hui ;
[…]

Bürger a dit : « Les morts vont vite ! »
C'était un poète allemand. -
La France évoque et ressuscite
Ceux qui la servirent vraiment

Et, la ace au ciel, sans réplique,
Des bras, de la tète et du cœur,
Ont lutté pour la République
Et le droit...suprême vainqueur ;
[…]
       ETIENNE CARJAT.

 

 

Spaziergänge. In: Düsseldorfer Volksblatt 3.5.1884

Auch der Militärkirchhof an der Wasserstraße ist längst vergessen, wie auch der evangelische Kirchhof, der an der Nordstraße lag. An diesen Stätten des Todes erheben sich jetzt Paläste und Häuser, in denen die jüngere Generation des Lebens Lust und des Lebens Leid kennen lernt, bis ihnen das letzte Haus gebaut wird von sechs Brettern und zwei Brettchen.

 

 

Kunst und Wissenschaft. In: Berliner Börsen-Zeitung, Morgen-Ausgabe 31.12.1884

Den schwersten Schritt meines ganzen Lebens habe ich wie eine Heldin bestanden. Ich ging, ehe ich erleben mußte, daß man wünschen könnte, daß ich ginge. Aber - es war ein Kampf auf Leben und Tod. Geduld! Geduld! Wenn's Herz auch bricht. Fürs Leben Ihre A. Haizinger. Wien, den 6. September 1878."

 

 

Wo ist der Reichskanzler? In: Berliner Wespen 17.1884
berliner_wespen_Ausgabe_17_1885
       Sie frug den Zug wohl auf und ab         Doch keiner war, der Kundschaft gab,
       Und frug nach allen Namen,             Von Allen, so da kamen.     (Lenore.)

 

Feuilleton. Allerseelenbilder. In: Wiener Sonn- und Montags-Zeitung 2.11.1884

In dem Getriebe einer Großstadt ereignen sich solche Dinge nicht selten, nur haben sie nicht immer einen so tragischen Ausgang, oder die Sache wird nicht so allgemein bekannt. „Sie frug den Zug wohl auf und ab, sie frug nach allen Namen". ... wie oft haben wir das schon hören müssen! Aber nein, nicht Leonore -- Gretchen ist hier am Platze. Dießmal ist nur eine kleine Variation in der alten Geschichte eingetreten: Wir haben den schönen, verführerischen Faust, der sich selbst den Adelstitel „Baron Kres" verlieh, sonst aber auf den bürgerlichen Namen „Krebs" hörte, wir haben den Secretär Mephisto, in der hiesigen Stadt als Herr „Klier" bekannt, das Gretchen aber, das mag allerdings constatirt werden, ist bereits sieben- oder achtundzwanzig Jahre alt.

 

 

Reichstags-Verhandlungen. In: Norddeutsche allgemeine Zeitung, Morgen-Ausgabe 21.3.1885

 Der Reichskanzler will gern den Exekutor beseitigen, aber mit diesem Zoll vertheuert er dem armen Mann, der aus diesem Jammerthal scheidet, sogar die sechs Bretter und zwei Brettchen zum Sarge. Der Zoll belastet die Gesammtheit der Steuerzahler zu Gunsten der großen Grundbesitzer; er verhindert, daß dem Volke endlich das Rechtsbewußtsein zurückkehrt, daß die deutsche Eiche ursprünglich deutsches Volkseigenthum und der Wald eigentlich gemeinschaftliches Eigenthum war.

 

 

La Vie moderne, 18 jullet 1885

La Vie moderne, 18 jullet 1885

 

 

Journal du Cher, 30 octobre 1885

Les morts vont vite : Depuis l'année dernière, on ne constate pas moins de 21 décès parmi les membres des différentes sections de l'Institut.

 

 

Feuilleton. Der erste Versuch. In: Wiener Sonn- und Montags-Zeitung 15.3.1885

Das ist Alles recht schön, aber ich frug die Schloßgasse und die Donaustraße und die Hirschengasse wohl auf und ab, ich frug nach allen Namen, doch Keiner war, der mir eine Adresse gab. Schließlich, nachdem ich von zehn Uhr Vormittag bis drei Uhr Nachmittags herumgewandert war, fand ich doch, was ich brauchte.
 

 

 

Plonplon. In: Nebelspalter Band 12, 1886. Zürich. Digitalisiert von ETH Zürich.

    Prinz Plonplon fahr um's Morgenroth
    Empor ans schweren Träumen:
    "Mein Kaiserthron, er ist in Noth,
    Da gilt's nieht Tanger säumen.
    Ha, vorwärts nur mit frischem Muth!
    Der alte Geist Napoleons thut
    Sich wieder in mir bäumen.

    Der vollständige Text

 

 

L'Estafette, 21 novembre 1886

Un homme affairé est entravé dans sa course par un enterrement dont la file ne se termine pas. Impatienté, il s'écrie :
  « Et l'on dit que les morts vont vite ! ».

 

 

Görlitz, Carl. Der gute Ruf. in Sonntags-Beilage des Halle'schen Tageblattes, 17.10.1886

“Wespen nagen eben nicht an verfaulten Früchten; Wespen und Maden suchen sich für ihr Zerstörungswerk stets die besten Früchte aus.”

 

 

Georg Waitz. In: Berliner Tageblatt und Handels-Zeitung, Morgen-Ausgabe 26.5.1886

Die Todten reiten schnell! Noch haben wir Leopold v. Rankes irdische Hülle nicht zur ewigen Ruhe gebettet, da hat auch Georg Waitz, nächst jenem der Altmeister der deutschen Geschichtsforschung, die arbeitsmüden Augen für immer geschlossen; der Schüler folgte seinem Lehrer nur wenige Stunden später im Tode nach.

 

 

(Fiakerspäße.) In: Morgenpost 25.7.1886

Wo Alles trinkt, durfte die Vertreterin des schwächeren Geschlechtes nicht... nüchtern bleiben — und als der Morgen dämmerte, konnte man eine größere Anzahl von sehr heiter gestimmten Fiakern, welche zwei nicht minder heiter gestimmte Herren, sowie eine ebenfalls außerordentlich „durchgeistigte" Dame umringten, in höchst verwegenen Zickzacklinien einem Wagen zusteuern sehen. Die beiden Herren und die Dame nahmen in dem Gefährte Platz, die Fiaker brüllten „Fifat hoch! Hoch soll'n sie leben! Hoch! H o ch ! Hoch !" ... und hurre, hurre, hopp. hopp. hopp, fort ging's im schärfsten Trab der Stadt zu...

 

 

Vereine und Versammlungen. In: Berliner Volksblatt : Organ für die Interessen der Arbeiter, Tagesausgabe 14.4.1886

Die alten, uralten Witze, die aber trotzdem noch immer „ziehen", die abgedroschenen Phrasen und Schlagwörter von ehemals, es ist Alles dasselbe geblieben, nur wird es nicht mehr mit der alten Wucht vorgebracht. Es ist augenscheinlich, daß der Mann seit Jahresfrist furchtbar abgenommen hat. Die Todten reiten schnelle: der Stöckerzauber geht seinem Ende entgegen.—

 

 

Geburtshelferkröte oder der Fessler Alytes obstetricans. In: Mittheilungen der Aargauischen Naturforschenden Gesellschaft 1886

“Von den schwanzlosen Lurchen des Terrariums bleibt nun nur noch die Unke übrig. Nicht das wissenschaftliche System, wohl aber die Volkssage, stellt sie als Uebergang zu den geschwänzten Lurchen hin, denn selten wird sie im Volksmunde anders genannt, als in Verbindung mit dem Salamander, und Molch und Unke sind im Volksaberglauben unheimliche und gespenstische Wesen. Der Gefangene im schauerlichen Burgverließ wird von ihnen geplagt, bis er den Hungertod erleidet
  ‘Ihr Lied war zu vergleichen
  Dem Unkenruf in Teichen,’
schreibt Bürger von einem nächtlichen, gespenstischen Leichenzug, und der Unkenteich mit Irrlichtschein spielt in der Volkspoesie und in Gespenstergeschichten eine große Rolle. Auch diese unheimlichen Gesellen befinden sich als rechtmäßige Bürger im Terrarium.”

 

 

Je nach Umständen. In: Der wahre Jacob 1886

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T o c h t e r (Bürger's Leonore lesend): "Vater, ist es denn wahr, daß die Todten schnell reiten?"
V a t e r (zerstreut): "Ja, liebe Mary, wenn sie Eile haben."

 

 

Rückblick auf die Woche. in Reform, Hamburg 24.10.1886

[...] furchtbar fleißig, denn es standen 14 Gegenstände auf der Tagesordnung, und schon in den Fraktionssitzungen hatte man sich die Köpfe zerbrochen betreffs der interessanten Frage, ob man nicht diese 14 Gegenstände an 15 Ausschüsse verweisen könnte (denn das von bescheideneren Leuten geplante Arrangement, daß 14 Ausschüsse genügen sollten, war doch zu knapp), und so arbeitete man denn mit Hoch- und Niederdruck; debattirt und notirt ward im ungefähren Tempo des Rittes der Bürger'schen Lenore:

Gasröhren, Dampfentwässerung
Und Waisenanstalts-Jammer,
Die Bismarckstraß'-Bewilligung,
Der Kirchenberg der Hammer.
Elektrisch Licht für uns're Stadt,
Lachsgeld, das Frau'n⸗- und Mädchenbad,
Und noch viel and're Sachen,
Die viele Arbeit machen.

Im allerflottsten Tempo ging’s:
Die schönsten „Gegenstände“,
Sie flogen rechts, sie flogen links
Dem Ausschus in die Hände,
Und hurre, hurre, hopp hopp hopp
Ging's fort in sausendem Galopp —
So sehr die Herr'n sich mühten,
Daß ihre Sessel ... glühten!

 

 

Parlamentarisches Nachtbild in Figaro 29. Oktober 1887

 Der Schwarze vom Tirolerland
 Geht mit dem Czechen Hand in Hand;
 Der Demokrat wirkt im Verein
 Jetzt mit dem Fürsten L i e c h t e n s t e i n —
 Die Schule konfessionell!
 Hurrah! Die Todten reiten schnell!

 

 

Der Rotundenfesttag in Wiener Montags-Journal 6. Juni 1887

Wo nur der Berichterstatter bleibt? Minute auf Minute verrinnt. — Die großen Schwungräder rasen, die Maschinen wollen ihr Opfer haben. — Jakob, wo bist Du? Umgürtet mit dem ganzen Stolze seiner Feder war er
     gezogen in die Blumenschlacht
     Und hatte nicht geschrieben,
     Ob er gesund geblieben!
 Die Minuten enteilen — ein Uhr Morgens schlägt's schon — noch immer kein Berichterstatter da — unsere Situation wird desperat — wir fühlen - unser Haar erbleichen---
 

 

L'Estafette, 17 février 1887

Un sénateur inamovible, M. Corne, est mort.
M. Le Royer a exprimé, dans le langage qui convient, les regrets que le défunt inspire. Les morts vont vite au Sénat et M. Le Royer doit trouver déjà longue la série des éloges funèbres qu'il a prononcés en six ans !  
 

 

L'Indépendant rémois, 7 janvier 1887

Buzanoy. - Une foule recueillie a assisté au service annuel célébré en mémoire du général Chanzy. Si les morts vont vite, comme dit la ballade, si l'ingratitude et l'oubli sont bien d´es sence humaine, il faut faire exception pour le souvenir de l'illustre défunt, dont les malheurs des temps nous font de plus en plus vivement sentir la perte.

 

 

Das Auge des Gemordeten. In: Steyrer Zeitung 3.7.1887

An ein Absteigen war nicht zu denken, das einzige, was er thun konnte, war, sich im Sattel zu halten und abzuwarten, bis der rasende Gaul der Müdigkeit erliegen würde. Aber die Fußmuskeln des Pferdes waren wie von Stahl und Eisen und von neuem ging der Ritt los, wie in Bürger's „Leonore":
   — hurre, hurre, hopp, hopp, hopp,
    Ging's fort in sausendem Galopp,
    Das Roß und Reiter schnoben
    Und Kies und Funken stoben.
Herrn Monnier schwanden die Sinne.

 

 

Politische Tagesübersicht. In: Berliner Tageblatt und Handels-Zeitung, Morgen-Ausgabe 22.1.1887

Welch' ein „Mischmasch!" Ja, ja — die Todten reiten schnell, und fast scheint es, daß die Berliner Nationalliberalen zu dieser Kategorie gehören. Denn vor wenig Wochen noch, als es sich nach dem Tode Löwe's im 1. Wahlkreise um die Aufstellung eines konservativ-nationalliberalen Kompromiß-Kandidaten handelte, weigerten sich die Nationalliberalen, für Herrn von Levetzow zu stimmen, weil derselbe reaktionär sei. Jetzt wird das Wahlkartell angerufen, um die Stimmen der Nationalliberalen für Herrn v. Levetzow und sogar für Herrn Cremer in Anspruchzn nehmen. Wie doch die Zeiten sich ändern, und wir mit ihnen!
 

 

Kunst und Wissenschaft. In: Berliner Börsen-Zeitung, Morgen-Ausgabe 7.6.1887

"Um die Portraitähnlichkeit mit dem alten ‘Deutschen Theater’ vollzumachen, fehlt eigentlich nur noch ein Mitglied — Frl. Anna Haverlandt. Die Herzen der großen Verschworenen schlagen sicherlich der ‘Entfernten’ mit wilder Sehnsucht entgegen. Wie heißt es in dem bekannten Bürgerschen Gedicht?
  Herr Barnay fährt um's Morgenroth
  Empor aus schweren Träumen.
  Bist untreu, Anna, oder todt?
  Wie lange willst Du säumen?"

 

 

Classisches aus den Bädern. In Franzensbad. In: Der Floh 1887

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     “Lenore fuhr um’s Morgenroth empor aus schweren Träumen.”

 

Der Sachverständigen-Bericht. In: Neue Freie Presse, Morgenblatt, 5. April 1888

Ein Schuster fuhr um's Morgenroth empor aus schweren Träumen,
Die Schuhfabrik, die macht uns Noth, da gilt kein langes Säumen,
O Mödlinger Schufabrik, verfallen bist du dem Geschick,
Du sollst die Lust verlieren, mit uns zu concurriren.

Und ohne Zaudern lud er ein die sämmtlichen Collegen,
Um ohne Aufschub im Verein mit ihnen Raths zu Pflegen.
Sie sprachen lange hin und her, wie's wol am allerleicht'sten wär
Die Concurrenzbeschwerden jetzt schleunigst los zu werden.

Da sprach der Klügste: »Seid nicht dumm! erst muß es uns gelingen,
Die Schuhfabrik beim Publicum in Mißcredit zu bringen.
Nur wenn wir glücklich dies erreicht, dann kann es sein, daß wir vielleicht
Sie aus dem Felde schlagen, wir müssen's eben wagen.

Aus jeder Filiale soll man ein Paar Stiefel holen,
Wir machen drüber 'n Protocoll, an das sie denken sollen!
Dann drucken wir (begreift ihr's nicht?) 'nen Sachverständigen-Bericht
Jn irgend eine Zeitung zur weitesten Verbreitung."

Gesagt, gethan! Man kaufte ein und trennte mit der Scheere
Jed' Stieflein auf und sah' hinein wie es beschaffen wäre?
Sie suchten viel zu tadeln d'ran und schrieben in die Zeitung dann:
„'s ist Alles schlecht und schofel — der veritable Pofel."

Zwar ward zum Theil vom Publicum die Warnung wol gelesen,
Doch wurde Keiner schwankend drum, es blieb wie es gewesen!
Das werthe Publicum sieht ein, daß unsere Schuhfabrik allein,
Wie auch der Gegner wüthet, doch stets das Beste bietet.
 

 

Dann das Eingesendet eines Drogisten: In: Der Floh, 25. November 1888

"Lenore fuhr um's Morgenroth
Empor aus wüsten Träumen.
Zu kaufen echten W a n z e n t o d
Soll man bei mir nicht säumen."

 

 

Le XIX siècle, 6 novembre 1888

UN ANNIVERSAIRE RÉVOLUTIONNAIRE
         Eugéne Pottier
« Les morts vont vite, » dit une ballade allemande. Le chansonnier Eugéne Pottier est un de ces morts, s'il faut en juger d'après le petit nombre de ses amis qui se sont réunis hier autour de sa tombe, au Père-Lachaise.

 

 

Auf der Gindlalm. In: Grazer Volksblatt 14.10.1888

Neben dem grünen Kachelofen baut sich ihr Bett auf, das reicht bis zur Decke. Fährt sie, wie „Leonore ums Morgenroth empor aus schweren Träumen." so wird ihr der nichts weniger als elastische oberirdische Querbalken die harte Wirklichkeit wieder schleunigst nahebringen.

 

 

Puttkamers Sturz! In: Berliner Tageblatt und Handels-Zeitung, Morgen-Ausgabe 9.6.1888

Die Todten reiten schnell! Während die Konservativen sich noch an dem Anblick des publizirten Legislaturperioden-Gesetzes weiden und das vermeintliche Ende der Krisis feiern, kommt zu ihrem Schrecken die eigentliche Lösung rasch hinterdrein, und zwar ganz in der Form "unliebsamer Ueberraschungen", die wir im Anschluß an die Gesetzespublikation in Aussicht stellten: Herr v. Puttkamer geht, und der kaiserliche Erlaß über die Wahlfreiheit steht in sicherer Aussicht.

 

 

Kunst und Wissenschaft. In: Berliner Börsen-Zeitung, Morgen-Ausgabe 27.6.1888

Auf der Kneipe der Burschenschaft Germania in Göttingen hängt unter Glas und Rahmen ein Autograph Rückerts. Als nämlich der greise Dichter seine „Kampflieder für Schleswig-Holstein" veröffentlicht hatte (1863), wandten sich Mitglieder der genannten Studentenverbindung in einem Schreiben an ihn, das begeisterte Liebe und Verehrung athmete. Rückert antwortete mit folgendem Gedicht, das bisher nicht in weiteren Kreisen bekannt geworden ist, gewiß aber allgemeine Beachtung verdient:

   Dort, wo einst Hölty's Jugend vorgekündet
   Den leisen Ton zu Goethes vollem Chore
   Und Bürger mit der Todtenbraut Lenore
   Weimars Balladen-Weltkampf hat entzündet;

   Ihr dort, zu höherm Hainbund nun verbündet,
   Habt herrlich meines Alters jüngste Höre
   Begrüßt mit Worten, schmechelhaft dem Obre,
   Und deren Sinn mir fest ins Herz sich gründet.

   Heil euch, ihr Musenzöglinge der Leine,
   Heil ruf ich euch in allen Facultäten.
   Wo euch des Wissens-Quelle tränkt, die reine,

   Auf daß ihr mit des Geistes Kampfgeräthen
   Gerüstet mögt als rüstige Gemeine
   Der Zukunft in den Kampf deS Lebens treten.
                                           Fr. Rückert.

 

 

Herr Brinckmann. In: Kempener Wochenblatt, 4.2.1888

Der „Leo' hat übrigens die Affaire mit dem Prediger Brinkman poetisch bearbeitet nach dem Versmaß von Bürger's: „Leonore fuhr ums Morgenroth." Das hübsche Lied lautet:

Herr Brinckmann fuhr ums Morgenroth
Empor aus schweren Träumen:
„Wart', Rom, heut' bring ich dir den Tod,
Ich will nicht länger säumen!“
Er war gekommen von Berlin
Nach Wittenberg zum Vortrag hin,
Er hatt' ihn aufgeschrieben,
Der Bogen ganze sieben.

Der Abend kommt, Herr Brinckmann auch,
Bald dröhnt es in den Hallen,
Schlag folgt auf Schlag nach altem Brauch,
Rom muß und soll heut fallen.
Er redet zweieinhalbe Stund,
Der Geifer zischt aus seinem Mund,
Mit schrecklichen Gebärden,
Man könnt' fast bange werden.

„Und wollt ihr sehn die welsche List,
Die uns von Rom bedräuet?“
Ruft Brinckmann, als am End er ist —
„Vor nichts zurück man scheuet.
Ich will erzählen, hört mich an,
Kein Märchen, das man so ersann,
Nein, Wahrheit und Geschichte
Von einem Bösewichte.

„Ein Dorf liegt im Westfalenland,
Ein römisches — daneben
Ein ander Dorf, wie hier zu Land
Dem lautern Wort ergeben.
Was thut der röm'sche Kapellan?
Er brütet einen finstern Plan,
Wie er das Dorf uns nähme,
So daß an Rom es käme.

„Er schickt, so oft dort Kirmeß ist,
Zum Tanz die röm'schen Mädchen.
„Auf! eilt dorthin!“ — spricht er voll List -
„Und spinnet zarte Fädchen,
Umspinnet einen Bräutigam,
Doch bei der Trauung haltet stramm!
Laßt euch nur römisch trauen,
Groß ist die Macht der Frauen.“

„Sah je die Welt solch list'gen Plan,
Wie Rom fängt seine Beute?
Drum nagl' ich diese Thatsach' an
Seit Jahren so wie heute.
Der Thatsach widersprochen ist
Noch niemals bis zu dieser Frist,
Wir wissen, was wir sagen,
Wer will da Einspruch wagen?“

Mit Schrecken hört das Publikum
Herrn Brinckmann dies erzählen.
Denn ist ein Ding auch noch so dumm,
Es findet gläub'ge Seelen.
Ein Diakon, Herr Müller, dann
Mit einem Seufzer hub er an:
„Laßt, Jünglinge, euch warnen,
Und euch nicht so umgarnen!

„Ach ja, der alte böse Feind,
Davon im Lied wir singen,
Mit Ernst er es zumal jetzt meint,
Er möcht uns gar verschlingen.
Ach ja, groß Macht und viele List,
Ja List, sein grausam Rüstung ist,
Er hat nicht seinesgleichen,
Doch muß dem Wort er weichen.

„Das Wort sie sollen lassen stahn!“
Das wollen wir jetzt singen,
Und mag dann Weiberlist auch nahn,
Sie soll euch nicht bezwingen.
„Das Wort sie sollen lassen stahn!“
Herr Müller stimmt es zitterud an,
Man faltet fromm die Hände
Und singt es bis zu Ende.

Doch Einer ist, der lächelt still —
Zwar ist auch er nicht römisch —
Das Dorf ihm in den Kopf nicht will,
Es scheint ihm gar zu böhmisch.
Er tritt heran zum Herrn Pastor
Und stellt sich frei mit Namen vor:
„Das Dorf — darf ich wohl wagen,
Den Namen zu erfragen?“

Herr Brinckmann staunt und stutzt entsetzt:
„Mein Herr, Sie sind wohl römisch?“
„Mit nichten“ — dieser drauf versetzt,
„Doch scheint Ihr Dorf mir böhmisch.“
Verlegen spricht Herr Brinckmann dann:
„Im Augenblicke leider kann
Den Namen ich nicht nennen,
Ich lernt' ihn noch nicht kennen.

„Indeß nur glauben Sie getrost,
So viel kann ich schon sagen,
Es liegt das Dorf nicht weit von Soest,
Ich kann es leicht erfragen:
Doch einen Monat vorderhand
Muß reisen ich nach Pommerland,
Bin ich damit zu Ende,
Den Namen gleich ich sende.“

Herr Brinckmann zog nach Pommerland,
Die Pommern zu bekehren,
Führt' mit sich an dem Halfterband
Vom „Dorf bei Soest“ den „Bären".
Beim lieben Volk im Pommerland
Er riesenhaften Glauben fand:
Er stellte vor den „Bären“
Und thät dann heimwärts kehren.

Herr Brinckmann sitzt beim Morgenbrot,
Will dann die Pfeif' anbrennen.
Blickt in die Zeitung — „Schwere Noth!
Ich soll den Namen nennen
Vom Dorf bei Soest und vom Kaplan —
Was fang' ich armer Brinckmann an —
O jerum, jerum, jerum.
O quae mutatio rerum“

Und in die Zeitung dann er setzt:
„Ich will korrespondiren,
Geduld ein wenig nur, denn jetzt
Das Dorf wir leicht aufspüren.“
Doch Woch' um Woche so verfliegt,
Das Dorf bei Soest verschneiet liegt,
Gehüllt in ew'ges Schweigen,
Es will kein Dorf sich zeigen.

Da spricht Herr Brinckmann:„Das Malheur,
Das mit dem Dorf ich hatte,
Ich dank' es nur dem Redakteur
Vom Wittenberger Blatte.
Was brauchte der zu fragen auch
Ganz gegen unsern alten Brauch?“ —
Ich soll das Dorf ihm nennen?! —
Er soll mich lernen kennen!

„Nun nenne ich erst recht es nicht,
Wer? wie? man soll beweisen,
Was man zum gläubigen Volke spricht?
Da gehe ich auf Reisen,
Auf Reisen in das Pommerland,
Ein Land voll Glauben, wie bekannt;
Da wird es Niemand wagen,
Nach Namen mich zu fragen.“

So fahr denn wohl, du frommer Mann,
Nach Pommern und noch weiter,
Und binde deinen „Bären“ an
Und sei ein Ehren=Leiter.
In Rheinland und Westfalenland
Dein Name wird mit Ruhm genannt,
Du ehrenwerther Streiter,
Leit' deinen „Bären“ weiter!

 

Beilage zur Bohemia Nr. 109. 19. April 1888

bohemia uv 1888

 

Die großen Herren. In: Bukowinaer Nachrichten, Czernowitz, 9. Juli 1889

  Graf Taaffe fuhr ums Morgenroth
  Empor aus schweren Träumen -
  Schläfst Rieger - oder bist Du todt?

Der Sieg der Jungczechen bei den böhmischen Landtagswahlen und die geschlossene Einigkeit der Deutschen in Böhmen, welche bei diesen Wahlen zu Tage getreten, haben eine neue Lage in der inneren Politik geschaffen.
 

 

Vermischtes in Salzburger Chronik für Stadt und Land 30. Juli 1889

 „Die Todten reiten schnelle", aber auch ein r u s s i s c h e r L i e u t e n a n t vom 26. Dragoner-Regiment, der mit 2 Pferden, welche er abwechselnd ritt, den ganzen Weg von L u b n y nach P a r i s — 2633 Kilometer oder 351 Meilen - in 30 Tagen
 zurückgelegt hat.

 

 

Parodie. In: Der wahre Jakob Nr. 66, 1889

Der Deutsche fuhr ums Morgenroth
Empor aus schweren Träumen, -
Bist untreu Freiheit oder Todt,
Wie lange willst du säumen?
O Deutschland, Deutschland, was dich brennt,
Da lindert dir kein P a r l a m e n t!

 

 

les morts vont vite (Die Todten reiten schnell) in Dimanche, 12 mai 1889 (RETRONEWS der BnF)

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                         Erläuterung

 

 

La chanson de Ferry in Le Clairon, 8 juin 1889

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L'Éclaireur de l'arrondissement de Coulommiers, 26 octobre 1889

Et maintenant, quel nom inscrirai-je la semaine prochaine en tête de ma chronique nécrologique ?
  Comme ça se vide, grand Dieu !
  Comme les morts vont vite !
               E. BORGHÈSE

 

 

Le Clairon, 29 juin 1889

Constans, Constans, les morts vont vite !
  Et tu triomphes. Mais, attends !
  Il se peut qu'on les ressuscite
  Et gare à toi ! Gare, Constans !

 

 

Die Ballmutter. Julius Kehlheim. In: Znaimer Wochenblatt 12.1.1889

Aber Frau Mathilde vermag nicht so leicht wieder einzuschlafen, wie der weniger sorgenbedrückte Vater, sie hat noch so viel zu bedenken, zu berechnen, daß der segenspendende Schlaf ihre heißen Augenlider flieht und sie erst gegen Morgen wieder
in einen unruhigen Schlummer verfällt, wo sie im Traume eine rosenfarbige Schleppe bügelt, die immer länger und länger wird, ja gar kein Ende zu nehmen scheint, bis die gequälte Frau endlich, gleich Bürgers Leonore ums Morgenroth aus schweren Träumen emporfährt.

 

 

Ein Jude über die Schulen. In: Das Vaterland 6.10.1889

Schwere Träume, in denen ihm offenbar seine ungezügelte, orientalische Phantasie arge Gefahren für die armen Judenkinder in jenen Anstalten vorgaukelt, scheinen ihn zu drücken; und wenn er ums Morgenroth aus denselben emporfährt, taucht er
seine streitlustige Feder ins Tintenfaß und schreibt vernichtende Artikel für die „N. Fr. Presse".

 

 

Sozialpolitische Rundschau. In: Der Sozialdemokrat : internationales Organ der Sozialdemokratie deutscher Zunge 29.6.1889
 
Noch ergötzlicher ist der Kampf eines Theiles der Reptilien gegen die Puttkamer'schen Beamten, die durch streberhaften Eifer den Mangel an Kenntnissen und an wirklicher Leistungsfähigkeit zu verdecken suchten. Man traut seinen Augen nicht. Aber es steht schwarz auf weiß zu lesen in einer Reihe von Reptilienblättern. Kein Zweifel, der stolze Bau, der Jahrtansenden trotzen sollte, geht schon aus den Fugen, der Hausschwamm der Korruption und Servilität sitzt darin, und frißt die Kraft der stützenden Balken. Das ist nicht mehr Verwirrung — das ist schon Auflösung.
Die Todten reiten schnell!

 

 

Ein Vorschlag zur Güte. In: Düsseldorfer Volksblatt 26.3.1889

Daraus folgert die Kreuzztg. wohl nicht mit Unrecht, daß auf die rasche Erledigung dieser Vorlage Gewicht gelegt wird, und fügt hinzu: „Wenn die Ausschüsse, an die sie verwiesen wird, die Vorlage rasch erledigen, so kann der Entwurf bereits Ende dieser Woche an den Reichstag gelangen". Man denkt dabei an einen früheren Lieblingsspruch der Kreuzztg.: „Die Toten reiten schnell".

 

 

Politische Nachrichten. In: Berliner Börsen-Zeitung, Morgen-Ausgabe 6.2.1889

Hat doch schon der Ausfall der Ersatzwahl im Badischen Wahlkreise Offenburg der Welfischen Presse Veranlassung zum Ausdrucke der unbegrenztesten Hoffnungen für die Zukunft gegeben. „Wieder ein Mann über Bord!" und „Die Todtenreiten schnell !" „Die Kette der Cartelverluste seit den Angstwahlen von 1887 ist wieder um ein neues Glied verlängert", heißt es an einer Stelle der welfisch-ultramontanen sog. Volkspresse.  

 

 

Die beharrliche Ex-Königin. In: Kikeriki, 11. Dezember 1890

N a t a l i e fuhr ums Morgenroth
Empor aus schweren Träumen,
Zur S k u p t s c h i n a geschwind, o Gott!
Nicht länger will sie säumen.

      der vollständige Text

 

 

Crispinische Verzweiflung in Nebelspalter 16 (1890)

Herr Crispi fuhr um's Morgenroth empor aus schweren Träumen
Und rief: "Ihr Redaktoren fort! nicht länger sollt ihr säumen,
Ich laß den Teufel an die Wand mir nicht von euch stets malen;
Er möcht' am Ende kommen und die Schulden - nicht bezahlen.
Die Schulden, die sich ausgedehnt zur staatlichen Misere
Von Nizza bis Sizilien, von da zum Rothen Meere,
Und diese habet einzig ihr, verdammte Redaktoren,
Wie Raben, Unglück krächzend stets, dem Volk heraufbeschworen."

      der vollständige Text

 

 

Traumbild in Altonaer Nachrichten 12. Dezember 1890

Lenore fuhr um's Morgenroth
Empor aus bangen Träumen!

altonaer nachrichten 12 december 1890

 

 

La Nation, 26 août 1890

La ballade de Bürger sera éternellement vrai :
     Les morts vont vite
C'était hier l'anniversaire de la mort de Félix Pyat, un des hommes les plus en vue du siècle.
Littérateur, homme politique, il a joué un très grand rôle. […]

 

 

Fünf Uhr Morgens. Alexander Girardi. In: Teplitz-Schönauer Anzeiger 18.10.1890

Damit soll aber durchaus nicht gesagt sein, daß ich ein Gegner der frühen Morgenstunde bin. Im Gegentheil — die frühe Morgenstunde ist, meiner Ansicht nach, eine der schätzbarsten Tageszeiten; nur darf man nicht gezwungen sein, aus dem Bette aufzustehen. Hinwieder wird sie jederzeit einen großen Genuß gewähren, wenn man, ums Morgenroth aus den bekannten schweren Träumen emporfahrend, sich allmälig mit dem Bewußtsein durchdringt, daß es ja noch viel zu früh sei, sich von Neuem fest in seine Decke wickelt, sich auf die andere Seite seines Kopfkissens legt und langsam sich wieder in das Traumland zurückbegibt, aus dem man gekommen.

 

 

Ein Kasino in Leitmeritz. Leitmeritzer Zeitung 11.1.1890

Auf meine Bemerkung hierüber entgegnet er: „Famos!— wenig Tänzer! — Die eine Flanke r e c h t s", und mit einem Blick deutete er auf die Reihe der rechts sitzenden Damen, „habe ich schon durch; mit j e d e r g e t a n z t, d r e i m a l h e r u m! J e t z t w i r d d i e l i n k e F l a n k e w e g g e p u t z t!" Und schon stand er vor der ersten Dame des linken Flügels, verbeugte sich, und Hurre, hurre, hop, hop, hop! fort giengs in sausendem Galopp" u. s. w.

 

 

Ueber die technischen Umwälzungen in der Landwirthschaft. In: Berliner Volks-Tribüne : social-politisches Wochenblatt, Wochenausgabe 14.6.1890

Ein zweites Abschenbrödel war vor zehn Jahren noch die Thomasschlacke, welche als werthloser Abfall bei dem Entphosphorisiren des Eisens mittels kalkhaltiger Stoffe übrigblieb; bald erkannte man jedoch ihren Werth als Düngemittel, und es erhob sich ein allgemeines Verlangen nach derselben, wodurch schließlich eine ungerechtfertigte Preissteigerung derart entstand, daß die Landwirthe dem„Thomasring" einen allgemeinen Streik entgegenzusetzen im Begriff waren. Jetzt hat man von beiden Seiten nachgegeben, sodaß man wie in Bürgers Leonore sagen kann:
  Schultz-Lupitz und der Thomasring,
  Des wüsten Haders müde,
  Erweichten ihren harten Sinn
  Und machten endlich Friede!

 

 

Balkanländer. In: Berliner Volksblatt : Organ für die Interessen der Arbeiter, Tagesausgabe 17.4.1890

Serbien. Aus Odessa wird der „Daily News" telegraphlrt, die Königin Natalie habe an ihre dort lebende Tante geschrieben, daß die Regenten ihr endlich hauptsächlich infolge der Unterstützung durch den Zaren gestattet hätten, selbst die Erziehung ihres Sohnes zu leiten; sie habe den Regenten wiederholt darüber Vorstellungen gemacht, daß sie den Leuten erlaubten, in Gegenwart des Königs zu rauchen und zu trinken.— 
  "Der König und die Königin
  Des langen Haders müde,
  Erweichten ihren harten Sinn
  Und machten wieder Friede".
Der König Milan und die Königin Natalie wollen sich wieder versöhnen und dann zusammenwohnen.—Die Kundgebungen auf den 1.Mai sind verboten.

 

Die Reform. Ein Volksblatt 05.09.1890

Bürger's "Lenore" kondensiert.


Lenore träumt viel,
Weil Wilhelm mobil.
Krieg aus,
Einzug zu Haus !
Wilhelm bleibt weg;
Lenoren's Schreck !
Der Lieutenant todt,
Lenore in Noth.
Mutter erschrickt,
Lenore verrückt,

Um Mitternach
Kommt Wilhelm sacht,
Holt auf dem Rapp'
Lenore ab ;
Reiter schnell,
Fix zur Stell' !
Aber bald
Bette kalt !
Morgenroth -
Lenore todt !
  E. K. im Schalk

 

                           70 / 06.12..2021